DerSchweiger
@derschweiger
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3. August 2017 um 20:22 #125890
Attraction
In der dieswöchigen Sneak wurde uns ein Science-Fiction Bollwerk aus Russland vorgestellt.
In Sachen Optik ist der Film tatsächlich erste Sahne. Keine allzuübertriebene CGI (die zwar vorhanden, aber dankenswerterweiße nicht non-stop präsentiert wird), ein schönes Setting in einem eher einfachen Viertel Moskaus.
Die Schauspieler waren mir unbekannt, aber auch hier muss sich niemand vor jüngsten Teenie-Science-Ficition-Labyrinth-Vorhersehung-Tribut-Streifen verstecken. Deutlichen Nachholbedarf hat man dann aber doch im Punkto Drehbuch – meine Herren….Am Moskauer Abendhimmel findet ein seltenes Spektakel statt – ein Meteoritenregen, der in dieser Form alle 80 Jahre (so ca.
) vorkommt. Schnell werden einige, für die Geschichte relevante, Personen vorgestellt, bevor wir Zeugen werden, wie ein Raumschiff von einem der Meteoriten getroffen wird und zur Erde stürzt.
Das russische Militär fackelt auch nicht lange und schießt das verunglückte UFO vom Himmel, welches eine Schneiße der Zerstörung (und ja, es gibt auch Opfer zu beklagen) in das Moskauer Viertel schlägt.Der erste Kontakt mit den Aliens erweißt sich als nahezu unspektakulär: Sie erbitten etwas Zeit um ihr Raumschiff wieder flugtauglich zu machen. Man möge aber bitte darauf achten, dass niemand Selbigen zu nahe kommt.
Leider haben einige Menschen persönliche Verluste aufgrund der „Alien Invasion“ zu beklagen und rufen nach ihrem Recht auf Rache.
Eine Clique Heranwachsender macht sich in einer Nacht auf Erkundungstour in das Sperrgebiet und richtet dabei einiges (folgenschweres) Chaos an.Ich muss zugeben, die ersten 15 Minuten waren spitze! Klar, Teenies in der Schule und beim späteren Balzgebahren sind nicht immer leicht zu ertragen, aber darüber kann ich hinwegsehen – so ist nunmal der Lauf der Natur

Der Film krankt jedoch recht bald daran, dass er nicht so ganz weiß, wohin er eigentlich will. Soll er eine politische Botschaft vermitteln? („Russland den Russen – Aliens raus!“), ist es ein Plädoyer für Menschlichkeit mit all ihren Schwächen? (Liebe / Hass / Freundschaft) oder möchte man gar in Richtung eines Alien-„Katastrophen“Films schielen?
„Attraction“ bietet von allem Einiges, aber nie genug um es gänzlich honorieren zu können.
Die erste Kontaktaufnahme mit den Aliens fand ich stark, die zweite dann absurd und im weiteren Verlauf… nun ja, macht euch selbst ein Bild davon.
An einigen Stellen ist man unfreiwillig komisch (Menschen, die in Zeitlupe schreien), dann kommt inmitten der größten Dramatik Slapstick vom Feinsten, das Verlieren und Finden von Liebe darf natürlich auch nicht fehlen… und zu allem Überfluss eine Generalstochter, die mal ebenso durch sämtliche Militärbereiche spazieren kann, schließlich ist sie die Tochter vom Chef.
So kann man sich natürlich jede Menge Unsinn zusammenspinnen, und das Drehbuch bietet schier Unzähliges davon.
An vielen Stellen klatschte die Flache Hand an die Stirn ob des Blödsinns, der da geboten wurde, dann wiederum gab es Momente, die so voller Potential waren und doch leider nie ausgeschöpft wurden.Hätte man sich zwei, drei Pannen weniger erlaubt, so hätte man hier einen Teenie-Science-Ficition Streifen, der sich vor Größen Hollywoods nicht zu verstecken bräuchte. Leider scheitert man hier grandios an den eigenen Ambitionen und der Tatsache, dass kein Handlungsstrang länger als 5 Minuten gezeigt wird ohne danach in eine völlig andere Stilrichtung abzudriften.
Leider, leider nur 4,5/10
29. Juli 2017 um 15:25 #125708Preacher 02/01
Ich weiß gar nicht mal, wie ich die erste Staffel beenden konnte, wusste aber noch, dass sie relativ – nun ja – albern zu Ende ging.
Gestern mal aus Mangel an Alternativen (für einen Film war ich dann doch zu müde) die erste Episode der 2. Staffel angeschaut und im Grunde das selbe Muster aus Staffel 1 vorgefunden.
Überzogener, schwarzer und blutiger Humor – Darsteller solala, Handlung und Spannungsmomente eher zum Vergessen.
Irgendwie ein ähnlicher Reinfall wie „Ash vs. Evil Dead“, welchen ich noch mit gewisser Spannung erwartet hatte.
Blutiger Klamauk ohne jeglichen Mehrwert kann zwar den Moment erheitern, aber ich habe inzwischen etwas dagegen, wenn Effekthascherei Aufhänger für eine Serie oder einen Film sein soll.
Insofern stellt „Preacher“ die wohl noch bessere Wahl dar (Setting und Handlung sind mir da tatsächlich stimmiger als bei Ash), aber höchstens für zwischendurch und nur dann, wenn wirklich nichts anderes läuft.3,5/10
29. Juli 2017 um 15:16 #125707Arrival
Ins Kino habe ich mich damals nicht getraut, da das Vor-Werk von Denis Villeneuve, „Sicario“ mich etwas verschreckt hat. Er wurde mit Hochspannungs-Kino beworben, und ich fand ihn damals sterbenslangweilig.
Nun habe ich mir Arrival bei Amazon geliehen und was soll ich sagen. Der Filmn hat mich schlichtweg weggeblasen.
Das war für mich pures Gänsehautkino mit einer Spannung, die mein Wohnzimmer zum Knistern gebracht hat. Den ganzen Film über hatte ich nur einen Kritikpunkt, den ich jetzt aus Spoilergründen nicht nennen werde. Das mir aber dann dieser Kritikpunkt um die Ohren gehauen wird und daraus eine der Stärken des Films macht, hat mich komplett überrascht und auch ziemlich berührt, so dass ich noch den gesamten Nachspann wie gelähmt vor dem Bildschirm saß.
Andere mögen da vielleicht anders empfinden. Für mich war dieser Film eine der Überraschungen des Jahres.10/10
Habe Arrival nun auch gesehen und teile Deine Einschätzung zu fast 100%!!
Der Kritikpunkt, den Du zunächst ansprichst (ich vermute mal frech, ihn erkannt zu haben), empfand ich als sehr spannendes Wagnis und möglichen Schlüssel zur Auflösung der Rätsel… aber wie Du, war ich am Ende überrascht.
Zuschauer, die selbst Kinder haben, werden hier wohl nur schwer trockenen Auges aus der Nummer heraus kommen… ganz ganz großer Abschluss. Die davor generierte Spannung war genau mein Ding, man wird allerdings auch den Nerv und die Geduld für diese Art Kino aufbringen müssen.Schließe mich Deiner Punktzahl vollumfänglich an
10/1027. Juli 2017 um 19:58 #125654Table 19 – Liebe ist fehl am Platz
Eine Hochzeit, viele Gäste und 19 Tische. Ein Brautpaar, das kaum zu sehen ist, der Bruder der Braut, gleichzeitig Trauzeuge und Ex-Freund der Ex-Trauzeugin Eloise, die nur widerwillig und nach langem Zögern der Einladung zur Hochzeit nachkommt.
Sie landet mitsamt der Nanny der Braut, nahen und entfernten Verwandten sowie unbeliebten „Arbeitskollegen“ des Brautvaters an Tisch 19. Der Tisch, der nach ihrer Information den Gästen vorbehalten ist, die im Grunde nur der Höflichkeit halber eingeladen wurden und von denen das Brautpaar erhofft, sie würden bloß zur Geschenkabgabe kommen.Jeder Charakter an Tisch 19 hat seine eigene, traurige Geschichte zu erzählen.
Ein Film über eine Hochzeit, die man quasi nur am Rande erlebt. Stattdessen wird das zunächst ablehnende Verhalten der unliebsamen Gäste untereinander beleuchtet, welches im weiteren Verlauf eine ganz eigene Dynamik entwickelt.Der Film schwankt sehr zwischen Liebeskomödie (ja klar, Elois ist am Ende nicht ohne Grund aufgetaucht – hat sie etwa doch noch Gefühle für ihren Ex? Oder entwickelt sich da was mit dem fremden, gutaussenden Mann, der ihr Unwohlsein erkennt und sie aufzuheitern versucht), Situationskomik und melancholischen Momenten.
Ich weiß gar nicht mal, welche Momente mir besser gefallen haben. Ich konnte durchaus herzhaft lachen (der Klingelton des jungen Single an Tisch 19 ist der Brüller), aber die ruhigen, tiefgründigen Augenblicke sind es auch wert, gesehen zu werden.
Leider kann der Film die Balance nicht ganz so gut halten, manches wirkt sehr aufgezwungen, einige Gags erscheinen mir vom Reißbrett zu kommen. Andere Momente – ein Räuspern im Hintergrund, der junge Mann am Empfang – sind Szenen, die ich ob ihres stillen Humors sehr zu schätzen wusste.Sandra Kudrow erscheint zudem mehr ernst als komödiantisch (was für ein Glück!!), die Rollen sind (in meinen Augen) sehr gut besetzt und die Entwicklungen im Film waren für mich tatsächlich einige Male unverhofft – sehr schön!!
Trotz einiger Makel, eine sehr schöne Komödie über die Liebe und das Nicht-geliebt-sein, über die Schwächen und Wünsche der Menschen außerhalb der Cliquen.
Kein Meisterwerk aber allerbeste Sneak-Unterhaltung… und nach „Baby Driver“ der erst zweite Film, den kein Zuschauer vor Ende verlassen hat.
Der Juli war demnach ein richtig guter Sneak Monat… es wird Zeit, für den August die Erwartungen zurückzuschrauben
8/1025. Juli 2017 um 19:46 #125533Blood Father
Mel Gibson in einem handelsüblichen „Vater sieht (fast) rot“ – Western.
John versucht, seine kriminelle Vergangenheit mitsamt Drogen- und Alkoholmissbrauch, in der Gemeinschaft eines Trailer-Parks hinter sich zu lassen.
Sehr motiviert und glücklich scheint er nicht, ist seine Tochter doch seit einigen Jahren abgehauen und untergetaucht.
Völlig unverhofft erreicht ihn dann ein Anruf seiner Tochter Lydia, die ihn kurzerhand um Geld bittet.
Weil er aber ziemlich knapp bei Kasse ist – und sich ohnehin über Lydia´s Auftauchen freut – nimmt er sie erstmal mit in seinen Wohnwagen.
Dass Lydia die vergangenen Jahre mit einem Drogendealer zusammenlebte und die Bezieheng ein (nun ja) eher unglückliches Ende genommen hat, und sie somit ziemlich in der Klemme steckt, offenbart sie John in kleinen Häppchen.Als ihm das Ausmaß bewusst wird, versucht er alles, um sie aus der Schusslinie zu halten.
Klingt aufregend und neu? Ne, ist es auch nicht.
Besonders gut gespielt ist es auch nicht, aber das muss es in diesem Genre auch nicht zwingend (sonst ist man fast dazu gewzungen, es als Meisterwerk zu verkaufen).
Mel Gibson ist gealtert, er versucht es zum Glück auch nicht zu verschleiern.
Das Zusammenspiel mit seiner Filmtochter ist eher holprig, wobei ich zugute halte, dass der Charakter Lydias kein Heile-Welt Szenario verspricht.
Dennoch: Beide Darsteller mimen, als sei der Film mal so eben zwischen zwei andere Projekte geparkt worden.Die Ganoven sind allesamt ultra-böse, zum Glück sind die richtig harten Typen im Knast stets freundlich auf John gestimmt und sind zu jeder Hilfe bereit (warum auch immer die Guten in den Knast kommen müssen…)
Hier und an einigen anderen Stellen macht es sich das Drehbuch viel zu einfach. Ein Anruf und es flutscht.. ne, das geht stimmiger.Wenn John später auf seiner Harley (oder sonst einem Motorrad) zeigen darf, dass er beim Terminator in Lehre gegangen ist, dann ist es doch auch für einen eher B-Movie schon hart an der Grenze. Zum Glück wird diese Szene recht schnell runtergespult – wie so ziemlich alles, was unter Umständen etwas an Spannung hätte bringen können.
Ein Film, der ohne Mel Gibson weit unter meinem Radar geflogen wäre. Kann man sehen, aber es ist auch nicht schlimm, wenn man zwischendurch mal zum Kühlschrank muss (keine Angst, man verpasst nix).
Andererseits, so schlecht wie er vielleicht rüberkommen mag, ist er auch nicht.Ziemlicher Durchschnitt, der von mir 5/10 bekommen würde. Da ich Mel Gibson aber recht gerne sehe, hier von mir finale
5,5/10
24. Juli 2017 um 20:56 #125470Arrival
Ins Kino habe ich mich damals nicht getraut, da das Vor-Werk von Denis Villeneuve, „Sicario“ mich etwas verschreckt hat. Er wurde mit Hochspannungs-Kino beworben, und ich fand ihn damals sterbenslangweilig.
Nun habe ich mir Arrival bei Amazon geliehen und was soll ich sagen. Der Filmn hat mich schlichtweg weggeblasen.
Das war für mich pures Gänsehautkino mit einer Spannung, die mein Wohnzimmer zum Knistern gebracht hat. Den ganzen Film über hatte ich nur einen Kritikpunkt, den ich jetzt aus Spoilergründen nicht nennen werde. Das mir aber dann dieser Kritikpunkt um die Ohren gehauen wird und daraus eine der Stärken des Films macht, hat mich komplett überrascht und auch ziemlich berührt, so dass ich noch den gesamten Nachspann wie gelähmt vor dem Bildschirm saß.
Andere mögen da vielleicht anders empfinden. Für mich war dieser Film eine der Überraschungen des Jahres.10/10
Das klingt ganz nach meinem Geschmack!! Bin gespannt, werde ihn diese Woche wohl mal schauen
20. Juli 2017 um 13:49 #125344Alibi.com
Nach dem obligatorischem Gänsehaut Moment während der Trailer („it“, „Dunkirk“) der erste große Schrecken:
Der Trailer zu „Der Dunkle Turm“!! WTF -> die große Vorfreude wurde binnen zwei Minuten zunichte gemacht, besten Dank dafür!In der dieswöchigen Sneak wartete der französische Komödienhit des Sommer auf das willige Publikum.
Nachdem uns Philippe Lacheau voriges Jahr mit „Ab in den Dschungel“ eine kurzweilige und mitunter amüsante Komödie präsentierte, hier nun der etwas größere Wurf, da auch dieses Mal mit der Story geprahlt werden darf.Grégory hat mit seiner Internet-Firma „Alibi.com“ großen Erfolg, indem er Menschen Alibis verschafft, damit diese ihrer Affäre oder einem Abend im Fußballstadion frönen können.
Sein persönliches Glück scheint komplett, als er sich Flo verliebt. Das Kennenlernen der Eltern geschieht nicht ganz ohne Pannen, doch schlimmer ist, dass Flo´s Vater einer seiner Kunden ist.
Getoppt wird die schwierige Ausgangslage dadurch, dass Flo Unehrlichkeit über die Maßen hasst… nun ist Grégory´s ganzes Können gefragt.Eine verzwickte wie charmante Ausgangslage und sehr viel Situationskomik, die beinahe über die gesamte Laufzeit bestens zu unterhalten weiß.
Wer den Trailer schaut, befürchtet, dass bereits sämtliche Gags von Bedeutung präsentiert wurden…. dem ist nicht so!
Klar, die Gags sind nicht alle brandneu, aber das Zusammenspiel des gesamten Casts ist mit „hervorragend“ genau richtig beschrieben.
Auch wenn man im letzten Drittel mal das Gefühl hat, dass es vielleicht doch etwas zu dicke wird, kommen unverhofft sehr nette Gags in Richtung Science-fiction und Superhelden Filme.
Minuspunkte? Logo: Warum glücklich verliebte Menschen zusammen beim Zähneputzen grimassenschneidend und albern durch das Badezimmer hampeln muss, wird sich mir nie erschließen. Das Dilemma mit der Katze im Auto… nun ja, geht so, aber da waren die übrigen Tiergags doch deutlich nachhaltiger.Nachdem die letzte größere französische Komödie („Monsieur Pierre geht online“) sehr viel Herz besaß, geht „Alibi.com“ klar in die Lachfalten.
Ich kann verstehen, wenn Kinogänger sagen, dass dieser Film nichts Besonderes sei – mich hat er (obgleich ich kein sehr großer Freund von Komödien bin) dennoch bestens unterhalten, einige Lacher inklusive.
Was will man mehr!!8/10
15. Juli 2017 um 12:17 #125151Fear the Walking Dead S03 E07 + E08 – The Unveiling & Children of Wrath – 8.5/10 [Midseason Finale]
– Gelungenes & spannendes Midseason Finale. Wer aufgehört hat die Serie zu schauen => gebt der Sache eine 2. Chance
Ja und nein. Tatsächlich kommt in den letzten Folgen der Staffel etwas Spannung auf. Zudem findet man nun auch Charaktere, die etwas zu erzählen haben und eine gewisse Tiefe und Undurchschaubarkeit besitzen.
Zu schade, dass die Nummer am Staudamm nicht etwas ausführlicher und intensiver erzählt wird. Da wird wieder alles in einer Folge runtergeratscht um dann drei Folgen zu beobachten, wie John-Boy-Depp sein neues Häuschen einrichtet.Die Darsteller und Charaktere des Ursprungs bleiben dabei jedoch weiterhin blass, uninteressant und ob ihrer Sprunghaftigkeit allzu lästig.
Bei Rick habe ich knapp 5 Staffeln benötigt um mir ein Ableben zu erhoffen, bei unserer Vertrauenslehrerin haben 2 Folgen genügt – dass sie nun als „Tough Guy“ ihr Unwesen treiben darf, ohne dass sie Konsequenzen zu befürchten hat… nun ja, das Midseason Finale steht bei mir noch aus – vielleicht geschehen ja noch Serienwunder
Unter dem Strich die beste Staffel (was bei 1+2 ja nicht schwer zu erreichen war), allerdings: Wenn eine Serie 2,5 Staffeln benötigt um interessant zu wirken, dann kann sie keine Gute sein.
FTWD wurde jedoch von „The Strain“ als Einschlafhilfe abgelöst -> insofern gönnende
5/1013. Juli 2017 um 14:20 #125057Baby Driver
Großer Szenenapplaus in der Sneak, als Ensol Elgort in der Rolle als Baby mit laufendem Motor vor einer Bank stoppt.
Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, befürchtete ich einen Teenie Abklatsch der Fast-Furious Reihe und musste an mich halten, um vor Frust meine Nachos nicht gen Leinwand zu werfen
Im Laufe der folgenden 113 Minuten verliert sich jedoch der äußerst nervige Geschmack des Intros (ja ja, immer wieder diese dummdämmlichen Autorasereien – ich werde nie ein Freund von dem Kram) in Wohlgefallen.
Baby, rasantester und bester Fluchtwagenfahrer in Atlantas Gangsterwelt, steht bei seinem Boss Doc in der Bringschuld und muss noch einen Deal fahren, ehe er mit ihm Quitt ist.
Die Laune könnte daher nicht besser sein, schließlich erlangt er neben einem netten Handgeld für seine Dienste auch ein schlechtes Gewissen in Form seines im Rollstuhl sitzenden und gehörlosem Pflegevaters, der sich große Sorgen ob der Sicherheit seines Schützlings macht.
Am Abend vor seiner letzten Fahrt lernt Baby die Kellnerin Deborah kennen und im Rausch der Gefühle, träumen sie fortan den gemeinsamen Traum, in ein Auto zu steigen und die ganze Nacht durch zu fahren.. Ziel unbekannt.Tatsächlich aber gestaltet sich die letzte Flucht als nicht so routiniert wie gewohnt, was zu Missstimmungen mit den ausführenden Gangstern (u.a. Jamie Foxx) führt.
Auch Boss Doc scheint die eine oder andere Überraschung im Köcher zu haben…Baby Driver suggeriert womöglich, ein rasanter Rennwagenspaß zu sein, ist es jedoch glücklicherweise nicht in Gänze.
Zwar wird das ganze Könnens des Protagonisten während der überdimensionierten Fluchtfahren ausführlich und glorifizierend (natürlich auch mit jeder Menge Humor – Haha) dargestellt, doch bietet der Film neben einer eher gewöhnlichen Gangster-Ausstiegs-Story einen besonderen Clou.
Da Baby seit Kindertagen an einem Tinitus leidet, trägt er immerzu Kopfhöhrer im Ohr, um das Piepsen mit musikalischer Beschallung zu unterdrücken.
Hier werden Musicalähnliche Elemtente eingestreut, etwa zu Beginn, als Baby für seine Kollegen einen Kaffee besorgen geht und die Umwelt seiner Musik Untertan macht.
Das Element funktioniert dank des sehr coolen Soundtracks in den meisten Szenen sehr gut. Auch wird hier die zunächst heitere Stimmung Babys spürbar, welche im Laufe des Films drückender wird.Die Gewalt kommt in diesem Film nicht zu kurz, wird aber auch nicht unnötig zelebriert (Die Sicht auf z.B. einen Kopfschuss wird durch den Schützen genommen, der just in dieser Sekunde vor die Kamera tritt). Das gefiel mir als Zuschauer sehr, auch das Zusammenspiel zwischen Kevin Spacey, Jamie Foxx, und Ensol Elgort (und in Abstrichen auch Jon Hamm) funktioniert wunderbar. Die Dialoge sind spritzig, böse und nicht auf Coolness gezwungen.
Schade, dass der im Film angedeutete konsequente Kurs gegen Ende dem beinahe üblichen Weichspülkino-Gesetz folgt.
leichter SPOILER
Ob dabei das Happy End tatsächlich ein Happy End ist, mag der Zuschauer entscheiden.
Hier hätte dann doch entweder Jon Hamm oder dann doch zumindest der Arm des Gesetzes „härter“ zuschlagen müssen
SPOILER Ende
Eine Top 3 Plazierung der diesjährigen Sneaks hat „Baby Driver“ wohl inne. Der Konsument zum Vollpreis wird hier aber auch seine große Freude haben können.8/10
8. Juli 2017 um 16:14 #124890The Strain – Staffel 2 Episode 1-9
Kennt ihr das? Ihr beginnt, eine Serie zu schauen, denkt zu Beginn „Hui, das könnte was werden“ und stellt mit zunehmender Dauer fest, dass es doch irgendwie nichts Packendes ist?
Ging mir bei Staffel 1 so. Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass die Serie auch mit Season 1 zu Ende geht, aber dann folgten ja doch 2+3.
Jetzt stecke ich erneut in dem Strudel und schaue gelegentlich mal eine Folge aus Staffel 2 (meist vor / beim Einschlafen) und frage mich hinterher eigentlich, warum ich das mache.
Klar, so eine Mischung aus Vampir und Untoten ist interessant (nach Folge 1 hatte ich große Erwartungen), aber irgendwie packt mich hier überhaupt nichts. Lahme Charaktere, keine Spannung, gelegentlich extrem miese Kostüme (wer erinnert sich beim Einteiler des „Meisters“ und seinen Kumpanen nicht an glorreiche Kostümierungen aus „Plan 9…“ und ähnlichen Filmen
)
Das Böse mit Potential bis zum gehtnichtmehr, aber um die „Spannung“ aufrecht zu erhalten geht die Eroberung der menschlichen Welt im Zeitlupentempo vonstatten. Würde die Gute Seite dann doch auch Mittel und Wege nutzen, um das Ganze aufzuhalten… ich werde einfach nicht schlau drauß.Mann verliert seine Frau an die Untoten, ist traurig, zwei Folgen später lernt er eine Neue kennen und kurz bevor es zum Paarungsakt kommt, segnet sie das Zeitliche (Rick lässt grüßen
)… plötzlich zeigt er auch Emotionen, die er beim Verlust seiner Frau irgendwie gar nicht intus hatte.
Wagen wir einen weiteren Quervergleich:
Wer Carl bei TWD als lästig und nervig empfindet, wird ob der „Darstellung“ des Sohnemanns in „The Strain“ vor Verzweiflung im Quadrat springen.
Nette Anektoden mit dem jüdischen (und gedopten) Vampirjäger und seinem ehemaligen Peiniker aus KZ-Zeiten. Zwischen diesen beiden Charakteren ist tatsächlich ein Zusammenspiel zu erkennen, die wörtlichen Scharmützel sind oft passend und pointiert – dann aber verliert sich alles im ewigen „Das Böse herrscht seit Jahrhunderten und plant die Eroberung der Welt“-Blabla.Ich weiß nicht, dem Ganzen kann man wirklich nicht ernsthaft eine Wertung geben. Ziemlicher Trash, nach Folge 8 auch mit übelst schlechtem Intro (das zuvorige und schlichte „The Strain“ war sehr gut) und irgendwie nichts, dass mich bei Stange halten sollte… und doch schaue ich immer wieder mal rein.
Ist wohl so wie mit „Rote Rosen“ – schaffe ich es an meinem kurzen Arbeitstag mal Nachmittags einzuschalten, schaue ich es auch. Zum Abschalten und Nichtdenken… dafür lohnt „The Strain“ wahrlich auch.Nett gemeinte und in Punkto „treue Einschlafhilfe“
4/107. Juli 2017 um 15:00 #124823Fluch der Karibik: Salazars Rache
Im Grunde hatte ich mir vorgenommen, nach „Genuss“ von Teil 2 und der Hälfte von Teil 3, die Filmreihe links liegen zu lassen. Im Rahmen einer Geburtstagsgesellschaft konnte ich gestern jedoch nicht ablehnen.
In einem konnte ich mir vorher aber schon recht klar sein: Der Film wird auch ohne Vorkenntnisse eine ähnliche Wirkung haben können.OK, im Prolog erste Wissenslücke: Orlando Bloom ist mit einem Fluch als Unterwasserdämon belegt worden. Warum, interessiert mich offen gesagt gar nicht, ist im Verlauf des Films auch völlig Schnuppe.
Sohnemann Henry ist zeitlebens (9 Jahre lang) darauf aus, den magischen Dreizack zu finden, mit dessen Hilfe er seinen Vater befreien kann. Der Weg über diesen Dreizack führt über einen gewissen Jack Sparrow und dessen Kompass – zu dumm, dass diesem Pirat das Unheil stets auf den Fersen folgt.Da passt es ganz gut, dass die – als Hexe verurteilte – Astronomin Carina im Besitz einer Karte ist, die kein Mann zu lesen imstande ist (ja, der Wortwitz ist einmal witzig, aber immerzu?). Zufälligerweise führt diese Karte zum geheimen Dreizack und schwupps laufen alle Fäden ineinander.
Was ich hier zu Sehen bekommen habe, war ein klassischer Abenteuerfilm mit humorvollen Einlagen vom Reisbrett.
Zutat A: Schönling, unbeholfen, der aber alles seinem großen Ziel unterzuordnen weiß
Zutat B: Schöne, starke und wortgewandte Frau, die mit anderen Absichten jedoch das selbe Ziel wie Zutat A verfolgt.
Zutat C: Altbekannter und jederzeit gottgleich gewürdigtes Trademark, das streng genommen außer ein paar Lachern kaum bis gar nichts zur Geschichte beiträgt.
Zutat D: jedoch sorgt dafür, dass Zutat C stets omnispräsent zu sein hat. Ganz egal, aus welchem Wasserloch hier ein toter Pirat, Meeresungeheuer oder sonstwas gezaubert werden muss, irgendwie hat C ihm vorher schon mal böse auf die Füße getreten und jetzt gilt es, Rache zu nehmen.Als zwischenzeitlich mal jeder jeden fangen muss erfreut man sich bestimmt an der Situationskomik, welchen Mehrwert dieses „Ich hab Dich (doch nicht)“-Gehabe in 5 verschiedenen Varianten und einer Laufzeit von ca. 1 Stunde haben soll… nun gut.
Was macht der Film gut? Er kann über fast die gesamte Laufzeit recht gut vergergen, dass die Story im Grunde aus einem Kaugummiautomaten gezogen wurde. Einige Handgemachte Stunts zu Beginn des Films lassen das Herz älterer Filmkenner erweichen, bevor es dann zur gewohnten CGI-Keule mutiert, die hart an die Grenze des Fremdschämens ratscht (Die Insel als „Spiegel“ des Nachthimmels oder das von Moses geteilt gelassene Meer…)
Ach ja, natürlich verlieben sich A+B, obgleich sie während des Films keine 4 Minuten gemeinsamer Konversation haben… ich verlange ja nicht nach Jane Austen, aber etwas mehr Hintergrund wäre doch erlaubt gewesen.OK, wer bis hierhin gelesen hat, der wird schon die Vermutung haben, dass ich mit Piraten nicht viel am Hut habe, mit Piratenflüchen noch weniger und Johnny Depp nach „Wenn Träume fliegen lernen“ im Grunde nur noch als anstrengend und aufgesetzt empfinde.
Dennoch: Einige Szenen waren sehr gelungen, nette Gags nebenher (No Dogs – No Women) bleiben in guter Erinnerung.
Maue Story, läppische Bösewichte (von denen natürlich einer auf die Gute Seite wechselt um mit seinem letzten Atemzug… „Ich bin Dein Vater!“-Quark eben)Happy End? Was weiß ich, kann sein. Wir sehen Menschen, die sich glücklich in die Arme fallen, und freuen uns für sie… obwohl sie zwei Stunden lang nichts, bzw. drei Sätze mit dem Film zu tun hatten… kann man so machen

Trotz meiner ablehnenden Haltung gegenüber dieser Filmreihe gibt es überraschend starke
5,5/1029. Juni 2017 um 21:12 #124366Miss Sloane – Die Erfindung der Wahrheit
Lobbyistin Elisabeth Loane wird von ihrem Chef aufgefordert, dafür zu sorgen, dass der Gesetzesentwurf eines ambitionierten Senators hinsichtlich der Verschärfung der Waffengesetze in den USA (zukünftig soll eine Art „Führungszeugnis“ beim Kauf von Waffen vorgelegt werden) niedergeschmettert wird.
Im Grunde wäre es für sie ein Leichtes, doch ihre persönliche Einstellung zum Waffengesetz verbietet ihr das Engagement. Ihrem Rauswurf kommt sie zuvor, indem Sie und die Hälfte ihres Teams in die Firma Schmidt (klein und idealisiert) wechselt, um dort daran zu arbeiten, dass der Gesetzesentwurf eine positive Abstimmung erfärt.Ziel dabei ist es, so viele Senatoren wie möglich für ihre Ideen zu gewinnen. Dass die Politik ein schmutziges Fahrwasser sein kann, wird hier wortgewaltig und skrupellos (von beiden Seiten) dargestellt.
Im Fokus steht dabei in jeder Szene Miss Loane, die sich mit Hilfe von Aufputschmitteln auf den Beinen hält und jeden Tag als Siegerin beenden möchte (sofern sie denn auch mal eine Minute Schlaf findet).
Um ihr großes Ziel, die Verschärfung des Waffengesetzes zu erreichen, nutzt sie permanent unlautere Mittel und schreckt vor Bauernopfern aus den eigenen Reihen nicht zurück.Der Film ist, wie die Hauptfigur, wortgewaltig, intrigant, verlogen und versucht optisch darüber hinweg zu täuschen, dass dem Plot schnell die Luft ausgeht.
Fasst man Ende der 130 Minuten zusammen, was man gesehen hat, so kommt es über ein durchschnittliches Polit-Scharmützel nicht hinweg.
Jessica Chastain spielt die Loane sehr engagiert und erlaubt ihr einige Szenen der inneren Zerbrechlichkeit – wobei der Zuschauer nie sicher sein darf, ob diese Momente nicht gar aus Kalkül entstehen.Das Thema weißt in den USA wohl weitaus größere Brisanz auf, als hier in Deutschland. Die Argumente der Waffenlobby sind arg dünn, werden aber pathetisch und klischeehaft in Wort und Tat umgesetzt.
Mich hat bis zum Ende die Motivation der Loane interessiert – aus welchem Grund vertritt sie so vehement die Seite der Befürworter und warum ist die (sehr erfolgreiche) Lobbyistin bereit, alles hierfür zu opfern?
Man schwankt zwischen Verständnis und Erschrecken, wenn man ihre Mittel zum Zweck präsentiert bekommt, was für mich die eigentliche Faszination des Films ausmacht.An anderer Stelle wird natürlich gelobt, wie ProFeminim und ProCulture der Film sei (Frau stemmt sich mit aller Macht gegen männlich geführtes Establishment, Team mit multikulturelem Hintergrund untersützt sie).
Man kann ein beliebiges Thema aber auch Bedeutsamer machen, als es sein sollte.Ein, zwei Wendungen zu viel und ein Klischeebeladenes Finale, dass nach den 120 Minuten zuvor schrecklich deplaziert und plump inszeniert erscheint. Der große Paukenschlag (bzw. „Erdbeben“) verpufft kaum dass er erscheint.
Mit der finalen Szene wird zwar nochmal um Wiedergutmachung gebeten, aber na ja…Eine starke Hauptdarstellering, gut besetzte Nebenrollen, ein etwas zu dick aufgetragener Plot und lange wie komplizierte Dialoge erlauben es nicht, den Film nebenher zu schauen.
Insbesondere in den ersten 20-30 Minuten strengt er sehr an, dann kommt er jedoch gut in Fahrt und knallt leider gegen die Wand.6,5/10
23. Juni 2017 um 20:53 #124094American Gods (Staffel 1)
[…]
Was mir dann doch auch noch, wieder mal, etwas gestört hat, ist das teils oftmals unnötige „Rumgeficke“. Man verzeihe mir die Wortwahl. In den letzen Jahren scheinen sich die Macher von Serien immer mehr auf die Formel zu berufen: „Je mehr Sex in einer Serie desto besser.“ Ich finde das eher uninspiriert. Ich bin echt nicht prüde, aber wenn ich Sex will, mache ich den Fernseher aus. Ich empfinde diese Szenen immer eher als langweilig.Ich hatte die vergangenen 2 Jahre eher das Gefühl, dass „Sex sells“ an Bedeutung verloren hatte. Kann jetzt aus dem Stehgreif gar nicht so viele Serien und/oder Filme benennen, aber in denen, die etwas zu vermitteln hatten (Nein, nicht philosophisch – mir genügt ja auch eine durchdachte Story), kam man auch ohne über die Runden.
Auch fand ich die Wahl der Schauspieler zunehmend „menschlich“ und weniger Next-Top-Model getrimmt.
Vielleicht waren die Zahlen an der Kasse nicht hoch genug, wodurch man den Zuschauer wieder vermehrt an den Plot fesseln will (hüstel)
Ich würde Deine Wahrnehmung zunächst mal nicht unterschreiben (sowas wie „American Gods“ packt mich noch nichtmal anhand des Trailers), aber empfinde es als ähnlich störend.23. Juni 2017 um 12:46 #124078Logan – The Wolverine
Gestern in der Spätvorstellung Logan für 2,50 EUR mitgenommen und einen großartigen Abschluss einer guten Kinowoche (Alien: Covenant – 6 / Der Duellist – 8 / Logan – ??) erhalten.
Ich muss dabei vorweg schicken, dass ich außer X-Men 1+2 keinen weiteren Titel aus diesem Comic-Universum geschaut habe (Woverine habe ich seinerzeit gemieden, weil ich den Charakter im Grunde nie leiden konnte)… tja, und nun mein gefeierter Held? Wie kommt´s?Die Ausgangslage des Films gefällt mir sehr gut – fast alle Mutanten sind tot, Logan dümpelt als depressiver und alkoholsüchtiger Chauffeur sein Dasein und Professor X vegetiert mit Anflügen von Demenz in einem stillgelegten Wassertank. (Hier meine einzige auffallende Wissenslücke: Wieso lebt Prof. X wieder? Der war doch in einem der ersten X-Men Filme gestorben)
In der Pflege des alten Mannes wird er von einer Art Nosferatu (sehr schön hierzu der Wortwitz des später auftauchenden Ganoven) unterstützt.
Eine Liga der Antihelden, wie sie in guten Büchern steht.
Als Logan gebeten wird, die gezüchtete Mutantin Laura in das mutmaßliche El Dorado für Mutanten zu begleiten, nimmt er den Auftrag bloß des Geldes wegen an – sehr schöne Ausgangslage und ein klares Statement des Einzelgängers.Das Erzähltempo des Films ist großartig, bis auf die Kämpfe gegen X-24 gibt es keine allzugroßen Comic-Endgegner-Unarten zu betrachten und auch die Fähigkeiten anderer „Menschen mit besonderen Vorzügen“ sind sehr sparsam eingesetzt.
In den dann doch häufig aufkommenden Konflikten wird knapp und kompromisslos zu Werke gegangen. Niemand fliegt mal eben 100 Meter durch die Luft, um am Ende schlimmstenfalls ein Loch im Hemd zu haben – hier ist schnell Schluss mit Lustig.
Splapstick oder blöden Humor sucht man hier vergebens und in der Summe erhält man einen düsteren Road-Movie mit übernatürlichen Anleihen.
Weitere Pluspunkte verdient sich der Film in den Szenen, in denen der Dreier eine Nacht bei einer Farmerfamilie verbringen darf. Die Sehnsucht des Prof. nach einem sorgenfreien „normalen“ Leben wird in kurzen Worten vermittelt, aber (auch zuvor im Hotelzimmer) großartig in Szene gesetzt.
Einzig Logan kann sich der hoffnungsvollen Stimmung nicht anschließen.Hier werden Pointen gesetzt, die ich in vielen Filmen vermisse („Festhalten!“ und der Zaun steht dennoch), die Stimmung der Hoffnungslosigkeit wird im Grunde bestenfalls durch Prof. X´s Sehnsucht nach Normalität verwässert und zu keinem Zeitpunkt wird von dieser Marschrichtung abgelassen.
Meine Begleitung war der Meinung, das Logan´s depressive und ablehnende Darstellung etwas zu überzogen sei, ich fand sie auf den Punkt genau richtig.
Einzig Boyd Holbrook hätte etwas mehr Tiefe in seine Rolle bekommen dürfen, der Ganove wirkt auf lange Sicht doch etwas blass. (Aber weniger ist manchmal mehr – ich kann mich erinnern, das kürzlich bei einem anderen Film angemerkt zu haben)Ich weiß nicht, ob Freunde „klassischer“ Comicverfilmungen oder Meet&Greet Streifen á la Batman vs. Superman vs. Thor mit Unterstützung von Iron Man und Wonderwoman und und und… ihre Freude an diesem Streifen haben.
Mich hat der Film jedoch bestens unterhalten und ich erlaube mir sogar, ihn distanziert vom X-Men Kosmos zu betrachten (was in meinen Augen wohl auch die größte Stärke des Films ist).
Gegen Ende hat er zwar eine kleinere Länge, aber das unromantische und unsentimentale Ende rundet das Filmerlebnis ab.9/10
22. Juni 2017 um 08:57 #124013Der Duellist
Die Sehgewohnheiten des Giessener Studenten sind schon eigenartig. Da wird in der Sneak mal schnell der Saal verlassen, bevor auch nur drei Sätze gesprochen wurden.
Schuld war diesmal ein Film, der u.a. durch die Russische Filmförderung finanziert wurde und dazu (Oh Graus! Man wird zuhören müssen) das Setting um 1860 in der damaligen russischen Hauptstadt St. Petersburg präsentiert.Ein Film, dessen Erzählklima (mich) sehr an „Taboo“ erinnert. Ein mürrischer, sehr in sich gekehrter Protagonist, sucht seinen Weg zur Wiederanerkennung des Adeltitels einer Familie.
Der ehemalige Offizier Jakolev verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Führen von Duellen, indem er (dem Gesetz der Ehre folgend) gebrechliche Adlige in ihren Duellen vertritt.
Zu Gute kommen ihm hierbei seine zirkusreifen Fähigkeiten mit dem Revolver, dazu die nötige fehlende Furcht vor einer Niederlage.
Um auf Nummer Sicher zu gehen, weiß sein „Manager“ Mittel und Wege, um elegant aus der Affäre zu geraten, sollte der Duellgegner sehr heikel gewählt sein.In Kreisen des russischen Militär- und Adelstandes kursieren jedoch Gerüchte über den Duellisten, der seine Gegner auch dann zu töten weiß, wenn sie ihm unbekannt sind (ein Frevel gegen jede Ehre).
Ist Jakolev etwa nicht der, für den man ihn hält? Welche Rolle spielt dabei der dubiose Graf Beklemishev?Ein etwas komplexer Film, der auch mit der ungewohnt anmutenden Namenslandschaft der russischen Zarenlandschaft aufwartet und mitunter die Aufmerksamkeit des Zuschauers benötigt.
Die russische Hauptstadt wird schön (und schmutzig) in Szene gesetzt, die Kostüme schön anzusehen und die Geradlinig- und Kompromisslosigkeit in Fragen von Leben und Tod, hinterlassen einen sehr positiven Eindruck.
Dazu bietet er einen kleinen Einblick in die Freizeitgestaltung russischer Adliger jener Zeit (Fahrradfahren im Pit war der Renner).
Inmitten der gefühlten Kaltherzigkeit darf (leider) eine Romanze nicht fehlen. Die Dreiecksgeschichte wird zwar erst im letzten Drittel des Films intensiviert, auch trägt sie den Film in keine neue Richtung, doch wird sie zuweilen recht unglücklich in Szene gesetzt.
Für mich allerdings der einzig gravierende Kritikpunkt an diesem Film.In der Summe eine sehr schöne Überraschung zur Wochenmitte.
Wer die ausholende Form der Dialoge des 18. Jahrhunderts mag (oder wenigstens ertragen kann), dazu die Bildsprache á la „Taboo“ zu schätzen weiß, bekommt hier einen Film, der sich wohltuend von der Comicüberschwemmung und Dialogmonstern wie „Fick dich, Motherfucker! – Fick dich einmal mehr, Motherfucker!“ abzuheben weiß.
Ich fühlte mich bestens unterhalten – der Reaktion des Sneak Publikums entnehme ich aber mal die Prognose, dass es nicht jedermanns Geschmack sein wird.8/10
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