Antwort auf: Heute habe ich mir folgenden Film angesehen…. (2018)

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DerSchweiger
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@derschweiger

(Incident in a) Ghostland
Achtung: Spoilergefahr!

Eins vorweg: Horror, Grusel, Torture ist nix für die Sneak! Was da im Publikum abgeht ist widerlich und unerhört.. sicher, Angst übertüncht man in Gesellschaft mit gekünsteltem Gelächter, aber das hier ging mir bei „Winchester“ schon arg auf den Senkel, gestern wurde dann aber wirklich der Vogel abgeschossen. Hauptsache wir lauschen in andächtiger Stille einem „Dirty Grandpa“ – man könnte ja einen der vielen tiefgehenden Scherze verpassen…

Colleen erbt das weit abgelegene Haus ihrer Tante, das irgendwo im Niemandsland steht. Gemeinsam mit ihren Töchtern Beth und Vera macht sie sich auf die Fahrt dorthin. Beide pupertierenden Mädels gehen sich ziemlich auf die Nerven, hoffentlich bringt der Tapetenwechsel etwas Ruhe in das Zusammenspiel.
Kaum haben die Frauen ihre Koffer ins (schrullige) Haus gebracht, werden sie von zwei Schlächtern überfallen, die sie töten und vergewaltigen wollen (Reihenfolge: Random).
Colleen gelingt es, beide mit letzter Kraft unschädlich zu machen.
Beth, die den Überfall schadlos überstanden hat, entwickelt sich 16 Jahre später zur erfolgreich(st)en Horror-Schriftstellerin und stellt nun ihr persönlichstes Werk „incidents in a ghostland“ vor.
Doch bevor sie ihren Erfolg feiern kann, erhält sie von ihrer Schwester (die es beim Überfall übel erwischt hat) einen alamierenden Anruf.

Zwischenzeitlich musste ich mal nachfragen, ob da ein gewisser Herr Zombie seine Finger im Spiel hatte und nach vielen Jahren wieder etwas Wind in seine Filme bekommen hat (nein, hat er nicht).
Insgesamt lässt mich der Film etwas ratlos zurück. Ich führte ja schon mal an, dass ich mit Torture/Rape/etc nicht so viel anfangen kann, und da war das Gesehene dann doch etwas – nun ja – happig.
Allerdings, und so viel sei verraten, wer auf uncut Gore und harte Revenge-Streifen steht, der wird hier nicht viel Freude haben. In einigen Szenen hatte ich das Gefühl, dass der Film nicht gänzlich uncut ist – ist allerdings nur eine Vermutung (habe und werde das nicht googeln).

Zu gute halten möchte ich, dass der Film einen Twist aufweißt, der für mich eher unerwartet kam. Alles Weitere ist bussiness as usual, weniger blutig aber leider auch arg plausibel.
Da wird gewürgt, bis Erbrochen wird, geschrien, geweint, gekrazt, in die Hose gemacht – misshandelt, vergewaltigt (wenngleich auch „nur“ außerhalb des Bildbereichs).
Leider verliert der Film bei der Inszenierung der „Bösewichte“. Die sind in der Tat – neben ihrer perversen Gewaltätigkeit – einfach lächerlich inszeniert. Hier finden keine Dialoge oder Motive einen Ausdruck. Das mag den Film möglicherweise das geben, was er braucht, für mich jedoch fehlt da etwas Wesentliches.

Wer in die Welt des Torture oder Terror mal reinschnuppern möchte, und dem dabei „Last house on the left“ (z.B. -> ihr seht, dass ich da wahrlich nicht up-to-date bin ;) ) zu alt ist, der kann mal einen Blick riskieren.
Vielleicht nicht zwingend im Kino, denn so lustig wie alle getan haben, war es tatsächlich nicht.
Wer sich gerne und öfter in dem Genre bewegt, wird möglicherweise vieles vermissen.

Unter dem Strich kann ich nicht bewerten, inwiefern sich der Film im Universum des bloßen Angst-und-Gewaltkinos einreihen darf (ich fand ihn „sehenswerter“ als z.B. „I spit on your grave“, einfach weil ich dieses Revenge-Gore Zeugs nicht abhaben kann). Er hätte um Einiges verstörender auf mich wirken können, wenn z.B. die Täter nicht derart „billig“ in Szene gesetzt worden wären und dazu viel zu viele Zitate (etwa TCM) und arg billige Twists eingefügt worden wären. Dann haben wir aber auch den ein oder anderen erhellenden Moment und eine Schreibmaschine, die ihren Zweck erfüllt.
Der Score war hier und da ein wenig ärgerlich plaziert, gegen Ende in zwei Momenten aber auch sehr wirksam eingesetzt. So ganz ohne Gedudel hätte ich es in einigen Szenen wohl intensiver empfunden – sagen wir in diesem Fall also mal „Glück gehabt“.
Vielleicht wirken sich nun auch die Manieren des Publikums auf die Gesamtnote aus, aber das ist wahrlich kein Film, für den ich eine Empfehlung aussprechen möchte.

5/10