Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2017)

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DerSchweiger
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@derschweiger

Patti Cake$ – Queen of Rap

Ja ja, wenn der gute Nils in der Gießener Sneak glaubt, spoilern zu müssen…. „in einem Saal läuft Fak ju 3 und im Anderen Saw XXIV (mehr oder weniger)“… meine Stimmung war plötzlich gen null.

Es wurde „Pattie Cakes“ und ich bin, ehrlich gesagt, gar nicht sicher, was ich da gesehen habe.
Ist es ein Drama? Satire? Komödie? Szenenportrait?… puh, egal was: es ist gruselig.

Patricia Dombrowski (wenig liebevoll in der Rap-Szene „Dumbo“ genannt) liebt und lebt den Rap. Nicht den seichten, kuscheligen HipHop, sondern den beleidigenden und respektlosen Gangsta-Rap.
Dass sie dabei absolut nicht in das Rollenbild der „Bitch“ passt, erschwert es ihr, den erhofften Respekt zu erhalten.
Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter lebt sie in einer kleine Bude. Sie wissen nicht wo sie Geld herbekommen sollen und zu allem Überfluss ist Oma schwerst krank und das nötige Geld für die Behandlung fehlt an allen Ecken und Enden.
Weil es das Leben mit allen drei nicht sehr gut zu meinen scheint, ist die Mutter nebst Alkoholproblem noch depressiv. Tochter Pat begegnet ihrer Umwelt mit Sarkasmus und großer Klappe.

Ihr großer Traum ist es, in den Olymp des Rap aufzusteigen, bzw. einen Beitrag zur Szene beisteuern zu können. So gibt es Versuche zur Demoaufnahme im Drogenkeller, Tracksessions in einer Bruchhütte im Wald und plötzlich bekommt sie die Gelegenheit, ihrem großen Idol OZ zu begegnen. Wird er ihr „Talent“ erkennen und fördern können?

Der Film beginnt höchst surreal, dann extremst ungeschönt real (die rappende Pat mit Pu**y Content im Bad und sonstigen genital Metaphern auf der Toilette sitzend), dann wieder ins Reich der Phantasie abdriftend.
„8 Mile“ lässt grüßen, doch damals meinte es Slim Shady äußerst ernst, wollte seinen Aufstieg in ein, für weiße Jungs im Grunde „verbotenes“, Gebiet schildern.
Es war nicht Oscarverdächtig, aber es war ein solider Film.
Patty Cakes teilt in erster Linie zu keiner Zeit meinen Nerv für Musik (wobei ich auch Alben von Wu-Tang, Cypress Hill und Konsorten im Regal habe), zudem zeigt sie sich in Battles arg talentfrei (so stelle ich mir die langweilige Form des Poetry-Slam vor), was mir das ständige Gelaber über ihr überirdisches Talent völlig sinnfrei erscheinen ließ. Inhaltlich kann ich den Texten ohnehin nicht folgen. Beleidigungen, Erniedrigungen und möglichst viele Worte für den Genitalbereich des „Gegners“ zu texten ist nicht unbedingt meine Welt.
Nun gut, das gehört wohl zur Szene und ist dementsprechend als „true“ zu bewerten.

Gemeinsam mit ihrem etwas talentiertere Freund Jheri und dem krassen Außenseiter („Ihr seid alle Schafe – wacht auf, wacht auf, wacht auf, wacht auf….“ —gähn—-) Basterd soll eine krasse Combo geschaffen werden, die den Untergrund des Kaffs aufrütteln soll.

Dies alles geschieht in einer Form der Filmunterhaltung, die ich nicht so richtig verstehe. Während ich die Attitüde eines „Captain Fantastic“ nicht teilen, aber verstehen kann, fehlt es mir bei Patty Cakes vollends zum Durchblick.
Wenn ein Teil der Geschichte ernst erzählt wird, kommt als nächstes eine plump-dämlich-komödiantisch wirkende Situation um die Ecke, gefolgt von einem vermeintlich dramatischen Schlag in die Magengrube.

Das Interessanteste am Film ist dabei die Geschichte um die depressive Mutter, die betrunken in einer schmutzigen Bar singt, grölt, sich auf der Theke räkelt und am Ende vom Abend mit einem möglichst fremden Mann im Bett landet.
„Gönnst du mir kein Glück?“, fragt sie Patty bei einer der vielen Auseinandersetzungen. Nein, Glück gönnt hier niemand jemanden – mit Außnahme von Jheri vielleicht noch, der keine Kosten und Mühen scheut, um den gemeinsamen Traum eines Tapes erfüllen zu lassen.
Inhaltlich schrecklich belangloses „Vom Tellerwäscher zum Millionär (??)“ Drehbuch, abstrakte Szenerien inmitten derber und schmutziger Umgebung (hierfür einen Pluspunkt. Die Hoffnungslosigkeit der Bewohner des „vergessenen“ Nestes ist gut eingefangen), dämliche, groteske und penetrant nervige Szenerien geben sich hier die Hand.

Vielleicht ein Film für HipHop Chicks und Bitches, die einen ähnlichen Traum verfolgen und Patty in jeder Sekunde folgen können… vielleicht auf für krasse Checker, die mal „fett“ über Dumbo lachen wollen…
ich finde keine Worte.
Bridget Everett wird für ihre Rolle als eine der stärksten Frauen im Kino des Jahres 2017 genannt… vielleicht als eine der Mutigsten (den Mut, sich derart bloßzustellen muss man mal haben). Ohrwurmfreier Rap-Up Streifen, der jedoch an zwei, drei Stellen durchaus Hinseh-Charakter hat (Das Drama um Mutter und auch Siddharth Dhananjay als Jheri erscheinen sympathisch und authentisch)

Mitfiebern? Mitnichten!
2,5/10