DerSchweiger

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    @derschweiger

    Dust Bunny [Sneak Preview]

    Einen Tag vor Silvester knallte es schon an vielen Ecken. Man verabschiedete sich von den lieben Kinomitarbeitern aus 2025, die Snacks dufteten nach den Völlerein zu Weihnachten nicht schlechter als zuvor und doch zieht man eine Schnute, weil Avatar weiterhin Saal 6 blockiert und die Sneak in zwei kleineren Sälen läuft. Irgendwas ist immer, aber die Hoffnung auf den großen Knall zum Jahresende blieb aufrecht.

    Aurora hat ein Problem: Durch das nächtlich geöffnete Fenster ihres Kinderzimmer wird ein Staubkneuel hereingeblasen. Und wie das so ist, vermengt es sich mit anderem Staub und wächst und wächst.
    Gut, sicher wird am nächsten Tag gesaugt… Doch anstatt in Wohlgefallen, verwandelt sich der Staub in einen Staubhasen. Noch klein, aber gefährlich und bissig.
    Bis er eines Nachts Auroras Pflegeeltern frisst.

    Aurora selbst sucht nun Hilfe bei ihrem Nachbarn, den sie zuvor dabei beobachten konnte, wie er einen Drachen tötete. Dieser entpuppt sich aber nicht als Drachentöter und wie es scheint, sind Auroras Pflegeeltern auch eher irrtümlich gestorben.
    Nun möchte er die Panne nicht weiter eskalieren lassen, seine Auftraggeberin aber hält nicht viel von diesem Plan…

    Mehr sollte man auf keinen Fall wissen – wobei ich zugegeben auch gar nicht weiß, was und in welcher Form der Trailer den Inhalt wiedergibt.
    Das Gute vorweg: Dust Bunny ist sehr schön gefilmt. Spannende Szenenbilder, das Vermengen von Fantasie und Realität, gewählte Perspektiven, Farbton und -Sättigung sind hochklassig.
    Erinnerte mich irgendwie (im Einklang mit der großartigen Filmmusik) an „Die Fabelhafte Welt der Amelie“. Spielerisch heiter und entzückend sind auch die ersten Minuten des Films – auch wenn es zwei Opfer zu beklagen gibt.
    Sophie Sloan als Aurora ist hier und im gesamten Film der Scenestealer. Die Regie leistet hier großartige Arbeit, um das kleine Mädchen (im Film wohl acht Jahre alt) in Szene zu setzen. Wie alt Sophie tatsächlich ist, will im Internet wohl niemand wissen. Vielleicht ist sie ja die „echte“ Orphan? ;)

    Mads Mikkelsen zeigt sich nach seiner Rolle in „Therapie für Wikinger“ wieder zurückhaltend, kauzig und pointiert.
    Das Gespann mmacht in gemeinsamen Szenen richtig Spaß.
    Sigourney Weaver als Killermutti passt ebenso großartig in das Ensemble. Lange habe ich sie nicht mehr so gerne auf der Leinwand gesehen.

    Der übrige Cast fügt sich in die schrullig schräge Story ein, nehmen sie und ihre Rollen ernst und erreichen damit, dass der Film kein plumper Klamauk wie mordende Weihnachtsmänner u.ä. wird, auch wenn die Story mehr als 100 Anlässe liefern würde, einen Gaga-Gugu Film zu präsentieren.

    Einzig der Höhepunkt zum Ende fällt hier aus dem Rahmen – oder auch nicht, je nach Lesart.
    Zwar bietet er Raum für Lacher, den ich in einigen Momenten auch nutzen konnte, endet aber arg merkwürdig (wenngleich konsequent).

    Zum Anschauen, sich unterhalten lassen, zum Schmunzeln und Auflachen, zum fallen lassen und tolle Bilder Bilder genießen zu können. Zwei Hauptdarsteller und eine Nebendarstellerin in Topform. Und dabei inhaltlich keinen Grund zum frohlocken ;)
    Leider wenig Substanz und wer minutenlange Szenen meidet, die vermeintlich auf der Stelle stehen bleiben, wird nicht viel Gefallen finden können.

    7,5/10 – weil trotz aller außergewöhnlicher Augenfreuden doch etwas Griffiges fehlt.

    #256794
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    @derschweiger

    Song sung blue [Sneak Preview]

    Weihnachten steht vor der Tür, vieles blinkt und leuchtet. Gelegentlich hört man noch irgendwo in der Kitagruppe oder im Büro besinnliche Traditionsmusik und Avatar macht sich im Kino breit.
    So auch bei uns, was dazu führt, dass die Sneak nicht im großen Saal gezeigt wurde, sondern auf zwei kleine Leinwände aufgeteilt werden musste.
    In sämtlichen Fällen, in denen diese Strategie griff, war das Ergebnis mau. Muss ja nichts heißen, oder?

    Irgendwann, Anfang der 90er, kämpft sich Mike irgendwie durchs Leben. Ehe kaputt, Tochter bleibt (eigentlich) bei der Mutter, und beim Legenden-Imitations-Singen soll er plötzlich Don Ho verkörpern. Das missfällt ihm sehr, schließlich ist er „Lightning“, verkannter Star der lokalen Bühnen – seinem Ido Neil Diamond nacheifernd.
    Bei einem verpatzten Auftritt trifft er auf Claire. Sie tritt als Countrysängerin auf (die Künstlerin kenne ich nicht… ), bedauert dabei aber ihre „geringe“ Oberweite – sonst hätte sie als Dolly auf die Bühne gehen können.
    Beide gefallen sich, und weil sie auch geschieden ist (ihre Kinder leben allerdings bei ihr), kommen die Dinge, wie sie kommen müssen.

    Weil beim ersten Date schön miteinandergesungen wird, gründen sie eine Neil Diamond Coverband. Wow, ist ja irre!
    Und dann sehen wir eben jedes beliebige Musiker-Biopic: „Armer Mensch, oder schlicht verkannt und/oder gemobbt, Leidenschaft zur Musik, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, Aufstieg, Drogen/Suff/Beziehungsdilemma, Abstieg und dann wie Phoenix aus der Asche und alle Klatschen und Johlen und man wusste ja immer, JEDER kann zum Superstar werden, wenn er denn nur… ach, ihr kennt es doch auch.“

    Überraschungen? Ja, zwei: Hugh Jackman spielt den eher unfreiwillig komischen und im Grunde mit Fremdscham zu betrachtenden Mike großartig. Kate Hudson als Claire spielt ihn und die Story insgesamt völlig an die Wand! Eingeführt als die hübsche Blonde an der Seite der Witzfigur, entwickelt sie für ihre Figur Herz, Tiefe, Charakter, Schmerz, Sehnsucht und innere Flucht jederzeit spürbar und glaubhaft. Man sieht im Grunde keine Schauspielerin, sondern die Figur.
    Einiges davon gelingt Jackman auch, allerdings ist seine Rolle eher weniger Tief gezeichnet (auch wenn sämtliche „Der Kerl hat es nicht leicht“ Klischees über ihn ausgeschüttet werden). Oftmals dient er bloß als Comic-relief, etwa wenn Claire mit dem Leben kämpft und er ihre Tochter ins Nebenzimmer nimmt „Ich bekomme gleich einen Herzinfarkt – du musst dann den Defibrillator nehmen!“ (Weil kein Geld für den Doktor)… und dann fällt er um und Hahaha muss die Tochter ran.

    Das ist in Summe ärgerlich, denn von den Menschen um ihn herum hören wir, welche inneren Kämpfe er zu bewältigen hat, wie er mit der notorischen Arbeitslosigkeit umgehen und dem Geldmangel trotzen muss um sich und seine neue Famile über Wasser halten zu können. Dabei muss er zeitweise sogar seine Liebe zur Musik hergeben…
    Man bekommt hiervon allerdings wenig zu sehen.
    Der zeitliche Rahmen ist ohnehin nicht greifbar. Gefühlt wird einmal gemeinsam gesungen, der erste Gig geht in die Hose, es wird schwuppdiwupp geheiratet und dann und dann und dann… will heißen, dass Umfeld der Menschen hier wird nicht gezeigt, das Klima bleibt dadurch auf Dauer steril.

    Die Schauwerte des Films ohnehin sind auch eher durchschnittlich zu bewerten (was ja immerhin nicht schlecht ist). Bild, Dramaturgie, Regie und Dialoge wirken zuweilen wie einer dieser US TV-Filme. Kann man gucken, aber warum teuer im Kino?

    Anders allerdings, wenn man großer Neil Diamond Fan ist und alle fünf Minuten einen Song von ihm voll ausgespielt hören möchte. Das ist dann allerspätestens der Punkt, wo ein Musiker Biopic greifen kann, oder eben nicht.
    Ich oute mich: Neil Diamond ist mir völlig egal. „Caroline“ hört man ja immer wieder in Kneipenszenen, wenn sich fremde Menschen glücklich weinend in den Armen liegen, alles andere habe ich dann ertragen, weil die Cola Zero noch nicht leer getrunken war ;)
    Nein, kein Bashing! Wer die Musik mag, wird sicher Freude haben – auch wenn wir weiterhin im Hinterkopf haben, dass wir nicht(!) Neil Diamond sehen, sondern jemanden, der sich mit dessen Musik rühmen kann/will.

    Der Film erklärt es dann in etwa so: Wenn man kein Ticket für Neil Diamond bekommt, dann geht man eben zum Nächstbesten Imitator. Scheint tatsächlich so zu sein, denn in unserer Umgebung treten in den kommenden Wochen ein halbes Dutzend „große Coverbands“ auf. Verstehe ich nicht völlig, aber das ist dann ja in Summe auch mein persönliches „Problem“.

    Insofern mag der Film auf Filmstarts satte 4/5 (also 8/10) erhalten… weil mir der Film weder inhaltlich noch musikalisch irgendetwas geben kann und ich im Grunde „nur“ wegen des starken Hauptcasts in Filmnähe bleiben konnte, schaue ich erstaunt auf diese Wertung.

    Tja, und so kommt kein weiteres Musiker Biopic in die Reihe derer, die ich gerne in Erinnerung halte (Amadeus, The Doors, Walk the line). Andere sind sicher auch gut, halten mich aber aufgrund der Musik eher deutlich auf Distanz.

    Mit einem kleinen Weihnachtsbonus und bunt blinkender Lichterkette drumerhum (Oh, und wegen Kate Hudson 1 Punkt mehr!!): 5,5/10

    Allen hier Frohe Weihnachten und schöne Feiertage. Genießt die Zeit mit euren Liebsten!

    #256716
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    @derschweiger

    @thanassi

    Bei „deadly night“ lasse ich nicht mit mir reden ;) Ne, Spaß beiseite: Wir haben ihn zu dritt geschaut, und anders kann der (für mich) nicht funktionieren. Ich tue mich schwer damit, darüber zu lachen zu sollen, wenn Menschen „witzig“ getötet werden. Deswegen muss zumindest Story oder Schauspiel passen, um auf ein „OK“ Niveau mit 5/10 zu kommen. Bietet der Film beides nicht – schlechter gibt es natürlich trotzdem :)

    Ja, beim Wikinger tut mir meine Wertung im Grunde selbst weh. Die von Dir genannten Punkte führe ich auch deutlich im Plus, der Cast ist richtig stark (auch „Holocaust Ben“ hat mir viel Spaß gemacht). Schön, dass Du das Intro und Abschluss erwähnst, der ist tatsächlich gut (eine böse, gesellschaftliche Spitze).
    Leider ist die Story an sich unmöglich. Es hilft eindeutig, dass die Schauspieler top motiviert sind und über die groben Schwächen hinwegspielen (wenn die nicht vielleicht sogar „geplant“ waren – man kann den Schreibern ja nicht in den Kopf gucken). Die 9 für Dich freuen mich und kann ich tatsächlich nachvollziehen. Ich komme von 8 als ersten Impuls und ordne das durch die wirklich krassen Plotholes ein wenig anders ein (die haben mich tatsächlich kurz gestört), andererseits dann aber eine geklaute Discokugel im Hotelzimmer….

    Ach, es ist Weihnachten, da kann mal auch was gönnen ;) 7/10

    Danke für die Diskussionseinladung, ich finde es immer spannend, wie andere einen Film empfinden.

    #256707
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    @derschweiger

    Ein Sneak-Doppelpack, weil ein Film davon zu vernachlässigen ist.
    Manchmal kommt man aus dem Kino und hängt dem Film noch nach. Stimmungen und Bilder, Soundtrack, gefühltes Schauspiel und/oder eine gute Geschichte nimmt man gerne mit nach Hause und erzählt mit Freude darüber.
    Dann kommen natürlich noch die Dummblöden Filme dazu, die nur um ein Gimmick herum gestrickt wurden, schlechtes/lustloses „Schauspiel“ zeigen oder schlicht kein Gefühl für das Gesehene transportieren können. Ausgenommen aus diesem Katalog natürlich die von vornherein niveauflexiblen „Hau drauf und lach mal drüber“ Filme (auch wenn ich die deswegen nicht automatisch mögen kann).

    „Silent night, deadly night“

    Machen wir es kurz: Ein Remake eines alten Slashers, der auf dem Index stand (stimmt das so? Könnte zwar recherchieren…) Story ist völlig Banane. Junge sieht, wie ein verkleideter Weihnachtsmann seine Eltern tötet. Der nun selbst sterbende Kinderschreck reicht dem Jungen die Hand und siehe da; es weckt in ihm die Lust am Töten.
    Als junger Mann stampft er dann, von sich und seinem Dämon geplagt, durch das Land und muss im Dezember täglich jemanden töten, um dadurch einen blutigen Adventskalender zu füllen. Tut er es nicht, stirbt jemand. Ach was, sag!

    Zwar will man den Typ irgendwie sympathisch zeichnen (eigentlich unmöglich, bei dieser gespielten Unlust – oder Unvermögen??) indem er böse Menschen tötet. Und wer ist böser als eine nymphomanische Nazifrau? (Tatsächlich die einzige Szene, die schön anzusehen war).
    Dumme Story, saudummes Drehbuch, lausiges Schauspiel, und eigentlich nur da, damit jemand sagen kann „Ich kenn das Original.“ Hat bei „Toxiv Avenber“ schon nicht funktioniert, der hier ist selbst auf Humorebene noch niedrigschwelliger.
    Immerhin die Kills sehen meist gut aus… wäre mit ernsthafter Note und glaubhaftem Acting sicher ein OK-Film gewesen.

    3/10

    „Therapie für Wikinger“

    Zunächst fällt auf, dass der deutsche Markt mal wieder eine Top Idee für einen dämlichen Titel bringen konnte. Aus „Der letzte Wikinger“ im Original zaubert man eben etwas sinnfreies… passt schon.
    Sinnfrei ist hier, und das muss ich trotz aller Sympathien für Cast, Regisseur und gezeigter Stingens, leider auch die Handlung.

    Ein Überfall geht schief und Anker wird geschnappt. 15 Jahre später kommt er wieder auf freien Fuß und schwups soll ihm sein Bruder Manfred verraten, wo dieser das geraubte Geld vergraben hat. Manfred entpuppt sich dann als Person mit gespaltener Persönlichkeit. Er heißt nun John – nennt man ihn Manfred, will er sterben.
    Es kommt, wie es kommen muss: Manfred kommt in die Psychiatrie. Doch das Geld will Anker trotzdem haben – schwups wird er rausgeholt und um aus John (Lennon) wieder Manfred zu machen, soll eine Band aus dissosiativen Persönlichkeiten als Therapie gelten.
    Leider hat der freundliche Flemming Geldnot und möchte Ankers Geld haben. Er bedauert zwar, hier Nachdruck ausüben zu müssen, aber was muss, das muss.

    Dazu kommen noch Margarehte und Werner, die der schrulligen Band ein zu Hause geben.
    Achtung: Kein Spoiler – niemand in diesem Film tickt noch richtig!
    Das ist in der ersten Hälfte des Films schrullig und aberwitzig. Selbst Faustschläge ins Gesicht können belacht werden. Die Idee zur Bandgründung ist absurd und genauso aberwitzig wird dann das erste Zusammentreffen.
    Zur zweiten Hälfte ändert sich der Ton, der freundliche Flemming bekommt etwas mehr Zeit für seinen Schabernack und das Lachen bleibt im Hals stecken.
    Wo andere Filme mit der vorangegangenen Tonalität immer ein Schlupfloch für seine Charaktäre findet, bleibt hier die Tür zu. Der Hammer trifft, die Zange schnappt, die Schläge erwirken Blut.
    Darin dann eine eher unglückliche Entscheidung von Flashbacks, welche hier aber auch schmerzhaft sitzen.
    Aufgelöst mit einer sehr bittersüßen Note.

    Im Grunde sind viele Elemente des zuvor genannten „Deadly night“ im Topf verrührt. Wie bekommt man einfach so vier Insassen einer Psychiatrie raus und fährt munter mit dem Auto davon? OK, gab es in skandinavischen Filmen schon mal – irgendwie muss man das wohl so hinnehmen. Genauso wie der eine oder andere Moment an die Stirn fassen lässt.
    Und doch wirkt das Ganze. Weil man Anker glaubt, was man sieht. Weil man Manfred als todtraurige Figur erkennt, weil Margarethe eine Wucht ist. Dass die Tonalität des Films mehrfach gebrochen wird, ist teilweise erschütternd. Dafür bin ich dann auch empfänglich, und hier sehe ich über die augenscheinlichen Schwächen gerne hinweg.
    Auch, weil das Auge mit teils schönen Szenen umgarnt wird.

    Kurios: Nach Ende war ich noch emotional gefangen und hätte ihn in Richtung Bestnote gesetzt. Tja, und damit hätte er sie auch verdient ;) Ebenfalls spannend: Bei Filmen mit ähnlicher Mägnelliste bleibt selten ein Stein auf dem anderen stehen.
    Dem will ich natürlich Tribut zollen und trotzdem mag ich den Film. Mutig, weitestgehend konsequent und ein Happy End mit tiefen Narben.

    6,5/10
    7/10

    #255894
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    Eternity [Sneak Preview]

    Während die Trailer liefen, saßen meine Kinofreunde und ich noch vor dem Saal und unterhielten uns über dies und das. Was läuft, was kommt irgendwann Gutes ins Kino… und irgendwann waren Themen mit Tiefgang am Start. „Das Einzige, das Bestand hat, sind Erinnerungen“ sagte er dann. Puh, so philosophisch vor Beginn – da war ein Film mit „Hirn aus“ Attribut gefragt…

    Da staunt Larry nicht schlecht, als er nach gut 60 Ehejahren ein Foto vom ersten Ehemann seiner Frau Joan sieht. Ganz schön gut sah er aus, bevor er dann leider in „irgendeinem Krieg“ (Korea) starb. „Wäre er nicht gestorben, hättest Du bei ihr keine Chance gehabt!“, witzelt seine Enkelin und prompt verschluckt er sich an einer Snackbrezel und stirbt.

    Er erwacht jung und fit in einem Vorhof der Ewigkeit, wo sich bald ein Jenseitskoordinator seiner annimmt.
    Denn die Ewigkeit ist nicht ganz so einfach, wie wir uns das so vorstellen: Ihm bleibt etwa eine Woche Zeit, sich mit seinem Zustand zurecht zu finden, dann hat er sich zu entscheiden, in welche Ewigkeit er eintreten möchte (ohne Möglichkeit, zurück zu kommen). Das ist witzig, denn diese Ewigkeiten bieten alles, was man sich vorstellen kann. „Weimarland – 100% Nazifrei“, „Kapitalismusland – für wen Arbeit das Ganze Leben war“ aber auch reizvolle wie „Menschenleere Ewigkeit – Ausgebucht!“.
    Für Larry ist die Sache klar, er möchte Joan eine Nachricht hinterlassen und sich schon mal auf den Weg machen… was könnte da schieflaufen?
    Höchstens, dass Luke – der erste Ehemann – einen Job im Vorhof bekommen hat und dort als Barkeeper die verlorenen Seelen tröstet. Er selbst wartet auf seine große Liebe Joan, bis sie schließlich auch dort erscheint.
    Nun aber muss sie sich entscheiden – Larry oder Luke. Flammende und unerfüllte Liebe gegen eine Ansammlung von im Leben gemachten Erinnerungen.

    Die erste Hälfte des Films ist herrlich schrullig und mit guten, pointierten Witzen versehen. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern ist großartig und leichtfüßig inszeniert. Kleine Abzüge bei den Jenseitskoordinatoren – deren Story war dann doch irgendwie fehl am Platz.
    Großartige Ideen und Szenenbilder (Weil es im Tod wohl keine Tageszeiten gibt, fallen vor den Fenstern der Wartezimmer in Abständen gemalte Leinwände herunter.
    Die Frage, für wen sich Joan entscheiden soll ist dann auch die einzige sinnstiftende Frage, die hier erörtert werden will. Das ist völlig ok, sprechen wir hier doch über eine Liebeskomödie (mit Tiefgang).
    Denn nachdem Joan mit beiden Männern einen Probetag in der von ihm gewählten Ewigkeit verbracht hat, kippt die Stimmung ein wenig. Was vorher froh und munter, mit viel Wortwitz daherkam, wird nun beinahe philosophisch betrachtet.
    Und so wird eine Entscheidung getroffen, die möglicherweise nicht allen Kinobesuchern schmecken wird.

    Tatsächlich werden hier drei mögliche Szenarien diskutiert und eines davon ausgespielt. Das ist sehr gut gewählt, denn so kann sich der Zuschauer der Frage stellen, wie er sich wohl entschieden, bzw. welchen Weg man Joan gewünscht hätte.
    Das wir hier nicht völlig tief in alle möglichen „Wenn und Aber“ eingehen ist völlig ok. Das wäre bei einem Drama das richtige Motiv gewesen, hier zeugt die Heiterkeit im Ensemble (wie schon zuvor bei „Life of Chuck“) eine lebensbejahende Botschaft, die über den Tod hinaus mit den Figuren mitfiebern lässt. Denn egal, wie die Dinge laufen, mindestens einer guckt dumm in die Röhre (bzw. Ewigkeit).
    Dabei bekommt dieses Dilemma der einzigen Zukunft auch eine großartige Bühne. Wer glaubt, er könne mal so seine Ewigkeit wechseln, der wird in ein dunkles, tiefes Loch geworfen – die Hölle lässt grüßen.

    Elisabeth Olsen und Miles Teller als junges Ehepaar sind eine Augenweide. Insbesondere Olsen spielt in diesem Chaos aus Sehnsucht, Vertrauen und ewiger Liebe groß auf. Callam Turner steht dem nicht hintenan. Man wünscht ihm ebensoviel Glück wie Larry und ist gespannt, welche Entscheidung Joan nun treffen wird.
    „Das Einzige, das Bestand hat, sind Erinnerungen“ hieß es vor dem Film und hier heißt es sinngemäß „Im Jenseits ist man die Summer seiner Erinnerungen“. Spannend, wie manchmal Brücken geschlagen werden.

    Denn diese Erinnerungen sind es dann, die Joan von der heiteren Komödie in eine sehr melancholische Phase des Films führt. Hut ab, diese kleine aber feine Idee ist wunderschön inszeniert!
    Ähnlich wie „Life of Chuck“ ist hier der Tenor, zeitlebens den schönen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Jeder Weg kann seine Wunder bereit halten und am Ende weiß man nie, wann es kommt wie es kommen muss. Während für „Chucks Großvater“ das Schlimmste war, auf den jeweiligen Augenblick zu warten, ist dieser Umstand hier zum Teil ein herbeigesehntes Event.
    In wort- und zahlreichen Dialogen werden die Dinge hier diskutiert und zu einem Punkt gebracht. Nicht ausgedehnt, an der Langeweile kratzend, sondern zielgenau und pointiert.
    Das ist neben der Hintergrundgeschichte der Jenseitskoordinatoren vielleicht das einzige kleine Manko. Etwas weniger erzählt, etwas mehr gefühlt und Chuck hätte als Film des Jahres abgelöst werden können.
    So aber drängt man sich immerhin an „Bugonia“ vorbei auf den zweiten Platz.

    Sicher kein Film für Jederman(n), aber wo gibt es sowas schon….

    9,46/10

    #255792
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    @derschweiger

    Roofman [Sneak Preview]

    Wenn man nach der Sneak erstmal zu einer Burgerkette möchte und sich außerdem angeregt fühlt, online ein wenig nach Spielzeug zu stöbern… dann hat der Film offensichtlich ein gutes Productplacement geführt. Die Story…. ja, was war da nochmal?

    Nach seinem Dienst in Afghanistan ist Jeffrey offensichtlich auf der Suche nach seinem Platz im Alltag. Vom Suchen allein scheint man aber kein Geld zu verdienen. Anstatt seiner Tochter zum Geburtstag das gewünschte Fahrrad zu schenken, muss er kreativ werden – mit mäßigem Erfolg.
    Seine Frau mag ihn offensichtlich auch nicht mehr. Eine Idee muss her (kein Job, das wäre wohl zu einfach).
    Weil in sämtlichen McDonalds Fillialen der selbe Grundriss und Ablauf im Alltag herrscht, kommt ihm die Idee, die Kassen zum Feierabend zu plündern. Dafür steigt er stets vom Dach ins Gebäude ein (daher „Roofman“…tataa!) und „muss“ das noch anwesende Personal in die Kühlkammer einsperren. Dabei ist er stets freundlich, die Beraupten scheinen sich fast dafür zu schämen, dass die Polizei nun nach ihm sucht.

    Seine Frau findet das neue Geld im Haus ziemlich gut, also sitzt sie beim nächsten Kindergeburtstag fröhlich lachend dabei. Das Megageschenk gibt es natürlich auch… ach, es kann alles so einfach sein.
    Zu dumm, dass die Polizei ihre Arbeit macht und so verliert Jeffrey neben seinem Einkommen auch seine Familie. Schade.

    Nach diesem Prolog geht es mit Aus- und Einbrüchen munter weiter. Jeffrey verliebt sich, datet und stiehlt munter weiter. Das will aber nicht so richtig packen. Weder Witz noch Drama kommen so richtig zur Geltung. Beinahe ist es, als schaue man sich eine Doku über das dümmste Genie der Welt an.
    Der Haken an der Sache: Der Film möchte Jeffrey dabei so in den Mittelpunkt stellen, dass er für den Zuschauer als Sympathieträger fungiert. Hinsichtlich seiner Vita alles andere als löblich.
    Erstaunlich zum Ende, dass (mit Ausnahme der Polizei) alle Beteiligten im O-Ton zu Wort kommen und schildern, wie freundlich und liebenswürdig dieser Typ doch war. Und irgendwie hat er immer Geschenke verteilt… den muss man doch einfach lieben.

    Muss man natürlich nicht, und letztlich scheitert der Film über eine wahre Begebenheit darin, einen Straftäter als überaus gesellschaftlich kompatibel darzustellen.
    Erleichterung bei mir, dass es am Ende ein „Happy End“ gibt!

    Der Cast in dieser Story ist überraschend prominent besetzt: Neben Channing Tatum dürfen Kirsten Dunst, Ben Mendelsohn, Juno Temple und Peter Dinklage u.a. zeigen, dass dies eher ein Film nach Vorschrift zu sein scheint.
    Ob Tatum ein guter Schauspieler ist, weiß ich nicht zu beurteilen – wissentlich habe ich nicht viel von ihn gesehen und dieser Auftritt passt ganz gut in die ungelenke Tonlage des Films. Unauffällig gut, könnte man es nennen.
    Kirsten Dunst mochte ich in „Civil War“ überraschend gern. Davor hatte ich sie zuletzt in „Melancholia“ gesehen und festgestellt, dass nach „Virgin Suicides“ irgendwie kein Film mehr kam, den ich a) kenne oder b) in dem ich sie „gut“ fand.
    Hier gelingen ihr die üblichen zwei Gesichtsausdrücke recht gut, Sympathiewerte können erzielt werden. Wenn sie dann aber anfängt, eine dritte oder gar vierte Gefühlsregung zu spielen… uff. Das ist schade!

    Gefilmt in klaren Bildern und großzügig gespielten Szenen. Das gefällt oft, bringt aber an manchen Stellen des Films das Problem, dass sich im Kreis unterhalten wird. Nichts passiert oder wird nach vorne getragen. Zeigt aber am Ende wohl auch, wie einfach die Welt des Protagonisten ist.

    Ein netter Film über einen Verbrecher mit Herz. Anders als in alten Mafia-Filmen kommt der Zuschauer aber nicht in das Dilemma, hier irgendwas für die Figur empfinden zu können. Glück gehabt und schlimm genug, dass man heutzutage im Gefängnis mit seinem Scheiß Geld verdienen kann.

    5/10

    #255643
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    Chien 51 – Zone 3 [Sneak Preview]

    Wirft man in Filmen einen Blick in die Zukuft, ist sie meist schrecklich. Entweder geht die Welt unter, die Welt ist dunkel und mies, eine Diktatur hat die Weltherrschaft übernommen oder wir leben schlicht im Weltall. Selbstredend darf die Angst vor Technik nicht fehlen – Skynet hat da wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

    So auch in Paris im Jahr 2045. Die halbe Stadt liegt in Schutt und Asche. Drei Zonen regeln die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der dort lebenden Menschen. Zone 1 für die Reichen (und Priviligierten), Zone 2 für Normalos und Besserverdiener (und Priviligierten), Zone 3 (wer errät es?) dann für den Bodensatz der Gesellschaft. Vom Junkie bis zum schlaflosen, mürrischen Polizist ist da vieles vertreten – man möchte dem geneigten Zuschauer also direkt vermitteln: Das bist Du!

    Zem, besagter Polizist, kann nicht schlafen und bekommt durch eine kaputte KI jeden Tag mehrere Flaschen Milch nach Hause geliefert. Zur Arbeit geht er nicht gerne, sein Chef brüllt ihn nur an (was Polizeichefs nunmal so machen) und dann soll er nach einem Mord mit einer Ermittlerin aus Zone 2 zusammenarbeiten.
    Salia selbst scheint auch nicht glücklich zu sein, obgleich in Zone 2 ein besseres Leben möglich ist.
    Um die Zonen in ihrer jeweiligen Ordnung zu halten, wurde ein KI System entwickelt, dass mit Gesichtserkennung sofort jeden Kram auf das Tablet der Polizei zaubert. Selbstredend müssen die Ermittler nicht mehr kombinieren und Motive erörtern – das schafft KI auch ganz alleine.
    Nun aber wurde der Erfinder der KI getötet, der Mörder ist nun auch tot…

    Klingt spannend, in Teilen jedenfalls.
    Optisch gelingt nichts wirklich Aufregendes, aber sieht dabei auch nicht so billig aus, wie man es vielleicht erwarten würde.
    Die Handlung ist etwas wirr, unklar und sprunghaft erzählt. Das tut nicht gut, zumal das Ergebnis mehr „Mäh“ als „Oh“ ist.
    Mit Gilles Lellouce und Adele Exarchopoulos hat man zwei Darsteller, die schon einige Filme in ihrem Portfolio aufweisen können – leider lässt man sie hier nicht Schauspielern sondern konstant bedröppelt durch die Gegend spazieren. Hinter dieser tiefgründigen Fassade dürfen wir auch nicht erstaunt sein, wenn es urplötzlich richtig romantisch wird (Hä?!).

    Na gut. Was die erste Hälfte über noch irgendwie funktioniert, geht in der zweiten Hälfte mit merkwürdig eingefügten Actionsezenen und Szenenbildern baden (sprichwörtlich). Da hat der Regisseur sicher tolle Bilder im Kopf gehabt (Boa, dann taucht der unter und man sieht Kugeln ins Wasser einschlagen und Blut und…). Ja, das sieht OK aus, aber warum gibt es diese Szene? Da wird eine Welt aufgebaut, man vergisst sie aber in Folge mit Kontinuität aufzufüllen.
    Unfreiwillige Komik kommt dann auch auf, wenn beide Trauerklöße aus dem Nichts zum Karaokesingen gehen.

    Kein übler Murks, dafür ist er zu solide gefilmt und vom Erzählwert eben auch zeitgemäß genug („KI wird uns alle töten!“). Einem guten Einstieg dann aber leider nicht weiter verfolgt, bzw. die Charaktäre in ziemlich dämliche Situationen gesteckt, die so nicht richtig ineinander greifen wollen.
    Zum Ende noch akute Gefahr bei ähnlich gefühltem Schlafmangel, wie die Figuren vorgeben sie zu haben, einfach einzuschlafen.
    Schlecht? Nein
    Gut? Auch nicht.
    OK muss reichen

    4/10

    #255273
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    Him – Der größte aller Zeiten [Sneak Preview]

    In einem Fußballforum las ich zueltzt, dass Football total langweilig sei. Heidenheim gegen Hoffenheim am Sonntagabend klingt dagegen allerdings auch nicht nach großem Spaß…

    Cameron ist eines der größten jungen Talente und hofft, in ein Profiteam gedraftet zu werden. Dummerweise wird er von jemanden niedergeschlagen – Hirntrauma inklusive (wir merken uns das mal für später).
    Es kommt, wie es kommen muss – einen derart verletzten Spieler holt sich niemand ins Team. Doch dann der rettende Anruf: Isaiah White, GOAT des modernen Football, mehrfacher Superbowl-Sieger und dazu Camerons Idol lädt ihn zu sich nach Hause ein um ihn auf Leber und Nieren zu testen. Wenn er eine Woche lang hartes Training übersteht, winkt die Aufnahme in ein Superteam – dazu würde er die Nachfolge Isaiahs antreten…

    Fortan entwickeln sich die Dinge sehr eigenartig. Da scheint doch irgendetwas faul zu sein?

    Die Geister die ich rief, Goethes Faust, Buffy… hat man alles schon gehört und gesehen. Und das in 100x besser.
    Videocliplook meets Reels-Ästhetik, Muckis und Titties in nass-glänzender Edeloptik. Ein Haus, das ohne Grundriss zu sein scheint – Gänge, die ins Nichts führen, überall offene Türen, hinter denen das Dunkle wartet (und noch Dieses und Jenes). Am Ende dann ein moralischer Zeigefinger, tief in Blut getaucht.
    Kurz: Kann weg! Für Horror an jeder Ecke zu vorhersehbar. Oder ist es eine fantastische Grotesque? Dann fehlt der Biss, die Tiefe ist ohnehin nur durch bedeutungsschwere Mono- und Dialoge zu vermuten.
    Schauspieler werden den Film über gesucht, aber nicht gefunden.

    Das Hirntrauma wird alles in Folge geschehende für sich erklären. Das ist dann vielleicht noch witzig und rettet den Film vor dem totalem Absturz – eben auch, weil diese Hirngeschichte nicht in Wort und Bild aufgelöst wird.
    Und die Moral von der Geschicht? Früher gab es ja den Spruch „Ohne Fleiß kein Preis“, das will heute im Grunde aber keiner mehr hören. So vielleicht auch die junge Footballjugend. Wofür Training, wenn ich gut aussehe?
    Nur eine Vermutung, das Schönste an dem Film ist noch, dass man zig Vermutungen dazu äußern kann, welchen Blödsinn man hier darstellen möchte. Von einer Kritik am System (Football wird ja auch gerne als moderner „Sklavenhandel“ beschrieben) erwarte ich aber deutlich mehr.

    Kill you Idol – und damit ist alles gesagt.

    3/10

    #255124
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    The Change [Sneak Preview]

    Mit etwas Wehmut schaute ich am Dienstag von Kino 6 in Richtung 9, wo um 21:40 „Das Schweigen der Lämmer“ starten würde. Mit Trailer und Verlosung würde die Sneak etwas 21:45 starten… Wenn es sehr übel werden würde, könnte man sich vielleicht im falschen Saal wiederfinden? Ne, macht man nicht. Wozu auch? Schließlich besteht die Chance, dass nach einem sehr guten Film die Woche zuvor nun wieder etwas Gutes läuft?
    „Running Man“ wurde hoffnungsvoll in den Ring geworfen… bitte nicht!

    Ellen und Paul feiern silberne Hochzeit. Das Paar strahlt, ist glücklich und hat zahlreiche Menschen eingeladen. Das Anwesen ist schön und symbolisiert einen gewissen Reichtum. Einzig das Klima unter den Geschwistern scheint betrübt, aber sowas kommt in den besten Familien vor.
    Während Cynthia (Anwältin) und Anna (Comedian) mit großem Hurra ihre noch zu Hause lebende Schwester Birdie in die Arme schließen, kommt Bruder Josh mit seiner neuen Freundin Liz beiahe durch die Hintertür zur Veranstaltung.

    Ellen erkennt in ihr eine ehemalige Studentin, deren Arbeit sie als Antidemokratisch zerissen hatte und was Liz den Ausschluss aus der Uni bescherte. Diese beteuert, die Sache vergessen zu haben – Ellen bleibt skeptisch.
    Tatsächlich ist der Zuschauer einen Schritt weiter und weiß, dass Liz etwas im Schilde führt.

    Ihre damals verpönte Arbeit ist nun zum großen Bestseller geworden. Amerika erblüht unter einem neuen Patriotismus, ein Einparteienstaat soll die Wende bringen und den Zwist innerhalb der Bevölkerung beenden.
    Tatsächlich begegnen wir Paul und Ellen in den folgenden fünf Jahren ein paar Mal wieder. Immer wieder zu besonderen Anlässen in ihrem Haus. Und jedes Jahr bringt gewaltige Veränderungen mit sich. (Außer Birdie… die bleibt einfach fünf Jahre lang die 17jährige Tochter oder so).

    Dystopien in Film und TV sind nicht totzukriegen, und in Amerika schwebt dabei stets die Angst vor kommunistischen Verhältnissen mit. Hier nicht anders – auch wenn man die erstarkte Bewegung genausogut rechts wie links gelesen werden kann.
    Manchmal entstehen dabei abstrakte Zeichnungen, vor Gewalt strotzende Actionfilme oder mutmaßlich mahnende Stellungnahmen. Egal ob „The Handmaid´s Tail“, „The Fortress“ oder „Civil War“ – Filme wie diese möchten vor dem Ende der Demokratie „warnen“ – macht es heute besser als die Deppen in unseren Filmen.
    „The Change“ bläst dabei in das selbe Horn. Wo bei z.B. „Die Welle“ auf die Auswirkungen totalitärer Ideologien der gesellschaftliche Ebene hinwieß, macht man es hier noch eine Spur schmaler.
    Der Zerfall findet innerhalb einer Familie statt. Der aufmerksame Zuschauer merkt dabei, dass dieses auf Demokratie gestützte Konstrukt schon vor der Ankunft von Liz seine Kratzer und Dellen hatte. Sohnemann Josh und Tochter Birdie sind irgendwie nur dabei statt mittendrin. Und wenn man sich vom gesellschaftlichen Kern ausgegrenzt fühlt…. ihr ahnt es.

    So simpel und vorausschaubar der Wandel der Zeit, der die Familie angreift auch ist, es wirkt wie eine Faust in den Magen.
    Sind die ersten Gespräche bei Tisch noch überspitzt zynisch und ironisch (zu dem Zeitpunkt hatte ich Angst vor einem deutschen Remake mit Herbst, Farooq und Co), schlägt das Pendel bald um.
    Kann doch nicht sein? Ja, irgendwie schon – und das Macht den Charakter verdirbt wissen wir ja nicht erst seit gestern.

    Nur gelegentlich wird der Fokus um das das Familienheim aufgebrochen – eine Autofahrt durch die Nachbarschaft, ein Restaurant, eine Uni und zwei, drei andere Orte sollen verdeutlichen, wie sich die Welt um den heimeligen Fleck verändert. Das wäre dabei gar nicht zwingend nötig gewesen. Mindestens zwei Sequenzen wirken dabei sehr gezwungen und stören mehr als das sie nutzen.
    Aber das ist zugegeben bloß ein Schönheitsfehler.
    Inmitten des sich anbahnenden Ärgers agieren Diane Lane und Kyle Chandler sehr stark, was in einer Diskussion um die Namensfindung eines Hundes gipfelt. Eindringlich und inteniv.
    Dylon O´Brien als Josh spielt das Arschloch vom Dienst so gekonnt, dass eine Szene zum Ende des Films Applaus im Kinosaal auslöste. Alle anderen sind dann auch dabei, bleiben stets unverändert in ihrer Rolle. Wo Birdie möglicherweise die größte Entwicklung des Films durchläuft, ist weder optisch noch darstellerisch etwas davon festzustellen.
    Nicht schlimm: Der Fokus bleibt auf den Eltern und die meistern das großartig.

    Genausowenig wie die namensgebende Bewegung im Film ist „The Change“ daran interessiert Kompromisse auszuarbeiten. Die Schläge kommen gezielt und hart – mutmaßlich ist ein ganz Land dafür, bloß diese Störenfriede mit gebildetem Hintergrund stören immens. Ähnlich wie jüngst bei „Civil War“ will man dem Zuschauer keinen Platz für Komfort gönnen. Das Finale ist hart und böse, wenngleich ein zarter Hauch von Hoffnung mitschwingt – möglicherweise jedoch nicht bei denen, für die man es sich erhofft hatte.

    Wirkt länger und stärker als „House of Dynamite“ und sollte nicht als Film für das erste gemeinsame Date gewählt werden.

    8/10

    #254930
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    Bugonia [Sneak Preview]

    Das Gemecker heute mal gleich zu Beginn: Beginn der Sneak ist nun nicht mehr 21:00 sondern 21:15 Uhr. Da sitzt man mit seinen neuen Filmfreunden vor dem Saal und wartet, dass die Trailer zu Ende gehen mögen und staunt nicht schlecht, dass es plötzlich Viertel vor zehn ist. Das zieht ja eine Kette von zeitlich veränderten Abläufen hinter sich her… man stelle sich vor, der Film dauert über zwei Stunden ;) War hier nicht ganz ernst gemeint, aber für einen Gewohnheitsmensch durchaus „problematisch“

    Teddy würde das vermutlich stoisch hinnehmen. Er hat tatsächlich andere Probleme.
    Die hängen irgendwie mit seiner Mutter zusammen, die nach einem misslungenem Medikamententest im Koma liegt.
    Da die Probleme aber sehr weitreichend sind, holt er nun zum Gegenschlag aus. Sein Cousin Don wird ihn dabei unterstützen.

    Sich selbst fordernd bemüht sich Pharmakonzern-Chefin und Führungskraft des Jahres Michelle um ein wenig mehr Entgegenkommen ihren Mitarbeitern gegenüber. Ein Betriebunfall ließ aufhorchen, nun stehe es jedem Mitarbeiter frei, ab 17 Uhr zu gehen… wenn er denn wolle und dabei beachte, dass die Arbeit auch fertig sei… oder wenn sie es trotz allem für sich verantworten können… also total freiwillig könnten sie aber auch so lange bleiben, bis die Arbeit fertig ist.

    Ein Segen, dass ich nichts von dem Film wusste. Keine Trailer, keine Teaser, keine Filmplakate, keine Ankündungen. Dass es ein Remake eines asiatischen Films ist, hörte ich erst später. Den kenne ich allerdings auch nicht.
    Interessehalber habe ich mir nachträglich den Trailer angesehen. Bis Minute eins erzählt er (zum Glück) etwas anderes, als es im Film tatsächlich passiert, ab Minute zwei ist man dann aber sehr offen mit dem Thema dabei.
    Das ist sehr schade, denn ohne Wissen und Ahnung entfaltet sich hier ein Film, der einen ratlos einige Dialoge verfolgen lässt. Man erwischt sich dabei, ob der einen oder anderen „Unsinnigkeit“ zu schmunzeln oder zu lachen – um im nächsten Moment mit offenem Mund dazusitzen.
    Viel Blalba, aber mit Konsequenz. In welche Richtung das Pegel am Ende ausschlägt… lasst euch überraschen. Denn auch dieser „Gag“ mündet in einem „Herrjeh!“.

    Eine Groteske, die wirklich fein detailliert und punktgenau nuanciert auf die Leinwand gezaubert wird. Emma Stone (vor ihr kann man wirklich Angst haben) und vor allem Jesse Plemons sind Dreh- und Angelpunkt des Films. So stark!
    Hier werden genüsslich Aspekte verschiedener Weltanschauungen auf den Tisch gelegt und für bare Münze genommen. Der eine oder andere wird sich „abgewatscht“ fühlen und den Film möglicherweise nicht mögen.
    Tröstend dabei: „Bugonia“ teilt in alle Richtungen aus.

    Absurd, verrückt, alltäglich, konsequent und hart. Ein etwas anderes Lied über das Leben und seiner Vielfältigkeit.
    „The life of Chuck“ wird hier zwar nicht als führender meiner Lieblingsfilme des Jahres abgelöst, aber Bugonia kommt sehr knapp dahinter.
    Schauspiel, Score, Kamera, Szenenbild… so geht alternatives Kino in Hochform.
    Sicher wird es zum Finale Menschen geben, die sich darüber amüsieren oder empören… aber wer Konsequenz fordert darf sich nicht wunder, wenn sie denn geschieht :)

    9,45/10

    #254876
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    @derschweiger

    Ja, das hätte ich vorher erwähnen sollen: Ohne Teil 1 funktioniert hier nichts.
    Direkt nach dem Kino war es für mich auch Tendenz 8, im Nachgang stört mich dann aber doch die quasi geklaute Story, die schwer mit Teil 1 in Verbindung gebracht werden konnte.
    Den Twist mit der Mutter habe ich nicht kommen sehen, weiß aber auch nicht, ob es ein Mehrwert des Films ist.

    Ich verstehe deshalb Deine Punkte, habe meine Freude ein paar Tage später ob der eher schlechten Story und den „Pannen“ im Drehbuch leider nicht aufrecht halten können. Mich freut, dass er Dir gut gefällt und selbstverständlich soll sich hier jeder sein eigenes Bild machen :)

    #254871
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    Black Phone 2 [Sneak Preview]

    Weil ich keine Trailer mehr schaue, wurde ich im Vorfeld bloß durch ein Plakat im Foyer aufmerksam.
    Hm… war der Film nicht irgendwie in sich abgeschlossen? Neuer Killer, selbe Maske?
    War mir im Grunde egal.

    Am Dienstag dann der Schreckmoment, als der Film über die Leinwand flimmerte:

    Drei Jahre sind vergangen, seit der Greifer von Finney ins Jenseits befördert wurde.
    Mit den Ereignissen konnte er final nicht abschließen, betäubt seine Ängste mit Gras und schlägt jeden nieder, der ihm irgendwie blöd kommt.
    Seine Schwester kommt auch nicht besser davon: Sie hat weiterhin rätselhafte und verstörende Träume. Anstatt sich zu ergeben, sucht sie ihr Heil in Literatur um Traumdeutung.

    Nach einigem Hin und Her und fahren Finn, Gwen und ihr Freund in ein verschneites Ferienlager, wo sie die Ursache von Gwens Träumen vermuten. Doch dort wartet bereits der Greifer auf sie, denn in der Hölle ist es kalt…

    Versucht man diesen Film zusammenzufassen, glaubt man, sich in 80er Jahre Slashern wie „Freitag der 13.“ oder „Nightmare on Elm Street“ wiederzufinden. Gaga ist dabei noch freundlich formuliert.
    Und, um es vorweg zu nehmen, es tut dem Film nicht wirklich gut.

    Schauspielerisch gibt es nicht viel zu bemängeln. Aufgrund des Drehbuchs kann aber Mason Thames als Finney nicht so glänzen, wie noch im ersten Teil. Madeleine McGraw, ebenfalls sehr bemüht, kommt in solch absurde Situationen, in denen auch best-acting nicht mehr hilft.

    Dabei liefert „Black phone 2“ auf anderen Ebenen durchaus ab. Die Optik ist schön gewählt und toll umgesetzt. Der optisch unterstrichene Wechsel von realer Welt und Traum ist meiner Meinung nach großartig umgesetzt. Kein Unsinn, in der der Zuschauer im Glauben gehalten werden soll, es passiere tatsächlich so… ihr wisst, was ich meine.
    Dazu das Soundgewand, dass mich insbesondere in der ersten Hälfte des Films gut abgeholt hat.
    Das Sterben von Kindern ist hier drastischer und blutiger dargestellt, als im Vorgänger. Tatsächlich wirkt das in einigen Bildern recht intensiv.
    Irgendwann aber verkommt die Nummer zu „Freddy ist tot – lange lebe der Greifer“ und dessen Macht in den Träumen der jungen Geschwister. Mehr und mehr entfaltet sich hier ein Terror, von dem es kein Entrinnen zu geben scheint.
    Und wirklich hatte ich im letzten Drittel die „Hoffnung“, dass man eine weitere Schmerzgrenze überschreitet.

    So, und nun? „Black phone 2“ gewinnt dadurch, dass die absurde Story ernst- und boshaft erzählt wird. Auszuklammern sind hier einige sehr überflüssige Dialoge und nicht benötigte Personen im Drehbuch.
    So erhält ein leicht überdurchschnittler Teil 1 eine relativ gute Fortsetzung – je nach Blickwinkel.
    Tatsächlich hätte ich mir einiges der Härte und Bosheit aus Teil 2 für den Erstling gewünscht, der trotz seiner Prämisse doch eher zahm daherkommt.

    Gefangen von Bild und Ton ging ich mit einem guten Gefühl raus – wohl auch, weil ich in Minute eins großen Mist vermutete.
    Als ich am nächsten Tag dann zu erzählen begann „Der war gut…“ und dann den Plot zusammenfasste… uiuiui. Ne, gut kann man das schwer nennen.
    Ich setze ihn dann eine Spur hinter Teil 1, einfach weil die Story dort ein wenig mehr Sinn macht.

    6/10

    #254769
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    Das Sneak Doppelpack mit:

    The last Rodeo [Sneak Preview]

    Nach „They live“ war es noch früh am Abend, erfahrungsgemäß startet der Film für die um 21:00 Uhr datierte Sneak aber in der Regel um 21:40 Uhr (Trailershow und Verlosungs-TammTamm machen den Gottschalk am Dienstag Abend), also mal kurz gucken, was da so läuft.
    „The last Rodeo“, obgleich ca. 20 Minuten des Beginns verpasst, schreit einem die Herkunft aus den Angel-Studios nahezu entgegen.
    Gefilmt in solider TV-Film Qualität, erzählt er die Geschichte des alternden und ehemaligen Rodeo-Champions Joe, der noch einmal in den Sattel steigen will. Gezwungen wird er dabei von seinem Enkel, der mit einem Hirntumor im Krankenhaus liegt und dessen Behandlung mehrere hunderttausend Dollar verschlingen wird. Ein Sieg im Rodeo könnte da helfen.

    Machen wir uns nichts vor, wir wissen alle, wie das ganze ausgehen wird (+/- einen Rang im Wettkampf). Dabei ist er aber so lockig, flockig erzählt, dass man ihn gut weggucken kann. Stolpern kann man dahingegen über die übermäßig strapazierte Hilfe Gottes, und das kernig männliche Mannesbild im Herzen Amerikas, wo Kerle noch mit Cowboyhut duschen gehen.
    Erinnerungen an „Over the top“ werden hin und wieder wach – auch wenn es keine Reise von Papa und Sohn ist.

    Geradlinig erzählt und frei von irgendwelchen holpernden Nebenplots, was diesem Atombomben-/Flüchtlingsfilm der Angel Studios zum „Verhängnis“ wurde.

    5/10

    Vorige Woche dann großes Kino in der Sneak.

    Dracula – Die Auferstehung

    Dem Hype um Nosferatu konnte ich noch nachvollziehen, auch wenn er mich nicht in Gänze überzeugen konnte – dennoch eine sehr starke Dracula Verfilmung.
    Warum nun Luc Besson diesen Film hinterherschmeißt…. vielleicht will er die Kundschaft abholen, für die „Nosferatu“ zu seriös war.

    Die Grundstory sollte eigentlich jeder kennen: Graf Vlad und seine Frau, Vlad wird zum unsterblichen Dracul, Besuch aus Westeuropa, seine Frau, „Du liebst mich, wenn ich es dir sage!“, Aua, fertig.
    Wer also glaubt, es ginge hier ohne Spoiler, der irrt…. Ab hier folgen Spoiler

    So vertraut einem die ersten Minuten des Films erscheinen, so schnell wird auch klar, dass sich Luc Besson die eine oder andere Ergänzung und/oder Veränderung zur Vorlage gegönnt hat.
    Kleiner aber feiner Unterschied zu Beginn: Vlads Frau stirbt nicht aus Liebe, sondern weil er sie auf der Flucht vor Schurken versehentlich tötet. Kann passieren – logo, dass Gott dran Schuld sein soll.
    Wir erfahren dann von einem Priester, der durch die Welt reist, um den „Meister“ oder dessen „Prinzessin“ zu finden.

    Doktor: „Herr Priester, da ist eine Prinzessin in der Klapse – ihr geht es nicht gut“
    Priester: „Ja, das ist ein Vampir“
    Doktor: „Ach so.“

    Mina ist ihre beste Freundin und möchte sie besuchen. Dummerweise ist zur selben Zeit Minas Gatte Jonathan geschäftlich zu Besuch bei Dracula. Dieser erfährt über Umwege von Mina und erkennt in ihr seine wiedergeborene Gattin. Nix wie hin, um dann doch den Weg zu Gott zu finden.

    Mit den inhaltlichen Veränderungen komme ich eigentlich ganz gut klar. Auch in „Bram Stokers Dracula“ gönnte man sich einige Freiheiten, obgleich man in Erzählstruktur und Botschaft recht nah an der Vorlage bleiben wollte.
    Es wäre aber kein Film von Luc Besson, wenn er nicht den einen oder anderen Kackhaufen platzieren würde. Nicht zu fassen, dass er einst „Nikita“ und „Leon“ (wobei insbesondere dieser nachträglich ein Geschmäckle hat) auf die Leinwand brachte.
    Zuletzt glaubte ich, dass er mit „Dogman“ eine Demaskierung von Superhelden probierte (was dem Film zur Ehrenrettung verholfen hätte), inzwischen glaube ich aber, dass er sich seine Inspiration im Kindergarten sucht.
    Die Dialoge im Film sind häufig flapsig, trottelig – sie scheinen aus der Welt des „Monsieur Claude“ und Konsorten zu kommen. Und so platziert er auch den einen oder anderen Gag. Mal im Wortwitz, dann im Hintergrund kaschiert, dann offensichtlich einen Schenkelklopfer provozierend im Zentrum der Szene.

    Dazu schenkt er Dracula (wohl damit er nicht so einsam scheint) eine Horde Gargoyles, die ihm stets zu Diensten sind – solange sie nicht als Steinskulptur ausharren. Ja gut, sagt ihr, so Gargoyles sehen schon schaurig aus. Könnte doch in diese morbide Vision des gottverlassenen Manns passen?
    Leider animiert Besson diese Viecher so, als würden sie aus einer Disney Realverfilmung entspringen. Dazu noch eine Filmmontage, in der sie dem trauernden Mann Gold und Schätze aus aller Welt auf den Tisch platzieren, bis dieser so voll damit ist, wie Onkel Dagoberts Geldspeicher. Das ist mehr als ärgerlich, zumal sie für den Verlauf des Films keinerlei Relevanz finden (Jonathan kann fliehen, obwohl er von ihnen „bedroht“ wird… manmanman… die Szene tut weh!)

    Weil Draculas Geschichte im Ursprung wohl zu dünn erzählt wird, denkt sich Besson, er könne doch auch mal bei „Das Parfum“ klauen. Weil die Welt doch so groß ist und er nicht jede Frau besuchen kann, muss ein Parfum hergestellt werden, wodurch sich alle Frauen zu ihm hingezogen fühlen. Kennt man das so ungefähr?
    Tatsächlich wird die Todesszene des Grenouille auch hier verwurstet. Da Dracula aber schon tot ist, verleiht sie ihm hier eben frisches Leben.

    Spoiler Ende!

    Warum ich das so ausführlich erzähle? Weil der Film an sich Top aussieht. Kostüm, Setting, Szenenbild bedienen sich ungeniert bei Coppolas 90er Jahre Verfilmung, lassen sie aber dennoch sehr gut aussehen.
    Das Schauspiel, wenn nicht gerade eine Parodie im Film läuft, ist saustark.
    Caleb Landry Jones ging mir in Dogman zwar irgendwie auf die Nerven, hier liefert er aber einen sehr würdigen Dracula ab, der ob seines Verlassenseins von Frau und Gott jahrhundertelange Qualen durchlitt.
    Zoe Bleu als Frau Vlad gefällt mir nicht so gut, blüht als Mina aber vollumfänglich auf und begegnet Landry Jones auf Augenhöhe (Hier gewinnt diese Verfilmung gegenüber der mit Winona Ryder in der selben Rolle).
    Einen Van Helsing gibt es nicht, dafür den Priester. Christoph Waltz spielt Christoph Waltz. Wen das überrascht… naja.
    Matilda de Angelis als Renfield Ersatz spielt überzeichnet, in späteren Szenen aber mit den Wunden der Verwunderung. Insgesamt gut.
    Alle anderen Figuren sind mehr oder weniger Stichwortgeber für aberwitzige Wortwitze oder werden von durch die Luft fliegenden Köpfen zu Boden geworfen. (Hahaha)

    Das Ende ist dann spektakulärer als im Roman, viel Peng Peng und eine Auflösung, die durchaus zu überraschen weiß. Ob man sie dann final gut oder schlecht findet, entscheidet jeder für sich selbst.
    Mit dieser Verwunderung gelingt dann aber auch ein wundervoller Schlussakkord, der dieser Tragödie einen untröstlichen Stempel aufdrückt.

    Tja, hätte Besson versucht, hier eine ernsthafte Verfilmung des Klassikers in „neues“ Gewand zu kleiden, die gelegentliche Düsterniss in der Erzählung aufrecht gehalten, es hätte „Nosferatu“ verutlich hinter sich lassen können.
    Vielleicht aber war das ohnehin nie sein Ziel. Mit Witz, Tölpeln, schlimmen Gargoyles und einem Priester, der irgendwie nie so richtig seinen Platz im Film zu finden weiß, begibt er sich sehr nah an die Grenze des Klamauks. Unverhofft und meist dann, wenn eine dramatische oder intensive Szene zuvor stattfand.
    Eine Parodie oder Demaskierung Draculas? Ja, wer böse ist, wird auch das darin sehen können.
    Weil mir „Dracula“ (Roman) ob seiner Opulenz und Dramatik so sehr gefällt, kann ich über diese Variante des Untoten Grafen wenig Gefallen finden – und das Trotz seiner gewichtigen Pluspunkte.

    Für mich persönlich ein Jammer und ein weiterer Grund, freiwillig keinen Luc Besson Film mehr schauen zu wollen.

    6/10

    #254754
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    @shane54
    Ja, der lief bei uns am 7.10. Aktuell ist als Nebenevent die „Herr der Ringe“ Trilogie gelaufen, ansonsten demnächst zahlreiche Konzertfilme. „Prince of Darkness“ hätte ich mir auch sehr gerne angeschaut, aber der lief hier nicht :(

    #254745
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    Sie Leben / They live [Kino – Best of Cinema]

    Als im Frühling die Filmliste der Best of Cinema Reihe veröffentlicht wurde, war sofort klar, dass ich „Der weiße Hai“ und „Sie leben“ sehen muss. Eigentlich auch „Terminator 2“, aber da war ich leider verhindert.

    Lange Vorfreude und nun ist es zugegeben auch schon wieder ein paar Tage her.
    Rund um den Termin herum gab es zahlreiche Lobeshymnen auf diesen Film zu lesen und zu sehen. „Meisterwerk“, „Klassiker“, „Wegweisend“… ja, das hätte ich so auch alles unterschrieben. Das letzte Mal hatte ich ihn vor über zehn Jahren gesehen, ich wusste also, von was ich schwärme…

    John Nada kommt in die große Stadt. Geld und Wohnung hat er nicht, dafür eine Menge Zuversicht und kräftige Hände. Die verhelfen ihm schnell einen Job auf einer Baustelle, wo er Frank kennenlernt.
    Dieser zeigt ihm nach Feierabend, wo man auch ohne Geld gut schlafen könne.
    In einer nahgelegenen Kirche stößt er zufällig auf einen Karton voll mit Sonnenbrillen, doch ehe er sich der Sache widmen kann, wird das Lager von Polizisten gestürmt und gesäubert. John entkommt knapp, findet dann aber doch einen Weg, sich eine Brille auf die Nase zu setzen – und siehe da: eine außerirdische Rasse hat die Menschheit untergraben und strebt ungesehen die Ausbeutung der irdischen Ressourcen an.
    Das will John so nicht stehen lassen und nach einer kurzen Diskussion mit Frank, schließt sich dieser ihm an.
    Schnell wird klar: Nur eine Seite kommt durch – entweder die oder wir.

    Tja, mehr muss man nicht wissen. Die ersten dreißig Minuten des Films schauen sich wunderbar weg. Langsamer, aber zielführender Aufbau einer Szenerie, die später spektakulär die Dinge auf den Kopf stellen wird.
    Der Moment, in dem John die unterschwelligen Botschaften der Aliens erkennt, ist für heutige Sehgewohnheiten einerseits immer noch bockstark, andererseits aber auch irgendwie hundert mal gehört… zumindest, wenn man die eine oder andere Werbeunterbrechung im TV oder Internet verfolgt hat.
    Die Keilerei mit Frank, als dieser sich weigert, eine Brille aufzusetzen (muss man sich mal geben), ist sehr lang und genauso gut. Wichtig zu wissen: Darsteller „Rowdy“ Roddy Piper war seinerzeit Berufswrestler (Damals WWF?). Was liegt näher, einen Kampf in der Choreographie eines Wrestling-Kampfes zu gestalten. John scheint überlegen, dann kloppt ihn Frank nieder – John rappelt sich auf, scheint über Frank zu dominieren, dieser bringt dann John in die Bredouille und als er eigentlich fix und fertig scheint, mach er Frank platt. Wäre es ein Ringkampf, hätte die Menge gejohlt. So findet es irgendwo auf einem Hinterhof statt – keine Zuschauer in Sicht.

    Ab hier kann man dann aber auch ausschalten. Die gemeinsame Nacht im Hotel ist dann noch einmal richtig gut inszeniert, ab da geht es aber leider bergab. Hatte sich John schon vorher in zweifelhaften Szenen mit „irdischem Recht“ durch die Schar von Aliens geballert (Erst Schießen, dann fragen), geschieht es nun im Doppelpack.
    Dabei wird die geheime Zentrale der Aliens unter Beschuss genommen, bis es einige Minuten später zum Showdown kommt.

    Halten wir mal fest: Der Einstieg ist ruhig und für mich sehr gut gestaltet. Mit Einsetzen der Action wird es merkwürdig. Der besonnene John mutiert zum Sprücheklopfenden Alienkiller. Hat man so nicht kommen sehen und wird man bis Ende auch nicht zwingend in Verbindung bringen können. Egal, 80er Jahre Action eben.
    Viele Dialoge sind richtig übel. Im Saal wurde mehrmals kräftig gelacht, wenn John harte Sprüche raushaut und um sich ballert. Seine Nähe zu Holly ist mehr als dämlich geschrieben und auch als Dosenöffner zur „Problemlösung“ mehr als doof.
    Anstatt sich im letzten Drittel auch mal ein wenig Ruhe zu gönnen, geht es Schlag auf Schlag – in einer Weise, die erzählerisch äußerst dünn daherkommt.
    Geschenkt, ist ja ein 80er Jahre B-Movie.

    Die Botschaft war damals wie heute schnell zu verstehen. Maßloser Kapitalismus ist die Wurzel allen Übels. Da darf man nach linker Logik doch alle über den Haufen schießen, die sich ein paar Dollar dazuverdienen möchten.
    Tatsächlich würde ich hier eine eher selten thematisierte Kritik an Amerika lesen wollen: Wenn es nicht so läuft, wie man möchte, wird geballert. Vielleicht war es auch eine Metapher aufh die weiterhin brodelnden Rassenunruhen in den USA.
    Im Film geht es aber leider nicht nur um die Botschaft, da lässt man hier leider einiges liegen.

    Darstellerisch macht es Roddy Piper tatsächlich sehr gut, insbesondere die erste Hälfte ist gut gespielt. Das Overacting im Ballern und Töten muss man dann allerdings ausklammern. Ähnliches gilt für Keith David als Frank. Meg Foster als Holly hat außer Augen dann doch eher wenig zu bieten.

    Geht es euch auch manchmal so? Man schaut einen ewigen Klassiker aus seiner Jugend und hofft vorher, dass er heute immer noch so gut wirkt wie damals? Bei Hellraiser 1+2 war ich ja sehr erleichtert, dass es so ist. Auch bei Nightmare 1, Critters noch immerhin solala.
    Immer wieder als einen meiner liebsten 80er Jahre Sci-Fi Action Filme genannt, steht „Sie leben“ heute irgendwie auf sehr wackelingen Beinen da. Man muss es schon sehr lieben um davon zu schwärmen (irgendwie so, wie bei „Highlander“).
    Und ja, Nostalgie und der immer dagewesene Platz in meinem Herzen hilft über die eine oder andere Ernüchterung hinweg.

    Nix Meilenstein, aber wer hat mich auch gefragt?
    7/10 (weil das Herz nunmal mitbewertet)

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