DerSchweiger
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26. Januar 2026 um 00:35 #257537
A house of dynamite [Netflix]
Bei aller Sehnsucht nach den 80er (und inzwischen wohl auch 90er) Jahren und dem Suchen nach dem Wohlfühlgedanken aus der guten, alten Zeit, war es wohl auch nur eine Frage der Zeit, ehe man sich daran erinnerte, dass früher doch nicht immer alles Top war.
Nun fühlt man sich politisch an die Wand gestellt – Der Russe, der Ami, der Chinese möglicherweise auch… ach, hätte Australien doch nicht so strenge Einreiseregularien…Aus irgendeinem U-Boot wird eine Atomrakete in Richtung der USA gestartet. Was sich anfangs wie eine Übung anfühlt, wird schnell ernst. Nun kann sich zeigen, wofür man ewig auf Zack bleiben musste, dicke Wälzer mit Grundlagen zur Handhabung beim atomaren Ernstfall wollen nun studiert werden. Wer tut was, und wer gibt welchen Befehl?
Hektisch umkreist man die rettende Idee – wir fangen die Rakete mit eigenen Raketen ab. Bumm im Himmel, alles gut! Was bei großen Himmelskörpern im Grunde (fast) immer gelingt, sollte doch hier ebenfalls zum Wohlgefallen führen.
Im Hintergrund entstehen die Fragen nach dem „Wer war es?“. Ein Telefonat mit dem Russen führt zum Ergebnis „Er sagt, er war es nicht.“ Gut, muss man so hinnehmen.Das Gute an dem Film ist gleichzeitig auch sein Problem. Der Vorgang wird dreimal wiedergespielt. Dreimal aus einer jeweils anderen Perspektive. Die Spannung flacht dabei beim zweiten Erstählstrang schon merklich ab, beim Dritten hilft dann auch bloß das starke Schauspiel. Wenn der Minister zum letzten Mal mit seiner (unwissenden) Tochter telefoniert ist das stark inszeniert.
Dabei wollen aber nicht alle Episoden und Figuren so richtig greifen. Und damit schwächt sich auch der gefühlte emotionale Knall immer wieder ab.
Das Szenario an sich ist erschreckend. Gut 80 Jahre nach der ersten Atombombe haben wir immer noch kein Mittel. Wenn sie einer abfeuert, scheint es eben so zu sein.Am Ende bekommen wir keine Auflösung. Schlägt das Ding tatsächlich ein? (Zuletzt hofft man immer noch auf einen Systemdefekt). Schäden, Folgen… bekommen wir nicht mit.
Das ist sehr gut, denn hier wird es anderes erzählt.Am Ende fühlte es sich ein wenig an wie „Civil War“. Man ist Zuschauer, fühlt sich unwohl und hat keinerlei Figur zum Mitfiebern. Von Kritikern nicht gemocht (das hat man mit Civil War wohl ebenfalls gemeinsam) halte ich ihn für einen der besseren Filme, die uns auf Netflix präsentiert werden.
Sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber gut genug, um gesehen werden zu wollen.6,5/10
19. Januar 2026 um 19:42 #257391Die progressiven Nostalgiker [Sneak Preview]
Da rollt man beim Buchen des Tickets schon genervt mit den Augen – wieder wird die Sneak in zwei kleine Säle gepresst. Nur mit etwas Platzglück sitzt man nicht wie die Sardine in der Dose. Dazu bei der Verlosung ein provokant gröhlender Zeitgenosse… ach, das wird sicher ein Traum!
Die Familie Dupuis lebt die Bilderbuch Vorortromantik der späten 50er Jahre in Frankreich. Er arbeitet als Angestellter einer Bank und bewilligt Kredite – bzw. lehnt sie ab, wenn jemand mit obskuren Ideen kommt. [Möbel zum Selberzusammenbauen? IKEA? So was wird keine Zukunft haben!]
Sein Chef betrachtet es mir Argwohn, der daraus resultierende Stress wird dann zu Hause aber urplötzlich nicht mehr abgefangen. Die Tochter ist Schwanger (Papa ist der eher dümmliche Nachbarsjunge) und Frau Dupuis hat plötzlich eine Waschmaschine!
Raus mit dem Ding – doch dabei passiert es: Durch einen Stromschlag wachen Mutter und Vater am selben Ort, im selben Haus, in einer anderen Zeit auf.Es ist 2025 und beide müssen sich mit einigen Veränderungen arrangieren. Das löst Verwunderung bei der Nachbarschaft, der Arbeit und den eigenen Kindern aus… denn für sie ist es so, als wäre es nie anders gewesen.
Zeitreise ist immer Gaga. Mal will man es philosophisch betrachten, gerne auch abenteuerlich, sozialkritisch oder schlicht komödiantisch.
Man entscheidet sich, zum Glück, allein auf Letzteres. Dabei werden sowohl Vorzüge der „guten alten Zeit“ herausgearbeitet, als auch die positiven Errungenschaften des Heutzutage. Der Zuschauer ist eingeladen, sich mit einer der beiden Hauptfiguren zu identifizieren, denn als Vater Dupuis ganz offensichtlich seine Probleme mit den vielen Veränderungen hat, kann Mutter Dupuis nicht genug davon bekommen.Dabei entstehen zahlreiche, aberwitzige und wirklich komische Momente. Wenn Herrn Dupuis dann nachts der logische Schluss kommt, wie man wieder zurück in die Vergangenheit gelange, ist es so lustig wie zuckersüß.
Aber auch Mutter Dupuis „erster“ Arbeitstag ist gespickt mit tollen Pointen.Beide haben eine zeitlang mit der Situation zu knappern, wissen aber auch, dass sie nicht auffallen dürfen (Klapse!) Die Momente, in denen sie wesentliche Veränderungen als auch Errungenschaften in Erfahrung bringen, sind besonders hervorzuheben.
Und als man letztlich einen mutmaßlichen Weg zurück ins alte Heim gefunden zu haben glaubt, schlägt das Schicksal seine Kaprioelen und bringt mindestens eine Person zum Umdenken.Beginnend als klassische, französische Komödie, die mit heiteren Tonfall daherkommt und sich auch vor derben Scherzen nicht scheut, bekommt hier eine tragische wie nachdenklich stimmende Note.
War früher alles besser? Alte Menschen könnten ja darauf schwören (ich zugegeben manchmal auch).
Aber dabei ist doch heute alles besser, oder?… Eben alles eine Frage der Perspektive.Didier Bourdon als Vater macht hier richtig Spaß. Klar, er ist ja erprobt in komödiantischen Stoffen.
Elsa Zylberstein als Mutter ist sensationel. Der Hingucker in jeder Szene. Situationskomik, banale Lacher, tiefgründiger Wortwitz… all das gelingt ihr mit Leichtigkeit und lässt ihre Figur als zentrales Thema des Films dastehen.Der Film wird keine Preise gewinnen, das ist ok. Aber hinsichtlich sehr sehr vieler schlechter Komödien (Meine Güte, wenn ich da an diesem „Hochzeit auf der Insel und Schurken wollen da einbrechen aber die FBI Undercover Trauzeugin kloppt die alle mit ach so witzigen Sprüchen nieder“-Film vom letzten Jahr denke…) ist das hier pures Gold!
Wer sich dem französischem Humor zugewandt fühlt, sollte hier mehr als einen Blick riskieren. Das wird euch sehr gefallen.
Wer aber lieber tiefsinnig lacht (Lächle mal mit deinen Brustwarzen!), der wird hier empört die Nase rümpfen.8/10 weil oftmals richtig witzig. Dazu richtiger Film zur richtigen Zeit, bombastische Hauptdarstellerin, schöne Ideen und wer krtisch hinterfragt, wird auch nach diesem Film eine philosophische Diskussion eröffnen können.
Toll!19. Januar 2026 um 19:12 #257389Stranger Things (Netflix)
[…}
8von10 Spinnenbeine
Ich äußere mich mal mit Null Ahnung, weil ich schon bei Season 3 keine Lust mehr auf die Serie hatte. Für mich ab da leider zu viele erzählerische Schwächen, die ein teils gut gelaunter Cast nicht wettmachen konnte.
Weil Du es hier aber ansprichst, und was mich über die vielen Besprechungen der finalen Season (und insbesondere der letzten Folge) überrascht hat: Was die Duffer Brüder in vielen Punkten zu Fragen hinsichtlich Story, Figuren etc. auftischen ist wirklich abenteuerlich. Da fragt man sich, ob sie überhaupt Interesse oder einen Überblick über ihre eigens geschaffene Welt haben…
Einerseits erfrischen, so etwas heutzutage noch zu erleben, andererseits könnte es für Fans der Serie auch sehr enttäuschend sein, wenn die Schöpfer eher achselzuckend über Plots der Serie sprechen. „Warum hat sich x nicht auf den Kampf vorbereitet?“ Duffer: „Vielleicht hat x nicht damit gerechnet, dass jemand kommt….“ uiuiui
Weil Dir die vorherigen Staffeln sehr gut gefallen haben, macht man es eben wie bei anderen Serien – die letzte Staffel gibt es dann eben nicht
(bzw. Es gibt nur 3 Indiana Jones Filme :D)13. Januar 2026 um 13:29 #257322Rental Family [Sneak Preview]
Andere Länder, andere Sitten. Hier kommt die Kuh auf den Grill, woanders streift sie als Heiligtum durch die Gassen. Man könnte es sich einfach machen und die Dinge dann so zu akzeptieren, wie sie sind – oder man mischt sich schlicht ein. Das gibt es schon seit Jahr und Tag, manchal offensiv, manchmal schleichend.
Wie aber kann da ein trauriger Amerikaner helfen?Phillip hat es nicht leicht. Seine Schauspiel- und Werbekarriere in Japan hat ein Ende gefunden. Unglücklich und vereinsamt zieht von einem Casting zum Anderen – alles ohne Erfolg.
Dann aber bekommt er die Chance, als trauriger Amerikaner zu brillieren. Einsatzort: Eine Beerdigung.
Dieses Engagement vermasselt er, bekommt in Folge aber weitere Chancen, sich zu beweisen.
Denn eine örtliche Vermittlerfirma bietet den Menschen Tokyos allerhand Dienstleistungen an: Eine Frau möchte das Land verlassen, will ihre Familie aber nicht entehren, indem sie es „alleine“ macht. Kurzerhand kommt es zur fingierten Hochzeit mit Phillip. Frau glücklich, unwissende Eltern glücklich, Phillip traurig.Die Lage scheint sich nicht zu verbessern, als er obendrauf das Angebot bekommt, einen alternden Schauspieler als Filmjournalist zu interviewen. Seine Tochter möchte nicht, dass der Vater das Gefühl habe, vergessen zu sein.
Etwas kniffeliger dann die Rolle als Vater. Eine alleinerziehende Mutter möchte ihre Tochter an einer Eliteschule anmelden. Der Haken: Für Alleinerziehende kein Einlass. Also wird ein Vater gebucht – und damit die Tochter sich nicht verplappert, wird ihr vorgegaugelt, Phillip sei ihr tatsächlicher Vater.Dass es nicht alleine ein Job bleibt, ist völlig offensichtlich.
Und hier kommen wir in ein künstlerisches Dilemma.
Die Story an sich, die Figuren, Begebenheiten, das Setting und vor allem Brendan Fraser funktionieren bis zum letzten Drittel des Films wunderbar. Geht man den Film anfänglich mit etwas Humor an, stellt man plötzlich fest, wie traurig das alles eigentlich ist.
Traurige Menschen benötigen Hilfe von traurigen Menschen, die ihnen etwas Glück, Respekt, oder andere Emotionen „schenken“.Wenn Phillip bei der Prostituierten seiner Wahl liegt und sie ihm offenbart, dass er durch sein Engagement den Menschen näher komme als sie in ihren Diensten, ist das schon ein starkes Stück.
Und diesen Ton trifft man sehr häufig.
Das ist wunderbar, schmerzhaft, trostlos und stellenweise in sehr schöne Bilder gepackt (insbesondere der spätere Ausflug Phillips mit einem seiner „Klienten“ ist prächtig anzuschauen).Werden die Dinge überzeichnet? Schwer zu sagen, wenn man nicht selbst dort lebt, aber mit meiner Tochter habe ich z.B. einen Bericht darüber gesehen, wie Männer eine „Freundin“ buchen, um gemeinsam Eis essen zu gehen. Abendkurse über den Dialog mit Frauen („Schau sie an, wenn sie spricht.“ „Reagiere mit einem Lachen, wenn sie etwas witziges sagt“…). Einsame Menschen buchen Dienstleister, um für eine halbe Stunde in den Arm genommen zu werden. Menschen buchen Angebote, wo man ihnen das Weinen beibringt, andere lassen sich VR-Programme gestalten, in denen sie mit der KI Variante ihres verstorbenen Kindes zusammenkommen können.
Das klingt allerhand, scheint aber kulturell gefestigt zu sein.Eine möglichst nüchterne Betrachtung der Szenerie wäre (meiner Meinung nach) das klar bessere Statement gewesen. So wird zum Ende arg westlich auf die Umstände geschaut und, mit locker aus der Hüfte geschossenen Lösungen, das Leben der Menschen bereichert.
Ja, wenn es dann so einfach wäre….An diesem Punkt verliert mich der Film leider völlig. Das kurieren einer „kranken“ Gesellschaft mit Kalendersprüchen ist nicht das, was dieser Film verdient hätte.
Dass durch das „Geschenk“ von Würde, Aufmerksamkeit etc. auch der unwissend „Beschenkte“ möglicherweise geschädigt wird, sollte eine Beobachtung sein. Und wenn man denn mit der westlichen Keule kommen möchte, erlaubt doch bitte einen Dialog mit der fernöstlichen Kultur. Sind wir gesellschaftlich so viel reicher?Gepaart mit den teils wunderbaren Szenen hätte ein unaufgeregter, aber „ehrlicher“ Ausgang der Geschichte hart treffen und lange in Erinnerung bleiben können.
Alles was am Ende bleibt, ist dann ein Culture-Clash „Ziemlich beste Freunde“ und „Plötzlich Papa“ Anstrich.
Wer es am Ende Happy mag, der wird sich freuen.
Mich hat es leider verärgert.Dennoch, für lange Zeit sehr einprägsame Bilder und Momente: 7/10
13. Januar 2026 um 00:00 #25732028 years later [Netflix]
Ganze 28 Jahre ist zwar nicht her, dass der Wutvirus über England hinwegzog, aber lange genug, um genüsslich in Nostalgie zu schwelgen.
„28 days“ mochte ich damals sehr, „28 weeks“ ließ für mich einiges vermissen, obwohl der Einstieg in den Film saustark war.
„28 years“ hätte ich persönlich nicht gebraucht, als er bei den meisten Zuschauern aber sehr gut ankam, war ich doch verhalten neugierig.Europa hat das Wutvirus also besiegt, die Briten bleiben mit dem Zeugs exklusiv auf ihrer Insel zurück. Kein Mensch kommt hin, kein Mensch verlässt sie. Irgendwie spannend, aber für mich nicht völlig stimmig. Sei´s drum, es bildet nun also die Prämisse für eine Deindustralisierung einer Gesellschaft. Man geht mit Pfeil auf Bogen auf Jagd, natürliche Ressourcen sind rar, man lebt in Kommunen, in denen jedem alles gehört.
Dazu ein stark maskulines Gehabe: Um den Sprung vom Jugendlichen zum Erwachsenen zu schaffen, muss man einen Virusträger getötet haben.
Ein Vater kann nicht warten, und nimmt seinen erst zwölfjährigen Sohn mit vor die schützenden Tore der Gemeinschaft.
Möglicherweise wird hier nicht alles nach Plan laufen…Den – im Grunde nichts verratenden – Teaser mit dieser Radionachricht fand ich stark. Im Film verpufft die hiermit umgesetzte Sequenz leider beinahe völlig. Auch das viel gelobte Teletubie-Intro schafft keinen so intensiven Sprung in die Geschichte, wie es sein Vorgänger geschafft hat. In Erinnerung bleibt das eine Mädchen, dass hier schauspielerisch das Highlight des Films bringt (ich hoffe, dass sie nicht in tatsächlicher Angst dort saß).
Alles andere, aber insbesondere die zentrale Frage, ob eine Koexistenz von Mensch und Virusträger möglich sei, liest sich spannender, als es umgesetzt wird.
Starke Momente werden postwendend mit Quatsch gekontert. Flucht ins alte Haus = stark, das Erlegen der verfolgenden „Zombies“ hinterlässt dann schon ein Geschmäckle und wie es der Zufall so will, stürzt dann Stunden später der Dachboden ein, in dem sich beide versteckt halten.Die üblichen Zombie-Krankheiten werden auch hier genüsslich durchgeführt. Die Viecher kommen nur dann in Scharen, wenn man es in Punkto Spannung benötigt. „Sei leise!“ heißt es zu Beginn, später laufen dann sämtliche Personen, teils lautstark, in ständiger Konversation miteinander rum.
Sicher nur Kleinigkeiten, aber mich stören sie leider.Insgesamt ist es hier spannender, die kritischen Bezüge zur britischen und europäischen Politik zu suchen. Die hier gewählte Tonalität muss man dann auch mögen, um es richtig gut zu finden.
Stark das Beenden eines Erzählstrangs zum Ende, nur schade, dass zuvor wenig bis keine Bindung zu den Figuren aufgebaut werden konnte. Das war rücklickend auch eine der Schwächen der Vorgänger, also im Grunde keine böse Überraschung.Wieviele Iphones beim Filmen genutzt wurden, interessiert mich eher am Rande. Ähnlich wie bei diesem IPhone Film in der Irrenanstalt zählt für mich dann doch mehr der Inhalt.
Wer an der Optik der Kills seine Freude hat, dem sei sie gegönnt. Ich finde sich nicht potthässlich, aber sie faszinieren mich in keiner Sekunde (ja, Technikbanause
).Schauspielerisch solide, teils sehr schöne Bilder (davon hätte ich mir tatsächlich mehr erhofft), gute Schicksalsbildung – aber leider auch etwas Ballast, der hier nicht reingehört hätte.
Gut, es folgen zwei Fortsetzungen und am Ende wird man sagen: „Da guck! Deswegen war 28 years doch wichtig!“. Zu bewerten ist er jetzt aber alleinstehend.Nicht der anfangs befürchtete Totalausfall, aber leider auch nicht so stark, wie ich es hätte hoffen können.
6/10
6. Januar 2026 um 19:31 #257238Dust Bunny [Sneak Preview]
Einen Tag vor Silvester knallte es schon an vielen Ecken. Man verabschiedete sich von den lieben Kinomitarbeitern aus 2025, die Snacks dufteten nach den Völlerein zu Weihnachten nicht schlechter als zuvor und doch zieht man eine Schnute, weil Avatar weiterhin Saal 6 blockiert und die Sneak in zwei kleineren Sälen läuft. Irgendwas ist immer, aber die Hoffnung auf den großen Knall zum Jahresende blieb aufrecht.
Aurora hat ein Problem: Durch das nächtlich geöffnete Fenster ihres Kinderzimmer wird ein Staubkneuel hereingeblasen. Und wie das so ist, vermengt es sich mit anderem Staub und wächst und wächst.
Gut, sicher wird am nächsten Tag gesaugt… Doch anstatt in Wohlgefallen, verwandelt sich der Staub in einen Staubhasen. Noch klein, aber gefährlich und bissig.
Bis er eines Nachts Auroras Pflegeeltern frisst.Aurora selbst sucht nun Hilfe bei ihrem Nachbarn, den sie zuvor dabei beobachten konnte, wie er einen Drachen tötete. Dieser entpuppt sich aber nicht als Drachentöter und wie es scheint, sind Auroras Pflegeeltern auch eher irrtümlich gestorben.
Nun möchte er die Panne nicht weiter eskalieren lassen, seine Auftraggeberin aber hält nicht viel von diesem Plan…Mehr sollte man auf keinen Fall wissen – wobei ich zugegeben auch gar nicht weiß, was und in welcher Form der Trailer den Inhalt wiedergibt.
Das Gute vorweg: Dust Bunny ist sehr schön gefilmt. Spannende Szenenbilder, das Vermengen von Fantasie und Realität, gewählte Perspektiven, Farbton und -Sättigung sind hochklassig.
Erinnerte mich irgendwie (im Einklang mit der großartigen Filmmusik) an „Die Fabelhafte Welt der Amelie“. Spielerisch heiter und entzückend sind auch die ersten Minuten des Films – auch wenn es zwei Opfer zu beklagen gibt.
Sophie Sloan als Aurora ist hier und im gesamten Film der Scenestealer. Die Regie leistet hier großartige Arbeit, um das kleine Mädchen (im Film wohl acht Jahre alt) in Szene zu setzen. Wie alt Sophie tatsächlich ist, will im Internet wohl niemand wissen. Vielleicht ist sie ja die „echte“ Orphan?
Mads Mikkelsen zeigt sich nach seiner Rolle in „Therapie für Wikinger“ wieder zurückhaltend, kauzig und pointiert.
Das Gespann mmacht in gemeinsamen Szenen richtig Spaß.
Sigourney Weaver als Killermutti passt ebenso großartig in das Ensemble. Lange habe ich sie nicht mehr so gerne auf der Leinwand gesehen.Der übrige Cast fügt sich in die schrullig schräge Story ein, nehmen sie und ihre Rollen ernst und erreichen damit, dass der Film kein plumper Klamauk wie mordende Weihnachtsmänner u.ä. wird, auch wenn die Story mehr als 100 Anlässe liefern würde, einen Gaga-Gugu Film zu präsentieren.
Einzig der Höhepunkt zum Ende fällt hier aus dem Rahmen – oder auch nicht, je nach Lesart.
Zwar bietet er Raum für Lacher, den ich in einigen Momenten auch nutzen konnte, endet aber arg merkwürdig (wenngleich konsequent).Zum Anschauen, sich unterhalten lassen, zum Schmunzeln und Auflachen, zum fallen lassen und tolle Bilder Bilder genießen zu können. Zwei Hauptdarsteller und eine Nebendarstellerin in Topform. Und dabei inhaltlich keinen Grund zum frohlocken

Leider wenig Substanz und wer minutenlange Szenen meidet, die vermeintlich auf der Stelle stehen bleiben, wird nicht viel Gefallen finden können.7,5/10 – weil trotz aller außergewöhnlicher Augenfreuden doch etwas Griffiges fehlt.
24. Dezember 2025 um 14:13 #256794Song sung blue [Sneak Preview]
Weihnachten steht vor der Tür, vieles blinkt und leuchtet. Gelegentlich hört man noch irgendwo in der Kitagruppe oder im Büro besinnliche Traditionsmusik und Avatar macht sich im Kino breit.
So auch bei uns, was dazu führt, dass die Sneak nicht im großen Saal gezeigt wurde, sondern auf zwei kleine Leinwände aufgeteilt werden musste.
In sämtlichen Fällen, in denen diese Strategie griff, war das Ergebnis mau. Muss ja nichts heißen, oder?Irgendwann, Anfang der 90er, kämpft sich Mike irgendwie durchs Leben. Ehe kaputt, Tochter bleibt (eigentlich) bei der Mutter, und beim Legenden-Imitations-Singen soll er plötzlich Don Ho verkörpern. Das missfällt ihm sehr, schließlich ist er „Lightning“, verkannter Star der lokalen Bühnen – seinem Ido Neil Diamond nacheifernd.
Bei einem verpatzten Auftritt trifft er auf Claire. Sie tritt als Countrysängerin auf (die Künstlerin kenne ich nicht… ), bedauert dabei aber ihre „geringe“ Oberweite – sonst hätte sie als Dolly auf die Bühne gehen können.
Beide gefallen sich, und weil sie auch geschieden ist (ihre Kinder leben allerdings bei ihr), kommen die Dinge, wie sie kommen müssen.Weil beim ersten Date schön miteinandergesungen wird, gründen sie eine Neil Diamond Coverband. Wow, ist ja irre!
Und dann sehen wir eben jedes beliebige Musiker-Biopic: „Armer Mensch, oder schlicht verkannt und/oder gemobbt, Leidenschaft zur Musik, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, Aufstieg, Drogen/Suff/Beziehungsdilemma, Abstieg und dann wie Phoenix aus der Asche und alle Klatschen und Johlen und man wusste ja immer, JEDER kann zum Superstar werden, wenn er denn nur… ach, ihr kennt es doch auch.“Überraschungen? Ja, zwei: Hugh Jackman spielt den eher unfreiwillig komischen und im Grunde mit Fremdscham zu betrachtenden Mike großartig. Kate Hudson als Claire spielt ihn und die Story insgesamt völlig an die Wand! Eingeführt als die hübsche Blonde an der Seite der Witzfigur, entwickelt sie für ihre Figur Herz, Tiefe, Charakter, Schmerz, Sehnsucht und innere Flucht jederzeit spürbar und glaubhaft. Man sieht im Grunde keine Schauspielerin, sondern die Figur.
Einiges davon gelingt Jackman auch, allerdings ist seine Rolle eher weniger Tief gezeichnet (auch wenn sämtliche „Der Kerl hat es nicht leicht“ Klischees über ihn ausgeschüttet werden). Oftmals dient er bloß als Comic-relief, etwa wenn Claire mit dem Leben kämpft und er ihre Tochter ins Nebenzimmer nimmt „Ich bekomme gleich einen Herzinfarkt – du musst dann den Defibrillator nehmen!“ (Weil kein Geld für den Doktor)… und dann fällt er um und Hahaha muss die Tochter ran.Das ist in Summe ärgerlich, denn von den Menschen um ihn herum hören wir, welche inneren Kämpfe er zu bewältigen hat, wie er mit der notorischen Arbeitslosigkeit umgehen und dem Geldmangel trotzen muss um sich und seine neue Famile über Wasser halten zu können. Dabei muss er zeitweise sogar seine Liebe zur Musik hergeben…
Man bekommt hiervon allerdings wenig zu sehen.
Der zeitliche Rahmen ist ohnehin nicht greifbar. Gefühlt wird einmal gemeinsam gesungen, der erste Gig geht in die Hose, es wird schwuppdiwupp geheiratet und dann und dann und dann… will heißen, dass Umfeld der Menschen hier wird nicht gezeigt, das Klima bleibt dadurch auf Dauer steril.Die Schauwerte des Films ohnehin sind auch eher durchschnittlich zu bewerten (was ja immerhin nicht schlecht ist). Bild, Dramaturgie, Regie und Dialoge wirken zuweilen wie einer dieser US TV-Filme. Kann man gucken, aber warum teuer im Kino?
Anders allerdings, wenn man großer Neil Diamond Fan ist und alle fünf Minuten einen Song von ihm voll ausgespielt hören möchte. Das ist dann allerspätestens der Punkt, wo ein Musiker Biopic greifen kann, oder eben nicht.
Ich oute mich: Neil Diamond ist mir völlig egal. „Caroline“ hört man ja immer wieder in Kneipenszenen, wenn sich fremde Menschen glücklich weinend in den Armen liegen, alles andere habe ich dann ertragen, weil die Cola Zero noch nicht leer getrunken war
Nein, kein Bashing! Wer die Musik mag, wird sicher Freude haben – auch wenn wir weiterhin im Hinterkopf haben, dass wir nicht(!) Neil Diamond sehen, sondern jemanden, der sich mit dessen Musik rühmen kann/will.Der Film erklärt es dann in etwa so: Wenn man kein Ticket für Neil Diamond bekommt, dann geht man eben zum Nächstbesten Imitator. Scheint tatsächlich so zu sein, denn in unserer Umgebung treten in den kommenden Wochen ein halbes Dutzend „große Coverbands“ auf. Verstehe ich nicht völlig, aber das ist dann ja in Summe auch mein persönliches „Problem“.
Insofern mag der Film auf Filmstarts satte 4/5 (also 8/10) erhalten… weil mir der Film weder inhaltlich noch musikalisch irgendetwas geben kann und ich im Grunde „nur“ wegen des starken Hauptcasts in Filmnähe bleiben konnte, schaue ich erstaunt auf diese Wertung.
Tja, und so kommt kein weiteres Musiker Biopic in die Reihe derer, die ich gerne in Erinnerung halte (Amadeus, The Doors, Walk the line). Andere sind sicher auch gut, halten mich aber aufgrund der Musik eher deutlich auf Distanz.
Mit einem kleinen Weihnachtsbonus und bunt blinkender Lichterkette drumerhum (Oh, und wegen Kate Hudson 1 Punkt mehr!!): 5,5/10
Allen hier Frohe Weihnachten und schöne Feiertage. Genießt die Zeit mit euren Liebsten!
19. Dezember 2025 um 11:27 #256716Bei „deadly night“ lasse ich nicht mit mir reden
Ne, Spaß beiseite: Wir haben ihn zu dritt geschaut, und anders kann der (für mich) nicht funktionieren. Ich tue mich schwer damit, darüber zu lachen zu sollen, wenn Menschen „witzig“ getötet werden. Deswegen muss zumindest Story oder Schauspiel passen, um auf ein „OK“ Niveau mit 5/10 zu kommen. Bietet der Film beides nicht – schlechter gibt es natürlich trotzdem 
Ja, beim Wikinger tut mir meine Wertung im Grunde selbst weh. Die von Dir genannten Punkte führe ich auch deutlich im Plus, der Cast ist richtig stark (auch „Holocaust Ben“ hat mir viel Spaß gemacht). Schön, dass Du das Intro und Abschluss erwähnst, der ist tatsächlich gut (eine böse, gesellschaftliche Spitze).
Leider ist die Story an sich unmöglich. Es hilft eindeutig, dass die Schauspieler top motiviert sind und über die groben Schwächen hinwegspielen (wenn die nicht vielleicht sogar „geplant“ waren – man kann den Schreibern ja nicht in den Kopf gucken). Die 9 für Dich freuen mich und kann ich tatsächlich nachvollziehen. Ich komme von 8 als ersten Impuls und ordne das durch die wirklich krassen Plotholes ein wenig anders ein (die haben mich tatsächlich kurz gestört), andererseits dann aber eine geklaute Discokugel im Hotelzimmer….Ach, es ist Weihnachten, da kann mal auch was gönnen
7/10Danke für die Diskussionseinladung, ich finde es immer spannend, wie andere einen Film empfinden.
18. Dezember 2025 um 23:20 #256707Ein Sneak-Doppelpack, weil ein Film davon zu vernachlässigen ist.
Manchmal kommt man aus dem Kino und hängt dem Film noch nach. Stimmungen und Bilder, Soundtrack, gefühltes Schauspiel und/oder eine gute Geschichte nimmt man gerne mit nach Hause und erzählt mit Freude darüber.
Dann kommen natürlich noch die Dummblöden Filme dazu, die nur um ein Gimmick herum gestrickt wurden, schlechtes/lustloses „Schauspiel“ zeigen oder schlicht kein Gefühl für das Gesehene transportieren können. Ausgenommen aus diesem Katalog natürlich die von vornherein niveauflexiblen „Hau drauf und lach mal drüber“ Filme (auch wenn ich die deswegen nicht automatisch mögen kann).„Silent night, deadly night“
Machen wir es kurz: Ein Remake eines alten Slashers, der auf dem Index stand (stimmt das so? Könnte zwar recherchieren…) Story ist völlig Banane. Junge sieht, wie ein verkleideter Weihnachtsmann seine Eltern tötet. Der nun selbst sterbende Kinderschreck reicht dem Jungen die Hand und siehe da; es weckt in ihm die Lust am Töten.
Als junger Mann stampft er dann, von sich und seinem Dämon geplagt, durch das Land und muss im Dezember täglich jemanden töten, um dadurch einen blutigen Adventskalender zu füllen. Tut er es nicht, stirbt jemand. Ach was, sag!Zwar will man den Typ irgendwie sympathisch zeichnen (eigentlich unmöglich, bei dieser gespielten Unlust – oder Unvermögen??) indem er böse Menschen tötet. Und wer ist böser als eine nymphomanische Nazifrau? (Tatsächlich die einzige Szene, die schön anzusehen war).
Dumme Story, saudummes Drehbuch, lausiges Schauspiel, und eigentlich nur da, damit jemand sagen kann „Ich kenn das Original.“ Hat bei „Toxiv Avenber“ schon nicht funktioniert, der hier ist selbst auf Humorebene noch niedrigschwelliger.
Immerhin die Kills sehen meist gut aus… wäre mit ernsthafter Note und glaubhaftem Acting sicher ein OK-Film gewesen.3/10
„Therapie für Wikinger“
Zunächst fällt auf, dass der deutsche Markt mal wieder eine Top Idee für einen dämlichen Titel bringen konnte. Aus „Der letzte Wikinger“ im Original zaubert man eben etwas sinnfreies… passt schon.
Sinnfrei ist hier, und das muss ich trotz aller Sympathien für Cast, Regisseur und gezeigter Stingens, leider auch die Handlung.Ein Überfall geht schief und Anker wird geschnappt. 15 Jahre später kommt er wieder auf freien Fuß und schwups soll ihm sein Bruder Manfred verraten, wo dieser das geraubte Geld vergraben hat. Manfred entpuppt sich dann als Person mit gespaltener Persönlichkeit. Er heißt nun John – nennt man ihn Manfred, will er sterben.
Es kommt, wie es kommen muss: Manfred kommt in die Psychiatrie. Doch das Geld will Anker trotzdem haben – schwups wird er rausgeholt und um aus John (Lennon) wieder Manfred zu machen, soll eine Band aus dissosiativen Persönlichkeiten als Therapie gelten.
Leider hat der freundliche Flemming Geldnot und möchte Ankers Geld haben. Er bedauert zwar, hier Nachdruck ausüben zu müssen, aber was muss, das muss.Dazu kommen noch Margarehte und Werner, die der schrulligen Band ein zu Hause geben.
Achtung: Kein Spoiler – niemand in diesem Film tickt noch richtig!
Das ist in der ersten Hälfte des Films schrullig und aberwitzig. Selbst Faustschläge ins Gesicht können belacht werden. Die Idee zur Bandgründung ist absurd und genauso aberwitzig wird dann das erste Zusammentreffen.
Zur zweiten Hälfte ändert sich der Ton, der freundliche Flemming bekommt etwas mehr Zeit für seinen Schabernack und das Lachen bleibt im Hals stecken.
Wo andere Filme mit der vorangegangenen Tonalität immer ein Schlupfloch für seine Charaktäre findet, bleibt hier die Tür zu. Der Hammer trifft, die Zange schnappt, die Schläge erwirken Blut.
Darin dann eine eher unglückliche Entscheidung von Flashbacks, welche hier aber auch schmerzhaft sitzen.
Aufgelöst mit einer sehr bittersüßen Note.Im Grunde sind viele Elemente des zuvor genannten „Deadly night“ im Topf verrührt. Wie bekommt man einfach so vier Insassen einer Psychiatrie raus und fährt munter mit dem Auto davon? OK, gab es in skandinavischen Filmen schon mal – irgendwie muss man das wohl so hinnehmen. Genauso wie der eine oder andere Moment an die Stirn fassen lässt.
Und doch wirkt das Ganze. Weil man Anker glaubt, was man sieht. Weil man Manfred als todtraurige Figur erkennt, weil Margarethe eine Wucht ist. Dass die Tonalität des Films mehrfach gebrochen wird, ist teilweise erschütternd. Dafür bin ich dann auch empfänglich, und hier sehe ich über die augenscheinlichen Schwächen gerne hinweg.
Auch, weil das Auge mit teils schönen Szenen umgarnt wird.Kurios: Nach Ende war ich noch emotional gefangen und hätte ihn in Richtung Bestnote gesetzt. Tja, und damit hätte er sie auch verdient
Ebenfalls spannend: Bei Filmen mit ähnlicher Mägnelliste bleibt selten ein Stein auf dem anderen stehen.
Dem will ich natürlich Tribut zollen und trotzdem mag ich den Film. Mutig, weitestgehend konsequent und ein Happy End mit tiefen Narben.6,5/10
7/108. Dezember 2025 um 00:20 #255894Eternity [Sneak Preview]
Während die Trailer liefen, saßen meine Kinofreunde und ich noch vor dem Saal und unterhielten uns über dies und das. Was läuft, was kommt irgendwann Gutes ins Kino… und irgendwann waren Themen mit Tiefgang am Start. „Das Einzige, das Bestand hat, sind Erinnerungen“ sagte er dann. Puh, so philosophisch vor Beginn – da war ein Film mit „Hirn aus“ Attribut gefragt…
Da staunt Larry nicht schlecht, als er nach gut 60 Ehejahren ein Foto vom ersten Ehemann seiner Frau Joan sieht. Ganz schön gut sah er aus, bevor er dann leider in „irgendeinem Krieg“ (Korea) starb. „Wäre er nicht gestorben, hättest Du bei ihr keine Chance gehabt!“, witzelt seine Enkelin und prompt verschluckt er sich an einer Snackbrezel und stirbt.
Er erwacht jung und fit in einem Vorhof der Ewigkeit, wo sich bald ein Jenseitskoordinator seiner annimmt.
Denn die Ewigkeit ist nicht ganz so einfach, wie wir uns das so vorstellen: Ihm bleibt etwa eine Woche Zeit, sich mit seinem Zustand zurecht zu finden, dann hat er sich zu entscheiden, in welche Ewigkeit er eintreten möchte (ohne Möglichkeit, zurück zu kommen). Das ist witzig, denn diese Ewigkeiten bieten alles, was man sich vorstellen kann. „Weimarland – 100% Nazifrei“, „Kapitalismusland – für wen Arbeit das Ganze Leben war“ aber auch reizvolle wie „Menschenleere Ewigkeit – Ausgebucht!“.
Für Larry ist die Sache klar, er möchte Joan eine Nachricht hinterlassen und sich schon mal auf den Weg machen… was könnte da schieflaufen?
Höchstens, dass Luke – der erste Ehemann – einen Job im Vorhof bekommen hat und dort als Barkeeper die verlorenen Seelen tröstet. Er selbst wartet auf seine große Liebe Joan, bis sie schließlich auch dort erscheint.
Nun aber muss sie sich entscheiden – Larry oder Luke. Flammende und unerfüllte Liebe gegen eine Ansammlung von im Leben gemachten Erinnerungen.Die erste Hälfte des Films ist herrlich schrullig und mit guten, pointierten Witzen versehen. Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern ist großartig und leichtfüßig inszeniert. Kleine Abzüge bei den Jenseitskoordinatoren – deren Story war dann doch irgendwie fehl am Platz.
Großartige Ideen und Szenenbilder (Weil es im Tod wohl keine Tageszeiten gibt, fallen vor den Fenstern der Wartezimmer in Abständen gemalte Leinwände herunter.
Die Frage, für wen sich Joan entscheiden soll ist dann auch die einzige sinnstiftende Frage, die hier erörtert werden will. Das ist völlig ok, sprechen wir hier doch über eine Liebeskomödie (mit Tiefgang).
Denn nachdem Joan mit beiden Männern einen Probetag in der von ihm gewählten Ewigkeit verbracht hat, kippt die Stimmung ein wenig. Was vorher froh und munter, mit viel Wortwitz daherkam, wird nun beinahe philosophisch betrachtet.
Und so wird eine Entscheidung getroffen, die möglicherweise nicht allen Kinobesuchern schmecken wird.Tatsächlich werden hier drei mögliche Szenarien diskutiert und eines davon ausgespielt. Das ist sehr gut gewählt, denn so kann sich der Zuschauer der Frage stellen, wie er sich wohl entschieden, bzw. welchen Weg man Joan gewünscht hätte.
Das wir hier nicht völlig tief in alle möglichen „Wenn und Aber“ eingehen ist völlig ok. Das wäre bei einem Drama das richtige Motiv gewesen, hier zeugt die Heiterkeit im Ensemble (wie schon zuvor bei „Life of Chuck“) eine lebensbejahende Botschaft, die über den Tod hinaus mit den Figuren mitfiebern lässt. Denn egal, wie die Dinge laufen, mindestens einer guckt dumm in die Röhre (bzw. Ewigkeit).
Dabei bekommt dieses Dilemma der einzigen Zukunft auch eine großartige Bühne. Wer glaubt, er könne mal so seine Ewigkeit wechseln, der wird in ein dunkles, tiefes Loch geworfen – die Hölle lässt grüßen.Elisabeth Olsen und Miles Teller als junges Ehepaar sind eine Augenweide. Insbesondere Olsen spielt in diesem Chaos aus Sehnsucht, Vertrauen und ewiger Liebe groß auf. Callam Turner steht dem nicht hintenan. Man wünscht ihm ebensoviel Glück wie Larry und ist gespannt, welche Entscheidung Joan nun treffen wird.
„Das Einzige, das Bestand hat, sind Erinnerungen“ hieß es vor dem Film und hier heißt es sinngemäß „Im Jenseits ist man die Summer seiner Erinnerungen“. Spannend, wie manchmal Brücken geschlagen werden.Denn diese Erinnerungen sind es dann, die Joan von der heiteren Komödie in eine sehr melancholische Phase des Films führt. Hut ab, diese kleine aber feine Idee ist wunderschön inszeniert!
Ähnlich wie „Life of Chuck“ ist hier der Tenor, zeitlebens den schönen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Jeder Weg kann seine Wunder bereit halten und am Ende weiß man nie, wann es kommt wie es kommen muss. Während für „Chucks Großvater“ das Schlimmste war, auf den jeweiligen Augenblick zu warten, ist dieser Umstand hier zum Teil ein herbeigesehntes Event.
In wort- und zahlreichen Dialogen werden die Dinge hier diskutiert und zu einem Punkt gebracht. Nicht ausgedehnt, an der Langeweile kratzend, sondern zielgenau und pointiert.
Das ist neben der Hintergrundgeschichte der Jenseitskoordinatoren vielleicht das einzige kleine Manko. Etwas weniger erzählt, etwas mehr gefühlt und Chuck hätte als Film des Jahres abgelöst werden können.
So aber drängt man sich immerhin an „Bugonia“ vorbei auf den zweiten Platz.Sicher kein Film für Jederman(n), aber wo gibt es sowas schon….
9,46/10
2. Dezember 2025 um 12:59 #255792Roofman [Sneak Preview]
Wenn man nach der Sneak erstmal zu einer Burgerkette möchte und sich außerdem angeregt fühlt, online ein wenig nach Spielzeug zu stöbern… dann hat der Film offensichtlich ein gutes Productplacement geführt. Die Story…. ja, was war da nochmal?
Nach seinem Dienst in Afghanistan ist Jeffrey offensichtlich auf der Suche nach seinem Platz im Alltag. Vom Suchen allein scheint man aber kein Geld zu verdienen. Anstatt seiner Tochter zum Geburtstag das gewünschte Fahrrad zu schenken, muss er kreativ werden – mit mäßigem Erfolg.
Seine Frau mag ihn offensichtlich auch nicht mehr. Eine Idee muss her (kein Job, das wäre wohl zu einfach).
Weil in sämtlichen McDonalds Fillialen der selbe Grundriss und Ablauf im Alltag herrscht, kommt ihm die Idee, die Kassen zum Feierabend zu plündern. Dafür steigt er stets vom Dach ins Gebäude ein (daher „Roofman“…tataa!) und „muss“ das noch anwesende Personal in die Kühlkammer einsperren. Dabei ist er stets freundlich, die Beraupten scheinen sich fast dafür zu schämen, dass die Polizei nun nach ihm sucht.Seine Frau findet das neue Geld im Haus ziemlich gut, also sitzt sie beim nächsten Kindergeburtstag fröhlich lachend dabei. Das Megageschenk gibt es natürlich auch… ach, es kann alles so einfach sein.
Zu dumm, dass die Polizei ihre Arbeit macht und so verliert Jeffrey neben seinem Einkommen auch seine Familie. Schade.Nach diesem Prolog geht es mit Aus- und Einbrüchen munter weiter. Jeffrey verliebt sich, datet und stiehlt munter weiter. Das will aber nicht so richtig packen. Weder Witz noch Drama kommen so richtig zur Geltung. Beinahe ist es, als schaue man sich eine Doku über das dümmste Genie der Welt an.
Der Haken an der Sache: Der Film möchte Jeffrey dabei so in den Mittelpunkt stellen, dass er für den Zuschauer als Sympathieträger fungiert. Hinsichtlich seiner Vita alles andere als löblich.
Erstaunlich zum Ende, dass (mit Ausnahme der Polizei) alle Beteiligten im O-Ton zu Wort kommen und schildern, wie freundlich und liebenswürdig dieser Typ doch war. Und irgendwie hat er immer Geschenke verteilt… den muss man doch einfach lieben.Muss man natürlich nicht, und letztlich scheitert der Film über eine wahre Begebenheit darin, einen Straftäter als überaus gesellschaftlich kompatibel darzustellen.
Erleichterung bei mir, dass es am Ende ein „Happy End“ gibt!Der Cast in dieser Story ist überraschend prominent besetzt: Neben Channing Tatum dürfen Kirsten Dunst, Ben Mendelsohn, Juno Temple und Peter Dinklage u.a. zeigen, dass dies eher ein Film nach Vorschrift zu sein scheint.
Ob Tatum ein guter Schauspieler ist, weiß ich nicht zu beurteilen – wissentlich habe ich nicht viel von ihn gesehen und dieser Auftritt passt ganz gut in die ungelenke Tonlage des Films. Unauffällig gut, könnte man es nennen.
Kirsten Dunst mochte ich in „Civil War“ überraschend gern. Davor hatte ich sie zuletzt in „Melancholia“ gesehen und festgestellt, dass nach „Virgin Suicides“ irgendwie kein Film mehr kam, den ich a) kenne oder b) in dem ich sie „gut“ fand.
Hier gelingen ihr die üblichen zwei Gesichtsausdrücke recht gut, Sympathiewerte können erzielt werden. Wenn sie dann aber anfängt, eine dritte oder gar vierte Gefühlsregung zu spielen… uff. Das ist schade!Gefilmt in klaren Bildern und großzügig gespielten Szenen. Das gefällt oft, bringt aber an manchen Stellen des Films das Problem, dass sich im Kreis unterhalten wird. Nichts passiert oder wird nach vorne getragen. Zeigt aber am Ende wohl auch, wie einfach die Welt des Protagonisten ist.
Ein netter Film über einen Verbrecher mit Herz. Anders als in alten Mafia-Filmen kommt der Zuschauer aber nicht in das Dilemma, hier irgendwas für die Figur empfinden zu können. Glück gehabt und schlimm genug, dass man heutzutage im Gefängnis mit seinem Scheiß Geld verdienen kann.
5/10
22. November 2025 um 12:17 #255643Chien 51 – Zone 3 [Sneak Preview]
Wirft man in Filmen einen Blick in die Zukuft, ist sie meist schrecklich. Entweder geht die Welt unter, die Welt ist dunkel und mies, eine Diktatur hat die Weltherrschaft übernommen oder wir leben schlicht im Weltall. Selbstredend darf die Angst vor Technik nicht fehlen – Skynet hat da wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal mehr.
So auch in Paris im Jahr 2045. Die halbe Stadt liegt in Schutt und Asche. Drei Zonen regeln die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der dort lebenden Menschen. Zone 1 für die Reichen (und Priviligierten), Zone 2 für Normalos und Besserverdiener (und Priviligierten), Zone 3 (wer errät es?) dann für den Bodensatz der Gesellschaft. Vom Junkie bis zum schlaflosen, mürrischen Polizist ist da vieles vertreten – man möchte dem geneigten Zuschauer also direkt vermitteln: Das bist Du!
Zem, besagter Polizist, kann nicht schlafen und bekommt durch eine kaputte KI jeden Tag mehrere Flaschen Milch nach Hause geliefert. Zur Arbeit geht er nicht gerne, sein Chef brüllt ihn nur an (was Polizeichefs nunmal so machen) und dann soll er nach einem Mord mit einer Ermittlerin aus Zone 2 zusammenarbeiten.
Salia selbst scheint auch nicht glücklich zu sein, obgleich in Zone 2 ein besseres Leben möglich ist.
Um die Zonen in ihrer jeweiligen Ordnung zu halten, wurde ein KI System entwickelt, dass mit Gesichtserkennung sofort jeden Kram auf das Tablet der Polizei zaubert. Selbstredend müssen die Ermittler nicht mehr kombinieren und Motive erörtern – das schafft KI auch ganz alleine.
Nun aber wurde der Erfinder der KI getötet, der Mörder ist nun auch tot…Klingt spannend, in Teilen jedenfalls.
Optisch gelingt nichts wirklich Aufregendes, aber sieht dabei auch nicht so billig aus, wie man es vielleicht erwarten würde.
Die Handlung ist etwas wirr, unklar und sprunghaft erzählt. Das tut nicht gut, zumal das Ergebnis mehr „Mäh“ als „Oh“ ist.
Mit Gilles Lellouce und Adele Exarchopoulos hat man zwei Darsteller, die schon einige Filme in ihrem Portfolio aufweisen können – leider lässt man sie hier nicht Schauspielern sondern konstant bedröppelt durch die Gegend spazieren. Hinter dieser tiefgründigen Fassade dürfen wir auch nicht erstaunt sein, wenn es urplötzlich richtig romantisch wird (Hä?!).Na gut. Was die erste Hälfte über noch irgendwie funktioniert, geht in der zweiten Hälfte mit merkwürdig eingefügten Actionsezenen und Szenenbildern baden (sprichwörtlich). Da hat der Regisseur sicher tolle Bilder im Kopf gehabt (Boa, dann taucht der unter und man sieht Kugeln ins Wasser einschlagen und Blut und…). Ja, das sieht OK aus, aber warum gibt es diese Szene? Da wird eine Welt aufgebaut, man vergisst sie aber in Folge mit Kontinuität aufzufüllen.
Unfreiwillige Komik kommt dann auch auf, wenn beide Trauerklöße aus dem Nichts zum Karaokesingen gehen.Kein übler Murks, dafür ist er zu solide gefilmt und vom Erzählwert eben auch zeitgemäß genug („KI wird uns alle töten!“). Einem guten Einstieg dann aber leider nicht weiter verfolgt, bzw. die Charaktäre in ziemlich dämliche Situationen gesteckt, die so nicht richtig ineinander greifen wollen.
Zum Ende noch akute Gefahr bei ähnlich gefühltem Schlafmangel, wie die Figuren vorgeben sie zu haben, einfach einzuschlafen.
Schlecht? Nein
Gut? Auch nicht.
OK muss reichen4/10
15. November 2025 um 22:52 #255273Him – Der größte aller Zeiten [Sneak Preview]
In einem Fußballforum las ich zueltzt, dass Football total langweilig sei. Heidenheim gegen Hoffenheim am Sonntagabend klingt dagegen allerdings auch nicht nach großem Spaß…
Cameron ist eines der größten jungen Talente und hofft, in ein Profiteam gedraftet zu werden. Dummerweise wird er von jemanden niedergeschlagen – Hirntrauma inklusive (wir merken uns das mal für später).
Es kommt, wie es kommen muss – einen derart verletzten Spieler holt sich niemand ins Team. Doch dann der rettende Anruf: Isaiah White, GOAT des modernen Football, mehrfacher Superbowl-Sieger und dazu Camerons Idol lädt ihn zu sich nach Hause ein um ihn auf Leber und Nieren zu testen. Wenn er eine Woche lang hartes Training übersteht, winkt die Aufnahme in ein Superteam – dazu würde er die Nachfolge Isaiahs antreten…Fortan entwickeln sich die Dinge sehr eigenartig. Da scheint doch irgendetwas faul zu sein?
Die Geister die ich rief, Goethes Faust, Buffy… hat man alles schon gehört und gesehen. Und das in 100x besser.
Videocliplook meets Reels-Ästhetik, Muckis und Titties in nass-glänzender Edeloptik. Ein Haus, das ohne Grundriss zu sein scheint – Gänge, die ins Nichts führen, überall offene Türen, hinter denen das Dunkle wartet (und noch Dieses und Jenes). Am Ende dann ein moralischer Zeigefinger, tief in Blut getaucht.
Kurz: Kann weg! Für Horror an jeder Ecke zu vorhersehbar. Oder ist es eine fantastische Grotesque? Dann fehlt der Biss, die Tiefe ist ohnehin nur durch bedeutungsschwere Mono- und Dialoge zu vermuten.
Schauspieler werden den Film über gesucht, aber nicht gefunden.Das Hirntrauma wird alles in Folge geschehende für sich erklären. Das ist dann vielleicht noch witzig und rettet den Film vor dem totalem Absturz – eben auch, weil diese Hirngeschichte nicht in Wort und Bild aufgelöst wird.
Und die Moral von der Geschicht? Früher gab es ja den Spruch „Ohne Fleiß kein Preis“, das will heute im Grunde aber keiner mehr hören. So vielleicht auch die junge Footballjugend. Wofür Training, wenn ich gut aussehe?
Nur eine Vermutung, das Schönste an dem Film ist noch, dass man zig Vermutungen dazu äußern kann, welchen Blödsinn man hier darstellen möchte. Von einer Kritik am System (Football wird ja auch gerne als moderner „Sklavenhandel“ beschrieben) erwarte ich aber deutlich mehr.Kill you Idol – und damit ist alles gesagt.
3/10
9. November 2025 um 20:19 #255124The Change [Sneak Preview]
Mit etwas Wehmut schaute ich am Dienstag von Kino 6 in Richtung 9, wo um 21:40 „Das Schweigen der Lämmer“ starten würde. Mit Trailer und Verlosung würde die Sneak etwas 21:45 starten… Wenn es sehr übel werden würde, könnte man sich vielleicht im falschen Saal wiederfinden? Ne, macht man nicht. Wozu auch? Schließlich besteht die Chance, dass nach einem sehr guten Film die Woche zuvor nun wieder etwas Gutes läuft?
„Running Man“ wurde hoffnungsvoll in den Ring geworfen… bitte nicht!Ellen und Paul feiern silberne Hochzeit. Das Paar strahlt, ist glücklich und hat zahlreiche Menschen eingeladen. Das Anwesen ist schön und symbolisiert einen gewissen Reichtum. Einzig das Klima unter den Geschwistern scheint betrübt, aber sowas kommt in den besten Familien vor.
Während Cynthia (Anwältin) und Anna (Comedian) mit großem Hurra ihre noch zu Hause lebende Schwester Birdie in die Arme schließen, kommt Bruder Josh mit seiner neuen Freundin Liz beiahe durch die Hintertür zur Veranstaltung.Ellen erkennt in ihr eine ehemalige Studentin, deren Arbeit sie als Antidemokratisch zerissen hatte und was Liz den Ausschluss aus der Uni bescherte. Diese beteuert, die Sache vergessen zu haben – Ellen bleibt skeptisch.
Tatsächlich ist der Zuschauer einen Schritt weiter und weiß, dass Liz etwas im Schilde führt.Ihre damals verpönte Arbeit ist nun zum großen Bestseller geworden. Amerika erblüht unter einem neuen Patriotismus, ein Einparteienstaat soll die Wende bringen und den Zwist innerhalb der Bevölkerung beenden.
Tatsächlich begegnen wir Paul und Ellen in den folgenden fünf Jahren ein paar Mal wieder. Immer wieder zu besonderen Anlässen in ihrem Haus. Und jedes Jahr bringt gewaltige Veränderungen mit sich. (Außer Birdie… die bleibt einfach fünf Jahre lang die 17jährige Tochter oder so).Dystopien in Film und TV sind nicht totzukriegen, und in Amerika schwebt dabei stets die Angst vor kommunistischen Verhältnissen mit. Hier nicht anders – auch wenn man die erstarkte Bewegung genausogut rechts wie links gelesen werden kann.
Manchmal entstehen dabei abstrakte Zeichnungen, vor Gewalt strotzende Actionfilme oder mutmaßlich mahnende Stellungnahmen. Egal ob „The Handmaid´s Tail“, „The Fortress“ oder „Civil War“ – Filme wie diese möchten vor dem Ende der Demokratie „warnen“ – macht es heute besser als die Deppen in unseren Filmen.
„The Change“ bläst dabei in das selbe Horn. Wo bei z.B. „Die Welle“ auf die Auswirkungen totalitärer Ideologien der gesellschaftliche Ebene hinwieß, macht man es hier noch eine Spur schmaler.
Der Zerfall findet innerhalb einer Familie statt. Der aufmerksame Zuschauer merkt dabei, dass dieses auf Demokratie gestützte Konstrukt schon vor der Ankunft von Liz seine Kratzer und Dellen hatte. Sohnemann Josh und Tochter Birdie sind irgendwie nur dabei statt mittendrin. Und wenn man sich vom gesellschaftlichen Kern ausgegrenzt fühlt…. ihr ahnt es.So simpel und vorausschaubar der Wandel der Zeit, der die Familie angreift auch ist, es wirkt wie eine Faust in den Magen.
Sind die ersten Gespräche bei Tisch noch überspitzt zynisch und ironisch (zu dem Zeitpunkt hatte ich Angst vor einem deutschen Remake mit Herbst, Farooq und Co), schlägt das Pendel bald um.
Kann doch nicht sein? Ja, irgendwie schon – und das Macht den Charakter verdirbt wissen wir ja nicht erst seit gestern.Nur gelegentlich wird der Fokus um das das Familienheim aufgebrochen – eine Autofahrt durch die Nachbarschaft, ein Restaurant, eine Uni und zwei, drei andere Orte sollen verdeutlichen, wie sich die Welt um den heimeligen Fleck verändert. Das wäre dabei gar nicht zwingend nötig gewesen. Mindestens zwei Sequenzen wirken dabei sehr gezwungen und stören mehr als das sie nutzen.
Aber das ist zugegeben bloß ein Schönheitsfehler.
Inmitten des sich anbahnenden Ärgers agieren Diane Lane und Kyle Chandler sehr stark, was in einer Diskussion um die Namensfindung eines Hundes gipfelt. Eindringlich und inteniv.
Dylon O´Brien als Josh spielt das Arschloch vom Dienst so gekonnt, dass eine Szene zum Ende des Films Applaus im Kinosaal auslöste. Alle anderen sind dann auch dabei, bleiben stets unverändert in ihrer Rolle. Wo Birdie möglicherweise die größte Entwicklung des Films durchläuft, ist weder optisch noch darstellerisch etwas davon festzustellen.
Nicht schlimm: Der Fokus bleibt auf den Eltern und die meistern das großartig.Genausowenig wie die namensgebende Bewegung im Film ist „The Change“ daran interessiert Kompromisse auszuarbeiten. Die Schläge kommen gezielt und hart – mutmaßlich ist ein ganz Land dafür, bloß diese Störenfriede mit gebildetem Hintergrund stören immens. Ähnlich wie jüngst bei „Civil War“ will man dem Zuschauer keinen Platz für Komfort gönnen. Das Finale ist hart und böse, wenngleich ein zarter Hauch von Hoffnung mitschwingt – möglicherweise jedoch nicht bei denen, für die man es sich erhofft hatte.
Wirkt länger und stärker als „House of Dynamite“ und sollte nicht als Film für das erste gemeinsame Date gewählt werden.
8/10
30. Oktober 2025 um 14:38 #254930Bugonia [Sneak Preview]
Das Gemecker heute mal gleich zu Beginn: Beginn der Sneak ist nun nicht mehr 21:00 sondern 21:15 Uhr. Da sitzt man mit seinen neuen Filmfreunden vor dem Saal und wartet, dass die Trailer zu Ende gehen mögen und staunt nicht schlecht, dass es plötzlich Viertel vor zehn ist. Das zieht ja eine Kette von zeitlich veränderten Abläufen hinter sich her… man stelle sich vor, der Film dauert über zwei Stunden
War hier nicht ganz ernst gemeint, aber für einen Gewohnheitsmensch durchaus „problematisch“Teddy würde das vermutlich stoisch hinnehmen. Er hat tatsächlich andere Probleme.
Die hängen irgendwie mit seiner Mutter zusammen, die nach einem misslungenem Medikamententest im Koma liegt.
Da die Probleme aber sehr weitreichend sind, holt er nun zum Gegenschlag aus. Sein Cousin Don wird ihn dabei unterstützen.Sich selbst fordernd bemüht sich Pharmakonzern-Chefin und Führungskraft des Jahres Michelle um ein wenig mehr Entgegenkommen ihren Mitarbeitern gegenüber. Ein Betriebunfall ließ aufhorchen, nun stehe es jedem Mitarbeiter frei, ab 17 Uhr zu gehen… wenn er denn wolle und dabei beachte, dass die Arbeit auch fertig sei… oder wenn sie es trotz allem für sich verantworten können… also total freiwillig könnten sie aber auch so lange bleiben, bis die Arbeit fertig ist.
Ein Segen, dass ich nichts von dem Film wusste. Keine Trailer, keine Teaser, keine Filmplakate, keine Ankündungen. Dass es ein Remake eines asiatischen Films ist, hörte ich erst später. Den kenne ich allerdings auch nicht.
Interessehalber habe ich mir nachträglich den Trailer angesehen. Bis Minute eins erzählt er (zum Glück) etwas anderes, als es im Film tatsächlich passiert, ab Minute zwei ist man dann aber sehr offen mit dem Thema dabei.
Das ist sehr schade, denn ohne Wissen und Ahnung entfaltet sich hier ein Film, der einen ratlos einige Dialoge verfolgen lässt. Man erwischt sich dabei, ob der einen oder anderen „Unsinnigkeit“ zu schmunzeln oder zu lachen – um im nächsten Moment mit offenem Mund dazusitzen.
Viel Blalba, aber mit Konsequenz. In welche Richtung das Pegel am Ende ausschlägt… lasst euch überraschen. Denn auch dieser „Gag“ mündet in einem „Herrjeh!“.Eine Groteske, die wirklich fein detailliert und punktgenau nuanciert auf die Leinwand gezaubert wird. Emma Stone (vor ihr kann man wirklich Angst haben) und vor allem Jesse Plemons sind Dreh- und Angelpunkt des Films. So stark!
Hier werden genüsslich Aspekte verschiedener Weltanschauungen auf den Tisch gelegt und für bare Münze genommen. Der eine oder andere wird sich „abgewatscht“ fühlen und den Film möglicherweise nicht mögen.
Tröstend dabei: „Bugonia“ teilt in alle Richtungen aus.Absurd, verrückt, alltäglich, konsequent und hart. Ein etwas anderes Lied über das Leben und seiner Vielfältigkeit.
„The life of Chuck“ wird hier zwar nicht als führender meiner Lieblingsfilme des Jahres abgelöst, aber Bugonia kommt sehr knapp dahinter.
Schauspiel, Score, Kamera, Szenenbild… so geht alternatives Kino in Hochform.
Sicher wird es zum Finale Menschen geben, die sich darüber amüsieren oder empören… aber wer Konsequenz fordert darf sich nicht wunder, wenn sie denn geschieht
9,45/10
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