Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2024)

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DerSchweiger
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@derschweiger

Das Erwachen der Jägerin

Helena ist die Tochter des berüchtigten „Marsh-King“, der einst ihre Mutter in die Wildnis entführte und dort die gemeinsame Tochter naturnah aufzog.
Heute lebt sie unter falschem Namen mit ihrem Mann und Tochter abgelegen einer gemütlichen Ortschaft. Vorsicht ist geboten, denn der Vater gelobte einst vor der Verhaftung, wieder für sie da sein zu wollen.
Als ihm nun die Flucht beginnt, muss sich Helena ihrer Vergangenheit stellen um ihre Familie zu schützen.

In den wöchtenlichen Trailern der Sneak hatte man das Gefühl, hier könne „die Wutz“ rennen. Irrer jagt liebenswerte Familie – oh je, hoffentlich geht alles gut.
Der Film entpuppt sich dann jedoch als grundlegend anders.

Hier liegt nun ein Film vor, den ich beim Sehen eigentlich mögen wollte. Trotz „Star Wars“ habe ich keine grundsätzliche Aversion gegenüber Daisy Ridley und freute mich, sie nun womöglich bodenständig und ohne Superkräfte anzuschauen.
Leider aber trifft der Film einige unglückliche Entscheidung in Punkto Rückblenden, Spannungsaufbau, Charaktertiefe und Zuschauerbindung.
Einige Bereiche des Films für sich hätten gut gelingen können – etwa das Einleben in die moderne Zivilisation, die das Waldkind erleben musste. Der Spagat zwischen Naturverbundenheit und leben in der Moderne hätte ohne klimatischen Zeigefinger (der hier glücklicherweise nicht erhoben wird!) schöne Momente bereit halten können.
Oder man macht es so, wie es der Trailer suggerieren möchte: Irrer will sich seine Tochter schnappen, die nun ihrerseits ihre Familie zu beschützen versucht.

Beides ineinander zu vermengen ist schwierig, und das vorweggenommene Fazit: Es gelingt nicht.
Mit 110 Minuten ist der Film gar nicht mal so lang, aber er fühlt sich deutlich länger an. In einigen Momenten genieße ich die Zeit, die man sich nimmt. Leider werden die Elemente, die hier ausgebreiet werden, beliebig wiederholt. Das Besondere des Moments geht dadurch verloren und man ertappt sich beim milden Gähnen.

Schauspielerisch weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll. Mendelsohn als Vater und Ridley als Tochter kann man grundsätzlich das Talent nicht absprechen. Fraglich ist, ob die Vorlage denn überhaupt mehr zulassen konnte.
Die Motivation lässt sich im Grunde nicht ergründen (OK, ist häufig so, wenn Verrückte Straftäter ihre Welt erklären), die notwendige Bindung an den Zuschauer mit (individueller) Plausibilität der Tat hätte gut getan.
Dazu – und wen wundert es überhaupt noch? – sind die Dialoge teils zum Auflachen.
Dazu lässt das Drehbuch Helena einige sehr dummdämmliche Dinge machen, bei der ich mich fragte, ob sie die Gefahr nicht doch hervorbeschwören möchte.
Angeblich nicht, also muss man diese Handlungsebene schlicht als dumm benennen.

Grundsätzlich ist das Gerüst der Geschichte nicht zwingend auf Logik aufgebaut, aber man könnte es ja verzeihen, wenn dieser Umstand Spannung erzeugen könnte. Tut er leider auch nicht.
Der Showdown wird auch merkwürdig zerstückelt und in die Länge gezogen – 100 Rückblenden inklusive.

Man, echt schade.
Hätte man sich vorher Gedanken darüber gemacht, was man denn zeigen wolle…
20 Minuten mehr Laufzeit, und er würde sich prima in den Katalog der aufgeblasenen und nichtssagenden Filmchen auf Netflix einreihen.
Für das Kino schlicht zu dürftig, im Rahmen der Sneak allerdings noch wohlwollend zur Kenntnis genommen.

4/10