Heute habe ich mir folgenden Film angesehen… (2025)

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Dieses Thema enthält 516 Antworten und 15 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Profilbild von Shane54 Shane54 vor 3 Wochen, 2 Tagen.

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    Roofman (Kino)

    Nach seinem Ausbruch aus dem Gefängnis versteckt sich der ehemalige Soldat und professionelle Dieb
    Jeffrey Manchester in einem Toys „R“ Us. Er überlebt dort monatelang unentdeckt und plant seinen nächsten Coup.

    Der Spagat zwischen etwas Humor & doch mehr Drama als gedacht funktioniert zu großen Teil über die komplette Laufzeit.

    Roofman is seichte Unterhaltung, die teilweise den Fokus verliert & den Verbrecher etwas versöhnlich darstellt.
    Das muss aber nicht stark ins Gewicht fallen, denn der Rest der Story ist zwar kein Highlight, aber durchaus eine nette Story.

    Regisseur Derek Cianfrance, bekannt durch u.a. dem hervorragenden Sound of Metal & der Serie mit Mark Ruffalo „I Know This
    Much Is True
    „, versteht sein Handwerk & findet mit Channing Tatum & Kirsten Dunst schauspielerisch ein interessantes Duo.

    Channing Tatum überzeugt hier, wie schon zuletzt im tollen Blink Twice oder auch im Hundefilm Dog von 2022.
    Kirsten Dunst muss niemand mehr etwas beweisen. Nach Filmen wie Melancholia, Civil War, The Power of the Dog
    & der Serie Fargo ist sie eine gestandene Schauspielerin, die immer mal wieder sehr spannende Rollen übernimmt.

    Gerade am Ende wird nochmal versucht alles ins richtige Licht zu rücken.

    Da war wieder etwas mehr Reflektion hinter der Person. Die textliche Zusammenfassung am Ende lässt wenig Spielraum
    & bei den durchlaufenden Credits wird nochmal klar gemacht, das es sich hier Tatsache um eine wahre Begebenheit handelt.

    Wer den Finger nicht zu stark in die Wunde legt & etwas Sympathie hinter jeder Figur sehen kann, der wird hier solide unterhalten.

    07/10 Hochstapler

    #255862
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    Eternity (Kino)

    Im Jenseits hat Joan 7 Tage Zeit, ihr ewiges Schicksal zu wählen: Bei ihrem lebenslangen
    Ehemann bleiben oder zu ihrer ersten Liebe zurückkehren, der jung starb und jahrzehntelang wartete.

    Allein für die interessante Idee & die wahnsinnig charismatische Umsetzung hinter Fragen wie Tod, Ewigkeit & Liebe gibt
    es für Eternity eine dicken Daumen hoch. Eine Welt, über die man ungern spricht, die hier aber sehr schön eingefangen wird.

    Regisseur David Freyne findet hier einen schönen Weg ein doch so ernstes Thema dennoch mit sympathischen Charakteren
    und sehr feinem Humor, an den richtigen Stellen, auszuschmücken & dich so über die komplette Laufzeit bestens abzuholen.

    Mit dem Trio Elizabeth Olsen, Miles Teller & Callum Turner findet man hier eine hervorragende Besetzung.

    Vor allem Elizabeth Olsen sehe ich immer sehr gerne auf der großen Leinwand. Ob in The Assessment, His Three Daughters,
    WandaVision, Ingrid Goes West
    oder Wind River. Auf sie ist eigentlich immer Verlass. Da wird die Film(aus)wahl fast zur Nebensache.

    Auch die beiden Nebendarsteller, Da’Vine Joy Randolph & John Early, haben tolle Momente, die Eternity liebenswerter machen.
    Wer auf experimentellere Filme steht & Produktionen von A24 / Apple Original Films mag, der wird hier eine sehr gute Zeit haben.

    8.5/10 Entscheidungen

    #255872
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    Memoiren einer Schnecke (Prime)

    Die bittersüßen Memoiren einer melancholischen Frau namens Grace Pudel – einer Hüterin von Schnecken,
    Liebesromanen & Meerschweinchen.

    Ein sehr tiefgründiger & vielschichtiger Film, der dank seiner Stop Motion Technik zu einem besonderen Seherlebnis wird.

    Adam Elliot gelingt nach Mary and Max ein erneutes Ausrufezeichen im Stop Motion Bereich.
    Mit Kameramann Gerald Thompson arbeitete Elliot bereits für Mary & Max zusammen.

    Die Detailverliebtheit in jeder einzelnen Szene ist grandios & auch die Story, so traurig sie auch sein mag,
    macht etwas mit dem Zuschauer, denn am Ende schafft es Memoiren einer Schnecke eine schöne Brücke zu schlagen.

    Allein die Welt mit seinen schrägen Charakteren zwischen Depression, Einsamkeit & Tod machen den Film einzigartig.
    Auch die Synchronisation von Jacki Weaver als Pinky & Sarah Snook als Grace Pudel ist äußerst gelungen.

    „Ein Film, der gleichermaßen urkomisch wie herzzerreißend sei, und das oft in derselben Szene.“
    Wer Stop-Motion-Filme mag, dem sei Kubo, Isle of Dogs, ParaNorman, Mein Leben als Zucchini & Guillermo del Toro’s Pinocchio empfohlen.

    08/10 Eindrücke

    #255877
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    Small Things Like These (Prime)

    1985 entdeckt Bill Furlong, ein hingebungsvoller Vater, beunruhigende Geheimnisse des örtlichen Klosters
    und stößt auf schockierende Wahrheiten, die ihn selbst betreffen.

    Ein ruhiges, beschauliches, aber zeitweise auch sehr erschütterndes Drama mit Publikumsliebling Cillian Murphy.
    Ich lese Cillian Murphy im Cast & zack gibt es für mich keinen Grund, auch nur einen Film bzw. eine Serie mit ihm zu verpassen.

    So wandelbar wie er ist kaum einer aus der aktuellen Schauspielerriege im gehobeneren Alter.
    Sei es zuletzt in Steve, im Oscar Abräumer Oppenheimer, A Quiet Place 2 oder Peaky Blinders. Er liefert immer ab !

    Regisseur Tim Mielants, mit dem er auch an Steve arbeitete, ist sonst eher bekannt für Legion & die Peaky Blinders Serie.

    Small Things Like These verpackt seine Story unter einem Deckmantel, der erst ganz am Ende enthüllt wird.
    Spätestens, wenn der Abschlusstext durchläuft, läuft einem nochmal ein Schauer über den Rücken.

    Das ist alles unterschwellig erzählt, perfekt mit der Kamera eingefangen & sehr auf Mimik und Gestik der Charaktere fokussiert.
    Bill Furlong ist hier fast schon ein kleiner Held, der aber in einer Gegend lebt, die selten Gefühle & Ausbrüche zulässt.

    Wenn die aber ab und zu mal aufblitzen dann hat Small Things Like These seine besten Momente.

    7.5/10 Umwege

    #255879
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    The Last Showgirl (Prime)

    Als bekannt wird, dass ihre Show nach 30 Jahren abrupt eingestellt wird, bricht für Revuetänzerin Shelly eine Welt zusammen.

    The Last Showgirl zeigt einen ungeschminkten & durchaus ehrlichen Einblick hinter die Kulissen des „The Razzle Dazzle“.

    Hier wird auf eine 30-jährige Karriere geblickt mit all seinen Abnutzungsserscheinungen & Gloria, die mehr aus der Vergangenheit
    stammen. Aber auch der Blick in das private Umfeld wird mit eingefangen, was die Story nachvollziehbarer & spannender macht.

    Besonders die Performance von Pamela Anderson sticht hervor. Die Jahre sind auch an ihr nicht vorbei gezogen,
    aber irgendwie wird man das Gefühl auch nicht los, das ihr diese Rolle hier fast auf den Leib geschrieben wurde.

    Dave Bautista macht als Nebendarsteller eine gute Figur. Im Anschluss driftete er ja leider etwas mit B-Movies ab.
    Außerdem sind auch noch Jamie Lee Curtis & Kiernan Shipka mit von der Partie, die den Cast sehr gut ergänzen.

    The Last Showgirl punktet mit toller Ausstattung, guten Charakteren & eben dem Las Vegas Flair, das wunderbar eingefangen wurde.
    Einzig die Handkameraarbeit, die verwaschenen Ränder am Bildrand & der fehlende Blick in die Zukunft mindern das Sehvergnügen.

    07/10 Showeinlagen

    #255882
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    Jay Kelly (Netflix)

    Filmstar Jay Kelly und sein Manager Ron werden während einer intensiven gemeinsamen Reise mit lebensverändernden
    Enthüllungen konfrontiert, bei denen sie ihre vergangenen und zukünftigen Hinterlassenschaften untersuchen.

    Jay Kelly ist ein sehr guter Film geworden, weil die Idee dahinter die ganz große Musik spielt.
    Regie führte Noah Baumbach, bekannt u.a. für den fantastischen Marriage Story, aber auch für The Meyerowitz Stories.

    Regie & Drehbuch sind hier der klare Ankerpunkt und bilden zusammen mit der abwechslungsreichen Story eine Einheit.
    Vor allem lebt der Film aber von seinem brillanten Schauspielduo in Form von George Clooney & Adam Sandler.

    Beide sind in der letzten Zeit mit eher weniger spannenden Projekten unter die Räder gekommen.
    Dennoch gab es aber eben auch Sandler Filme, die mich umgehauen haben. Das waren z.B. Hustle & Uncut Gems.

    George Clooney ist zwar ein großer Stern am Schauspielhimmel. Ich halte ihn aber für deutlich überbewertet, wenn man
    mal seine letzten 10 (Film)Jahre betrachtet. Hier in Jay Kelly funkelt aber wieder sein schauspielerisches Können auf.

    Jay Kelly zeigt einen Filmstar, der auf der beruflichen Ebene alles rockt, aber im privaten Umfeld eine Lachnummer ist.
    Sei es seine Bindung zu seiner Frau, Familie oder dann doch auch wieder zu seinen organisierenden Personen drumherum.

    Zeitweise wirkt der Charakter leer, fast nur bestehend aus einer Hülle, aber innendrin scheint nur seine Filmrolle zu stecken.
    Das wird besonders schön mit alten Momenten eingefangen, die er in bestimmten Situationen aber nur alleine durchlebt,
    die aber so in die Story integriert worden sind, das sie innerhalb davon, noch eine eigene Timeline bestaunen lassen.

    Das ist neben dem klasse Duo, der top Regie bzw. Drehbuch & der spannenden Idee eine der ganz großen Stärken des Films,
    der sicherlich auf einigen Listen mit Awardnominierungen landen wird, die in diesem Fall durchaus seine Berechtigung haben.

    Jay Kelly ist ein vielschichtiges Drama aus vielen Blickwinkeln, welches bis zum Ende kaum Atem- & Denkpausen zulässt.

    8.5/10 Etappen

    #255892
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    Sentimental Value (Kino)

    Eine intime Erkundung von Familie, Erinnerungen und der versöhnenden Kraft der Kunst.

    Sentimental Value ist kein Film für die große Masse, sondern für Cineasten, die sehr viel Wert auf eine gute Story legen.

    Joachim Trier, liefert hier nach Der schlimmste Mensch der Welt, seine wohl beste Regiearbeit ab.
    Der Film punktet mit einer berührenden Story, verdammt starken Schauspielern & einer Message, die Ausssagekraft hat.

    Mit Renate Reinsve & Stellan Skarsgård sind hier 2 fantastische Schauspieler am Start, die einige Kollegen aus
    der Filmbranche locker an die Wand spielen. Beide haben bereits vorher in großartigen Produktionen mitgespielt
    u.a. Dune, Chernobyl, Verblendung, Presumed Innocent, A Different Man & Der schlimmste Mensch der Welt.

    Für beide könnte es zu ein paar Nominierungen kommen. Für den Film selbst sollte das fast eine Selbstverständlichkeit sein.
    Auch die Nebendarstellerinnen Elle Fanning & Inga Ibsdotter Lilleaas machen eine hervorragende Figur & unterstreichen den guten Cast.

    In der heutigen Zeit schon irgendwie verrückt wie ein recht simples Familiendrama, aber mit den richtigen
    Schauspielern, so viel Ausdruckskraft, und einer fast persönlichen Botschaft, dich so an die Leinwand binden kann.

    Besonders die letzten 10-15 Minuten von Sentimental Value haben ihn noch so viel besser gemacht. Die wunderschön
    eingefangenen Kameraperspektiven, das Spiel mit den Bildern & Emotionen und auch die Rückblenden aus der Vergangenheit
    verschmelzen zu einem Film, der fast all seine Möglichkeiten nutzt, um dem Zuschauer noch lange in Erinnerung zu bleiben.

    „Sentimental Value lädt zur Betrachtung ein, ohne jemals den Eindruck zu erwecken, etwas absichtlich zurückzuhalten.“

    09/10 Ansichten

    #255894
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    Eternity [Sneak Preview]

    Während die Trailer liefen, saßen meine Kinofreunde und ich noch vor dem Saal und unterhielten uns über dies und das. Was läuft, was kommt irgendwann Gutes ins Kino… und irgendwann waren Themen mit Tiefgang am Start. „Das Einzige, das Bestand hat, sind Erinnerungen“ sagte er dann. Puh, so philosophisch vor Beginn – da war ein Film mit „Hirn aus“ Attribut gefragt…

    Da staunt Larry nicht schlecht, als er nach gut 60 Ehejahren ein Foto vom ersten Ehemann seiner Frau Joan sieht. Ganz schön gut sah er aus, bevor er dann leider in „irgendeinem Krieg“ (Korea) starb. „Wäre er nicht gestorben, hättest Du bei ihr keine Chance gehabt!“, witzelt seine Enkelin und prompt verschluckt er sich an einer Snackbrezel und stirbt.

    Er erwacht jung und fit in einem Vorhof der Ewigkeit, wo sich bald ein Jenseitskoordinator seiner annimmt.
    Denn die Ewigkeit ist nicht ganz so einfach, wie wir uns das so vorstellen: Ihm bleibt etwa eine Woche Zeit, sich mit seinem Zustand zurecht zu finden, dann hat er sich zu entscheiden, in welche Ewigkeit er eintreten möchte (ohne Möglichkeit, zurück zu kommen). Das ist witzig, denn diese Ewigkeiten bieten alles, was man sich vorstellen kann. „Weimarland – 100% Nazifrei“, „Kapitalismusland – für wen Arbeit das Ganze Leben war“ aber auch reizvolle wie „Menschenleere Ewigkeit – Ausgebucht!“.
    Für Larry ist die Sache klar, er möchte Joan eine Nachricht hinterlassen und sich schon mal auf den Weg machen… was könnte da schieflaufen?
    Höchstens, dass Luke – der erste Ehemann – einen Job im Vorhof bekommen hat und dort als Barkeeper die verlorenen Seelen tröstet. Er selbst wartet auf seine große Liebe Joan, bis sie schließlich auch dort erscheint.
    Nun aber muss sie sich entscheiden – Larry oder Luke. Flammende und unerfüllte Liebe gegen eine Ansammlung von im Leben gemachten Erinnerungen.

    Die erste Hälfte des Films ist herrlich schrullig und mit guten, pointierten Witzen versehen. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern ist großartig und leichtfüßig inszeniert. Kleine Abzüge bei den Jenseitskoordinatoren – deren Story war dann doch irgendwie fehl am Platz.
    Großartige Ideen und Szenenbilder (Weil es im Tod wohl keine Tageszeiten gibt, fallen vor den Fenstern der Wartezimmer in Abständen gemalte Leinwände herunter.
    Die Frage, für wen sich Joan entscheiden soll ist dann auch die einzige sinnstiftende Frage, die hier erörtert werden will. Das ist völlig ok, sprechen wir hier doch über eine Liebeskomödie (mit Tiefgang).
    Denn nachdem Joan mit beiden Männern einen Probetag in der von ihm gewählten Ewigkeit verbracht hat, kippt die Stimmung ein wenig. Was vorher froh und munter, mit viel Wortwitz daherkam, wird nun beinahe philosophisch betrachtet.
    Und so wird eine Entscheidung getroffen, die möglicherweise nicht allen Kinobesuchern schmecken wird.

    Tatsächlich werden hier drei mögliche Szenarien diskutiert und eines davon ausgespielt. Das ist sehr gut gewählt, denn so kann sich der Zuschauer der Frage stellen, wie er sich wohl entschieden, bzw. welchen Weg man Joan gewünscht hätte.
    Das wir hier nicht völlig tief in alle möglichen „Wenn und Aber“ eingehen ist völlig ok. Das wäre bei einem Drama das richtige Motiv gewesen, hier zeugt die Heiterkeit im Ensemble (wie schon zuvor bei „Life of Chuck“) eine lebensbejahende Botschaft, die über den Tod hinaus mit den Figuren mitfiebern lässt. Denn egal, wie die Dinge laufen, mindestens einer guckt dumm in die Röhre (bzw. Ewigkeit).
    Dabei bekommt dieses Dilemma der einzigen Zukunft auch eine großartige Bühne. Wer glaubt, er könne mal so seine Ewigkeit wechseln, der wird in ein dunkles, tiefes Loch geworfen – die Hölle lässt grüßen.

    Elisabeth Olsen und Miles Teller als junges Ehepaar sind eine Augenweide. Insbesondere Olsen spielt in diesem Chaos aus Sehnsucht, Vertrauen und ewiger Liebe groß auf. Callam Turner steht dem nicht hintenan. Man wünscht ihm ebensoviel Glück wie Larry und ist gespannt, welche Entscheidung Joan nun treffen wird.
    „Das Einzige, das Bestand hat, sind Erinnerungen“ hieß es vor dem Film und hier heißt es sinngemäß „Im Jenseits ist man die Summer seiner Erinnerungen“. Spannend, wie manchmal Brücken geschlagen werden.

    Denn diese Erinnerungen sind es dann, die Joan von der heiteren Komödie in eine sehr melancholische Phase des Films führt. Hut ab, diese kleine aber feine Idee ist wunderschön inszeniert!
    Ähnlich wie „Life of Chuck“ ist hier der Tenor, zeitlebens den schönen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Jeder Weg kann seine Wunder bereit halten und am Ende weiß man nie, wann es kommt wie es kommen muss. Während für „Chucks Großvater“ das Schlimmste war, auf den jeweiligen Augenblick zu warten, ist dieser Umstand hier zum Teil ein herbeigesehntes Event.
    In wort- und zahlreichen Dialogen werden die Dinge hier diskutiert und zu einem Punkt gebracht. Nicht ausgedehnt, an der Langeweile kratzend, sondern zielgenau und pointiert.
    Das ist neben der Hintergrundgeschichte der Jenseitskoordinatoren vielleicht das einzige kleine Manko. Etwas weniger erzählt, etwas mehr gefühlt und Chuck hätte als Film des Jahres abgelöst werden können.
    So aber drängt man sich immerhin an „Bugonia“ vorbei auf den zweiten Platz.

    Sicher kein Film für Jederman(n), aber wo gibt es sowas schon….

    9,46/10

    #255950
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    Pokerface – Staffel 1 (Prime)

    Mal was anderes. Eine Frau hat die Gabe Lügen mit 100% Sicherheit zu erkennen. Auf der Flucht lernt sie nette Leute kennen. Leider sterben sie alle und sie löst den Mord dann auf.
    Das ist eine Krimiserie alter Schule. Auch die Optik ist auf alte Serie gemacht. Das ist irgendwie heimelig und nicht aufgesetzt. Die Folgen sind allesamt interessant. Es gibt tolle, teils vergessene Schauspieler zu sehen wie z.B. Nick Nolte. Musik ist auch super.
    Kann ich gut empfehlen.

    8 / 10 Bullshits

    #256674
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    IT: Welcome to Derry Staffel 1 (WOW/Sky)

    In den 1960er Jahren ereignen sich in der ruhigen Stadt Derry seltsame Vorfälle, die mit einem Clown in Verbindung stehen.
    Eine Gruppe von Jugendlichen untersucht das mysteriöse Verschwinden ihrer Altersgenossen in der Stadt.

    Gerade die letzten beiden Folgen von Staffel 1 sind Peak Pennywise Content.
    Düstere Atmosphäre + äußerst brutale, explizite & blutige (Kamera)Einstellungen, die zum Schaudern einladen :D

    Der Start der neuen Serie ist etwas behäbig & ruhiger inszeniert und so kommt mehr ein Coming of Age-Gefühl zustande,
    welches aber mit mehr und mehr Laufzeit neue Wege einschlägt. Auch eine Kriegsgeschichte wird mit der Story verwoben.

    Das kann man mögen, kann den Zuschauer aber auch fast mehr verwirren & kaltlassen.
    Ich fand es nett anzusehen, aber die Kids und deren Beweggründe fand ich einfach interessanter.

    IT: Welcome to Derry dreht am Ende komplett frei & was soll ich sagen. Genau deswegen liebe ich Pennywise & die Regie von Andy Muschietti. Manchmal abstrakt, dann wieder menschlich, dann wieder in einer anderen Gestalt, aber immer furchteinflössend wie eh & je.

    Die Staffel sieht optisch wirklich klasse aus, die Effekte sind größtenteils gelungen und für ein Serienstart
    eine spannende Umsetzung und ein Storybogen, der gerade zum Ende hin dann zu einem schönen, ausufernden Finale führt.

    Besonders das musikalische Intro hat mich immer wieder mitwippen lassen. Die Idee & Integration ist top.
    Staffel 2 & 3 sind bereits bestätigt. Da kann man sich eiso durchaus auf mehr Pennywise freuen.

    08/10 Gestalten

    #256682
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    Avatar: Fire and Ash (Kino)

    Während die Familie mit ihrer Trauer umgehen und Spider in Sicherheit bringen muss, werden sie mit einem neuen Klan konfrontiert,
    der von der hitzköpfigen Varang angeführt wird. Zudem versammelt die RDA nach ihrer Niederlage neue Kräfte.

    Avatar: Fire and Ash ist immer noch ein visuelles Meisterwerk & ein absolutes Spektakel auf der großen Leinwand,
    aber die störende High Frame Rate (FPS) & die deutliche Abnutzung der durchwachsenen Story trüben den Gesamteindruck.

    Wenn ich mir vorstellen müsste das dann noch inkl. 3D zu sehen, kann ich verstehen, das es einigen auf den Magen schlägt.
    Zum Glück war es bei mir „nur“ eine iSense Vorstellung mit Dolby Atmos & HFR, aber auch damit muss man erstmal klar kommen.

    Der Film startet bombastisch, aber eben über die gesamte Länge auch mit einer Framerate, die sehr stark an PC Spiele
    erinnert, die perfekt optmiert sind. Wer früher normale Auflösungen kannte, weiß, was es heißt mit 144Hz/FPS zu zocken.

    Avatar: Fire and Ash wirkt einfach irgendwie zu geleckt. Perfektion über alles. Im Guten wie im Schlechten.
    Am Ende des Tages passiert aber doch nur das gleiche. Neue Anspannung, neuer Krieg, neue Ausgangssituation.
    Das wird an einigen Stellen mit paar Sprüchen aufgelockert oder mit Zeitsprüngen in die Vergangenheit.
    Das alles kann aber nichts daran ändern, das es vielleicht besser gewesen wäre Teil 2&3 zu bündeln als einen Teil.

    Auch die neue Feuernation bringt nicht viel mit sich. Dafür gibt es zu wenige Szenen, die diese charakterisieren.
    Das ist vieles, was man bemängeln kann, aber auf der großen Leinwand ist der Film dennoch ein Erlebnis – mit Einschränkungen.

    Wenn Avatar: Fire and Ash nicht an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen kann, wird James Cameron nicht mehr weiter machen.
    So sein Statement. Ich würde mir auch lieber keinen 4. Teil wünschen, sondern mal ein neues Projekt vom guten Meister.

    Teil 1 war ein 10/10 Film. Teil 2 (09/10) lebte schon mit einigen Abzügen & der 3. Teil prahlt leider nicht mit Innovationen.

    08/10 Cameron

    #256684
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    Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery (Netflix)

    Als der junge Priester Jud Duplenticy geschickt wird, um Monsignore Jefferson Wicks zu unterstützen, wird schnell klar,
    dass in der Gemeinde nicht alles rosig ist.

    Rian Johnson gelingt mit dem 3. Teil der Knives Out Reihe der vielleicht beste Film.
    Neue Ideen & frische Ansätze inkl. einem hervorragenden Cast machen das Katz- & Mausspiel verdammt unterhaltsam.

    Anstatt von Anfang an Benoit Blanc wieder in den Vordergrund zu rücken, findet man mit Josh O’Connor den
    perfekten Kniff, um die Story sich etwas anders entfalten zu lassen & das funktioniert insgesamt überraschend gut.

    Das liegt am wendungsreichen Drehbuch und einem Cast, der sich bis in die kleinsten Rollen mal wieder sehen lassen kann.
    Mit dabei sind u.a. noch Glenn Close, Josh Brolin, Jeremy Renner, Mila Kunis, Andrew Scott & Jeffrey Wright.

    Besonders auch die detaillierte Auflösung am Ende brachte dann mal wieder ein paar Überraschungen ans Tageslicht,
    die vermutlich nicht jeder so kommen sehen hat. Das macht die Reihe aus & zählt zum verdienten Abschluss auf der Zielgeraden.

    Wer die Knives Out Reihe mag, der schaltet sowieso ein. Kleiner Genretipp von mir wäre noch der überzeugende Blink Twice aus 2024.

    8.5/10 Rätsel

    #256698
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    Sorry, Baby (Kino)

    Agnes ist etwas Schlimmes zugestoßen. Aber das Leben geht weiter – zumindest für alle um sie herum.

    Eva Victor gibt hier nicht nur ihr Regiedebüt ab, sondern ist gleichzeitig auch die Hauptfigur in Sorry, Baby.
    Davor muss man erstmal den Hut ziehen & ich denke gerade deswegen wirkt das alles wie ein sehr rundes Projekt.

    Sorry, Baby lebt von seinem Witz, dem Charme der Darsteller, seinem Schmerz & seiner warmherzigen, aber auch bewegenden Story.
    Das Leben geht weiter, die Probleme werden mehr & das Umfeld verändert sich. Jeder kennt diese schnell voranziehenden
    Jahre in denen sehr viel passiert, aber rückblickend dennoch nicht wirklich viel Jahre ins Land gezogen sind.

    Eva Victor als Hauptdarstellerin ist klasse. Auch Naomi Ackie spielt den Gegenpart & die Freundin richtig gut. Etwas mehr
    Laufzeit mit Lucas Hedges & John Carroll Lynch wären top gewesen, denn die beiden überzeugen in ihren kleinen Momenten sehr.

    Sorry, Baby ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit Trauma, Heilung und Freundschaft. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    7.5/10 Lebensjahre

    #256707
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    Ein Sneak-Doppelpack, weil ein Film davon zu vernachlässigen ist.
    Manchmal kommt man aus dem Kino und hängt dem Film noch nach. Stimmungen und Bilder, Soundtrack, gefühltes Schauspiel und/oder eine gute Geschichte nimmt man gerne mit nach Hause und erzählt mit Freude darüber.
    Dann kommen natürlich noch die Dummblöden Filme dazu, die nur um ein Gimmick herum gestrickt wurden, schlechtes/lustloses „Schauspiel“ zeigen oder schlicht kein Gefühl für das Gesehene transportieren können. Ausgenommen aus diesem Katalog natürlich die von vornherein niveauflexiblen „Hau drauf und lach mal drüber“ Filme (auch wenn ich die deswegen nicht automatisch mögen kann).

    „Silent night, deadly night“

    Machen wir es kurz: Ein Remake eines alten Slashers, der auf dem Index stand (stimmt das so? Könnte zwar recherchieren…) Story ist völlig Banane. Junge sieht, wie ein verkleideter Weihnachtsmann seine Eltern tötet. Der nun selbst sterbende Kinderschreck reicht dem Jungen die Hand und siehe da; es weckt in ihm die Lust am Töten.
    Als junger Mann stampft er dann, von sich und seinem Dämon geplagt, durch das Land und muss im Dezember täglich jemanden töten, um dadurch einen blutigen Adventskalender zu füllen. Tut er es nicht, stirbt jemand. Ach was, sag!

    Zwar will man den Typ irgendwie sympathisch zeichnen (eigentlich unmöglich, bei dieser gespielten Unlust – oder Unvermögen??) indem er böse Menschen tötet. Und wer ist böser als eine nymphomanische Nazifrau? (Tatsächlich die einzige Szene, die schön anzusehen war).
    Dumme Story, saudummes Drehbuch, lausiges Schauspiel, und eigentlich nur da, damit jemand sagen kann „Ich kenn das Original.“ Hat bei „Toxiv Avenber“ schon nicht funktioniert, der hier ist selbst auf Humorebene noch niedrigschwelliger.
    Immerhin die Kills sehen meist gut aus… wäre mit ernsthafter Note und glaubhaftem Acting sicher ein OK-Film gewesen.

    3/10

    „Therapie für Wikinger“

    Zunächst fällt auf, dass der deutsche Markt mal wieder eine Top Idee für einen dämlichen Titel bringen konnte. Aus „Der letzte Wikinger“ im Original zaubert man eben etwas sinnfreies… passt schon.
    Sinnfrei ist hier, und das muss ich trotz aller Sympathien für Cast, Regisseur und gezeigter Stingens, leider auch die Handlung.

    Ein Überfall geht schief und Anker wird geschnappt. 15 Jahre später kommt er wieder auf freien Fuß und schwups soll ihm sein Bruder Manfred verraten, wo dieser das geraubte Geld vergraben hat. Manfred entpuppt sich dann als Person mit gespaltener Persönlichkeit. Er heißt nun John – nennt man ihn Manfred, will er sterben.
    Es kommt, wie es kommen muss: Manfred kommt in die Psychiatrie. Doch das Geld will Anker trotzdem haben – schwups wird er rausgeholt und um aus John (Lennon) wieder Manfred zu machen, soll eine Band aus dissosiativen Persönlichkeiten als Therapie gelten.
    Leider hat der freundliche Flemming Geldnot und möchte Ankers Geld haben. Er bedauert zwar, hier Nachdruck ausüben zu müssen, aber was muss, das muss.

    Dazu kommen noch Margarehte und Werner, die der schrulligen Band ein zu Hause geben.
    Achtung: Kein Spoiler – niemand in diesem Film tickt noch richtig!
    Das ist in der ersten Hälfte des Films schrullig und aberwitzig. Selbst Faustschläge ins Gesicht können belacht werden. Die Idee zur Bandgründung ist absurd und genauso aberwitzig wird dann das erste Zusammentreffen.
    Zur zweiten Hälfte ändert sich der Ton, der freundliche Flemming bekommt etwas mehr Zeit für seinen Schabernack und das Lachen bleibt im Hals stecken.
    Wo andere Filme mit der vorangegangenen Tonalität immer ein Schlupfloch für seine Charaktäre findet, bleibt hier die Tür zu. Der Hammer trifft, die Zange schnappt, die Schläge erwirken Blut.
    Darin dann eine eher unglückliche Entscheidung von Flashbacks, welche hier aber auch schmerzhaft sitzen.
    Aufgelöst mit einer sehr bittersüßen Note.

    Im Grunde sind viele Elemente des zuvor genannten „Deadly night“ im Topf verrührt. Wie bekommt man einfach so vier Insassen einer Psychiatrie raus und fährt munter mit dem Auto davon? OK, gab es in skandinavischen Filmen schon mal – irgendwie muss man das wohl so hinnehmen. Genauso wie der eine oder andere Moment an die Stirn fassen lässt.
    Und doch wirkt das Ganze. Weil man Anker glaubt, was man sieht. Weil man Manfred als todtraurige Figur erkennt, weil Margarethe eine Wucht ist. Dass die Tonalität des Films mehrfach gebrochen wird, ist teilweise erschütternd. Dafür bin ich dann auch empfänglich, und hier sehe ich über die augenscheinlichen Schwächen gerne hinweg.
    Auch, weil das Auge mit teils schönen Szenen umgarnt wird.

    Kurios: Nach Ende war ich noch emotional gefangen und hätte ihn in Richtung Bestnote gesetzt. Tja, und damit hätte er sie auch verdient ;) Ebenfalls spannend: Bei Filmen mit ähnlicher Mägnelliste bleibt selten ein Stein auf dem anderen stehen.
    Dem will ich natürlich Tribut zollen und trotzdem mag ich den Film. Mutig, weitestgehend konsequent und ein Happy End mit tiefen Narben.

    6,5/10
    7/10

    #256709
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    Thanassi
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    Beiträge: 892
    @thanassi

    @derschweiger

    Ich musste etwas schmunzeln, als ich Dein Sneak-Doppelpack las, deren Filme ich natürlich gesehen habe, natürlich mit einer Woche Pause dazwischen. :-)

    Was Silent night, Deadly Night angeht, habe ich schon bessere Filme, aber auch bedeutend schlechtere Filme gesehen. Nichts Hochtrabendes und kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss, aber ich wurde zumindest nicht gelangweilt. Daher bekommt der Film von mir 5 von 10 Punkte.

    Gehen wir über zu Therapie für Wikinger und da gibt es von mir ein fettes Veto. Warum nur 6,5 Punkte? Mads Mikkelsen als Manfred, der lieber John genannt werden wollte und versuchte, sich ständig umzubringen, war einfach grandios. Nicht nur er, sondern alle anderen spielten ihre Rollen auf ihrer eigenen Weise super.

    Der Film war herrlich durchgeknallt, der Humor rabenschwarz und teilweise krank, weil Grenzen überschritten wurden, die man so nicht erwarten konnte, weil man heutzutage immer mit Zwang versucht, politisch korrekt zu sein, um keinen Shitstorm zu kassieren und er hatte eine traurige und plausible Begründung am Ende mitgeliefert, warum die beiden Brüder so aus dem Ruder gelaufen sind.

    Was ich auch gefeiert habe, war die Wikinger-Geschichte, die am Anfang und am Ende erzählt wurde. Ich brauche unbedingt das Buch. :-)

    Diesen Film setze ich auf einer Stufe mit Helden der Wahrscheinlichkeit und Adams Äpfel und daher bekommt er von mir 9 von 10 Punkte und eine klare Empfehlung. Bitte unbedingt anschauen. :-)

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