[Review] Fight Club UHD + BR Steelbook

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Einleitung

Fight-Club-Steelbook-01
Ich habe diesen Film zum ersten Mal im Kino gesehen.
Nicht auf dem Handy. Nicht nebenbei. Nicht in einer Welt aus Push-Nachrichten und halbherziger Aufmerksamkeit. Im Dunkeln. Zwischen Fremden. Dort, wo Geschichten noch die Chance hatten, in dich einzubrechen.
Er traf mich nicht wie Unterhaltung.
Er traf mich wie eine Diagnose.
Es gibt Filme, die wollen gefallen. Sie bitten um Zustimmung, liefern Trost und entlassen dich als denselben Menschen, der du zwei Stunden zuvor warst.
Und dann gibt es diese seltenen Werke, die eine unbequemere Frage stellen:
Wer genau bist du eigentlich, wenn niemand zusieht?
Alles an diesem Film ist außergewöhnlich. Die Geschichte. Die Inszenierung. Die Schauspieler. Die Musik. Aber über die Handlung zu sprechen, hieße, einem anderen Menschen die Freude zu nehmen, einen Abgrund zum ersten Mal zu entdecken. Deshalb schweige ich.

Somit befolge ich die erste Regel.

Nur so viel: Der Film handelt von den großen Fragen, die sich als kleine Alltäglichkeiten tarnen. Wenn du im Flugzeug aufstehst und an deinem Sitznachbarn vorbeimusst – drehst du ihm den Schritt oder das Gesäß zu?
Eine absurde Frage.
Bis du begreifst, dass unser ganzes Leben aus solchen Entscheidungen besteht. Aus Ritualen, Höflichkeiten und Bewegungen, die wir nie hinterfragen. Wir lernen, wie man arbeitet, konsumiert, lächelt und sich entschuldigt. Aber niemand erklärt uns, wie man lebt.
Vielleicht besteht Erwachsensein nur darin, festzustellen, dass die Menschen vor uns genauso ratlos waren wie wir.

Chuck Palahniuk hat darüber einen Roman geschrieben. Über Männer, Einsamkeit, Sehnsucht und die Gewalt, die entsteht, wenn Menschen vergessen haben, wer sie sind. David Fincher hat ihn verfilmt wie ein Chirurg ohne Betäubung. Präzise. Unerbittlich. Er schneidet Schicht um Schicht ab, bis nichts mehr übrig bleibt als die nackte Frage:
Wenn man dir alles nimmt, was du besitzt – was bleibt dann von dir übrig?
Fincher war hier auf dem Höhepunkt seines Könnens. Vorher brillant. Danach meisterhaft. Aber nie wieder so kompromisslos.
Edward Norton verkörpert den Menschen, der sich selbst fremd geworden ist. Brad Pitt die Verlockung, die entsteht, wenn man aufhört, um Erlaubnis zu bitten. Helena Bonham Carter erinnert daran, dass die Beschädigten oft die Ehrlichsten sind. Meat Loaf schenkt einer gebrochenen Seele Würde. Und ein junger Jared Leto steht dort wie ein Symbol für Jugend, Schönheit und die Zerbrechlichkeit all dessen.
Die Musik der Dust Brothers pulsiert darunter wie ein zweiter Herzschlag. Sie klingt nach dem Ende einer Epoche. Nach Neonlicht um drei Uhr morgens. Nach dem Gefühl, dass etwas mit der Welt nicht stimmt, ohne benennen zu können, was genau.

Und vielleicht ist das der Grund, warum dieser Film nicht altert.
Denn seine eigentliche Frage ist zeitlos.
Wie viel von deinem Leben hast du selbst gewählt?
Deinen Beruf.
Deine Wünsche.
Deine Träume.
Deine Vorstellungen von Erfolg.
Dein Bild davon, was ein Mann sein soll.
Wie viel davon stammt von dir – und wie viel wurde dir nur oft genug erzählt, bis du es für deine eigene Stimme gehalten hast?

Nach „Fight Club“ erschienen noch zwei Fortsetzungen als Comics. Beide sind lesenswert. Nicht weil sie Antworten liefern würden.
Sondern weil sie verstehen, dass Identität kein Ziel ist. Sie ist ein ständiger Kampf zwischen dem Menschen, der du bist, dem Menschen, der du sein möchtest, und dem Menschen, von dem die Welt erwartet, dass du ihn spielst.
Die ISBN meiner Ausgaben sind:
– 978-15067023777

– 978-1506711782
Besonders empfehlenswert ist die signierte Ausgabe des zweiten Teils. Vielleicht für Sammler interessant. Vielleicht auch als Erinnerung daran, dass Geschichten weiterleben, lange nachdem ihr Schöpfer den letzten Satz geschrieben hat.

Die meisten Filme helfen dir, die Zeit zu vergessen.
Die wenigen großen Filme erinnern dich daran, dass deine Zeit begrenzt ist.

Manche Filme schaut man.
Andere schauen zurück.
Und nur ganz wenige halten dir einen Spiegel vors Gesicht und fragen, ob das Leben, das du führst, tatsächlich deines ist.

Und wenn das Licht im Kinosaal wieder angeht, bleibt nur eine Frage zurück:
Wenn du alles abziehst – Besitz, Status, Routinen, Rollen, die Zustimmung anderer –, bleibt dann jemand übrig, den du selbst erkennen würdest?

Details des Steelbooks

Das Steelbook steckt in einem Quarterslip.
Befestigt mit diesen lächerlichen Klebepunkten.
Kleine Erinnerungen daran, dass die größte Bedrohung für Sammler nicht Feuer oder Wasser sind, sondern Produktdesigner mit fragwürdigen Entscheidungen.
Entfernt sie frühzeitig.
Bevor der Lack leidet.
Das Steelbook selbst ist erstaunlich zurückhaltend.
Vorne und hinten textfrei. Nur die berühmte Seife trägt den Titel.
Das passt.
Glossy Oberfläche. Das Pink funktioniert hervorragend.
Und doch bleibt ein Gedanke:
Eine Prägung hätte aus »schön« etwas Besonderes gemacht.
Innen findet sich ein dunkler Druck, dessen Farben man erst beim genauen Hinsehen erkennt.
Unspektakulär.
Die Discs dagegen sind fantastisch gestaltet.
Auf der einen…
Auf der anderen…
Nun, wer den Film kennt, versteht die Pointe.
Klasse.

Bild & Ton

Fast dreißig Jahre.
Drei Jahrzehnte später verkaufen sie dir dieselbe Revolution noch einmal. Erst auf VHS. Dann auf DVD. Danach auf Blu-ray. Jetzt in 4K UHD.
Du kaufst nicht nur einen Film. Du kaufst die Illusion, dass Erinnerung schärfer wird, wenn die Pixelzahl steigt.
Irgendwann erwischt es jeden.
Sogar David Fincher.
George Lucas konnte die Finger nie vom Ursprungsmaterial lassen. Irgendwo in Hollywood gibt es offenbar einen Raum voller Regisseure, die nachts aufwachen und denken: »Vielleicht sollte ich da noch ein bisschen dran herumdoktern.«
Das klingt schlimmer, als es ist.
In den sozialen Netzwerken – diese digitalen Selbsthilfegruppen für Menschen, die ihre Identität in Kommentarspalten suchen – wurde bereits das Ende der Welt ausgerufen. Tyler hätte sie wahrscheinlich nicht gehasst, weil Menschen dort ihre Meinung äußern. Er hätte sie gehasst, weil Menschen dort ihre Persönlichkeit gegen Aufmerksamkeit eintauschen.
Ich habe den Film nicht auf zwei Fernsehern gleichzeitig Bild für Bild verglichen. Ich habe ihn angesehen.
Und weißt du was?
Alles tacko.
Nichts reißt dich aus dem Film. Nichts schreit: »Schau her, ich wurde verändert!« Farben und Schatten wirken natürlich. Die Atmosphäre bleibt unangetastet. Die Welt von Fight Club fühlt sich immer noch schmutzig, kalt und lebendig an.
Das Bild ist großartig.
Das eigentliche Problem ist ein anderes.
CGI altert wie Eitelkeit.
Damals war es Zukunft. Heute erkennt man manchmal die Nähte. Zum Glück wurde es sparsam eingesetzt. Es fällt auf, wenn es auftaucht – aber nie so sehr, dass die Illusion zerbricht.
Nebenbei bemerkt: Dieser Film verdiente einen Großteil seines Geldes erst auf DVD.
Kann sich noch jemand an diese großartige Erstauflage erinnern? Packpapier. Paketband. Als hätte man dir etwas Verbotenes per Post geschickt.
Damals hatten Studios noch Mut.
Sie verkauften dir nicht nur eine Disc.
Sie verkauften dir eine Idee.
Heute bekommst du meist ein Steelbook und die hundertste Variante desselben Covers.

Der Ton liegt im besten Fall als DTS-HD 5.1 vor.
Er macht keinen Lärm um sich selbst.
Keine Explosionen, die beweisen wollen, wie teuer die Anlage war. Kein Surround-Zirkus. Fight Club ist ein Film über Gespräche. Über Menschen, die versuchen, sich selbst zu verstehen und dabei alles zerstören.
Die Dialoge sind klar und sauber abgemischt.
Das ist das Entscheidende.
Natürlich wäre mehr möglich gewesen. Ein wenig mehr Druck. Mehr Räumlichkeit. Mehr Mut.
Aber der Ton erfüllt seine Aufgabe.
Er dient dem Film.

Technische Ausstattung

Bildformat:
3840x2160p UHD (2.39:1, 2.40:1) @24 Hz 4K native, HDR10
Video-Codec: HEVC

Ton UHD:
Deutsch DTS 5.1
Englisch DTS-HD MA 5.1
Italienisch DTS 5.1
Japanisch DTS 5.1
Spanisch DTS 5.1
Lateinamerikanisches Spanisch DD 5.1
Polnisch DD 2.0
Tschechisch DD 5.1

Ton Blu-ray:
Deutsch DTS 5.1
Englisch DTS-HD MA 5.1
Italienisch DTS 5.1

Untertitel UHD:
Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Dänisch, Finnisch, Italienisch, Japanisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Spanisch, Lateinamerikanisches Spanisch, Tschechisch

Untertitel Blu-ray:
Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch

Bonusmaterial

Beim Bonusmaterial zeigt sich erneut die merkwürdige Logik des Heimkinosammlers.
Vier Audiokommentare.
Alle auf der 4K-Disc.
Alles andere?
Dafür darfst du die Blu-ray einlegen.
Es ist diese Art von kleiner Respektlosigkeit, die niemanden überrascht und trotzdem nervt.
Die Audiokommentare lasse ich bewusst aus.
Ich möchte keine Erklärung.
Ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich empfunden haben soll.
Filme gehören irgendwann dem Zuschauer.
Nicht mehr dem Regisseur.
Nicht dem Studio.
Nicht den Menschen mit dem Mikrofon.
Zu entdecken gibt es dennoch genug:
– „Flogging Fight Club“ – ein Ausschnitt einer Spike-TV-Sendung mit Mel Gibson als Gastgeber. Seltsam. Subversiv. Sehenswert.
– Deleted & Alternate Scenes mit kurzen Kommentaren. Empfehlenswert. Wie Blicke in Paralleluniversen, in denen kleine Entscheidungen andere Filme erschaffen hätten.
– Behind the scenes: Dutzende Featurettes, Drehortbesichtigungen, alternative Tonspuren und wechselbare Kameraperspektiven.Irgendwann wird Dokumentation zur Inventarliste.
– Werbematerial: Teaser und Trailer. Zu viel Nähe nimmt dem Zauber die Luft.
Man muss nicht jede Schraube sehen, um eine Maschine zu lieben.

Und jetzt zum Fazit

Kaufen.
Nicht weil 4K UHD dein Leben verändert.
Nicht weil Steelbooks glücklich machen.
Nicht weil Bonusmaterial Antworten liefert.
Sondern weil manche Filme Besitz rechtfertigen.
Die meisten Filme konsumiert man und vergisst sie wieder.
Einige begleiten einen.
Und eine Handvoll wachsen mit einem mit.
Du schaust sie mit zwanzig und erkennst Rebellion.
Du schaust sie mit vierzig und erkennst Einsamkeit.
Du schaust sie mit sechzig und erkennst Vergänglichkeit.
Fight Club verändert sich nicht.
Du tust es.
Das ist der Unterschied.
Die 4K-Umsetzung überzeugt. Das Steelbook hätte besser sein können, ist aber weit davon entfernt, schlecht zu sein. Das Bonusmaterial ist umfangreich genug, um neugierige Zuschauer tagelang zu beschäftigen.
Und der Film?
Er bleibt einer der wenigen, die es tatsächlich wert sind, einen Platz im Regal zu beanspruchen.
Die Dinge, die du besitzt, irgendwann besitzen sie Dich…
Stimmt!

Fight Club UHD+BD (Lim. Steelbook) (Blu-ray)
Darsteller: Various (Darsteller), Various (Hauptdarsteller)
Regie:
Studio: LEONINE (LEONINE Distribution GmbH)
Laufzeit: Minuten

Amazon.de Preis: EUR 34,99
(Blu-rays sind nicht mehr versandkostenfrei! Unter 39€ Bestellwert: 2,99€ Versandkosten -> auf ~1,10€ reduzieren)


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