DerSchweiger

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    @derschweiger

    @derschweiger Ich hatte dich ja vorgewarnt, aber das hilft ja bei einer Sneak nicht. 😂

    Genau, das Risiko ist stets Beifaher :D Über das Sneak-Jahr bisher kann ich mich trotzdem nicht beschweren… auch wenn der gestrige Film noch kommentiert werden will :/

    #251587
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    @derschweiger

    Clown in a Cornfield [Sneak Priview]

    Manchmal schaut man Filme und denkt sich: Man ist der „dünn“. Dann erfährt man, dass da aber ganz viele wichtige und politische Botschaften drin stecken, Sozialkritik und Tralala… Prädikat: Musst du gucken!
    Ähnliches (wenn auch abgeschwächt) ist mir dann auch über diese Clownsnummer über den Weg gelaufen.

    Quinn und ihr Vater ziehen aus der Stadt in ein kleines Nest auf dem Land, mitsamt gekaufter Bruchbude, die zuvor freilich nicht besichtigt wurde. Grund hierfür ist der Tod der Mutter.
    Schnell wird klar: Papa ist der zu erziehende Mensch, der vor Ängsten und Prüfungen des Lebens davon läuft. Töchterchen ist tough bis zum Ende und sagt ihm bereits bei der Ankunft im neuen Heim, wie er sich bitte zu verhalten habe.
    Rasch findet Quinn Anschluss in der Schule, wird dabei aber mit Nachsitzen belohnt.

    Tatsächlich scheint ein Fluch über dem Örtchen zu schweben, denn egal was unsere „Freunde“ so unternehmen, es wird ihnen stets zum Nachteil gereichen.
    Einerseits weltlich, mit Nachsitzen, Hausarrest und Gefängnis.
    Andererseits mit Tod. Denn das ehemalige Maskottchen der pleitegegangenen Fabrik, ein Clown, stellt den Jugendlichen nach und tötet sie nach und nach.

    Das klingt nach dem üblichen Slasher. Ja, was will man da reindichten? Sex kills? Hat hier nur keiner – also was anderes?
    Wer hier eine kluge Auflösung wünscht, wird bitter enttäuscht.
    Doch bis dahin wird jede Etappe jedes handelsüblichen Slashers abgespeißt. Die ersten Minuten war ich davon schrecklich gelangweilt, denn es wird nicht einmal eine Sekunde darauf verschwendet, eine der hier gezeigten Figuren auch nur im entferntesten Sympathisch oder nahbar zu zeichnen.
    Es sterben Menschen, teils „kreativ“, so what!

    Dann irgendwann will der Film Meta werden. Scream und Scary Movie lassen grüßen. Innerhalb und auch mit einigen Kills verwebt, wird dann mitunter Slapstik-Humor eingebaut. Die Idee, zuvor eine falsche Fährte im Ton des Films zu legen will ich wertschätzen, ist aber ungenügend umgesetzt.
    Der Sprung in den herzhaften Humor, wo fast noch der sterbende selbst mit den Schultern zuckt, wenn es zum blutigen Ende kommt, reißt dabei keine Mauer ein.

    Hier möchte ich nicht unnötig ungerecht sein, denn einige Szenen und Reaktionen fand ich gut pointiert. Vieles drumherum aber bemüht und geklaut.
    Der Twist, wenn enthüllt wird, wer oder was der böse Clown dann ist… tja, der überrascht dann irgendwie schon und wirft dabei einige Fragen auf. Deren Auflösung will dann das politische Spiegelbild unserer (westlichen) Gesellschaft sein. Raubbau der Gegenwart und Auslöschen der Zukunft unserer Kinder (Hier natürlich in Form von Kills interpretiert). Und doch einfach eine übliche „Blablabla“ hingerotzte Auflösung, bei der man genervt den Vogel zeigt.

    Während eine Woche zuvor „Guns up“ eine Herausforderung darin stellte, wach zu bleiben, will „Clown in a Cornfield“ dem in nichts hintenanstehen. Aus dem Alter bin ich einfach raus – kann man so sagen, denn in jüngeren Jahren schaute ich gerne Dinge wie „Final Destination“ und Co und freute mich, wenn es blutig daher kam.
    Der Film passt da schön in diese Riege, für mich natürlich einige Jahre zu spät.
    Gepackt hat mich nichts, drei – vier Gags laden zum lauten Schmunzeln ein… und wenn dann der Kinosaal RambaZamba feiert, ist es mir auch fast egal gewesen.

    Der Film wird sicher seine Zielgruppe haben und möglicherweise als Insider-Tipp gelistet werden (in manchen Horror-Foren wird ja auch „Scary Tales to tell in the dark“ als Referenz moderner Slasher geführt). Insofern sei jedem sein Spaß mit dem Film gegönnt.
    Ich finde ihn von vorne bis hinten Gaga. Anfangs, weil scheußlich geschrieben – hintenraus, weil der Humor nicht, bzw. viel zu selten fruchten kann.

    Im Stream tut er nicht weh und wirkt dann vielleicht weniger abschreckend als im Kino mit grölendem Publikum.
    Gesehen habe ich ihn nun trotzdem, deshalb

    3,5/10 (wohl wissend, dass er nicht für mich gemacht ist)

    #251585
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    @derschweiger

    Desperado [Kino]

    Nach den Kubrick-Wochen im Kino, ging es dann mit Robert Rodriguez weiter. Mir fiel dabei auf, dass ich seinerzeit seine Filme gerne öfter angeschaut hatte, aus den nun sechs angebotenen Vorstellungen aber nur zwei besuchen möchte.

    El Mariachi ist back in town. Nachdem seine Frau eines gewaltsamen Todes starb, sinnt er auf Rache. Auf seinem Feldzug mäht er alle Verbündeten des Banditen Bucho um. Als er seinem Feind endlich greifbar nahe ist, ist er seines Lebens nicht mehr sicher…

    So viel zum Plot, und das ist auch OK so. Überschreiben könnte man den Film noch als klassischen „Männerfilm“.
    Tatsächlich war der Kinosaal mit gut 90% männlich gelesenen Menschen besetzt.
    Auch das ist halb so wild, hier zähle ich mich als männlich gefühlter Mann zur Zielgruppe.

    „Desperado“ schaut sich schnell weg, ist kurzweilig und gewürzt mit scharzhumorigen Kills und Dialogen. Mitte der 90er an jeder Ecke zu schauen, und trotzdem ragt der Film aus der großen Masse heraus.
    Warum? Weil er schön dreckig gefilmt ist. Es spritzt Blut, wo es spritzen soll. Der Held wird angeschossen und trägt Wunden davon. Und gestorben wird häufig mit einem Augenzwinkern.
    Mit Antonio Banderas hat man hier auch den perfekten Darsteller gefunden. Stoisch und mit einer spürbaren Portion Selbstironie verkörpert er den innerlich zerrissenen Antihelden.
    Zur Seite steht ihm Steve Buscemi. Beide harmonieren gut in ihren wenigen gemeinsamen Szenen, der emotionale Impact bei einer Sterbeszene ist dennoch minimal.
    Danny Trejo, Cheech Marin und Tarantino laufen auch durch das Bild.
    Will aber keiner wissen, denn da fehlt ja noch Salma Hayek.
    Dabei ist sie nicht alleine das Sex-Interest des Mariachi, sondern funktioniert in nahezu allen Szenen wunderbar. Angefangen bei der Operation im Buchladen, über die ersten Gespräche und der Szene mit dem Schurken Bucho. Auch wenn sehnlichst erwartet, wirkt die erotische Zusammenkunft Banderas und Hayeks zu gewollt eingefügt. OK, andererseits wäre das Auslassen auch eine Verschwendung an Talent….
    Der Twist am Ende ist dann so aufregend wie der Plot an sich – egal, es wird geballert und getötet.
    Fertig, aus.

    Inszenatorisch macht der Film tatsächlich weiterhin Freude. Der Cast der drei Protagonisten funktioniert sehr gut für das, was gespielt werden soll. Ab Bucho fällt dann die „Tiefe“ der Figuren spürbar ab, der Rest ist Kanonenfutter.
    Zugegeben: Mehr wollte ich damals nicht. Und auch heute steht „Desperado“ die große Leinwand gut zu Gesicht.

    Selbstredend hat der Film seine Schwächen, aber wenn man plötzlich Zielgruppe ist, kann man gönnerhaft darüber hinweg sehen :)

    8/10

    #251381
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    @derschweiger

    Guns up [Sneak Preview]

    Der King of Queens in einer Gangsterkomödie. Nachdem er ja zwischendurch als Nazi und Mädchenverklopper aufgefallen war, ist es nun ein Back to the roots?

    Ray arbeitet als Cop, kommt finanziell aber nicht sehr weit. Jedenfalls nicht so weit, wie es seine Ansprüche sich und seiner Familie gegenüber fordern. Seinen Kindern möchte er die bestmöglichste Ausbildung bieten, seiner Frau das lang ersehnte eigene Diner. Kostet bloß ein bisschen… also woher mit dem Geld?
    Gut, dass in der Stadt eine kriminelle Bande ihre Arbeit verrichtet. Die benötigen einen Geldeintreiber und bezahlen gut.
    Als dann eines Tages der Bandenboss stirbt, will Ray aussteigen. Der Gangsterkodex und neue Bandenchef widersprechen aber seinem Vorhaben.
    Wie kann er sich nun aus dieser Lage befreien?…

    Im ersten Drittel des Films war noch gar nicht so offensichtlich, dass es hier eine Gaunerkomödie geben würde. Klar, Kevin James ist am Start, aber scheinbar gibt er sich Mühe, zu Beginn seriös aufzutreten.
    Das tun die übrigen Figuren auch… irgendwie. Allerdings sind sie so sehr in Klischees eingetütet, dass es schon aus der Zeit gefallen wirkt.
    Dann wird hier ständig von einem Codex gesprochen (denn gute Gangster haben Ehre und so), wenn er das nötige Geld habe und dann aussteigen wolle, wäre das irgendwie ok.
    Die Dialoge sind dumm, das Storytelling schwankt zwischen konventionell und wirr.
    Immerhin wurde in die Kamera und Blut investiert. Die zwischenzeitliche Härte kommt dann doch beinahe unverhofft und wirkt dabei sogar ernst.

    Ab der Hälfte des Films wird dann mehr und mehr offensichtlich, dass Doug Heffernan mit dabei ist. Zwar dezent, aber immer wieder zu erkennen.
    Die Stimmung des Films kippt dann auch sehr ins Absurde. Zwar wird der Action- und Härtegrad nach oben gedreht, sind dabei aber in aberwitzige Momente eingebettet.
    Solche Actionkomödien können durchaus Spaß machen, hier trifft man aber zielsicher (an meinem) Humor vorbei. Im Geballer der letzten 15 Minuten war ich dann tatsächlich kurz eingenickt. Das Ende ist dann aber ohnehin wie zu erwarten.

    Neben Kevin James gibt sich Christina Ricci die Ehre. Gemeinsam haben sie keine sonderliche Chemie, die gemeinsamen Gags insbesondere zum Ende, können so bei mir nicht zünden.
    Das anfängliche Schwanken von Ernsthaftigkeit (mit schrecklich dummen Dialogen) und komödiantischen Einlagen (Hihi, der Kill war witzig) gelingt im OK-Bereich.
    Auch der besondere Witz, wie der Killer Ray seine Kinder erzieht, ist zu aufgesetzt und eher schräg als komisch.
    Mit Wohlwollen ist es ein Film, den man Freitag Abends im Stream anschaut, wenn der Tag stressig war und man mit einer gewissen Müdigkeit etwas leichtes zum Abschalten braucht.
    Wer dem hier gezeigten Humor offen gegenübersteht, wird sicherlich mehr Saß haben als ich.

    4/10

    #251263
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    Late Night with the Devil (Prime)

    8,5 / 10 Jingles

    Mein erster Reflex: Uh, den habe ich voriges Jahr besser bewertet :D
    Nochmal nachgeschaut und dem war nicht so. 8,5 hochverdiente Punkte, die mir rückblickend einen halben Punkt zu wenig erscheint. Werde ich die Tage aber unbedingt nochmal schauen!

    Late night with DerSchweiger

    #251173
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    @derschweiger

    Black Mirror (Staffel 7) [Netflix]

    Irgendwie war die neue Staffel dann da. Hatte es nur so am Rande mitbekommen und dann noch zwei, drei Wochen gewartet, ehe ich mich dafür bereit fühlte.

    Die ersten drei Staffeln fand ich meist stark. Danach hat mich kaum noch eine Folge packen können. Staffel 6 war dann letztlich als „schlecht“ zu benennen.
    Kann die neue Staffel das Ruder wieder herumreißen?
    Ja und Nein.

    Tatsächlich gibt es hier zwei Episoden, die ich recht stark finde. „Hotel Reverie“ und „Eulogy“ sind die zwei Episoden, die auch etwas mehr aus dem „Die Technik von Heute wird unser Verderben in der nahen Zukunft sein“-Brei herausragen.
    Hier herrscht neben den Technik-Gimmicks der Faktor Gefühl. „Hotel Reverie“ driftet hier im letzten Drittel zwar ein wenig ins „Ach, das kennt man schon“ ab, nimmt aber eine gute Wendung.
    „Eulogy“ wird durch Paul Giamatti getragen. Intensiv und authentisch.
    Die Geschichte dahinter ist dann auch eher klassisch, steht dem Technik Overflow aber gut zu Gesicht.

    Beiden Folgen würde ich 8/10 geben.
    „USS Callister“ ist die Fortsetzung einer alten Episode. Braucht man nicht. Zu lang, zu langweilig.
    3/10
    „Spielzeug“ ist da nicht viel besser. Etwas zu aufgebläht, der Impact vom Finale geht durch die Erzählweise auch leider völlig flöten. 4/10
    „Gewöhnliche Leute“ ist dann eine bessere Folge, wobei die Story an sich auch schon ein paar Mal erzählt wurde.
    Hier fehlt mir der erzählerische Kniff, der eine tiefere Bindung zur Handlung herführen könnte. Zwar ist sie stark gespielt, aber dennoch sehr „klinisch“ gehalten. Mir geht sie jedenfalls nicht sehr nahe.
    6,5/10
    „Bete Noire“ ist in seinem Thema spannend. Aber: Ich kann mich nicht mit den Figuren anfreunden. Klar, vielleicht soll das ja auch so sein… weil böse Zukunft und böse Menschen…
    6,5/10

    Damit landet die Staffel bei Durchschnittlich 6/10 – deutlich besser als die Vorherigen.

    #251170
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    @derschweiger

    @thanassi
    Danke für Deinen Einwurf. Nur ein letzter Satz zur Spannung: Es muss da ja nichts hinzugedichtet werden, das Drama an sich ist ja dramatisch genug. In der Form, wie der Film gedreht ist, geht die Rechnung bei mir aber auf „Unterhaltungsebene“ nicht auf. Keine Bindung zum Cast / den Figuren, wenig Spannungsaufbau beim Rettungsversuch.
    Das war halt so, ok. Deswegen mein Gedanke: Dann reicht doch die Doku, wenn der Film letztlich die erzählerische Ebene einer Doku nur sehr ungern verlassen möchte.

    Red Heat [Kino]

    Im Rahmen der „Best of Cinema“ Reihe habe ich diese Woche die Sneak Preview hergegeben, um mir einen Kultfilm meiner Jugend in groß anzuschauen… lohnt das überhaupt?

    1988 rappelt es in Moskau. Georgische Drogenhändlern gelingt es mehrfach, Kokain nach Russland zu schmuggeln. In einem kommunistischem Paradies eigentlich undenkbar. Und so muss der Staat handeln, denn wir alle wissen, dass man in Russland (damals wie heute) sehr große Sorgfalt auf das Wohl der Bevölkerung legt. Drogen machen tot, davor muss der Russe geschützt werden.
    Ivan Drako…. Sorry, Ivan Danko ist der härteste Hund der Moskauer Miliz und soll den Laden aufräumen.
    Das gelingt mäßig, denn der Georgier flieht in die USA und hält den Drogenschmuggel weiter am Laufen.

    Durch einen Zufall wird dieser Dealer einige Zeit später in Chicago gefasst. Danko darf in die USA reisen, um ihn zurück in die Heimat zu bringen (wo der Tod auf ihn wartet).
    Vor Ort wird ihm der übergeschnappte Cop Art zur Seite gestellt.
    Die Überführung gelingt nicht wie geplant und schwupps steht das ungleiche Paar vor der Aufgabe, den Georgier zu schnappen.

    Mehr Handlung braucht es dabei eigentlich nicht. Der FSK18 Stempel steht heute noch prominent hinter dem Film – hmmm, weiß nicht.
    Heute ist es weniger die kompromisslose und schmerzhafte Ermittlungsart Dankos, die von sich Reden machen lässt, als das lose Mundwerk von Art. Der rotzt und pflegelt sich durch den Film, dass es teilweise eine wahre Wonne ist.
    Die Optik finde ich auch heute noch sehr ansprechend. Eine runtergekommene Stadt, die auch im Tageslicht nicht sehr freundlich wirkt, und trotzdem eine gute Abmischung des Sehrbaren im Dunkeln. (Gerade hier können sich einige Filme der letzten Jahre etwas abschauen.)
    Schwarzenegger als meist stoischer Russe imponiert durch Gestalt und Charisma. „Der kann nicht schauspielern“ hieß es damals. Dabei hat er schon den Predator in den Hinter getreten etc…
    Kein Oscar, so viel darf klar sein, aber selbstverständlich macht er seine Figur greifbar.

    Dass beide Charaktäre ihre jeweiligen Widersprüche durch den Film tragen, empfinde ich nicht als inszenatorische Schwäche, sondern vielmehr als Stärke.
    So wird dem Russen im Laufe des Films vermeintlich glaubhaft die Oberhand gelassen – Russland sei eben moralisch den USA überlegen. Kein Widerspruch des Amis und der Film folgt diesem Weg weiter.
    In Zeiten des Eisernen Vorhangs recht mutig.
    Die Action emfpand ich selbst damals als nicht besonders üppig (da war man von Arni schon anderes gewohnt). Aber: das tut dem Film durchaus gut.
    Auch die Chemie der beiden Hauptcharaktäre untereinander scheint nie gänzlich aufgeklärt zu werden. Das ist ok, für beide ist es eben ein Job und kein Austausch zur Überprüfung persönlicher Werte.

    Insofern ein sehr straighter Action-Buddy Film im Rahmen der späten 80er Jahre. Bester Film aller Zeiten? Ne, hat hoffentlich niemand behauptet.
    Auch, dass er im „Best of Cinema“ auftaucht, ist eher überraschend.
    Tja, und dann siegt eben der persönliche Blick auf den Film. Filmisch aufgewachsen mit den harten Hunden Stallone und Schwarzenegger fühle ich mich bei deren Filmen ohnehin gut aufgehoben.
    Für mich einer der stärksten Schwarzenegger Filme, einfach weil es passt.

    Höchst subjektive 8/10

    #251084
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    Last Breath [Sneak Preview]

    Ein Film über eine wahre Begebenheit. Ein Film, dem zuvor schon eine ausführliche und gefeierte Doku voran ging.
    Zuletzt ähnlich erfahren beim „Menendez“ Fall. Spannende Doku, dann ein Film, wo man sich fragen stellt wie: Ist das Satire?

    Aber was haben wir hier? Großartikes Kino oder eine Gurke?

    Auf den Böden der Weltmeere tummeln sich allerhand Pipelines. So auch in der Nordsee. Und diese benötigen natürlich regelmäßige Wartung, Reparaturen etc.
    Hierfür gibt es speziell geschulte Taucher, die in einem körperlich anstrengendem Prozedere auf den Grund der Nordsee abgelassen werden.
    Bei einem Tauchgang geschieht es dann: Taucher Nr. 2 bleibt hängen, sein Versorgungskabel reißt, er bleibt mit einer geringen Ration Sauerstoff zurück.
    Die Crew des Schiffes und seine Taucherkollegen tun nun ihr Möglichstes, ihn zu retten.

    „Basierend“ auf einer wahren Begebenheit kann dann zwei Dinge bedeuten: Der Typ stirbt, aber vollbringt mit oder vor seinem Tod eine heldenhafte Tat, die mehrere seiner Mitmenschen rettet.
    Oder: Der Typ überlebt. Irgendwie.
    Was nun hier passiert, will nicht verraten werden (also bitte nicht die Doku vorab schauen!).

    Verraten kann man wohl, dass, sofern eine der beiden genannten Möglichkeiten den Plot abrunden, die Spannung relativ gebremst daher kommt.
    Vieles wirkt wie nebenbei gefilmt. Eine Dramaturgie ist im filmischen Sinne kaum spürbar.
    Das könnte daran liegen, dass der Regisseur eigentlich für Dokus zuständig ist. Gut, Erklärung gefunden.
    Sehr stark integriert er aber Videoaufzeichnungen des tatsächlichen Vorgangs in den Film. Mit diesem Wissen weckt es natürlich Beklemmungen (relativiert bei mir aber auch irgendwie den Faktor Spannung).

    Kann denn das Schauspiel hier etwas rausholen? Na ja, die Protagonisten (außer Woody Harrelson) stecken die meiste Zeit unter einem Taucherhelm. Die Crew auf dem Schiff tut ihr Möglichstes, die Anspannung zu transportieren. Na ja…
    Schön dabei ist, dass Harrelson schauspielert – ist ja nicht immer garantiert.
    Die Verlobte von Taucher Nr. 2 dagegen irgendwie nicht. (Edit: Die ursprüngliche Umschreibung ist entfernt – hier war ich über das Ziel hinausgeschossen. Falls es schon jemand lesen „musste“…sorry)…
    Klingt fies? Sorry, ihr Schauspiel ist es auch.

    Am Ende kommt das Ende und man fragt sich: Ja echt?
    Ja, echt! War so.
    Bei ähnlicher Thematik hat es vor langer, langer Zeit einmal „Der Sturm“ richtig gut gemacht. Klar… theatralisch, Tränendüse etc., aber da hat es funktioniert. Hier plätschert es irgendwie dahin, obwohl die Spannung einen eigentlich aus dem Sessel ziehen sollte.

    Dafür, dass es tatsächlich so gewesen ist kann man natürlich jubeln. Der Film spart aber leider an einigen wichtigen Dingen ein (Spannungsaufbau, Schauspiel).
    Spätestens das letzte Drittel ist schon beinahe zäh anzuschauen… na ja, man mag das Genre oder man mag es nicht (Den Menendez Film (bzw. Serie) fand ich übrigens auch Panne – insofern kann ich getrost sagen, dass es schlicht gegen meine Vorlieben geht).

    5/10

    #251082
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    Shining [Kino]

    Nach dem beeindruckendem Erlebnis von „Clockwork Orange“ im Kino, war ich nun auf einen der größten und meist zitierten (Horror)Filme gespannt.

    Klar, geschaut hatte ich ihn schon gefühlt 100 Mal, aber Kino ist dann in den meisten Fällen doch nochmal anders.
    So auch hier.

    Über die Story muss wohl nicht viel erzählt werden: Ex Lehrer und angehender Autor Jack erhält ein Jobangebot im Overlook Hotel in den Bergen von Colorado. Er soll den Laden den Herbst und Winter über in Stand halten. Heizanlage kontrollieren, evtl. auftretende Schäden reparieren etc. Hausmeister eines Geisterhotels.
    Seine Frau Wendy und sein Sohn Danny begleiten ihn.
    Bald stellt sich heraus, dass die Einsamkeit in diesem Hotel nichts Gutes hervorruft. Es beginnt ein Kampf gegen die Geister des Hotels und den Geistern in sich selbst.
    Werden sie den Frühling gemeinsam erleben können?

    Spannender als eine Bewertung des Films ist beinahe schon die Frage, ob man pro oder contra King ist – also: Der Film ist Scheiße oder doch geil? Zum Glück hat uns der große Autor einige Jahre später seine Interpretation des Films in Form einer Serie geschenkt. Sicher, hier bekommen die Figuren und die Handlung mehr Raum zur Entfaltung. Dafür sind die Dinge aber recht einfach gestrickt. Der Horror ist typischer 90er Jahre Quark und gefühlt Schrecken dem Schrecken willen.
    Zugegeben kann ich hier nur eine vage Erinnerung aufrufen. Mehr als eine Ausleihe aus der Videothek seinerzeit hat er bei mir nicht geschafft – dabei wurde noch nichtmal eine leere VHS zur Sicherung geopfert ;)

    Tja, vielleicht ist es so, dass man eher diesen oder jenen Film mag.
    Den Roman hatte ich als Jugendlicher gelesen und selbstredend hat Kubricks Verfilmung nicht alle Elemente davon an Bord.
    Warum er den Zuschlag für den Film bekommen hat, ist rückblickend natürlich die Frage aller Fragen: Man kannte doch seine vorherigen Filme und was ließ einen glauben, er würde dem Zuschauer den Schrecken seines Lebens verpassen?

    Aber ist das so? „Shining“ ist gruselig! Weil hier etwas Reales passiert. Da springt kein Clown aus dem Gulli, kein Zombiekind trachtet nach dem Leben des Vaters, keine Außerirdischen oder sonstiger Kram.
    Es ist der Wahnsinn, der vom Familienvater Besitz ergreift und auch der Sohnemann bleibt davon nicht unbeeindruckt.
    Schritt für Schritt folgen wir den beiden bei der Entdeckung von Geistern und dem zuvor stattgefundenem Schrecken im Overlook Hotel.
    King hat wohl unter anderem kritisiert, dass das Hotel nicht wie von ihm erdacht, das Böse im Film darstellt.
    Dem kann man zustimmen, aber selbstverständlich lässt sich der Film auch in diese Richtung schauen. So sind die Geistererscheinungen, die Einfluß auf Jack und Danny nehmen, genauso gut als „Geburten“ des Hotels zu verstehen.
    In der letzten Szene wird dieser Eindruck (wie ich finde) ziemlich gut auf den Punkt gebracht.

    Aber das mag Haarspalterei sein – außer für den Autor natürlich.
    Spannend dann tatsächlich die Wirkung des Films (Baujahr 1980) auf jüngere Zuschauer als mich.
    „So was schlechtes habe ich noch nie gesehen“ – „Miese Schauspieler“ – „Katastrophale Regie“ – „Kein Horror“
    Ja…. und das Modell des Weißen Hai würde als CGI natürlich deutlich besser wirken.
    Ich kann Aspekte davon verstehen – schlechte Schauspieler? Junge, Jack Nicholson!! Seine Performance ist auf einem schaurig starken Niveau.
    OK, über Danny Lloyd als Danny (Haha, immer noch witzig) kann man streiten. Heute würden seine Visionen natürlich ähnlich großartig in Szene gesetzt werden wie in „Imaginary“ … (nochmal Haha – reingefallen!). Dieses „Da ist jemand in mir“ Ding ist schwer darzustellen. Gut möglich, dass die Synchro hier einen Strich durch die Rechnung macht: „Redrum“ eben.

    Letztlich ein kurzes Wort über die Regie: Ja, was will man denn da bemängeln? Sicher, wenn man Blut aus allen Ritzen fließen sehen will, Kopf ab, Schreie hier und Schreie da… dann ist man möglicherweise enttäuscht.
    Kubricks Reise ins Overlook Hotel ist schaurig. Auf eine stille und zäh wirkende Art. Dabei steckt in jeder Szene ein innerer Konflikt und Angst. Die Kamerafahrten, die Dialoge in beinahe endlos langen Szenen… Junge, da spricht jemand über schlechte Schauspieler? Kubrick hat hier viel gefordert, ganz sicher zu viel. Nicht alle Darsteller sind heil aus der Nummer rausgekommen.
    Stellt sich die moderne Frage: Kann man das Werk vom Künstler trennen? Ich vermute, wer Filme über den Standart erleben möchte, die neue Wege gehen und für die Zukunft eine Inspiration darstellen, dann muss man es als Zuschauer erdulden (man frage da z.B. bei Hitchcock, Cameron, Whedon und dem „Roar“ Typ nach).

    Tja, sorry! Viel Blabla über alles, was man schon längst wusste.
    „Shining“ – ein großartiger Film. Nicht der beste Kubrick, nicht der beste Horror… aber großartig.
    Ach ja, und wer in „Hereditary“ die Szenen in der Szene feiert, möge doch nochmal hier vorbeischauen ;)

    Haut mal raus: Welche Verfilumg bevorzugt ihr? Und kann „Shining“ tatsächlich ein schlechter Film sein?

    Meine Antwort: 10/10 (Test der Zeit trotz kleiner Wehwehchen und auch „trotz“ der Abkehr zur literarischen Vorlage)

    #250976
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    Der Pinguin meines Lebens [Sneak Preview]

    Tom wird Englischlehrer an einer Privatschule in Bueno Aires. Der Zeitpunkt hierfür ist denkbar schlecht, denn in der Regierung geht es bergab. Die Wirtschaft fällt ins Chaos, Inflation zeichnet das Land und ein militärischer Widerstand macht sich bereit, die Dinge „ins Lot“ zu bringen.
    Tatsächlich aber scheint sich Tom für solche Dinge nicht zu interessieren. So erscheint er uns bald als stets zynischer Mann, der den Anspruch des Bildens verloren zu haben scheint.

    Als es dann tatsächlich zum Putsch kommt, wird die Schule für eine Woche geschlossen. Tom und sein Kollege nutzen die Zeit, um einen Ausflug nach Uruguay zu machen und sich die dortige Damenwelt anzuschauen.
    Anstatt eines One-Night-Stands bekommt Tom dann aber einen Pinguin, den er zuvor aus einem Ölteppich am Strand befreite und im Hotel aufpeppelte. Zwar zeigt sich seine weibliche Begleiterin beeindruckt hiervon, zum Verkehr kommt es dann aber doch nicht. Dumm gelaufen – noch dümmer wird es aber, als der Pinguin in Tom einen Weggefährten sieht und ihm auf Schritt und Tritt folgt.

    Zurück in Argentinien will er ihn dann im Zoo entsorgen…. doch in der Zeit bis zur Übergabe geschehen noch eine Menge Dinge.

    Mit „Louise“ hatten wir kürzlich schon einen Film über Lehrer, ihren Bildungsauftrag und den Steinen, die ihnen in den Weg geworfen werden. Hier betrachtet man die Dinge aber von einer anderen Seite.
    Das gelingt ganz gut und ist bei 110 Minuten Laufzeit auch recht kurzweilig.
    Das liegt zuallererst an Steeve Coogan, der den Lehrer Tom vielschichtig genug erzählt um ihn auf seinen Wegen folgen zu können.
    Das Drumherum, priviligierte Oberschicht vs. dienende Unterschicht, Menschenraub zum Wohle des Landes, Verlust und Trauer und das merkwürdige Finden seiner selbst im Umgang mit dem Pinguin sind eine Menge Zutaten, die hier aber wenig aufgesetzt zubereitet werden. Einige Dinge geschehen beinahe Nebenbei, ganz ohne Erklährbär und ohne Aufklärung, wie man denn dazu stehen müsse. Augenscheinlich hier eine frühe Begegnung Toms mit seinen Schülern. Zwei „starke“ Jungs drangsalieren einen „Schwächling“ – man müsse gegen das sozialistische Schwein angehen.
    Tom geht nicht dazwischen, fordert die Jungs dann aber mit einer Grammatikaufgabe dazu auf, sich den Spiegel vor die Nase zu halten. Beinahe unscheinbar und unaufdringlich. Hätte die Kamera in diesem Moment denn auch mitgespielt…

    Um nochmals den Vergleich mit „Louise“ zu wagen: Die Kamera ist hier deutlich schwächer eingesetzt. Dabei hätte die Kulisse der Stadt einiges angeboten – man merkt aber schnell, dass man hier nur so wenig Kulisse wie nötig nutzen wollte.
    Die Begegnungen der Menschen untereinander sind ehrlich, bis zum leider zu verklärtem Finale.

    Gespielt wird dabei mit eihem starken Kontrast zwischen Humor und menschenverachtender (Staats)Gewalt. Manchmal grätscht der Humor noch in diese Szenen herein.
    Um ein ähnliches Herumeiern wie in „Louise“ zu verhindern, gibt man dem Hauptcharakter eine zwischenmenschliche Aufgabe. Ob er sie auf seiner Reise lösen kann?….

    Der Pinguin als zusammenhaltendes Bindeglied der Erzählebenen funktioniert recht gut, lässt ihn aber nicht zum vermuteten Hauptcharakter werden.
    So gehören ihm aber mit die lustigsten Szenen und auch die traurigsten – denn das Leben weiß nicht auf alles eine kluge Antwort.

    Basierend auf den Erinnerungen von Tom Michell haben wir einen (durch seine Sicht verklärten?) Film über das Aufeinandertreffen eines Zynikers und einem Pinguin – inmitten der argentinischen politischen Unruhen der 70er Jahre.
    Das bietet einige Male Bilderbuchkitsch, aber auch einen schönen Humor.
    Die Unruhen des Landes stellen den Rahmen, nie den Plot. Das kann man mögen oder kritisieren… ich tendiere aus „Wohlfühl“Gründen zu Ersterem.

    6,5/10

    #250973
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    Clockwork Orange [Kino]

    Nach Lynch gab es vier Vorstellungen, getarnt als „Best of Kubrick“. Dass „Eyes wide shut“ gezeigt wurde, „2001“ hingegen nicht, enttäuscht mich dabei.

    Alex ist Anführer einer Gang im London der nahen Zukunft 1983. Man spricht einen merkwürdig klingenden Dialekt, einige Gegenden der Stadt sind arg heruntergekommen und verwahrlost. Und hier lebt Alex mit seinen Eltern, die ihm aufgrund seines Aggressionspotentials so gut es geht aus dem Weg gehen.
    Mit seiner Gang macht er die Nacht zum Tag und nach dem Besuch der Milchbar dringt man nicht selten in fremde Häuser ein um sich dort auszutoben. So wird ein Mann derart verprügelt, dass er im Rollstuhl landet. Seine Frau wird vergewaltigt und stirbt später an den Folgen ihres Traumas. An anderer Stelle wird ein Obdachloser verprügelt.
    Und letztlich stirbt die Katzenlady nachdem Alex sie in ihrem Haus erschlagen hat.

    Von seinen Freunden verraten kommt Alex dann ins Gefängnis. Dort zeigt er sich als Musterhäftling, will uns auch weiß machen, er habe einen Weg zu Gott gefunden.
    Aussicht auf schnelle Entlassung gibt dabei aber bloß das Resozialisierungsprogramm des Innenministers. Und siehe da: Er wird für dieses Experiment ausgewählt. Resozialisierung durch Rauben des freien Willens.
    Zurück im Alltag hat Alex dann aber arge Schwierigkeiten Fuß zu fassen – die Taten seiner Vergangenheit wiegen auch heute noch schwer….

    „Clockwork Orange“ wird immer wieder mal als Gewaltverherrlichend dargestellt. Sicher, hier nutzt Kubrick eine ungewöhnliche Ästhetik zur Inszenierung der Prügeleien und Vergewaltigungen.
    Dabei ist der Film (in meinen Augen) genauso wenig Verherrlichung von Gewalt wie eine Anklage dieser.

    Dadurch, dass jede Szene eine stets spürbare Aggression in sich trägt, wird das Gewaltpotential einer Gesellschaft beleuchtet. Dabei ist es nicht allein der Täter, der den Hammer schwingt – auch die anklagende und vermeintlich von Gewalt befreite höhere Gesellschaft weiß auszuteilen.

    Den Film hatte ich zuvor schon einige Male im TV oder auf Disc gesehen. Inszenatorisch gefallen mir andere seiner Filme deutlich besser, aber irgendwas bringt mich immer wieder zu diesem Film zurück und lässt mich ihn genießen.
    Masgeblichen Anteil daran hat natürlich Malcolm McDowell als Alex.
    Diese Präsenz, dieser Blick und ein Grinsen, dass man sich für „Smile“ gewünscht hätte. Sämtliche Stationen seines Daseins werden in großartiger Vielfältigkeit gespielt.
    Das Kameraspiel, das Einsetzen von Schatten und Hintergründen zum Vertiefen des Gezeigten sind sehr stark.

    Für heutige Sehgewohnheiten ist die Strukturierung des Films sicherlich ungewöhnlich. So erhält jede Etappe von Alex „Metamorphose“ den gleichen Anteil. Das macht sich insbesondere im Finale des Films bemerkbar. Die Konfrontation mit seinen Eltern und deren neuen Mitbewohner (Er ist uns, wie ein Sohn) ist in seiner Länge und Inszenierung unangenehm und grausam.

    Die Moral von der Geschicht ist dann unausweichlich und folgerichtig.
    Ein Filmklassiker, der junge Zuschauer heutzutage auf die Probe stellen könnte. So erntete der Film im Kinosaal bei einigen jüngeren Zuschauern Kopfschütteln.
    Und das ist völlig OK – nicht immer hat man Lust und Freude daran, 1000 Denkanstöße des Regisseurs in Form von zufällig platzierten Gegenständen, Kamereinstellungen, Wort- und Dialogwahl etc. zu interpretieren.

    Für mich hat der Film auch heute noch eine gewaltige Ausstrahlungskraft, wirkt aus der Zeit gefallen und zugleich als Spiegel der jeweiligen Zeit.

    „If it moves, kiss it!“
    655321/10 ;)

    #250869
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    @thanassi

    Alles gut, wir sollten hier stets im Auge behalten, dass es subjektive Wahrnehmungen sind, die beschrieben werden. Dass Dir der Film deutlich besser gefallen hat, als mir, freut mich für Dich :)

    Im Kern umreißt der Film ja ein spannendes Thema und zum Glück gibt es keine Romanze mit dem Bürgermeister. Dass er ihr den Erfolg eigentlich erst ermöglicht, wird zum Ende sehr leise fallen gelassen (was ich in Richtung gut bewerte). Aber das ganze Drumherum, der Zickenkrieg der Dorffrauen mit der gebildeten Lehrerin, der Nörgler, dessen Tochter abhaut, der Briefträger, der Saufkopf und natürlich Oma und des Bürgermeisters „Adoptiv“Kind… viel zu erzählen, aber (für mich) nicht in einem Stimmungskonzept, dass mir gefallen hätte.

    Meine Wertungen setze ich (wie bekannt) eher niedrig an – nicht jeder Film im Kino ist nah an einem Meisterwerk, zumindest empfinde ich das so ;)
    Aber danke für Deine Gedanken und Deine Sichtweise – etwas Dialog im Forum schadet nie :D

    P.S. Eine kleine Anektode zu „Shining“, den ich vorige Woche im Kino schauen durfte: Neben mir ein junger Mann, der nach Ende des Films zu seiner Freundin sprach – Er habe noch nie so schlechte Schauspieler gesehen, die Dialoge waren gräßlich, die Regie unterirdisch. (Ja, „Shining“ von Kubrick)… alles gut. Wie gesagt, ist alles eine Frage der persönlichen Sichtweise

    #250861
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    Louise und die Schule der Freiheit [Sneak Preview]

    Frankreich um 1880: Es greift die allgemeine Schulpflicht und landesweit werden LehrerInnen in die ländlichen Regionen des Landes geschickt.
    So auch Louise, die von einem Trauma in ihrer Vergangenheit verfolgt scheint.

    Auf dem Land angekommen ist die Vorfreude rasch weg, denn dort steht man der Schulpflicht sehr kritisch gegenüber.
    Man lebt von der Hand in den Mund, das Feld muss bestellt werden und oft ist die Zeit der größte Gegner. Jede Hand hilft, jede fehlende Hand wird vermisst. Und so arbeiten selbstverständlich auch die Kinder mit.

    Louise steht nun zwischen zwei Welten. Zwar bietet Bildung die Chance auf (persönliche) Freiheit, bedeutet diese Freiheit aber dann den Zusammenfall einer Gemeinschaft.
    Hier hätte man großartig ein gesellschaftliches Dilemma vergangener Zeiten aufzeigen können. Zwar wird der Film nie so schwülstig wie zwischenzeitlich befürchtet, aber einen konkreten Punkt zum Greifen und spürbar machen bietet er ebenso wenig.
    Dafür springt man zu sehr von einem Unterpunkt zum Nächsten und von da zum Nächsten.
    Es finden sich dramatische Elemente wie Komödiantische.

    Irgendwo geiert man um das Thema Bildung und Freiheit herum, weiß es aber nie richtig zu greifen. Selbstverstänlich freuen sich die Kinder, wenn sie von der harten Arbeit wegkommen, in Pausen spielen können und durch ihre erlernte Fähigkeit zu Lesen in Sachen Bildung über den eigenen Eltern stehen.
    Das bietet Potential für kontroverse Ansichten, und die werden hier dann auch sehr deutlich mit der Keule geschwungen.
    Momente, die eine starke Wucht hätten transportieren können, werden irgendwo ins Nichts gestreut…. naja, der böse Mann darf dann immerhin böse sein.
    Die Figuren, so vielschichtig man sie auch anlegen mochte, sind wenig greifbar und schwirren in ihrer Blase persönlicher Weltanschauung herum. Ja, so sollte es sein – aber das nicht greifbar machen erzeugt wenig Nähe und ohne die Verbindung zu den Figuren fehlt hier der entscheidende Einlfuss.

    Hier haben wir den klassischen Vertreter eines „Hätte grandios sein können“. „Louise…“ will wichtige Dinge ansprechen und diese richtigerweise alleine auf den damaligen Zeitgeist fokusieren. Leider schwirrt man damit durch den erzählerischen Raum ohne von den wichtigen Themen einige aufgreifen zu können.

    Schauspielerisch ist man hier auf sehr gutem Niveau unterwegs. Die meisten Punkte holt man hier aber durch die grandiose Kameraarbeit. Wunderschöne Aufnahmen sind die Belohnung.

    Mit 110 Minuten ist der Film nicht bloß zu lang, er fühlt sich auch deutlich länger als seine Laufzeit an.
    Das ist unter dem Strich immer ein schlechtes Zeichen.

    5,5/10

    #250859
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    @derschweiger

    The Assesssment [Sneak Preview]

    In der Zukunft ist die Menschheit an die Wand gefahren. Wir erfahren von einem Land unter einer Kuppel, in dem nur begrenzt Menschen leben können.
    Klar, dass hier nicht jeder wie er will Kinder bekommen kann.
    Mia und Aaryan haben aber diesen Wunsch – und hier hilft die staatliche Eltern-Prüferin Virginia. Sie wird das Paar eine Woche lang in ihrem Alltag begleiten, beobachten und herausfordern. Am Ende der Woche wird sie ihre Entscheidung kundtun… das junge Paar fühlt sich dem Druck aber gewachsen.

    Hier haben wir eine der simpelsten Zukunftsvisionen: Wenige Menschen, die im „Wohlstand“ leben dürfen. Gesellschaftlicher Schutz durch starke staatliche Kontrolle. Die Wünsche und Träume des Individuums finden hier keinen Platz.
    Was das nun grundlegend für die Frage nach Liebe und Geborgenheit bedeutet, weiß der Film nicht in Gänze darzustellen.
    Die Prämisse, das größte Geschenk des Lebens und den damit einhergehenden Fortbestand der Menschheit in staatliche Kontrolle zu geben, ist zwar nicht neu (Erinnert ihr euch an „The Fortress“? Auch Lambert hatte mal mit den Folgen solcher Politik zu kämpfen) – bietet aber immer wieder Raum für starken Kontent.

    Nun ist Virginia da und es wird skurril. Dabei bieten die angehenden Eltern selbstverständlich jede Menge Angriffsflächen. Es scheint, als sei die Dame zufällig vorbeigekommen. Dabei hatte das Paar sich für diese Maßnahme beworben… nun gut.
    Überraschungen bringt „The Assessement“ zugegeben wenig. Viele Bilder hat man so oder so ähnlich schon gesehen. Die Zukunftsprognosen unterscheiden sich nicht gänzlich von anderen Zukunftsdramen.
    Das ist aber völlig ok, solange die Story in sich stimmig bleibt.
    Dir Rolle der Viriginia ist dann hier auch das größte Hindernis. Ihre Figur springt dabei in Situationen, die schwer zu ertragen sind. Dabei spiegelt sie natürlich die Willkür des Staates wider – eine zu erwartende Abwehrreaktion des Paares erfolgt leider nie.

    Die größte Schwäche des Films aber sind die stets vorhersehbaren Ereignise. Mia züchtet Pflanzen auf natürliche Weise… gibt es so in dieser Welt wohl nicht mehr. Aaryan programmiert digitale Haustiere und will sie so natürlich spürbar machen, als würden sie tatsächlich da sein…. Beide Endpunkte ihrer „Karrieren“ sind früh absehbar.

    Nicht falsch verstehen: Der Film ist gut. Er ist anstregend, was auch dem sehr starken Schauspiel der drei Figuren geschuldet ist. Die Kamera ist oftmals hervorragend gesetzt. Das Licht wirkungsvoll eingesetzt.
    Die Kulissen sind womöglich den fehlendem Budget geschuldet karg gestaltet. Es ist das recyclte Setting zahlreicher anderer Zukunftsszenen – das ist völlig ok.
    Hier und da hätte ich mir aber mehr Ruhe im Bild gewünscht. Viele Szenen sind grundsätzlich schön in Szene gesetzt, aber leider fährt die Kamera zu oft zu schnell ab.
    Tragischer als das empfinde ich aber den Erklär-Bär Dialog zur Mitte des Films (Es war einmal eine Zeit, da waren die Sommer ein wenig länger und ein wenig wärmer, und alle Menschen freuten sich darüber….) und das halbstündige Palaber am Ende des Films.
    Hier zeigt sich, das weniger doch mehr ist.

    „The Assessment“ hat die Kraft eines großartigen Films, begeht aber handwerkliche und inhaltliche Fehler, die ihn leider nicht knapp an der Bestmarke vorbeischliddern lassen.
    Andererseits auf vielen Ebenen sehenswert – die „aktuelle“ Keule wird dann aber leider mit zu viel Wucht geschlagen.

    7/10

    #250857
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    Mulholland Drive [Kino]

    Genauso wie „Lost Highway“ habe ich den Film einmal in jungen Jahren gesehen, danach (merkwürdigerweise) nicht wieder.
    Bei der neulichen Kinosichtung eigentlich kaum zu fassen…

    Ein Unfall auf dem Mulholland Drive führt dazu, dass eine junge Frau ohne Erinnerungsvermögen Schutz in einem verlassenem Appartement sucht. Doch just zur selben Zeit erscheint Betty auf der Bildfläche, deren Tante besagtes Appartement gehört und in das sie für eine Weile einziehen darf.
    Ihr Wunsch ist es, in Hollywood eine Schauspielkarriere zu starten.
    Doch nun will sie der unbekannten Frau helfen, herauszufinden, was ihre Geschichte ist…

    Willkommen bei David Lynch – denn so nachvollziehbar dieser Teil der Handlung klingt, umso heftiger wird das Zusammensetzen sämtlicher Puzzleteile zum Ende des Films. Denn neben den beiden Damen spielen noch andere Personen eine gewichtige Rolle, auch wenn sie nur wenig Screentime erhalten.
    Momente, Orte, Namen, Gesichter schwirren durch den Film, kommen unter anderen Voraussetzungen wieder.
    Zwar sind die ersten Fragezeichen in Form eines 90er Jahre Thrillers noch leicht verdaulich (das wird doch sicher aufgeklärt), dann kommt es im letzten Drittel zum großen Bruch und man staunt nicht schlecht.

    Mulholland Drive ist wunderschön gefilmt. Es fehlen hier zwar die starken Kontrast- und Schattenbilder wie in „Lost Highway“ gesehen, aber auch Szenen die schlüssig und aus dem Alltag gegriffen scheinen, wirken hier stets wie ein Traum.
    Schauspielerisch haben wir hier allergrößtes Kino. Naomi Watts hat in einer Menge Filme mitgespielt, und ohne alle gesehen zu haben, wage ich die Ansage, dass sie hier in ihrer Prime ist. So stark, so vielschichtig, jederzeit glaubhaft.
    Laura Ellena Harring steht dem nicht viel nach – das Drehbuch gibt ihr jedoch weniger prägnante Szenen als Watts.

    Ähnlich wie bei „Lost Highway“ wird hier die Traumebene, die Flucht des Ich thematisiert. So viel schien mir klar und ich freute mich, dass vor Kurzem die Herren von MovieAmphs eine Deutung des Films veröffentlichten. Diese ist beinahe so großartig wie der Film an sich. Was hier an Informationen und Deutungen ausgegraben werden, ist stark beeindruckend.
    Ohne das nötige Hintergrundwissen (das ich in der Form selbstverständlich nicht hatte), kann eine solche Deutung natürlich nicht gelingen.
    Allerdings kann die vier-Ebenen-Interpretation des Kanals sehr bequem bis zur zweiten Ebene verfolgt werden, indem man unvoreingenommen den Film schaut. Ich jedenfalls fühle mich fein damit und bekomme ein recht rundes Bild des Films – das Lynch hierüber nur müde gelächelt hätte… geschenkt.

    Mulholland Drive ist großartig. In keiner Sekunde weniger.
    10/10

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