Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2017)

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DerSchweiger
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@derschweiger

Allied – vertraute Fremde

Als ich voriges Jahr den Trailer sah, dachte ich – der könnte was werden. Danach habe ich ihn völlig aus den Augen verloren, bis er mir gestern via Prima empfohlen wurde.
Ja, dann nutze ich doch mal die Gunst der Stunde…

Inmitten des zweiten Weltkriegs begegnen sich Max (Britischer Geheimdienstoffizier) und Marianne (französische Resistance-Kämfperin) zu einem Auftrag der Alliierten in Casablanca.
Zunächst ist es oberste Aufgabe, das Bild des frisch verheirateten Paares zu vermitteln, was insbesondere Max anfänglich schwer fällt.
Nach Abschluss der Mission beschließen beide, dass es für sie zwei noch nicht zu Ende ist und heiraten. Kurz darauf bringt Marianne die gemeinsame Tochter zur Welt.
Für Max und Marianne ist das Leben nun beinahe vollkommen, da erhält Max die Nachricht, dass Marianne mit sehr großer Gewissheit eine Spionin aus Deutschland sei. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, müsse er für ihre Exekution sorgen.
Max treibt es nun dahin, die Wahrheit herauszufinden und im Idealfall Mariannes Unschuld zu beweißen.

„Allied“ ist oftmals schön in Szene gesetzt. Sprachlich authentisch (ein Großteil der ersten Filmhälfte erhält französische Dialoge) und ein Paar, dem man die Liebe einfach glauben muss – denn zu sehen ist sie nicht.
Hier hat der Film eine leider allzutypische Krankheit – Aussehen allein ist nicht alles, wenn die Chemie nicht stimmt, langt es bestenfalls für Szenen eines Rosenkriegs.
Ich wage hier mal den (vielleicht mutigen) Vergleich mit „Amerikanisches Idyll“. In beiden Filmen wird die Liebe eines Mannes geschildert und bebildert, ehe er in wachsender Verzweiflung versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen und trotz aller Umstände noch immer an die Unschuld und Unversehrtheit der „Geliebten“ (Ja, im Idyll ist es die Tochter..) zu glauben.

Ewan McGregor gelingt dort, was hier Brad Pitt zu keiner Sekunde in den Sinn kommt.
Mimik, Emotionen, Mut zu Schwäche.
Hier natürlich auch wieder Vergleich mit Äpfel und Birnen – vielleicht hatte Mr. Pitt im Gegensatz zu McGregor keine Lust auf den Film (oder schlimmer – auf die Filmpartnerin), was eben dieses Ergebnis nachvollziehbar macht.

Die Kälte und Distanz zwischen Pitt und Cottilard ist im Rahmen der Scheinehe in Casablanca absolut nachvollziehbar und gut umgesetzt – in der späteren Biografie der Beiden jedoch völlig frei von Gefühl und Tragik erzählt.
Zwar setzt Max im Film einige Hebel in Bewegung um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, keiner davon scheint legal oder frei von Misserfolgen, aber es plätschert, plätschert, plätschert…
Und als die Wahrheit ans Tageslicht kommt, ist einem eh alles egal.

Schade, denn hier hätte mit etwas mehr Mut zum darstellendem Spiel und möglicherweise noch dem ein oder anderen Spannungsheber während der zweiten Hälfte des Films (merkwürdigerweise schläft man beinahe ein, obwohl der eigentliche Teil der Geschichte nun erzählt werden will) ein guter Spionagefilm zu Zeiten des 2. Weltkriegs erzählt werden können.

Wir sehen jedoch Pitt und Cotillard nebeneinander spielen und wissen, dass sie sich nach Feierabend auf kein gemeinsames Glas verabredet haben können.
Schöne Bilder, alles andere eher Mittelmaß.

5,5/10