Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2018)

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DerSchweiger
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@derschweiger

The Terror

Eine Serie über die Franklin-Expedition aus 1845, in der man versuchte, zum ersten Mal die Nordwest-Passage zu durchsegeln und noch unerschlossenes Land zu kartografieren.
Bis heute ranken sich viele Rätsel um diese Expedition, ob die Serie jedoch tatsächlich versucht, diesen Fragen auf die Spur kommen, bzw. unterhaltsam Theorien aufzustellen, sei mal dahingestellt.

Die erste Folge ist großartig. Klaustrophobisch, dreckig, mit den Gewalten der Natur ringend und tatsächlich sah man die Männer mal frieren. Als die beiden Schiffe Erebus und Terror dann im Packeis stecken bleiben fällt der erste packende Punkt flach. Die Weite und Leere der Arktis wird zwar großartig in Bildern umgesetzt, ab hier setzt man (meiner Meinung nach) jedoch leider auf das falsche Pferd.
Die Gefahr lauert nämlich nicht (allein) unter den gestrandeten Männern (so ein Lagerkoller ist schon übel, da kann allerhand passieren, und dann kommt noch der Hunger dazu) – das Grauen lebt im Eis.
Eigentlich schade und ab Folge 2 war da ein leichtes innerliches Zusammensacken bei mir zu spüren. Warum denn bloß damit um die Ecke kommen?
Mag sein, dass die Literaturvorlage das selbe Thema bedient, mir fehlt da jedoch der etwas aufgeklärte Umgang mit dem Thema, wohl wissend, dass die Herren damals einen anderen Wissenhorizont hatten.
Wer es gesehen hat, mag ahnen worauf ich hinaus möchte.

Nichtsdestotrotz weiß „The Terror“ in vielen anderen Dingen zu überzeugen. Die Darsteller sind klasse ausgewählt. Zwar bleiben Spannung und Mitfiebern auf einem überschaubaren Niveau, dafür sind einige Zusammenhänge und Wirkungsstränge stets plausibel und gelegentlich für den Zuschauer schonungslos dargestellt.

Mir persönlich wird hier etwas zu viel mit Rückblenden gearbeitet – die braucht es tatsächlich nicht. Motivation und Argumentation der handelnden Personen ergibt sich wahlweise aus ihrem Rang oder wurde in Dialogen geschildert. Diese Art Lückenfüller hat das ohnehin wenig hohe Tempo noch etwas mehr gezügelt.
Dabei ist die Beharrlichkeit in der Erzählweise gar nicht mein Kritikpunkt – ich mag es, wenn es schlüssig dargebracht wird.

„The Terror“ ist gut, sicher eine der besten Serien, die ich in diesem Jahr schauen konnte/wollte, aber leider bleibt das Übersinnliche übersinnlich und – wie @sascha74 einmal anmerkte – die Kälte kommt ab Folge 3 gar nicht mehr als Gegenstand der Gefahr rüber. Da ist etwas Luft nach oben, nach unten aber glücklicherweise noch viel mehr.
Ein Geheimtip allemal, schön anzuschauen!
Warum man nun „The Terror Season 2“ ankündigt und es so gar nichts mit dieser Serie zu haben soll, erschließt sich mir nicht.
Sei´s drum:

7/10