Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2017)

Homepage Forum Community Small Talk Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2017) Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2017)

#129226
Profilbild von DerSchweiger
DerSchweiger
Community Mitglied
Beiträge: 451
@derschweiger

The silent Man

Erzählt wird die Aufdeckung des „Watergate“ Skandals, der Präsident Nixon zum Rücktritt zwang, aus Sicht des FBI. Beleuchtet wird hier „Deep Throat“, der Whistleblower, von dem die Reporter des Washington Post detaillierte Berichte und Hintergründe zu den Ermittlungsergebnissen des FBI erhielten.

Nachdem Liam Neeson zuletzt weniger durch Charakterrollen aufgefallen ist, war die Umstellung, ihn in einem unaufgeregten Film zu sehen anfangs nicht unerheblich.
Als Mark Felt am Telefon erfährt, dass nicht er, sondern ein Bürokrat des Weisen Hauses den Posten des jüngst verstorbenen FBI-Chefs Hoover erhält, vermutet man schon Waffenklirren und gezückte Pistolen… ;)

Abseits dessen erhalten wir einen äußerst objektiven, an Fakten angelegten Politfilm, der im Grunde keine Höhen und somit auch keine Tiefen erhält (sofern man ihn im soliden Mittelmaß ansiedelt). Wer Spannung und Thrill anhand von Bildern vermittelt haben möchte, wird hier gänzlich auf der Strecke bleiben. Jeder Spannungsmoment spiegelt sich ausschließlich in den Dialogen der Darsteller wieder.
Großes Theater – vielleicht aber etwas mau für die große Leinwand.

„The silent Man“ ist (in meinen Augen) ganz klar darauf ausgelegt, eine wichtige Rolle bei der nächsten Oscar-Verleihung spielen zu können. Zumindest ist der Wille daran jederzeit zu spüren.
Da Mark Felt im äußersten Maße patriotisch erscheint und seine Familie jederzeit seiner Arbeit unterordnet, wird er vermutlich mehrfach in der Nominiertenliste auftauchen.

Stimmen werden laut, die Liam Neeson in seiner stärksten Rolle seit „Schindlers Liste“ sehen – kann sein, aber weder Film noch die (äußerst biedere) Darstellung des Mark Felt lassen mich diese Einschätzung teilen.
Liam Neeson spielt gut, keine Frage – aber die Rolle des in sich gekehrten, eigensinnigen und doch zu allen Mitteln bereiten Menschen, kennen wir aus anderen Filmen in ebensolchen Facetten. Hier fehlen bloß o.g. Waffen und Kraftausdrücke.
Explodieren darf auch nichts… ;)

Nicht falsch verstehen: The Silent man ist gut, eine Art Film, die ich gerne schaue. Für mich war er um die Uhrzeit (23:30) dann doch zu kopflastig, als dass ich ihn in Gänze hätte genießen können.
Verglichen mit anderen großen Würfen die jene Zeit beleuchten („Die Unbestechlichen“ oder auch das Biopic „J.Edgar“) sind diese um Welten wichtiger und inspirierter.
Vielleicht ist das größte Dilemma hieran, dass nicht jede wichtige Figur des wahren Lebens eine große Figur der Kinolandschaft sein kann. (Ähnliches durfte Kurt Russell in „Deepwater Horizon“ präsentieren)

Im Grunde sind es Top Voraussetzungen für einen großartigen Polit-Thriller. Da hier aber gänzlich auf Thrill verzichtet wird, taugt der Film als bessere Variante der zeitgeschichtlichen Filme auf HISTORY.
Eigentlich gute Unterhaltung, jedoch auch gemessen an vergleichbaren Filmen zu diesem Thema, mäßiger Durchschnitt.

5/10, die sich für mich persönlich jedoch besser anfühlen als es die Bewertung erlaubt.