DerSchweiger

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    Der Goldene Handschuh

    Meine Herren, was war das denn??
    Ich kann mich noch erinnern, wie ich zum Start des Films in die Kinos einige Interviews des Regisseurs und des Hauptdarstellers gesehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war mir die „Lust“ an dem Film vergangen. Zugeben muss ich außerdem, dass er mich also deutsche Produktion zum Thema „Serienmörder“ völlig kalt gelassen hat.
    Was will man uns hier schon bieten?…

    Vor ein paar Wochen habe ich dann aber doch eher zufällig gesehen und wurde schon beim Schauen in die Sofakissen gepresst.

    Fritz Honka lebt ein von Alkohol und Einsamkeit geprägtes Leben in einer Dachgeschosswohnung im Hamburger Stadtteil Ottensen. Schielend, buckelnd und mit einem Sprachfehler behaftet scheint sein Wesen mit Wut und Scham ausreichend beschrieben zu sein.
    Wir lernen Fritz in dem Moment kennen, in dem er Gertrud Bräuer ermordet. Fortan sehen wir ihn trinkend, pöpelnd, obdachlose „Prostituierte“ anbaggernd im „Goldenen Handschuh“ sitzen – eine Kneipe in St.Pauli.
    Die gesamte Szenerie ist trostlos, abschreckend, teilweise widerlich und mit Worten nur schwer zu beschreiben.
    In dieser Kneipe trifft sich ein Mikrokosmos aus vergessenen, verlorenen und nicht tageslicht tauglichen Gestalten. Ihre gesellschaftliche Lage als „hoffnungslos“ zu schildern, würde ihnen womöglich schmeicheln.
    Einige Jahre vergehen, in denen wir Honka beim Versuch beobachten, trocken zu werden (bzw. zu bleiben) und wie er sich in eine hübsche, gleichaltrige Kollegin verliebt.
    Doch weitere Damen werden ermordet, zerstückelt und hinter einer dünnen Holzwand versteckt.

    Kritisiert wird Regisseur Fatih Akin in erster Linie dafür, Honkas Werdegang zum ersten Mord und damit die Begründung seiner persönlichen wie sexuellen Störung nicht zu erklären.
    In meinen Augen aber handelt Akin hier goldrichtig. Auch wenn hier ein klassischer Fall von „schwere Kindheit, der kann doch eigentlich nix dafür“ vorliegt, wird das keines seiner Opfer und möglichen Angehörigen als Entschuldigung akzeptieren (soweit sollte das auch irgendwie logisch sein).
    Honka wird in seiner selbstzerstörerischen, ausweglosen Tätigkeit als Trinker, Sadist und „Schlappschwanz“ gezeichnet, in der man ihm zu diesem Zeitpunkt begegnet wäre.
    Eben dies wird ihm zum Vorwurf gemacht – er habe Honka und auch dessen Opfern keinerlei Würde gelassen. Das zu beurteilen, mag dem Zuschauer überlassen sein. Mir hat dieses radikale und ungeschönte Zeichnen der Ereignisse zugegeben arg zugesetzt, doch macht es den Film gleichermaßen wertvoll.

    Gelockert wird die Szenerie von einer sehr vagen Nebenhandlung, in der ein junger Mann seine Herzdame zu erobern versucht und glaubt, ihr als Draufgänger imponieren zu müssen. Dies geschieht u.a. bei einem Date im „Goldenen Handschuh“.
    Hier hatte Heinz Strunks Buchvorlage wohl einen größeren Nebenplot aufgeboten, der durch das Auftreten dieser beider Figuren immerhin eine Referenz erfährt.

    „Der goldene Handschuh“ ist nichts für zartbesaitete – nicht, weil das Blut in stömen fließen würde, sondern weil Honka und dessen Morde ungleich schmutzig und ungeschönt in Szene gesetzt werden. Dazu jedwedes Fehlen an Empathie und Sympathie gegenüber dem „vom leben geprügelnden Hund“.
    Neben Akin´s Regie ist natürlich noch Jonas Dassler als Honka hervorzuheben. Was er – gleichwohl mit der großartigen Maskenabteilung – zu leisten imstande ist… Hut ab!

    8,5/10

    #153746
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    Philip K. Dick´s Electric Dreams

    10 unabhängig voneinander stehende Episoden aus dem Sci-fi Universum, wie wir es schon von der „Twilight Zone“ oder (eben moderner) bei „Black Mirror“ erleben können.
    Der Vergleich zu beiden Serien ist absolut berechtigt, spielt „Electric Dreams“ jedoch nie in der Klasseliga einer Twilight Zone, reicht aber an das Niveau der „Black Mirror“ durchaus heran.
    Um bei 10 Folgen dann auch den Eindruck zu hinterlassen, etwas Gutes gesehen zu haben, sollten mal mindestens die Hälfte der Episoden eine Wirkung hinterlassen, der über den Abspann hinaus geht.

    Dies gelingt dem „Electric Circurs“, zumindest bei mirm nur bei zwei Folgen. Trotz großer Namen in einigen Episoden zieht das Konzept „Böse Zukunft“ nicht. Immerhin: Entgegen weitläufiger Meinung hielt ich hier die dargestellten Personen in einigen Teilen „lebhafter“ als die ständig depressiven Querdenker aus „Black Mirror“.
    Das hilft aber auch nur wenig, wenn die Storys wirklich wenig zu liefern haben. Vergleiche ich das mit Episoden aus der klassischen „Twilight Zone“, so hatte man damals in knapp 30 Minuten mehr verblüffendes zu erzählen, als diese langatmigen Episoden hier.
    Einzig „Der Pendler“ hätte mit einer abgespeckten Fassung in ähnlicher Form der „Twilight Zone“ angehören können. Dazu noch „der unmögliche Planet“, die mir merkwürdiger Weise trotz der simpelnsten Story aller 10 Episoden nach dem „Pendler“ am besten gefällt.

    Immerhin – und das empfinde ich tatsächlich als Wohltat – wird hier nicht in jeder Folge ein Chip im Menschen „beworben“.

    5/10

    #153742
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    Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile

    Gezeigt wird hier der Werdegang Ted Bundy´s ab seiner ersten Verhaftung im Jahr 1975. Was als Ordnungswiedrigkeit wegen zu schnellem Fahren und Überfahren mehrerer Stop Schilder beginnt, endet als Prozess um einen der größten Serienmörder der USA.
    Zum Ende konnten ihm 30 Morde nachgewiesen werden, die befürchtete Dunkelziffer macht aber eine Summe von 60 bis 100 aus. Einige seiner Opfer konnten (teilweise schwer verletzt) entkommen.

    Bundy indes bekennt sich ab Tag 1 vor Gericht als Nicht-Schuldig. Nachdem er sich mit seinem Anwalt überwirft, besteht er darauf, sich selbst zu verteidigen. Die hierdurch gewonnenen körperlichen Freiheiten (Frei von Fesselpflicht, freier Zugang zur Gerichtsbibliothek) ermöglicht ihm die Flucht.
    Kurz darauf wird er dennoch aufgegriffen, entkommt aber ein zweites Mals aus dem Gefängnis.
    In Folge ermordet er drei weitere Frauen, ehe er letztmals aufgegriffen und zum Tode verurteilt wird.

    In diesem Film geht es jedoch weniger um die Morde an sich, sondern um die Selbstinszenierung Bundys vor Gericht und vor der Presse. Nebenher erfahren wir, wie sich Bundys Lebensgefährtin fühlt, nachdem sie gegenüber der Polizeit die Vermutung äußerte, den gesuchten Frauenmörder zu kennen und möglicherweise hierdurch einen unschuldigen Menschen in die Todeszelle schickte.

    Hier hat man den Ansatz gewählt, die Morde nicht darzustellen (mit Ausnahme einer Rückblende zum Ende des Films) und stattdessen ein halbes „Gerichtsdrama“ um seine Person zu inszenieren.
    Im Grunde ein positiver Ansatz, hat das öffentliche Tammtamm Bundys in den Medien tatsächlich die Gemüter bewegt. Aber irgendwie ist es doch zu seelenlos, zu plotarm und frei von jeglicher Emotion gedreht.
    Zac Afron als Ted Bundy ist optisch die nahezu perfekte Wahl! Insbesondere in den 1:1 nachgestellten Szenen vor Gericht macht man hier einen tollen Eindruck.
    Drumherum aber plätschert zu viel den Bach herunter. Warum Bundy zu jener Zeit trotz erdrückender Beweise dennoch massenhaft junge Frauen vor dem Gerichtsgebäude in Wonne schreien lassen konnte, wird durch die dann doch eher eindimensionalen Darstellung nicht wirklich greifbar.

    Die Idee, dem Serienmörder mit expliziter Darstellung seiner Morde keine weitere Bühne zu bereiten, finde ich grundsätzlich ok. Die Szenerien vor Gericht hatten auch sicher Potential, sich mit Bundys Verführungskünsten und Blendereien auseinanderzusetzen, aber dafür wird zu oft die „Der sieht doch aus wie Bundy, das muss genügen“-Karte ausgespielt.
    Sehr schade.

    P.S. Metallica Frontman James Hetfield bietet hier als Officer Bob sein Schauspieldebut. Nette Randnotiz, was den Film in keinster Weise zu einem Must-See macht.

    4/10

    #153741
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    Chernobyl

    Eine Serie, die tatsächlich sehr viel sehr richtig macht.
    Zur Zeit des Unfalls war ich Grundschüler und kann mich noch recht gut an die Ängste der Menschen um mich herum erinnern. („Raus aus dem Sand!“)
    Außerdem zu wissen, welche Ursachen die Katastrophe mit sich zog, macht das Schauen der ersten Folgen besonders unangenehm.

    Nehmen wir diese sehr persönlichen Eindrücke zur Seite, sehen wir eine Serie, die wenig künstliches Drama aufbaut, oftmals die richtigen Bilder in großartiger Form wiedergibt und die schauspielerisch (zumindest im Haupt- und engeren Nebencast) wunderbar besetzt ist.
    Nur ganz selten schlägt man künstlerisch ein wenig über die Strenge (z.B. die in Sonnenstrahlen getränkte Frau des Feuerwehrmanns im Krankenhaus). Mit der letzten Folge bin ich mir aber nicht wirklich schlüssig. Für eine „spannende“ Anhörung gibt es zu wenig offiziellen Protest, für neue Erkenntnisse wurde in den Folgen zuvor bereits zu viel gezeigt. Sicher sind die folgenden Maßnahmen der Regierung einhergehend mit dem Prozess umso – nun ja – „ernüchtender“. Persönlich hätte ich diesen Abschluss aber nicht gebraucht, das „persönliche“ Ende des Protagonisten wird ja bereits in den ersten fünf Minuten der ersten Folge gezeigt. Aber das ist dieses Mal tatsächlich „Jammern“ auf hohem Niveau.

    Würfe mit Superlativen mag ich hier gefallen lassen, aber letztlich bleibt das Prädikat „Beste Serie“ doch auch immer subjektiv. Unter dem Strich hat man hier aber sicher eine Serie geschaffen, die Eindruck hinterlässt (sowohl filmisch als natürlich auch inhaltlich) und die irgendwann sicher gerne wiedergesehen wird.

    9/10

    #153692
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    The Outsider

    Fans von Stephen King, die ihr Kopfkino gerne im Kino oder TV verwirklicht sehen wollen, haben es zuweilen wirklich schwer. Von „richtig toll“ („Der Anschlag“, „ES 1“) bis „Auweia“ („Das Spiel“, „ES 2“) ist tatsächlich alles dabei, auch zwischendrin findet man Serien und Filme, die zumindest als nicht schlecht eingestuft werden können.

    Von seinen jüngeren Werken hatte es zuletzt „Mr. Mercedes“ ins TV gebracht, was zwei sehr ansehnliche Staffeln zum Ergebnis hatte (Staffel 2 [eigentlich der Abschluss der Romantrilogie] ist dabei sowohl filmisch wie schriftlich eher Quark). Hier lernen wir übrigens auch Holly Gibney kennen, die auch im Outsider auftauchen wird, aber…

    Im Wald wird die schrecklich zugerichtete Leiche des Jungen Frank gefunden. Augenzeugen und die übrige Beweiskette (Überwachungsbänder, Fingerabdrücke, DNA) führen zweifelsfrei zum Mörder: Dem allseitsbeliebten und unbescholtenen Lehrer und Trainer der Jugendbaseballmanschaft Terry Maitland. Aufgrund der vorliegenden Beweise werden auch schnell Protokoll und Vorgehensweise zur Verhaftung ungeachtet gelassen. Ermittler Ralph Anderson und Staatsanwalt Bill Samuels sind sich der Sache zu sicher.
    Was sie zu diesem Zeitpunkt aber nicht wissen: Terry Maitland war zur Tatzeit etliche hundert Meilen entfernt auf einem Lehrerkongress (mitsamt Beweiskette von Augenzeugen und TV Ausstrahlung der Podiumsdiskussion).
    Irgendwie dumm gelaufen, doch wie kann man jemanden unschuldig sprechen, wenn die Beweise doch augenscheinlich seine Schuld belegen?

    Zu viel möchte ich hier nicht preisgeben, Terry´s Werdegang im Roman war für mich sehr überraschend. Insgesamt möchte ich sagen, dass mir die erste Hälfte des Romans recht gut gefallen hat. Das Böse wird erahnt, ist aber nie greifbar – die vermeintliche Schuld an Frank´s Tot dagegen umso mehr.
    Im weiteren Verlauf treten noch einige weitere Figuren auf, die mehr und mehr Licht ins Dunkle bringen und das Ende eben zu einem Ende machen. (Leider ein grottig Schlechtes – sowohl im Buch als auch im TV)
    Dabei sind die ersten Folgen noch recht gut anzusehen.

    Dann aber krankt die Serie gehörig an den Schwächen der Vorlage. Für einen Krimi gibt es zu wenig zu rätseln, für Mystery passiert hier Vieles einfach zu Spannungsarm, für Horror fehlt die Angst/Bedrohung.
    Für Freunde der „Mr.Mercedes“ Reihe dann aber doch eine „nette“ Überraschung: Holly Gibney ist nun nicht mehr Holly Gibney. Nicht nur, dass man sich äußerlich an der neuen Ariel orientieren wollte, sondern auch in Schilderung ihrer Zwänge/Neurosen ist sie jemand anderes.
    Kann man machen, ist ja schließlich eine Nebenfigur, störte mich anfangs aber zugegeben sehr. Wenn dann auch der Regisseur schon sagt, dass ihm die literarische Vorlage der Figur wenig interessiere, dann versteht man in Folge doch ein wenig mehr.

    Aber auch fern dieses (persönlichen) „Aufregers“ war ich nach Folge 3 in Versuchung, die Serie aufzugeben. Kurz: Damit hätte ich aber auch herzlich wenig verpasst.
    Spannende Momente des Romans plätschern hier einfach daher, Aha-Effekte beim Herausarbeiten der Umstände, die zur Tat im Wald führten werden hier dann mal achselzuckend hingenommen. Leichte Gruselfaktoren („Der Mann sah aus wie Papa, hatte aber Strohhalme in den Augen“) kommen hier gar nicht vor.

    Für King Hardliner sicher eine Pflichtaufgabe. Ich bezweifle aber, dass sie damit glücklicher werden als mit der Neuverfilmung des Friedhofs der Kuscheltiere. Für Nicht-King-Fans gibt es gehaltvollere Serien, die einen Blick wert sind.

    (Vielleicht noch zu den Darstellern: Die meisten machen ihre Sache gut, aber fehlender Inhalt darf dann nicht zu sehr gelobt werden)
    4/10

    #153690
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    Lockdown – Die Stunde Null

    Die deutsche Antwort auf „10 Cloverfield Lane“, und damit wäre im Grunde schon genug gesagt.

    Liv wacht nebst ihrem schwer verletzten Partner Lex in einem ihr fremden Raum auf. Es stellt sich heraus, dass sie sich nun in der Wohnung des Nachbarn Kurt befinden. „Draußen“ hat es einen Biowaffenanschlag gegeben und er konnte sich, sowie die zwei jungen Menschen gerade rechtzeitig retten.
    Da sie sich im Epizentrum des Anschlags befinden, ist ein Verlassen der Wohnung, geschweigedenn ein Öffnen der Fenster strengstens untersagt.
    Liv indes traut der Sache nicht über den Weg – da muss doch etwas faul sein…

    Sehr viele Zutaten ähneln / gleichen der aus „10 Cloverfield“, wobei die beste Nachricht zum Thema die Auflösung ist, denn es gibt hier keinen Alien-Angriff!
    Das wird allerdings schon recht zeitig klar, denn Kurt war vor der Katastrophe nicht faul (als Profi Verschwörungstheoretiker hat er die Wohnung natürlich zu einem Panic Room erster Güte verwandelt) und hat das gemeinsam lebend und nach Viren forschende Paar mit versteckten Kameras beobachtet.
    Warum? Weshalb?
    Trotz Kammerspiel und vermeintlich klaustrophobischer Atmosphäre wird man als Zuschauer nie in die Szenerie abgeholt. Die Charaktäre sind allesamt egal, die Motive aber immerhin weltlich.
    Ärgerlich, dass Kurt, der dieses Szenario „schon lange vorhergesehen“ hat, niemals Herr der Lage ist. Liv und Rex wurden allen Anschein auch nur deswegen gerettet, um sich gegenseitig Vorwürfe machen zu können… irgendwie ist die Sache nicht rund und das unverblühmte Abkupfern vom „Original“ erweckt hier ohnehin nie den Eindruck, mit Spannung um die Ecke kommen zu wollen.
    Sowas muss man wirklich nicht gesehen haben.

    2,5/10

    #153521
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    True Detective [Staffel 1]

    Man, man, man… warum habe ich das Teil nicht schon früher gesehen?
    Eine großartige Serie, die ihre Reizpunkte zumeist sehr souverän an den richtigen Stellen setzt. Die Chemie zwischen allen relevanten Rollen ist glaubhaft spürbar, die Handlung und die Tätersuche ist allermeistens spannend in Szene gesetzt.
    Sicher kommt für mich die Tatsache entgegen, dass ein okkult gearteter Mordfall in etwas andere Gefilde steuert. Die heutzutage obligatorischen Traumata, Störungen, Wahnideen von ermittelnden Protagonisten (selbst im „Tatort“ ist man nicht mehr frei davon) ist inzwischen ein alter Hut und sehr oft stört es mich, weil es die Möglichkeit bietet, eine dünne Idee zum Serienformat aufzublähen. Hier stört es aber zu keiner Minute – wohl auch darin begründet, dass Harrelson und McConaughey grandios abliefern! Dazu gibt es nur wenige relevante Nebenfiguren, denen Platz zur Entfaltung geboten wird (etwas, dass Staffel 2 völlig fehlt).
    Eine kleine Länge zur Mitte der Staffel und ein eher müdes Finale sind aufgrund des sehr starken Drumherums zu entschuldigen.

    Leider haben mich die beiden Folgestaffeln zu keinem Moment abholen können (vielleicht weil sie zu zeitnah am sehr starken „Opener“ geschaut wurden). Somit ist die Reihe an sich für mich nicht zwingend relevant, Staffel 1 als alleinstehendes Format aber saugut!

    8,5/10

    #153520
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    It follows

    Jay´s Date mit Hugh endet für sie recht suboptimal. Nach dem Genreüblichen Sex im Auto wird ihr offenbart, dass Hugh nun etwas an sie weitergegeben habe… Etwas wird ihr folgen, sie solle auf der Hut sein und sich nicht schnappen lassen. Besonders blöd an der Sache: Das Etwas taucht immer wieder als eine andere Person auf; man kann sich also nie sicher sein, ob es nun da ist oder nicht.

    Oft habe ich von diesem Film gehört (zumeist als Querreferenz zu „Hereditary“, da beide ähnlich hohe Erwartungen erzeugten aber dann doch eher die Meinungen der Filmfreunde spaltete), nun konnte ich ihn auch tatsächlich sehen.
    Die inzwischen 6 Jahre sieht man dem Film nicht an und seine Idee wirkt (auf mich) immer noch frisch und unverbraucht. Sicher gab es in den vergangenen zwei/drei Jahren einige Teenie-Horror Streifen, die versuchten ins selbe Horn zu blasen (Wahrheit oder Pflicht), die konnten aber sowohl darstellerisch wie atmosphärisch nicht hieran anknüpfen.
    „It follows“ finde ich über weite Strecken richtig gut. Leider gibt es auch ziemlich „blöde“ Patzer und das angeteaserte „ES kann als jemand auftreten, der dir nahe steht“ wird zu keiner Zeit ausgespielt.
    Das wird aber von einem schönen Ensemble überspielt, das kaum Klisches benutzen muss um eine Daseinsberechtigung im Film zu haben. Es fehlt der coole Macker, das blonde Dummchen, die ewig kreischende Freundin… es ist eine wahre Wohltat, sich mit den Figuren beinahe realtitätsnah bewegen zu können.

    Die Kritiken sprechen oft von wenig Spannung, wenig Horror, Langeweile. Ja, kann ich verstehen. (so, wie ich verstehe, dass jemand „Hereditary“ ablehnt oder „It comes at night“ großartig findet, obwohl ich jeweils anderer Meinung bin).
    Leider wird der Spannungsbogen nicht völlig optimal ausgespielt (vielleicht hätte es das Krankenhaus erst zum Ende gebraucht), aber die Handlung bleibt in ihrer Struktur schlüssig.
    Das Soundgwand hat im Kino sicher eine Menge Spaß gemacht, aber selbst abends bei gedämmter Lautstärke hat der Ton einigen Flair verbreitet.
    Gemessen am Aufwand und Ertrag spielt er für mich in einer Liga mit „Spring“. Schaue ich irgendwann sicher gerne nochmal.

    7/10

    #153519
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    Bn gespannt, ob und wie es weitergeht und ob hier im Forum noch andere „Picard“ gesehen haben.

    Ich habe die ersten drei Folgen recht zeitnah zum Release geschaut und bin nicht wirklich motiviert, weiterzuschauen. Dabei war meine Vorfreude seit letztem Herbst riesig – Picard, die klassische Sternenflotte… da kann man doch eigentlich nichts falsch machen! Leider doch.
    Steward ist weiterhin famos, alleine für ihn könnte man einschalten, wenn denn die Story, bzw. inhaltlich stimmige Motive geboten werden würden, aber was hier (bisher) gezeigt wurde, enttäuscht mich enorm.
    Wenn Sky das Entertainment Paket wieder abschaltet, werde ich möglicherweise zurückkehren. Meine Erwartungshaltung liegt indes nur noch knapp über Discovery :(

    #153003
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    Lady Business

    Mit Tiffany Haddish – eigentlich ist damit auch schon alles gesagt :/

    Mia (Haddish) und Mel (Rose Byrne – schon mal in „Plötzlich Familie“ gesehen) sind seit ihrer Jugend beste und unzertrennliche Freunde. Gemeinsam haben sie eine Kosmetikfirma ins Leben gerufen und mit dem Produkt „One night stand“ beachtlichen Erfolg gehabt. Leider sind die Verkaufszahlen rückläufig und Mia findet immer wieder Gründe, den Kundinnen tolle Rabatte anzubieten.
    Da kommt ein Angebot von Kosmetik Ikone Claire Luna (Schrecklich: Salma Hayek) finanziell gelegen. Der Haken an der Sache: Sie wird einen Keil zwischen Mia und Mel treiben wollen…

    Vielleicht spricht der Film ausschließlich Frauen an, die sich darüber beömmeln können, welches Make-Up wohl gerade gehypt wird und welches nicht, keine Ahnung.
    Das Beste an der Geschichte: Haddish zieht mal nicht nonstop Grimassen und ihr Fäkal- und Vaginalhumor kommt auch ein wenig gebremst daher. Zeit genug, sich also mit der Story (Hüstel) oder der Darbietung zu widmen.
    Sicher, Komödien laufen selten Gefahr, allergrößtes Schauspiel anzuschauen, aber häufig genug bekommt man schönen/lustigen Humor, skuril oder zumindest mit Herz gespielte Figuren… hier bekommt man alles vom Reißbrett. Charakterzeichung, Plotverlauf, Dialoge.. da steht das darstellende Spiel sämtlicher Beteiligten in nichts nach. Tatsächlich fühlte ich mich stellenweise von Byrne gar mehr genervt als von Haddish, und Sayek hat außer einem Scherz über ihre Oberweite nichts wohlwollendes zum Film beizutragen.

    Wäre dann vielleicht mit Situationskomik zu punkten? Ne, kein Platz dafür – es soll ja eine wichtige Botschaft vermittelt werden.
    Wie gesagt: Ich bin gewiss nicht Zielgruppe des Films, aber hin und wieder haben solche Filme ein Körnchen, dass der blinde Regisseur gepickt haben könnte. Hier ist davon aber weit und breit nichts zu sehen.

    Verwundert bin ich höchstens darüber, dass manche Menschen verwundert darüber sind, trotz (!!!) des Casts einen weniger guten Film gesehen zu haben…

    2/10

    #153002
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    Joker

    Das war sie eiso … meine 3. Sichtung des weiterhin für mich standhaft bestehenden Film des Jahres 2019.

    Joaquin Phoenix ist brillant, der Soundtrack ist Gänsehaut pur & die Story mit seinen fantastischen Bildern & Kameraeinstellungen inkl. dem bestem Ende einer Charakterstudie, die man sich nur wünschen kann. Einfach PERFEKT.

    Je öfter ich Joker sehe, desto mehr Faszination & Begeisterung weckt dieses Werk für mich persönlich !!!

    10/10 Joker für den Kinobesuch
    10+/10 Joker mit Originalton im Heimkino
    10/10 Joker mit dt. Ton im Heimkino

    Bleibt nur zu hoffen, dass sie von einer Fortsetzung absehen. Für mich hat das Ende viel Raum für Spekulationen gelassen und die Möglichkeit geboten, Batman ins Reich der Phantasie zu schicken.
    Bei dem großen Erfolg wird mein Wunsch aber sehr wahrscheinlich unerfüllt bleiben :/

    #152665
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    The Gentlemen

    Uh, Guy Ritchie ist zurück und liefert (quasi Back to the roots) eine Gangster-Komödie ab.
    Im Zuge dessen durfte ich oftmals lesen, dass Ritchie sowas wie der europäische Tarantino sei (bitte wie?!?).
    Hätte ich das geahnt, wäre ich vielleicht doch nicht in die Sneak gegangen ;)

    Mickey Pearson hat sich ein beachtliches Drogenkartell aufgebaut, möchte dieses nun aber für 400 Millionen Dollar verkaufen. Interessen hierfür gibt es zu Hauf, etwa den reichen Matthew – der tatsächlich die besten Chancen auf die Abwicklung hat – oder der harte Drogen produzierende Lord George.
    Doch mitten in diese Verhandlungsphase platzt eine Gang Unbekannter und zerstört einen Firmenstandpunkt Mickeys. Der Wert seines „Unternehmens“ droht dramatisch zu sinken – da scheint etwas faul zu sein.

    All die Wirrungen und Irrungen um diesen Fall erfahren wir von Fletcher, einem ermittelnden Agenten des größten Schmierblatts des Landes, im Zwiegespräch mit Mickeys rechter Hand Ray. Die Auflösung des Wer-war-es und warum-war-er-es möchte er gerne teuer verkaufen (recht witzig: In Form eines Drehbuchs).

    Nun haben wir hier einige namhafte Darsteller am Start, allen voran Matthew McConaughey und Hugh Grant. Dazu Charlie Hunnam, Eddie Marsan, Collin Farrell, Jeremy Strong, Henry Golding und Michelle Dockery.
    Klar, das Komödiantische macht hier und da Spaß, einige Charaktäre sind wirklich toll geschrieben / bzw. gespielt. Allen Voran Collin Farrell als Coach und Charlie Hunnam. Hugh Grant gefällt in einer für ihn unerwarteten Rolle, McConaughey allerdings lässt mich erneut ein wenig enttäuscht zurück.

    Insgesamt wirkt der Film auch nicht ganz gar auf mich. Klar, coole Typen, coole Dialoge, cooler Soundtrack, coole Sterbeszenarien… um den eingangs genommenen Vergleich mit Tarantino nochmal aufzunehmen: Ähnlich wie bei Tarantino empfinde ich das hier als stark gekünstelt und bloß auf „cool“ getrimmt.
    Die nötige Leichtigkeit, die noch in „Snatch“ zu spüren war, fehlt hier dann doch arg. Die zahlreichen Storytwists sind irgendwann ermüdend, weil vorhersehbar.
    Vielleicht etwas geradliniger und mit einem Hauch mehr Spannung hätte mir besser gefallen, aber dan wäre es wohl kein Ritchie, und genau hierfür wird er ja auch gefeiert.

    Die Bilder sind meistens schön gewählt, andere dann schrecklich im Comic-Hau-Drauf-Stiel in Szene gesetzt… und wo Tarantino mit Blut trumpfen will (weil ohne ist es ja kein echter Film), darf es bei Ritchie auch mal Erbrochenes sein… junge, junge :D
    Ersetzen wir den schrecklich uninspirierten McConaughey (man, was mochte ich sein Spiel in Interstellar!!) durch einen engagierteren Mimen, dann kommt vielleicht auch ein Schwung Sympathie mit ins Spiel. So gefallen hier die Nebendarsteller tatsächlich mehr als der Hauptcast.

    Insofern für Fans und jene, die endlich wieder einen klassischen Ritchie sehen wollten, vermutlich ein großes Ding. Für mich leider mehr Schein als Sein – auch wenn ich berücksichtige, dass es sich um eine Komödie handelt.
    Doch bei allem Gemoser, macht er an vielen Stellen Spaß und das will berücksichtigt sein:

    7/10

    #152662
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    Just mercy

    Walter staunt nicht schlecht, als er 1987 auf dem Heimwweg von der Arbeit von der Polizei angehalten wird.
    Ein prüfender Blick des Cops auf den Schwarzen und der Fall ist geklärt: Walter hat in einer Tankstelle ein 18jähriges Mädchen brutal ermordet.

    1989 fühlt sich der schwarze Harvard Absolvent Bryan Stevenson dazu berufen, zum Tode verurteilte Inhaftierte die Möglichkeit von juristischer Gerechtigkeit zukommen zu lassen, denn nicht jeder Insasse der Todeszelle ist tatsächlich eines Verbrechens schuldig.
    Nun befinden wir uns im amerikanischen Alabama, wo die Uhren auch zum Übergang in ein neues Jahrzehnt (dem letzten des vergangenen Jahrtausends – das darf man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!) vor dem Bürgerkrieg stehengeblieben zu sein scheinen.

    Während Stevenson sich die Akten der Todeskandidaten anschaut, stößt er auf mehr und mehr unsaubere Ermittlungsmethoden, bis hin zum Verurteilen ohne jedweden Beweis (bzw. dem Ignorieren handfester Beweise der Unschuld).

    137 Minuten lang nimmt uns der Film mit in eine Welt(anschauung), die nichts Neues, aber doch immer wieder Unglaubliches offenbart.
    In den Kritiken ist oft zu lesen, das Jamie Foxx fehlbesetzt sei – das sehe ich allerdings anders. Gut, einen Oscar hätte er wahrlich nicht erwarten dürfen, doch die Balance zwischen Kampfeslust und Ohnmacht bringt er oft gut auf den Punkt. Dagegen fiel mir Michael B. Jordan als Bryan Stevenson doch ein wenig Blutleer auf. Sicher, ein Neuling auf seinem Gebiet, der keine Angst hat, sich die Finger zu verbrennen – aber bei all den Hoch und Tiefs, die Stevenson in diesem Fall durchleben muss, hätte die eine oder andere Entgleisung seiner Standartmimik gut getan.
    Beiden Darstellern wird aber von jeweils zwei Nebendarstellern ordentlich die Show gestohlen:
    Rob Morgan als zum Tode verurteilter Ex-Veteran (Ehrenhaft entlassen), der sich eines Bombenanschlags mit Todesfolge zu verantworten hat und Tim Blake Nelson als Ralph Myers, der nicht unwesentlichen Anteil an Walter´s Inhaftierung hat, spielen großartig.

    Der Film selbst folgt routiniert seinen Vorbildern, um dann noch eine weitere Schleife zu drehen. Diese mag einigen Zuschauern etwas sauer aufgestoßen sein, doch so ist nunmal das Leben und mir hat diese Wendung durchaus gefallen.
    Der Ausgang der Story ist dann auch nicht ausgedacht sondern folgt wahren Begebenheiten.
    „Just Mercy“ folgt vielen Standards und muss daher über die Schauspieler und das Drehbuch mit guter Leistung aufwarten, um positiv in Erinnerung zu bleiben. Tatsächlich gelingen viele, beinahe beiläufige, Szenen sehr gut. In anderen Momenten wirkt der Film dann doch etwas zu kühl und rasch.
    Die Darsteller bewegen sich auf einem guten Niveau (genannte Ausnahmen fallen positiv auf) und lassen den Film dann auch etwas länger nachwirken als manch anderer Südstaaten-Rassen-Krimi.

    7/10

    #152478
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    Bombshell

    Nach ihrer Kündigung reicht die ehemalige Fox-News-Moderatorin Gretchen Carlson (Nicole Kidman) Klage wegen sexueller Belästigung gegenüber ihres ehemaligen Chefs Roger Ailes ein.
    Klar ist: Ailes lässt sowas nicht von sich sagen und will Carlsons Ruf in Frage stellen…. helfen würde es ihr, wenn sich weitere Frauen melden und sich ebenfalls als Opfer sexueller Nötigung bei FOX outen.
    Hier kommt Megyn Kelly (Charlize Theron) ins Spiel, die seit einem Jahr einen ordentlichen Spießrutenlauf innerhalt der Redaktion durchlaufen musste, nachdem sie Präsidentschaftskandidat Trump wegen seiner Frauenverachtender Aussagen zur Rede stellen wollte.
    Während der Skandal größere Runden zu drehen scheint, wird Nachwuchsmoderatorin Kayla (Margot Robbie) zum „Vorstellungsgespräch“ in Ailes´ Büro geladen.

    Während „Bombshell“ nun also ein Plädoyer gegen die Verhamlosung sexueller Anzüglichkeiten von (machthabenden) Männern gegenüber Frauen sein will, bekommt er doch promt den Oscar für die besten Frisuren und Make-up – Ironie kann manchmal so köstlich sein ;)

    Das Thema indes sollte natürlich nicht kleingeredet oder belächelt werden – allerdings holpert der Film im Bezug seiner Aussage und seines sich ständig wechselnden Grundtons doch gehörig vor sich hin.
    Gretchen ist also Ausgangspunkt der Klage – ist im Film aber so gut wie nie zu sehen. Megyn als Zünglein an der Waage (wahlweise auch Sprecherin im Off) steht da schon mehr im Mittelpunkt und Nachwuchsstar Kayla soll vermutlich offen legen, wie verdorben FOX tatsächlich ist. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung wird mal schnell in die Kiste gepackt um sich dann einen männlichen Kollegen anzulachen. Die nun aber lesbisch gebliebene Freundin/Kollegin ist… ja, was denn nun? Sie arbeitet in der Redaktion, wird nicht belästigt… darf nur nicht so offen mit ihrer Sexualität umgehen.

    Der Film eiert dabei leider vor sich hin, will Gemeinheiten gegenüber „hilflosen“ Frauen aufzeigen (Um der Wahrheit gerecht zu werden, ermogelt sich Kayla den Zugang zu Ailes Büro mit Strategie und List und wird nicht aufgrund ihrer auffälligen Reize ins Büro zitiert), das geschieht aber nur eher halbherzig. Die Auseinandersetzung mit der rechtlichen Abteilung und dem Ärger, der Gretchen nun droht, bekommt man in zwei, drei Sätzen mitgeteilt.
    Mir persönlich fehlt da die Balance.

    Gut gespielt ist die Nummer schon (auch wenn ich kein „Freund“ von Robbie werde), aber bei Kidman und Theron sollte das als Minimalziel gelten.
    Leider wirkt der Film am Ende länger als er ist, und das ist nicht immer ein gutes Zeichen.


    5/10

    #152477
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    21 Bridges

    NYPD Cop Andre Davis hat etwas gegen bewaffnete Gauner, zumal sein Vater (ebenfalls Cop) in Ausübung seiner Tatägkeit erschossen wurde. Da sitzt der Finger mal eher locker am Abzug und die Disziplinarverfahren werden zur Routine.

    Nun kommt es zu einem misslungenen Drogenraub, bei dem zwei heillos überforderte Koksdiebe anstatt der vermuteten 30Kg gar 300 Kg des weißen Pulvers vorfinden. Zufällig stehen dann eine Gruppe Cops vor der Tür und ab da gibt es nur eine Lösung: Der Fluchtweg muss freigeschossen werden.

    Alle Hoffnungen der NYPD ruhen nun auf Andre, der die Killer nicht bloß dingfest, sondern am besten per Kopfschuss abliefern soll. Würde das FBI da nicht hineinpfuschen wollen…
    Andre bekommt eine Frist von einer handvoll Stunden, in der ihm Frankie Burns vom Drogenderzernat zur Hilfe stehen soll (klingt logisch und ist auch so).
    Da sich die Killer nur in Manhatten aufhalten können, wird die Insel kurzerhand dichtgemacht. Bis zur Rush-Hour am Morgen soll aber aufgeräumt sein, sonst springt tatsächlich das FBI ein, und wer ein guter, amerikanischer Cop ist, der will so einen Mist natürlich vermeiden…

    Der Trailer lässt glauben, man bekommt hier einen Film mit hohem Tempo und ordentlich Geballer vor den Latz geknallt. Tatsächlich aber ist es ein vermeintlicher Cop jagd Copkiller (und sieht vermutlich rot?). Allerdings, und da reibt man sich als Zuschauer doch ein wenig verwundert die Augen, spielt die Abriegelung Manhattens im Folgenden überhaupt keine Rolle!
    Die Straßen sind gesäumt mit Cops, die Gangster spazieren da aber mit Gewehren im Anschlag über die Kreuzung als wollten sie nur mal kurz bummeln gehen.
    Aufregung und Panik bei den in Manhatten lebenden Menschen? Verkehrschaos? Ne, muss mal ohne gehen.

    Leider ist der „große“ Twist am Ende auch schon recht früh abzusehen. Und diese nun nicht mehr überraschende Wendung wird auch noch minutenlang ausgelutscht, als sei es in irgendeiner Form spannend oder als müsste man mit dem Gefühlschaos ankämpfen, sich nun bald von einem der vermeintlich Guten verabschieden zu müssen.

    Eine emotionale Bindung zu einigen der Charaktäre hätte vielleicht noch diese Wendung erlauben können, aber darauf legt „21 Bridges“ nicht eine Sekunde Wert.
    Die Action indes ist solide, nicht überzogen und tatsächlich sind von Kugeln getroffene Menschen wahlweise verwundet oder tot.

    Insgesamt bekommt man hier, was man möglicherweise vermuten darf: Action mit einem Hauch Tiefgang und dem Wunsch eines „Oha!“-Effekts zum Ende. Schauspielerisch dem Genre angemessen.

    4,5/10

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