DerSchweiger

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    @derschweiger

    How to make a killing [Sneak Preview]

    Tatsächlich kaum der Rede wert.
    Dazu kommt, dass ich mit Glen Powell nicht nur nichts anfangen kann – er erscheint in den allermeisten Filmen als überaus schleimig und fehlplaziert.
    So auch hier:

    Mary ist schwanger. So weit, so gut. Ihr Vater Whitelaw findet das aber suboptimal.
    Das Kind muss weg. Weil Mary das nicht will, muss eben sie weg.
    Klingt nach einem ganz normalen Dienstag – die Familie Redfellow ist aber stinkreich.
    Und weil Mary nun auch keinen Support ihres Vaters erhält, wächst ihr Sohn Becket in einem mittelklassischem Umfeld auf.
    Golf soll er trotzdem lernen, und dort verliebt sich der heranwachsende Teenie in die wohlhabende Julia.
    Nun wird Mary krank und auf dem Sterbebett gibt sie Becket einen guten Rat: Er soll sich das Leben holen, das ihm zusteht. Zuvor wurde er darüber informiert, dass er in der Familie Redfellow erst dann erbberechtigt ist, wenn alle anderen Verwandten tot sind.

    Tja, das sind aber eine ganze Menge – da hat Becket noch ein paar Jahre Wartezeit vor sich… es sei denn, er nimmt das Schicksal seiner Verwandten selbst in die Hand.

    Schwarzhumorig will man hier sein. Keck und verspielt. Mit einem Augenzwinkern über die Superreichen gelästert, sie (hier gurndlos) verteufelt und wenn sie dann sterben, erwawrtet man Beifall.
    Ganz schlimme Message – vor allem, wenn so ein Schleimbolzen wie Powell erklärt, warum das unbedingt notwendig sei.
    Selbst dann, wenn er mit einem Top-Job ein Penthouse in Stadtzentrum beziehen kann, ist es ihm nicht genug. Das Geld der Anderen ist sein Antrieb – die Zufriedenheit mit sich selbst und dem Erreichten, das den wenigsten Menschen auf der Welt vorbehalten bleibt, ist ihm nicht genug.
    Wenn er dann am Ende über das missglückte Happy-End labert, ist es ohnehin egal. Sympathien konnte er keine gewinnen, die von ihm als „böse“ dargestellte Gegenspielerin ist dabei lange Zeit im Recht.

    Selbstverständlich darf eine quere Romanze nicht fehlen. Wer kennt es nicht? Man besucht seinen Cousin, trifft dort dessen Freundin und die ist sofort spitz auf einen. Und dann sagt der Cousin, dass er Kinder hasst und dabei will sie doch unbedingt welche haben – ja, sie habe ihn schon lange verlassen wollen. Sein Tod sei dann der passende Augenblick dafür…. manmanman!

    Die Figur des Becket hätte gerne intensiver beleuchtet werden können. Hassenswert, gefühlskalt, ignorant.
    Seine Wahnvorstellung, das Geld Anderer stünde ihm alleine zu und deswegen müssten sie alle sterben, ist nicht nur völlig Gaga, sie zeichnet auch überspitzt Teile der (ewigen) Neidgesellschaft wieder.
    Doch anstatt andere zu ermorden, arbeiten normale Menschen eben täglich um sich ein gutes Leben aufzubauen – fernab von Penthousewohnungen, Schlössern und Traumkarren. Warum Becket also nicht als den Kranken Mann zeichnen, der er ist? (Oder der so von seiner Mutter erzogen wurde? Wobei hier interpretiert werden darf… hat sie ihm zu den Morden geraten?)

    „Das Geheimnis meines Erfolgs“ kam mir die Tage in den Sinn. Da macht sich ein Bauernjunge auf den Weg, sich in der großen Stadt den Traum von Geld und Reichtum zu erfüllen. Ganz so einfach ist es dann nicht und ihm müssen eine Menge Dinge misslingen, ehe er zu einer Einsicht gelangt. Ein, wie ich finde, unterschätzter Film der 80er Jahre.
    Das Geheimnis heutiger „Eat the Rich“ Fantasien im Kino ist, dass es nie zu Konsequenzen kommt. Es stellen sich auch keine spürbaren Hürden in den Weg. Höchstens, dass sich der Reichen-Killer zwischen zwei Frauen entscheiden muss.
    Man kommt davon, immer, irgendwie. Ist ja auch gut so! Wenn andere das Geld haben, dass ich eigentlich gerne hätte, ist das schon OK.

    Ganz ganz schlimme Botschaft und eine misslungene Chance, diese Charakterisierung als fehlgeleitet darzustellen.
    Glen Powell bleibt dabei eine Fehlbesetzung: Weder romantische Momente, noch (zunächst skrupelbehaftete) Morde stehe ihm gut zu Gesicht.
    Empörung, Erleichterung, Hass…. Junge Junge, der kann gar nichts!
    Aber eine Rolle füllen wollen, die zumindest von alle dem einen Hauch Darstellung benötigt.

    Der Rest des Cast darf mitmachen, weil Powell aber auch Produzent ist, gilt die Bühne ihm allein.
    Schäbig, von vorne bis hinten.

    Als Film an sich vielleicht noch mit 5/10 ausreichend gut bewertet, der Hauptdarsteller startet bei mir aber immer mit -1, somit 4/10

    #259285
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    @derschweiger

    Ihr kennt das Gefühl doch sicher: Da schaut man „Kill Bill 1“, „The Raid“ oder ähnliche Filme, wo es zu einem furiosem Kampf kommt, in dem übermäßig Gemetzelt wird. Die Grenzen der Physik oder der generellen Logik sind hier gerne außer Kraft gesetzt und alle Brüllen“ Boah, warum kann der Rest vom Film nicht auch so sein!“
    Tja, allen, denen es nun so geht, empfehle ich Folgendes:

    „They will kill you“
    Asia lässt ihre junge Schwester im Stich und lässt sie bei ihrem gewaltsamen Vater zurück. Der Lohn dafür sind ein paar Jahre Gefägnis.
    Wieder auf freiem Fuß will sie ihre Schwester aus den Händen des Bösen befreien, nur um festzustellen, dass sie nun Angestellte in einem noblen Hotel ist.
    Schwups stellt sie sich dort vor und bekommt den Job als Zimmermädchen.
    Doch noch bevor der erste Arbeitstag beginnt, eskalieren die Dinge….

    Nach einem kurzen Einstieg, in der uns die Hauptfigur tendenziel unsympathisch näher gebracht wird, geht es auch schon bald los. Erste Mutmaßungen über einen düsteren Horrorfilm keimen auf, bevor nach den ersten 5 Minuten des Kill und Gore klar wird: Das soll komisch sein!
    95 Minuten dauert der Spaß, davon sind locker 70 Minuten mit Kills, Blut, geköpfte und um übrige Gliedmaßen befreite Menschen
    gefüllt. Was nach fünf Minuten noch etwas Heiterkeit aus der Szenerie ziehen lässt, stumpft nach weiteren zehn Minuten deutlich ab um dann die übrige Stunde gähnende Langeweile hervorzurufen. Zumindest bei mir, denn eben genannte Szenen sind für mich nicht die Highlights der jeweiligen Filme – tatsächlich mag ich „Kill Bill 2“ lieber als den Ersten.
    Wer aber auch mit Filmen ohne Inhalt klarkommt, solange die Köpfe rollen, der kann hier bedenkenlos reingehen.
    Vielleicht lässt sich als Referenz noch am Ehesten „Ready or not“ heranziehen, wobei dieser sich noch um eine Story und Dialoge bemüht hat.

    Positiv hervorzuheben ein Wiedersehen mit Patricia Arquette. Und ob man den Teufel so versaut darstellen muss wie in diesem Film geschehen… nun ja ;)
    Schauspielerisch darf man eigentlich nichts erwarten (und wird somit nicht enttäuscht), optisch macht das Ding dann aber doch einiges her. Interessante Kamerabilder, die dann mit zu langem Klamauk wieder zunichte gemacht werden.
    Aber gut: Niemand wird leugnen wollen, dass hier der Spaß an erster Stelle stehen soll. Meinen Geschmack trifft er nicht, wird hier aber sicher das ein oder andere positive Feedback entlocken.

    4/10

    #259283
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    @derschweiger

    Sneak Kompakt:

    „Marty Supreme“: Egoistischer und selbstverliebter Mann möchte in einer Randsportart der Beste der Welt werden und geht dafür über Leichen. Ein schrecklicher Film mit schrecklichen Charaktären. „Anora“ lässt grüßen. Wildes Gebrülle, Geplärre, ein Drehbuch, das von einem Grundschulkind hätte erzählt werden können… Und dann nimmt man eine tatsächlich existierende Person und dichtet ihr so einen Murks an. Filmisch dennoch Top, Gwyneth Paltrow ist eine Wucht.
    Weil ich hier, anders als bei „Anora“, keine Möglichkeit zur Interpretation sehe, schlicht 4/10

    „Monsieur Robert kennt kein Pardon“: Ich mag Clavier sehr, auch wenn seine Filme nicht immer der große Hit sind. Das trifft so leider auch auf Monsieur Robert zu. Ein Lehrer nimmt Rache an seinen ehemaligen Schülern, die er für den Verlust seiner großen Liebe verantwortlich macht. Die erste Racheepisode ist dann noch sehr stark, pointiert, krawallig wild und nimmt damit satirisch viele lärmende Vertreter aufs Korn – bei den übrigen Racheplotzt schwächelt nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Darsteller um Clavier herum. Schade, schade… 4/10

    „Good luck, have fun, don´t die“: Große Freude, als der Irre aus der Zukunft in das Cafe kracht – tatsächlich ein Film, den ich mir heimlich auf die WUnschliste gesetzt hatte. Tatsächlich macht er sehr viel Spaß, verletzt mit seinem Humor auch das eine oder andere Gemüt, weiß aber leider in zwei Momenten nicht wirklich, den Ton zu halten. Weil es im Grunde aber auch ein Episodenfilm ist, von denen zwei „Rückblenden“ eigentlich „Black Mirror“ Folgen sind – auch der Hauptplot ließe sich in eine 45 Minuten Episode pressen. Macht nix, ist trotzdem gut. Ohne Happy End mit einem Lächeln aus dem Kino – gibt es auch nicht so oft. 7/10

    „Shelter“: Als jemand, der mit Jason Statham nicht viel anfangen kann, bin ich mit dem Beitrag durchaus zufrieden. Fans mögen sich nun darüber empören – „Der knallt doch gar nicht richtig!“.
    Stimmt. Eine halbe Stunde „Charakterbildung“ auf einer Insel mit Leuchturm, wo ein junges Mädchen verarztet werden muss. Als dann aber eine staatliche Spezialeinheit anrückt, ist die Wutz am Rennen. Hier kommt es gelegentlich zu wortkargen Auseinandersetzung. Die Kills passieren ohne großes Tada, und auch ansonsten ist das Gekloppe nicht Triebfeder des Films. Inhaltlich bestenfalls solide (man glaubt, die Story so, oder so sehr ähnlich, schon vorher erzählen zu können) und mit einem Statham, der hier keine „Beekeeper“-Sprüche braucht.
    5/10

    #258050
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    @derschweiger

    Sneak Doppelpack

    Dead of Winter

    Was macht man mit Filmen, die man vergessen hat, bevor der Abspann zu Ende ist?
    Man vergisst auch man ganz schnell, darüber zu schreiben ;)

    Vor gut zwei Wochen gesehen und festzustellen ist, dass Menschen, die Fernsehkrimis mögen (WaPo Brandenburg oder so) voll auf ihre Kosten kommen werden. Jeder Hauch von Spannung wird binnen Sekunden fallen gelassen – keine Sorge!!
    Zunächst aber leichte Verwirrung: Emma Thompson – das riecht nach Drama.
    Na ja, irgendwie ist es das auch…

    Barb will zum Eisfischen. Nicht, weil sie es möchte, sondern weil sie es muss. Diese „herzzerreißende“ Geschichte erfahren wir in störenden Rückblenden. Weil es aber Winter ist, dichter Wald und kein Handyempfang den Weg zum Ziel stören, muss sie jemanden um Rat fragen.
    Dabei bemerkt sie an einer abgelegenen Hütte Blutspuren im Schnee. „Ein Reh“ heißt es. „Ja“, sagt sie.

    Ab hier geschehen wundersamme Dinge: Der Herr, von dem sie den Weg zum See erfahren möchte, rennt minuten später einer gefesselten jungen Frau hinterher, schießt wild um sich und brüllt ihr lautstark hinterher. Alles natürlich in bester Sichtweite zu Barb, die mitten auf dem zugefrorenem See sitzt. Später entdeckt sie die junge Frau im Keller der Hütte, schmiert eine Botschaft ans Fenster, verlässt den Ort und stampft durch den meterhohen Schnee zurück zum See.
    (Augenscheinlich sind das nur wenige Meter, bei dem ständigen Hin und Her, dass sich die Figuren hier immer und immer wieder antun).
    Sie baut eine tödliche Falle vor ihrem Zelt, sabotiert die Hütte der Entführer (weil die ja auf dem Weg zum See sind, während sie auf dem selben Weg zurück zum Haus war) und gerät dann doch immer wieder in den Schlamassel.

    Der Plot ist im Grunde nicht auszuhalten. Klar, was würde man selbst in solcher Situation machen?… aber das ist so unspannend eingefangen wie eine einstündige Aufnahme vom Eisfischen.
    Weil die Prämisse irgendwie doch bedrohlich wirkt (entführte junge Frau, bewaffnete und zum Töten bereite Entführer, eine Heldin im gesetzten Alter) muss Entlastung her.
    So zaubern wir Barb verniedlichende Eigenschaften zu. Sie weiß immer und in jedem Augenblick, wie sie die Dinge lösen kann – nur macht der Körper nicht ganz mit. Wenn es schnell gehen soll, muss also vorher noch umständlich die Brille aus der Tasche geholt und aufgesetzt werden, es entstehen schrullige und sinnfreie Konversationen mit Opfer und Täter, und immer zwickt und zwackt etwas unangenehm. Gut ist, dass die Entführer selbst auch stark gehandicapt sind.

    Das alles will man möglicherweise mit ähnlicher Frische darbieten wie jüngst in „Thelma – Rache war nie süßer“, scheitert aber hinlänglich an Personenzeichnung, Dramaturgie und Motivation.

    So viel dazu, und eigentlich auch schon zu viel.
    Zufällig auf 3Sat reingezappt sagt man „Ach ja, war mal was anderes (als WaPo)“, und gut. Für das Kino verschenkt.

    4/10

    Beim nächsten Besuch dann höflich beim Einlass nachgefragt: „Taugt das heute was?“ – „Der wird klasse!“, hieß es.
    Also mit frohen Mut ins Kino!

    Cold Storage

    Der Trailer versprach ja durchaus humorigen Trash. Blut, Gedärm, Geschrei und Lacher, wenn Menschen sterben – bin ich ja total heiß drauf!
    Zum Glück ist er diesbezüglich nicht ganz so abartig wie „Toxic Avenger“, der Humor entsteht doch häufig mit Hilfe der Hauptdarsteller.
    Was bald auffällt: Hier will man eigentlich nur auf die Kacke hauen – inhaltlich möchte man nichts anbieten. Das ist ok, und hierfür ist er auch gut genug.

    Eine missglückte NASA Expedition bringt einen tödlichen Pilz auf die Erde. Zwar wird er in einem Hochsicherheitslabor untergebracht – dieses wird aber ein paar Jahre später als Storage-Center genutzt. Macht absolut Sinn!
    Teacake und Naomi spüren in ihrer Nachtschicht einen versteckten Alarm auf und möchten dem Ganzen auf die Spur kommen. Der Storage-Verwalter indes möchte die Nacht nutzen, und mit Hilfe von ein paar fiesen Rockern Fernseher aus den Lagern zu stehlen.
    Letztlich aber wird auch eine Militäreinheit auf das Dilemma aufmerksam. Logisch: Der Chef will da nichts gemacht wissen – sicher Fehlalarm, was soll da schon sein. Zum Glück gibt es die engagierte Mitarbeiterin, die sich über Regeln hinwegsetzt und Liam Neeson um Hilfe bittet.
    Der ehemalige Agent ist aber inzwischen in die Jahre gekommen – es fällt nicht mehr so leicht wie einst, die Welt zu retten…

    Beim Casting hat man Neeson sicher gefragt, ob er sich vorstellen könne, jemanden per Telefon exakte Anweisungen zum weiteren Vorgehen geben zu können. Dabei stets um die Umwelt der bedrohten Person wissend und wie sich alles entwickeln wird. Zum Ende der Hinweis: Cool bleiben, ich bin bald da!
    „Ja“, wird er gesagt haben.
    Und ob er auf beengten Raum den fiesen Typen mal richtig hart in die Rippen boxen könnte?
    „—-„, ja gut, dann ballerst Du mit einem Gewehr.
    Deal!

    Das Zusammenspiel der Figuren funktioniert in Teilen recht gut. Dafür sind sie auch möglichst simpel gestrickt.
    Lässt man sich auf die Dämlichkeit des Plots ein, kann man hin und wieder seinen Spaß haben.
    Es spritzt CGI Blut an allen Ecken und Enden, CGI Tiere, die sich durch CGI Umgebungen bewegen – man, ist das hässlich!
    Aber auch das könnte als Plan verstanden werden.

    Zur Mitte des Films drängen sich dann auch Anleihen an „Planet Terror“ auf. Der war ja genauso Gaga (und meiner Meinung nach auch nicht gut!).
    Überraschend ist hier zugegeben nichts, der eine oder andere Gag funktioniert aber doch recht gut. An einem ist auch Neeson beteiligt, ansonsten fällt er so gut wie nicht ins Gewicht.
    „Kopf aus, Spaß an!“ funktioniert bei mir leider nicht so häufig – hier hat es zu Teilen aber geklappt.

    Auch hier benötigt man nicht viele Worte. Wer sich vom Trailer abgeholt gefühlt hat, wird bekommen was er wünscht.
    Zudem erfahren wir auch, was sich Männer sonst noch beim geöffneten Mund einer Frau wünschen – herzallerliebst ;)

    Bleibt mir in Summe positver im Gedächtnis als vermutet.

    6,5/10

    #257784
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    @derschweiger

    Sneak Preview Doppelpack

    Manchmal schaut man Filme und geht leicht achselzuckend raus.
    So geschehen bei:

    Primate

    Ein Haustieraffe eines taubstummen Autors bekommt Tollwut und mordet wild rum.
    Storytechnisch in wenigen Sekunden erzählt (wie z.B. „Cujo“ auch), muss aber nicht zwingend was heißen.
    In diesem Fall wird man aber schon in den ersten zwei Minuten darüber informiert, dass der Film bitte nicht gut werden darf! Wenn eine Prämisse nicht viel Raum (Haha, Wortspiel) lässt, dann ist Figurenzeichnung von etwas höherer Bedeutung.
    Die schmeißt man aber mit großer Freude direkt über Bord, also ab ins futuristische Wohlstandshäuschen an einer steilen Klippe…
    Gut, Papa geht zur Arbeit, Teenies allein zu Haus (und mal schnell die Stecher aus dem Flugzeug eingeladen… zum Glück!) und schwups sabbert der Affe stark auffällig und hat Gefallen daran, anderen wehzutun.
    Ein kluger Satz („Ihr müsst das Vieh töten!“) wird empört weggewischt. Schade, dass Cassandra für den Vorschlag zur effektiven Problemlösung nicht entschädigt wird.

    Der Trailer suggeriert, dass die Gruppe nun im Pool verharren muss, während das wilde Vieh herumschleicht und mit Mord und Totschlag droht. Das Konstrukt wird dann aber nach wenigen Minuten aufgelöst und es kommt zur üblichen wie willkürlichen und wenig überraschenden Hatz durch das Haus.
    Michael Myers Gedenkmotive inklusive.

    Die Kills sind blutig und explizit. Das ist durchaus zu begrüßen. Weil drumherum aber wenig seriös mit dem Thema umgegangen wird, ist es am Ende auch schon wieder für die Füße.
    Blöde Dialoge, unsympathische Figuren (ohne Ausnahme), ein Affe, der wie ein psychotischer Serienkiller agiert und nicht wie ein reißendes Tier… ach, Chance verpasst.
    Dann lieber den Uraltstreifen „Cujo“ anschauen. Da ist der Hund noch Hund und bedrohlich genug…

    4/10

    Und wenn mann dann glaubt, schlimmer geht kaum mehr, dann wird eben ein Konsolenklassiker verwurstet.

    Return to Silent Hill

    Nun der dritte Teil der Reihe. Teil 1 fand ich seinerzeit stark, glaubte später, er sei vielleicht doch ncht gut gealtert und durfte bei einem Neusichtung vor einigen Jahren feststellen, dass er immer noch gut funktioniert.
    Teil 2 hatte für mich keinen besonderen Sehwert – nun kommt aber der Regisseur und Spielliebhaber von Teil 1 zurück und kloppt noch die letzten Ansätze guten Gelingens in die Tonne.
    Manmanman – der Film ist zum Brüllen schlecht!!

    Ein Junkie bekommt eine Nachricht seiner Ex – er soll sie an ihrem gemeinsamen Platz besuchen.
    Gesagt, getan. Im „beschaulichen“ Städtchen Silent Hill geraten die Dinge jedoch rasch aus dem Ruder und die Gute will irgendwie nicht da sein, wo sie zu erwarten gewesen wäre…

    Manchmal geht man sicher an einen Film ran und überlegt: Wie könnte ich das Thema spannend und packend umsetzen?
    Hier scheint man sich gedacht zu haben: Erfolgsformel? Ohne mich!

    Eine Szene im Hier und Jetzt, dann eine Rückblende, eine Szene im Hier und Jetzt, eine Rückblende… Man, das ist übel anzuschauen.
    Setzt man vielleicht noch voraus, dass man das kultige und beliebte Spiel im Kern der Story verfilmen könnte… hier stimmt vorne und hinten nichts.
    Monster und Kreaturen erscheinen ohne jedweden Zusammenhang, der Kerl guckt und stottert, läuft um eine Kurve – manchmal bleibt die Bedrohung bestehen, manchmal wartet dort eine Neue und die Alte ist dann vergessen und verschwunden.
    Dialoge auf übelstem Kopfschmerzniveau.
    Eine Verletzte wird im Verrotzt-heruntergekommenem-Krankenhaus auf eine versüffte Liege gelegt – in irgendeinem Schrank kommt Verbandszeug zum Vorschein – „Ich geh mal gucken – Du bist hier sicher!“, nachdem man minutenlang vor diversen Kreaturen davongerannt ist.
    Ein Mädchen sitzt auf einer Mauer, davor Kisten und Tonnen zusammengestellt, damit man dort leicht rauf kommt.
    Er schaut „Wie bist du denn da rauf gekommen?“ und ist sichtlich fassungslos. Eieieiei…. Halt doch bitte den Mund!

    Was in den Games wohl noch schräg, bedrohlich und mystisch-verwirrend daherkommt und man Angst hat, mit seiner Figur falsch abzubiegen, spaziert man hier durch potthässliches CGI Setting. Viecher kommen, oh renn mal durch die Menge… nichts passiert. Natürlich nicht, denn dass das nicht real ist, wird ja schon in Minute 1 offensichtilich gemacht.
    Warum will der Typ seine Ex finden? Weiß er selbst nicht.
    Warum begegnen ihn diese „Menschen“… weiß man nicht genau, bis es dann dummdämlich aufgelöst wird.

    Pyramid Head ist für eine Sekunde bedrohlich, dann wird arg offensichtlich gezeigt, um wen es sich dabei handelt. Macht er Sinn für die Story? Nicht eine Sekunde lang.
    Einzig Positiv: Eine Metamorphose der Ex und ein – kurz gezeigtes – Sexmonster.

    Man weint am Ende still in sich rein, reagiert pampig und beleidgt, weil der Film / Plot so viel Potential hat und nichts davon mitgenommen wird. Das Ding kann man auf altes Hellraiser-Niveau bringen – verzichtet aus Lustlosigkeit(??) aber darauf.
    Das Schauspiel ist unterirdisch! Schlimm! Ganz schlimm!!
    Asylum Filme haben mehr Finesse und Liebe zum Detail ais dieser Rotz.

    Und das Schlimmste: Ich bin nicht mal Fanzocker der Spiele – einzig Teil 1 hatte ich mal in der Konsole.
    Man hörte vorab schon Schlimmes… aber hey, wenn David Hain einen Film schlecht findet, muss das ja nichts heißen.
    Hinterher weiß man: Man kann nicht laut genug vor diesem Film warnen.

    Geschenkt ist für die vergeudete Zeit noch zu teuer.

    2/10

    #257539
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    @derschweiger

    Hamnet [Sneak Preview]

    Die Scheinwerfer tauchen in die dunkle Landstraße und trotz der Aussicht auf die kargen und kalten Felder fühlt man sich beschwingt. Tänzelnd im Fahrtwind räkelen sich die Abgasse des Wagens in der frierend kalten Luft. Die Lichter der Stadt laden ein, grüßen freundlich und versprechen, dass nun wieder alles gut ist.
    Wochenlang in kleinere Säle gesteckt kam es dieses Mal zur Rückkehr in den Saal 6. Ein herzliches Hallo am Einlass, ein beinahe überschwengliches High-Five an der Snackbar. Wieder ein schöner Plausch mit den Kinofreunden vor dem Filmstart und eingepackte Schokolade, die mir während des Films angeboten wurde. Ob ich etwas davon haben möchte? Danke, nach den Nachos nehme ich gerne ein Stück, sagte ich dann.
    Doch die Hoffnung ist manchmal nur ein Blatt im Wind, und fliegt einen wilden Tanz hin und her. Mit etwas Pech, sieht man es niemals zu Boden fallen. Nach 20 Minuten verabschieden sich die Freunde – für so einen Quark hat man heute nichts übrig – und mit ihnen ging auch die versprochene Schokolade… Wäre es doch bloß das einzige Drama des Abends gewesen.

    England, irgendwann Ende des 15. Jahrhunderts. Ein junger Mann muss für die Schulden des Vater gerade stehen und gibt den Kindern des Gläubigers Unterricht. Öde, die sind so dumm! Er schaut aus dem Fenster, sieht eine Frau, rennt zu ihr und will alsbald ran an den Speck. Weil sie nichts Besseres zu tun hat (hätte sie zwar schon, aber man ist auch zu dieser Zeit Rebell) sagt sie „Ja“. Will ist spitz und müsste sie eigentlich heiraten, um so richtig ran zu kommen. Er erklärt ihr das Dilemma, denn die Eltern beider Liebenden würden dies nicht gutheißen.
    Zum Glück hat sie eine Idee und wird postwendend schwanger. Fall gelöst? Ja.
    Der Ehe folgen drei Kinder. Will, der gerne Geschichten schreibt, fühlt sich aber unglücklich. Um das nötige Geld für den Unterhalt zu verdienen, soll er handwerklich tätig werden. Igitt, so geht das nicht.
    Alkohol wird sein treuester Zuhörer, Agnes – seine Frau – fühlt seinen Schmerz. Und so schickt sie ihn nach London, wo er Geld erwirtschaften soll. Frei im Geiste, Geschichten erzählend, spielend – die Familie gelegentlich besuchend.

    Und während in London die Pest tobt, stirbt jemand zu Hause.
    Agnes tobt, wo war Will! Will ist untröstlich, geht zurück in die Stadt (die Trauer zahlt das Leben eben nicht), Agnes ist von Sinnen.
    Dann, nachdem sie ihre Ehe aufgegeben hat, erfährt sie von einem Schauspiel, dass Will geschrieben hat. Sicher eine dieser Komödien, für die sie keinen Sinn hat. Ihr Bruder überzeugt sie aber, sich das Stück anzuschauen…

    Über „Hamnet“ hatte ich schon das Eine oder Andere gehört und war gut 90 Minuten lang darüber überrascht, dass die Geschichte hinter Will beinahe geheim gehalten werden will. Zwar verrät er sich dem Zuschauer bereits in den ersten Minuten, das große „Oho“ erfährt der Zuschauer dann aber erst zum Ende hin.
    Das ist durchaus ok, die Story will ja im Grunde etwas anderen erzählen… dachte ich.

    Es gibt diese Filme, die von Sekunde eins an laut in den Saal brüllen, dass sie Kunst sind und unbedingt als Kunst betrachtet und bewertet werden wollen. Eine Frau im roten Kleid (sie trägt im Film nichts anderes) liegt im grünen Wald an einem alten Baum. Dort klafft ein tiefes Erdloch – dunkel und bedrohlich tönt die Filmmusik an diesem Ort.
    Etwas Schweres liegt in der Luft. Ist es die Bürde der Frau, die allerorts als „Tochter einer Waldhexe“ gerufen wird?
    Sie liebt die Natur, fühlt sich ihr verbunden und findet dort ihren Frieden.
    Will und die Familie „zwingen“ sie aber in ein Haus. Die tragende Kraft der Liebe erlischt und wird einzig durch die Kinder aufrecht gehalten. Wie einst ihre Mutter ihr alles über Kräuter und Düfte der Natur beibrachte, ist sie nun Lehrerin der Kinder.
    Jede Szene wird minutenlang ausgeschöpft. Bildgewaltig, dröhnende Musik im Hintergrund, und der Film schreit „Kunst!“.
    Erzählerisch hat „Hamnet“ nichts zu bieten. Geschaffen werden wohl drei oder vier Kernszenen, um die sich das Drehbuch kreist. Man verlässt sich darauf, dass sie in ihrer „Wahrhaftigkeit“ den Zuschauer über alle Längen des Films hinweg tragen lässt. Sie sind ein Schrei, ein Ausrufezeichen! „Seht – das wird noch wichtig!“.
    Und tatsächlich geschehen Dinge, die den Ton des Erzählten brechen. Führten die Bilder, die von unheilvollen Klängen begleitet wurden, nun in eine Geistergeschichte?
    Man möchte es uns erzählen und leider auch, welches Werk Will in London, umgarnt von Trauer, geschrieben hat.

    „Sein, oder Nichtsein“ weint er, an einer Klippe stehend. Dunkel liegt das Wasser der Themse vor ihm – ein Schritt, und es wäre getan. Drama, ruft es. Drama, spielt es. Drama, klingt es. Und doch sind diese Szenen seltsam verzerrt.
    Das Ding an der Kunst ist, dass sie gefallen will, auch wenn sie vorgibt, es nicht zu wollen.
    Kunst kann hässlich sein, den Betrachter verletzen oder verärgern. Und doch will sie gesehen werden.

    Dieser Film ist Kunst im wahrsten Sinne. Keine Erzählung, einzig ein Gefühl – dieses Gefühl, wenn man zahlreiche Emotionen in einen Topf schmeißt und sie vermengt.
    Und nun, wo wir das wissen, erkennen wir das Dilemma: Der große Knall am Ende ist das Ziel. Alles führt alleine hierhin – jedes Wort, jedes Lächeln und jede Träne zuvor sind nur abgegeben worden, um hier die Summe des Ganzen betrachten zu können.
    Was hier im Londoner Freilufttheater etwa 20-30 Minuten lang gezeigt wird, ist allergrößtes Kino! Bildgewaltig, schauspielerisch on Top. Die Inszenierung ist eine reine Wucht und zeigt die große Kraft der Kunst.
    Die Wunder, die eine Geschichte auslösen kann.
    Jessie Buckley verdient alleine für ihr Schauspiel inmitten der Menschenmenge einen Oscar! Joe Alwyn – eine kleine Nebenrolle im Film – spielt die, dem Schauspiel titelgebende Hauptfigur, als ginge es um sein Leben. Wer war doch gleich Will?… Paul Mescal?… ab hier könnt ihr ihn vergessen. Eine Nebenrolle wird zum Star, trägt ein Kunstwerke aus der Werkstatt ins Rampenlicht, begeistert die Menge und weiß zu bewegen.

    Hier gibt es auch das innigste (vielleicht weil einzige?) Zusammenkommen von Will und Agnes, obwohl sie sich auf einer jeweils anderen Seite der Erzählung wiederfinden. „Sieh mich an!“
    Die Statisten in dieser Szene fügen sich wie im Guss in die Szenerie ein. Agnes sticht farblich in ihrem roten Kleid hervor, die übrigen Menschen neben und hinter ihr durch Gefühl und Hingabe.
    Das Bühnenbild, das zuvor eher beiläufig in eine Szene eingebaut war, wird zu einem Portal für Agnes und die Kinogäste.
    Und wenn der Vorhang fällt, darf kein Auge trocken sein – so will es der Film und so arbeitet er hartnäckig darauf hin.

    Nehmen wir also diese 30 Minuten, dann sind wir irgendwo bei 10 oder 11/10. Kein bisschen weniger.
    Das große Drama hinter diesem Drama aber ist der Film in den 90 Minuten davor.
    Ziellos verlieren sich die (wirklich meist wunderschönen Bilder und Kameraeinstellungen) Abschnitte des Films. Dabei will man vorangegangenes Aufgreifen und es bedeutsam auf ein neues, künstlerisches Niveau heben.
    Die Sehnsucht nach der Natur und das Haus als Gefängnis – hier wächst großes Unglück.
    Leider auch in erzählerischer Weise. Timing und Tonalität sind ein wildes Durcheinander.

    Will, der große Dramaturk, der Welten mit seinen Worten schaffen kann, wird als Witzfigur eingeleitet. Agnes, die naturverbundene Schönheit als Flüchtige vor gesellschaftlichen Konventionen ist der berechnende Gegenpart. Liebe will gezeigt werden. Liebe soll durch den Wald und die Zimmer des Hauses wehen… wir glauben, es zu sehen – doch Bild, Ton und Regie möchten es nicht konkretisieren.

    Ich mag es im Grunde, wenn sich Dinge Zeit nehmen und nicht alles Offensichtliche ausgesprochen werden muss. Hier schlägt man aber einen merkwürdigen Weg ein, es darzustellen. Die Liebe wird zum Klamauk, das Drama grenzt stellenweise an Fremdscham, der Tod grüßt in seiner Optik die erste Staffel von Stranger Things.
    Man kann es natürlich mögen. Und natürlich mag ich „Hamnet“ wegen der prachvollen Bilder. Und doch zeigt er zu viel von dem, was nicht gezeigt werden braucht. Erzählerisch zu dünn für das, was hier hinter gehaltvollen Bildern versprochen wird.
    Und letztlich die Erkenntnis, dass alles zuvor nur einen einzigen Grund hatte: „Bitte weinen!“ Nicht subtil, nicht verspielt – mit Pauken und Trompeten. Dabei möchte man auch gerne vergessen, worum es im echten Stück des Künstlers geht, das hier aufgeführt wird.
    Retten wird sich der Film damit, indem man die Deutung des Stücks aus Agnes Sicht interpretieren lässt.
    Die Frau eines der größten Künstlers der Menscheit, so will uns die Geschichte erzählen, hat keinerlei Sinn für Erzählung vs. Wirklichkeit, Theater, Schauspiel und den gespiegelten Gefühlen, die hieraus hervorgehen.
    Dieser Aspekt rettet über gewaltige Schwächen in den beiden ersten Dritteln möglicherweise hinweg – kann sie aber nicht vertuschen.

    „Hamnet“ schreit Kunst und die Academy findet Gehör. Nominiert für 8 Oscars wird man sicher den einen oder anderen mitnehmen.
    Tatsächlich wäre ich arg verwundet, wenn Buckley keinen Preis hierfür erhalten würde…. aber bei den Oscars liege ich ja jedes Jahr gründlich daneben ;)

    Eigentlich 6/10, aber das Finale ist dann doch genau das, was ich mir vom Kino erhoffe.
    7/10, auch weil ein dünner Groschenroman selten so schön gezeichnet wurde.

    #257537
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    A house of dynamite [Netflix]

    Bei aller Sehnsucht nach den 80er (und inzwischen wohl auch 90er) Jahren und dem Suchen nach dem Wohlfühlgedanken aus der guten, alten Zeit, war es wohl auch nur eine Frage der Zeit, ehe man sich daran erinnerte, dass früher doch nicht immer alles Top war.
    Nun fühlt man sich politisch an die Wand gestellt – Der Russe, der Ami, der Chinese möglicherweise auch… ach, hätte Australien doch nicht so strenge Einreiseregularien…

    Aus irgendeinem U-Boot wird eine Atomrakete in Richtung der USA gestartet. Was sich anfangs wie eine Übung anfühlt, wird schnell ernst. Nun kann sich zeigen, wofür man ewig auf Zack bleiben musste, dicke Wälzer mit Grundlagen zur Handhabung beim atomaren Ernstfall wollen nun studiert werden. Wer tut was, und wer gibt welchen Befehl?
    Hektisch umkreist man die rettende Idee – wir fangen die Rakete mit eigenen Raketen ab. Bumm im Himmel, alles gut! Was bei großen Himmelskörpern im Grunde (fast) immer gelingt, sollte doch hier ebenfalls zum Wohlgefallen führen.
    Im Hintergrund entstehen die Fragen nach dem „Wer war es?“. Ein Telefonat mit dem Russen führt zum Ergebnis „Er sagt, er war es nicht.“ Gut, muss man so hinnehmen.

    Das Gute an dem Film ist gleichzeitig auch sein Problem. Der Vorgang wird dreimal wiedergespielt. Dreimal aus einer jeweils anderen Perspektive. Die Spannung flacht dabei beim zweiten Erstählstrang schon merklich ab, beim Dritten hilft dann auch bloß das starke Schauspiel. Wenn der Minister zum letzten Mal mit seiner (unwissenden) Tochter telefoniert ist das stark inszeniert.
    Dabei wollen aber nicht alle Episoden und Figuren so richtig greifen. Und damit schwächt sich auch der gefühlte emotionale Knall immer wieder ab.
    Das Szenario an sich ist erschreckend. Gut 80 Jahre nach der ersten Atombombe haben wir immer noch kein Mittel. Wenn sie einer abfeuert, scheint es eben so zu sein.

    Am Ende bekommen wir keine Auflösung. Schlägt das Ding tatsächlich ein? (Zuletzt hofft man immer noch auf einen Systemdefekt). Schäden, Folgen… bekommen wir nicht mit.
    Das ist sehr gut, denn hier wird es anderes erzählt.

    Am Ende fühlte es sich ein wenig an wie „Civil War“. Man ist Zuschauer, fühlt sich unwohl und hat keinerlei Figur zum Mitfiebern. Von Kritikern nicht gemocht (das hat man mit Civil War wohl ebenfalls gemeinsam) halte ich ihn für einen der besseren Filme, die uns auf Netflix präsentiert werden.
    Sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber gut genug, um gesehen werden zu wollen.

    6,5/10

    #257391
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    Die progressiven Nostalgiker [Sneak Preview]

    Da rollt man beim Buchen des Tickets schon genervt mit den Augen – wieder wird die Sneak in zwei kleine Säle gepresst. Nur mit etwas Platzglück sitzt man nicht wie die Sardine in der Dose. Dazu bei der Verlosung ein provokant gröhlender Zeitgenosse… ach, das wird sicher ein Traum!

    Die Familie Dupuis lebt die Bilderbuch Vorortromantik der späten 50er Jahre in Frankreich. Er arbeitet als Angestellter einer Bank und bewilligt Kredite – bzw. lehnt sie ab, wenn jemand mit obskuren Ideen kommt. [Möbel zum Selberzusammenbauen? IKEA? So was wird keine Zukunft haben!]
    Sein Chef betrachtet es mir Argwohn, der daraus resultierende Stress wird dann zu Hause aber urplötzlich nicht mehr abgefangen. Die Tochter ist Schwanger (Papa ist der eher dümmliche Nachbarsjunge) und Frau Dupuis hat plötzlich eine Waschmaschine!
    Raus mit dem Ding – doch dabei passiert es: Durch einen Stromschlag wachen Mutter und Vater am selben Ort, im selben Haus, in einer anderen Zeit auf.

    Es ist 2025 und beide müssen sich mit einigen Veränderungen arrangieren. Das löst Verwunderung bei der Nachbarschaft, der Arbeit und den eigenen Kindern aus… denn für sie ist es so, als wäre es nie anders gewesen.

    Zeitreise ist immer Gaga. Mal will man es philosophisch betrachten, gerne auch abenteuerlich, sozialkritisch oder schlicht komödiantisch.
    Man entscheidet sich, zum Glück, allein auf Letzteres. Dabei werden sowohl Vorzüge der „guten alten Zeit“ herausgearbeitet, als auch die positiven Errungenschaften des Heutzutage. Der Zuschauer ist eingeladen, sich mit einer der beiden Hauptfiguren zu identifizieren, denn als Vater Dupuis ganz offensichtlich seine Probleme mit den vielen Veränderungen hat, kann Mutter Dupuis nicht genug davon bekommen.

    Dabei entstehen zahlreiche, aberwitzige und wirklich komische Momente. Wenn Herrn Dupuis dann nachts der logische Schluss kommt, wie man wieder zurück in die Vergangenheit gelange, ist es so lustig wie zuckersüß.
    Aber auch Mutter Dupuis „erster“ Arbeitstag ist gespickt mit tollen Pointen.

    Beide haben eine zeitlang mit der Situation zu knappern, wissen aber auch, dass sie nicht auffallen dürfen (Klapse!) Die Momente, in denen sie wesentliche Veränderungen als auch Errungenschaften in Erfahrung bringen, sind besonders hervorzuheben.
    Und als man letztlich einen mutmaßlichen Weg zurück ins alte Heim gefunden zu haben glaubt, schlägt das Schicksal seine Kaprioelen und bringt mindestens eine Person zum Umdenken.

    Beginnend als klassische, französische Komödie, die mit heiteren Tonfall daherkommt und sich auch vor derben Scherzen nicht scheut, bekommt hier eine tragische wie nachdenklich stimmende Note.
    War früher alles besser? Alte Menschen könnten ja darauf schwören (ich zugegeben manchmal auch).
    Aber dabei ist doch heute alles besser, oder?… Eben alles eine Frage der Perspektive.

    Didier Bourdon als Vater macht hier richtig Spaß. Klar, er ist ja erprobt in komödiantischen Stoffen.
    Elsa Zylberstein als Mutter ist sensationel. Der Hingucker in jeder Szene. Situationskomik, banale Lacher, tiefgründiger Wortwitz… all das gelingt ihr mit Leichtigkeit und lässt ihre Figur als zentrales Thema des Films dastehen.

    Der Film wird keine Preise gewinnen, das ist ok. Aber hinsichtlich sehr sehr vieler schlechter Komödien (Meine Güte, wenn ich da an diesem „Hochzeit auf der Insel und Schurken wollen da einbrechen aber die FBI Undercover Trauzeugin kloppt die alle mit ach so witzigen Sprüchen nieder“-Film vom letzten Jahr denke…) ist das hier pures Gold!
    Wer sich dem französischem Humor zugewandt fühlt, sollte hier mehr als einen Blick riskieren. Das wird euch sehr gefallen.
    Wer aber lieber tiefsinnig lacht (Lächle mal mit deinen Brustwarzen!), der wird hier empört die Nase rümpfen.

    8/10 weil oftmals richtig witzig. Dazu richtiger Film zur richtigen Zeit, bombastische Hauptdarstellerin, schöne Ideen und wer krtisch hinterfragt, wird auch nach diesem Film eine philosophische Diskussion eröffnen können.
    Toll!

    #257389
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    Stranger Things (Netflix)

    […}

    8von10 Spinnenbeine

    Ich äußere mich mal mit Null Ahnung, weil ich schon bei Season 3 keine Lust mehr auf die Serie hatte. Für mich ab da leider zu viele erzählerische Schwächen, die ein teils gut gelaunter Cast nicht wettmachen konnte.
    Weil Du es hier aber ansprichst, und was mich über die vielen Besprechungen der finalen Season (und insbesondere der letzten Folge) überrascht hat: Was die Duffer Brüder in vielen Punkten zu Fragen hinsichtlich Story, Figuren etc. auftischen ist wirklich abenteuerlich. Da fragt man sich, ob sie überhaupt Interesse oder einen Überblick über ihre eigens geschaffene Welt haben…
    Einerseits erfrischen, so etwas heutzutage noch zu erleben, andererseits könnte es für Fans der Serie auch sehr enttäuschend sein, wenn die Schöpfer eher achselzuckend über Plots der Serie sprechen. „Warum hat sich x nicht auf den Kampf vorbereitet?“ Duffer: „Vielleicht hat x nicht damit gerechnet, dass jemand kommt….“ uiuiui :D

    Weil Dir die vorherigen Staffeln sehr gut gefallen haben, macht man es eben wie bei anderen Serien – die letzte Staffel gibt es dann eben nicht ;) (bzw. Es gibt nur 3 Indiana Jones Filme :D)

    #257322
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    Rental Family [Sneak Preview]

    Andere Länder, andere Sitten. Hier kommt die Kuh auf den Grill, woanders streift sie als Heiligtum durch die Gassen. Man könnte es sich einfach machen und die Dinge dann so zu akzeptieren, wie sie sind – oder man mischt sich schlicht ein. Das gibt es schon seit Jahr und Tag, manchal offensiv, manchmal schleichend.
    Wie aber kann da ein trauriger Amerikaner helfen?

    Phillip hat es nicht leicht. Seine Schauspiel- und Werbekarriere in Japan hat ein Ende gefunden. Unglücklich und vereinsamt zieht von einem Casting zum Anderen – alles ohne Erfolg.
    Dann aber bekommt er die Chance, als trauriger Amerikaner zu brillieren. Einsatzort: Eine Beerdigung.
    Dieses Engagement vermasselt er, bekommt in Folge aber weitere Chancen, sich zu beweisen.
    Denn eine örtliche Vermittlerfirma bietet den Menschen Tokyos allerhand Dienstleistungen an: Eine Frau möchte das Land verlassen, will ihre Familie aber nicht entehren, indem sie es „alleine“ macht. Kurzerhand kommt es zur fingierten Hochzeit mit Phillip. Frau glücklich, unwissende Eltern glücklich, Phillip traurig.

    Die Lage scheint sich nicht zu verbessern, als er obendrauf das Angebot bekommt, einen alternden Schauspieler als Filmjournalist zu interviewen. Seine Tochter möchte nicht, dass der Vater das Gefühl habe, vergessen zu sein.
    Etwas kniffeliger dann die Rolle als Vater. Eine alleinerziehende Mutter möchte ihre Tochter an einer Eliteschule anmelden. Der Haken: Für Alleinerziehende kein Einlass. Also wird ein Vater gebucht – und damit die Tochter sich nicht verplappert, wird ihr vorgegaugelt, Phillip sei ihr tatsächlicher Vater.

    Dass es nicht alleine ein Job bleibt, ist völlig offensichtlich.
    Und hier kommen wir in ein künstlerisches Dilemma.
    Die Story an sich, die Figuren, Begebenheiten, das Setting und vor allem Brendan Fraser funktionieren bis zum letzten Drittel des Films wunderbar. Geht man den Film anfänglich mit etwas Humor an, stellt man plötzlich fest, wie traurig das alles eigentlich ist.
    Traurige Menschen benötigen Hilfe von traurigen Menschen, die ihnen etwas Glück, Respekt, oder andere Emotionen „schenken“.

    Wenn Phillip bei der Prostituierten seiner Wahl liegt und sie ihm offenbart, dass er durch sein Engagement den Menschen näher komme als sie in ihren Diensten, ist das schon ein starkes Stück.
    Und diesen Ton trifft man sehr häufig.
    Das ist wunderbar, schmerzhaft, trostlos und stellenweise in sehr schöne Bilder gepackt (insbesondere der spätere Ausflug Phillips mit einem seiner „Klienten“ ist prächtig anzuschauen).

    Werden die Dinge überzeichnet? Schwer zu sagen, wenn man nicht selbst dort lebt, aber mit meiner Tochter habe ich z.B. einen Bericht darüber gesehen, wie Männer eine „Freundin“ buchen, um gemeinsam Eis essen zu gehen. Abendkurse über den Dialog mit Frauen („Schau sie an, wenn sie spricht.“ „Reagiere mit einem Lachen, wenn sie etwas witziges sagt“…). Einsame Menschen buchen Dienstleister, um für eine halbe Stunde in den Arm genommen zu werden. Menschen buchen Angebote, wo man ihnen das Weinen beibringt, andere lassen sich VR-Programme gestalten, in denen sie mit der KI Variante ihres verstorbenen Kindes zusammenkommen können.
    Das klingt allerhand, scheint aber kulturell gefestigt zu sein.

    Eine möglichst nüchterne Betrachtung der Szenerie wäre (meiner Meinung nach) das klar bessere Statement gewesen. So wird zum Ende arg westlich auf die Umstände geschaut und, mit locker aus der Hüfte geschossenen Lösungen, das Leben der Menschen bereichert.
    Ja, wenn es dann so einfach wäre….

    An diesem Punkt verliert mich der Film leider völlig. Das kurieren einer „kranken“ Gesellschaft mit Kalendersprüchen ist nicht das, was dieser Film verdient hätte.
    Dass durch das „Geschenk“ von Würde, Aufmerksamkeit etc. auch der unwissend „Beschenkte“ möglicherweise geschädigt wird, sollte eine Beobachtung sein. Und wenn man denn mit der westlichen Keule kommen möchte, erlaubt doch bitte einen Dialog mit der fernöstlichen Kultur. Sind wir gesellschaftlich so viel reicher?

    Gepaart mit den teils wunderbaren Szenen hätte ein unaufgeregter, aber „ehrlicher“ Ausgang der Geschichte hart treffen und lange in Erinnerung bleiben können.
    Alles was am Ende bleibt, ist dann ein Culture-Clash „Ziemlich beste Freunde“ und „Plötzlich Papa“ Anstrich.
    Wer es am Ende Happy mag, der wird sich freuen.
    Mich hat es leider verärgert.

    Dennoch, für lange Zeit sehr einprägsame Bilder und Momente: 7/10

    #257320
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    28 years later [Netflix]

    Ganze 28 Jahre ist zwar nicht her, dass der Wutvirus über England hinwegzog, aber lange genug, um genüsslich in Nostalgie zu schwelgen.
    „28 days“ mochte ich damals sehr, „28 weeks“ ließ für mich einiges vermissen, obwohl der Einstieg in den Film saustark war.
    „28 years“ hätte ich persönlich nicht gebraucht, als er bei den meisten Zuschauern aber sehr gut ankam, war ich doch verhalten neugierig.

    Europa hat das Wutvirus also besiegt, die Briten bleiben mit dem Zeugs exklusiv auf ihrer Insel zurück. Kein Mensch kommt hin, kein Mensch verlässt sie. Irgendwie spannend, aber für mich nicht völlig stimmig. Sei´s drum, es bildet nun also die Prämisse für eine Deindustralisierung einer Gesellschaft. Man geht mit Pfeil auf Bogen auf Jagd, natürliche Ressourcen sind rar, man lebt in Kommunen, in denen jedem alles gehört.
    Dazu ein stark maskulines Gehabe: Um den Sprung vom Jugendlichen zum Erwachsenen zu schaffen, muss man einen Virusträger getötet haben.
    Ein Vater kann nicht warten, und nimmt seinen erst zwölfjährigen Sohn mit vor die schützenden Tore der Gemeinschaft.
    Möglicherweise wird hier nicht alles nach Plan laufen…

    Den – im Grunde nichts verratenden – Teaser mit dieser Radionachricht fand ich stark. Im Film verpufft die hiermit umgesetzte Sequenz leider beinahe völlig. Auch das viel gelobte Teletubie-Intro schafft keinen so intensiven Sprung in die Geschichte, wie es sein Vorgänger geschafft hat. In Erinnerung bleibt das eine Mädchen, dass hier schauspielerisch das Highlight des Films bringt (ich hoffe, dass sie nicht in tatsächlicher Angst dort saß).
    Alles andere, aber insbesondere die zentrale Frage, ob eine Koexistenz von Mensch und Virusträger möglich sei, liest sich spannender, als es umgesetzt wird.
    Starke Momente werden postwendend mit Quatsch gekontert. Flucht ins alte Haus = stark, das Erlegen der verfolgenden „Zombies“ hinterlässt dann schon ein Geschmäckle und wie es der Zufall so will, stürzt dann Stunden später der Dachboden ein, in dem sich beide versteckt halten.

    Die üblichen Zombie-Krankheiten werden auch hier genüsslich durchgeführt. Die Viecher kommen nur dann in Scharen, wenn man es in Punkto Spannung benötigt. „Sei leise!“ heißt es zu Beginn, später laufen dann sämtliche Personen, teils lautstark, in ständiger Konversation miteinander rum.
    Sicher nur Kleinigkeiten, aber mich stören sie leider.

    Insgesamt ist es hier spannender, die kritischen Bezüge zur britischen und europäischen Politik zu suchen. Die hier gewählte Tonalität muss man dann auch mögen, um es richtig gut zu finden.
    Stark das Beenden eines Erzählstrangs zum Ende, nur schade, dass zuvor wenig bis keine Bindung zu den Figuren aufgebaut werden konnte. Das war rücklickend auch eine der Schwächen der Vorgänger, also im Grunde keine böse Überraschung.

    Wieviele Iphones beim Filmen genutzt wurden, interessiert mich eher am Rande. Ähnlich wie bei diesem IPhone Film in der Irrenanstalt zählt für mich dann doch mehr der Inhalt.
    Wer an der Optik der Kills seine Freude hat, dem sei sie gegönnt. Ich finde sich nicht potthässlich, aber sie faszinieren mich in keiner Sekunde (ja, Technikbanause ;) ).

    Schauspielerisch solide, teils sehr schöne Bilder (davon hätte ich mir tatsächlich mehr erhofft), gute Schicksalsbildung – aber leider auch etwas Ballast, der hier nicht reingehört hätte.
    Gut, es folgen zwei Fortsetzungen und am Ende wird man sagen: „Da guck! Deswegen war 28 years doch wichtig!“. Zu bewerten ist er jetzt aber alleinstehend.

    Nicht der anfangs befürchtete Totalausfall, aber leider auch nicht so stark, wie ich es hätte hoffen können.

    6/10

    #257238
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    Dust Bunny [Sneak Preview]

    Einen Tag vor Silvester knallte es schon an vielen Ecken. Man verabschiedete sich von den lieben Kinomitarbeitern aus 2025, die Snacks dufteten nach den Völlerein zu Weihnachten nicht schlechter als zuvor und doch zieht man eine Schnute, weil Avatar weiterhin Saal 6 blockiert und die Sneak in zwei kleineren Sälen läuft. Irgendwas ist immer, aber die Hoffnung auf den großen Knall zum Jahresende blieb aufrecht.

    Aurora hat ein Problem: Durch das nächtlich geöffnete Fenster ihres Kinderzimmer wird ein Staubkneuel hereingeblasen. Und wie das so ist, vermengt es sich mit anderem Staub und wächst und wächst.
    Gut, sicher wird am nächsten Tag gesaugt… Doch anstatt in Wohlgefallen, verwandelt sich der Staub in einen Staubhasen. Noch klein, aber gefährlich und bissig.
    Bis er eines Nachts Auroras Pflegeeltern frisst.

    Aurora selbst sucht nun Hilfe bei ihrem Nachbarn, den sie zuvor dabei beobachten konnte, wie er einen Drachen tötete. Dieser entpuppt sich aber nicht als Drachentöter und wie es scheint, sind Auroras Pflegeeltern auch eher irrtümlich gestorben.
    Nun möchte er die Panne nicht weiter eskalieren lassen, seine Auftraggeberin aber hält nicht viel von diesem Plan…

    Mehr sollte man auf keinen Fall wissen – wobei ich zugegeben auch gar nicht weiß, was und in welcher Form der Trailer den Inhalt wiedergibt.
    Das Gute vorweg: Dust Bunny ist sehr schön gefilmt. Spannende Szenenbilder, das Vermengen von Fantasie und Realität, gewählte Perspektiven, Farbton und -Sättigung sind hochklassig.
    Erinnerte mich irgendwie (im Einklang mit der großartigen Filmmusik) an „Die Fabelhafte Welt der Amelie“. Spielerisch heiter und entzückend sind auch die ersten Minuten des Films – auch wenn es zwei Opfer zu beklagen gibt.
    Sophie Sloan als Aurora ist hier und im gesamten Film der Scenestealer. Die Regie leistet hier großartige Arbeit, um das kleine Mädchen (im Film wohl acht Jahre alt) in Szene zu setzen. Wie alt Sophie tatsächlich ist, will im Internet wohl niemand wissen. Vielleicht ist sie ja die „echte“ Orphan? ;)

    Mads Mikkelsen zeigt sich nach seiner Rolle in „Therapie für Wikinger“ wieder zurückhaltend, kauzig und pointiert.
    Das Gespann mmacht in gemeinsamen Szenen richtig Spaß.
    Sigourney Weaver als Killermutti passt ebenso großartig in das Ensemble. Lange habe ich sie nicht mehr so gerne auf der Leinwand gesehen.

    Der übrige Cast fügt sich in die schrullig schräge Story ein, nehmen sie und ihre Rollen ernst und erreichen damit, dass der Film kein plumper Klamauk wie mordende Weihnachtsmänner u.ä. wird, auch wenn die Story mehr als 100 Anlässe liefern würde, einen Gaga-Gugu Film zu präsentieren.

    Einzig der Höhepunkt zum Ende fällt hier aus dem Rahmen – oder auch nicht, je nach Lesart.
    Zwar bietet er Raum für Lacher, den ich in einigen Momenten auch nutzen konnte, endet aber arg merkwürdig (wenngleich konsequent).

    Zum Anschauen, sich unterhalten lassen, zum Schmunzeln und Auflachen, zum fallen lassen und tolle Bilder Bilder genießen zu können. Zwei Hauptdarsteller und eine Nebendarstellerin in Topform. Und dabei inhaltlich keinen Grund zum frohlocken ;)
    Leider wenig Substanz und wer minutenlange Szenen meidet, die vermeintlich auf der Stelle stehen bleiben, wird nicht viel Gefallen finden können.

    7,5/10 – weil trotz aller außergewöhnlicher Augenfreuden doch etwas Griffiges fehlt.

    #256794
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    Song sung blue [Sneak Preview]

    Weihnachten steht vor der Tür, vieles blinkt und leuchtet. Gelegentlich hört man noch irgendwo in der Kitagruppe oder im Büro besinnliche Traditionsmusik und Avatar macht sich im Kino breit.
    So auch bei uns, was dazu führt, dass die Sneak nicht im großen Saal gezeigt wurde, sondern auf zwei kleine Leinwände aufgeteilt werden musste.
    In sämtlichen Fällen, in denen diese Strategie griff, war das Ergebnis mau. Muss ja nichts heißen, oder?

    Irgendwann, Anfang der 90er, kämpft sich Mike irgendwie durchs Leben. Ehe kaputt, Tochter bleibt (eigentlich) bei der Mutter, und beim Legenden-Imitations-Singen soll er plötzlich Don Ho verkörpern. Das missfällt ihm sehr, schließlich ist er „Lightning“, verkannter Star der lokalen Bühnen – seinem Ido Neil Diamond nacheifernd.
    Bei einem verpatzten Auftritt trifft er auf Claire. Sie tritt als Countrysängerin auf (die Künstlerin kenne ich nicht… ), bedauert dabei aber ihre „geringe“ Oberweite – sonst hätte sie als Dolly auf die Bühne gehen können.
    Beide gefallen sich, und weil sie auch geschieden ist (ihre Kinder leben allerdings bei ihr), kommen die Dinge, wie sie kommen müssen.

    Weil beim ersten Date schön miteinandergesungen wird, gründen sie eine Neil Diamond Coverband. Wow, ist ja irre!
    Und dann sehen wir eben jedes beliebige Musiker-Biopic: „Armer Mensch, oder schlicht verkannt und/oder gemobbt, Leidenschaft zur Musik, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, Aufstieg, Drogen/Suff/Beziehungsdilemma, Abstieg und dann wie Phoenix aus der Asche und alle Klatschen und Johlen und man wusste ja immer, JEDER kann zum Superstar werden, wenn er denn nur… ach, ihr kennt es doch auch.“

    Überraschungen? Ja, zwei: Hugh Jackman spielt den eher unfreiwillig komischen und im Grunde mit Fremdscham zu betrachtenden Mike großartig. Kate Hudson als Claire spielt ihn und die Story insgesamt völlig an die Wand! Eingeführt als die hübsche Blonde an der Seite der Witzfigur, entwickelt sie für ihre Figur Herz, Tiefe, Charakter, Schmerz, Sehnsucht und innere Flucht jederzeit spürbar und glaubhaft. Man sieht im Grunde keine Schauspielerin, sondern die Figur.
    Einiges davon gelingt Jackman auch, allerdings ist seine Rolle eher weniger Tief gezeichnet (auch wenn sämtliche „Der Kerl hat es nicht leicht“ Klischees über ihn ausgeschüttet werden). Oftmals dient er bloß als Comic-relief, etwa wenn Claire mit dem Leben kämpft und er ihre Tochter ins Nebenzimmer nimmt „Ich bekomme gleich einen Herzinfarkt – du musst dann den Defibrillator nehmen!“ (Weil kein Geld für den Doktor)… und dann fällt er um und Hahaha muss die Tochter ran.

    Das ist in Summe ärgerlich, denn von den Menschen um ihn herum hören wir, welche inneren Kämpfe er zu bewältigen hat, wie er mit der notorischen Arbeitslosigkeit umgehen und dem Geldmangel trotzen muss um sich und seine neue Famile über Wasser halten zu können. Dabei muss er zeitweise sogar seine Liebe zur Musik hergeben…
    Man bekommt hiervon allerdings wenig zu sehen.
    Der zeitliche Rahmen ist ohnehin nicht greifbar. Gefühlt wird einmal gemeinsam gesungen, der erste Gig geht in die Hose, es wird schwuppdiwupp geheiratet und dann und dann und dann… will heißen, dass Umfeld der Menschen hier wird nicht gezeigt, das Klima bleibt dadurch auf Dauer steril.

    Die Schauwerte des Films ohnehin sind auch eher durchschnittlich zu bewerten (was ja immerhin nicht schlecht ist). Bild, Dramaturgie, Regie und Dialoge wirken zuweilen wie einer dieser US TV-Filme. Kann man gucken, aber warum teuer im Kino?

    Anders allerdings, wenn man großer Neil Diamond Fan ist und alle fünf Minuten einen Song von ihm voll ausgespielt hören möchte. Das ist dann allerspätestens der Punkt, wo ein Musiker Biopic greifen kann, oder eben nicht.
    Ich oute mich: Neil Diamond ist mir völlig egal. „Caroline“ hört man ja immer wieder in Kneipenszenen, wenn sich fremde Menschen glücklich weinend in den Armen liegen, alles andere habe ich dann ertragen, weil die Cola Zero noch nicht leer getrunken war ;)
    Nein, kein Bashing! Wer die Musik mag, wird sicher Freude haben – auch wenn wir weiterhin im Hinterkopf haben, dass wir nicht(!) Neil Diamond sehen, sondern jemanden, der sich mit dessen Musik rühmen kann/will.

    Der Film erklärt es dann in etwa so: Wenn man kein Ticket für Neil Diamond bekommt, dann geht man eben zum Nächstbesten Imitator. Scheint tatsächlich so zu sein, denn in unserer Umgebung treten in den kommenden Wochen ein halbes Dutzend „große Coverbands“ auf. Verstehe ich nicht völlig, aber das ist dann ja in Summe auch mein persönliches „Problem“.

    Insofern mag der Film auf Filmstarts satte 4/5 (also 8/10) erhalten… weil mir der Film weder inhaltlich noch musikalisch irgendetwas geben kann und ich im Grunde „nur“ wegen des starken Hauptcasts in Filmnähe bleiben konnte, schaue ich erstaunt auf diese Wertung.

    Tja, und so kommt kein weiteres Musiker Biopic in die Reihe derer, die ich gerne in Erinnerung halte (Amadeus, The Doors, Walk the line). Andere sind sicher auch gut, halten mich aber aufgrund der Musik eher deutlich auf Distanz.

    Mit einem kleinen Weihnachtsbonus und bunt blinkender Lichterkette drumerhum (Oh, und wegen Kate Hudson 1 Punkt mehr!!): 5,5/10

    Allen hier Frohe Weihnachten und schöne Feiertage. Genießt die Zeit mit euren Liebsten!

    #256716
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    @thanassi

    Bei „deadly night“ lasse ich nicht mit mir reden ;) Ne, Spaß beiseite: Wir haben ihn zu dritt geschaut, und anders kann der (für mich) nicht funktionieren. Ich tue mich schwer damit, darüber zu lachen zu sollen, wenn Menschen „witzig“ getötet werden. Deswegen muss zumindest Story oder Schauspiel passen, um auf ein „OK“ Niveau mit 5/10 zu kommen. Bietet der Film beides nicht – schlechter gibt es natürlich trotzdem :)

    Ja, beim Wikinger tut mir meine Wertung im Grunde selbst weh. Die von Dir genannten Punkte führe ich auch deutlich im Plus, der Cast ist richtig stark (auch „Holocaust Ben“ hat mir viel Spaß gemacht). Schön, dass Du das Intro und Abschluss erwähnst, der ist tatsächlich gut (eine böse, gesellschaftliche Spitze).
    Leider ist die Story an sich unmöglich. Es hilft eindeutig, dass die Schauspieler top motiviert sind und über die groben Schwächen hinwegspielen (wenn die nicht vielleicht sogar „geplant“ waren – man kann den Schreibern ja nicht in den Kopf gucken). Die 9 für Dich freuen mich und kann ich tatsächlich nachvollziehen. Ich komme von 8 als ersten Impuls und ordne das durch die wirklich krassen Plotholes ein wenig anders ein (die haben mich tatsächlich kurz gestört), andererseits dann aber eine geklaute Discokugel im Hotelzimmer….

    Ach, es ist Weihnachten, da kann mal auch was gönnen ;) 7/10

    Danke für die Diskussionseinladung, ich finde es immer spannend, wie andere einen Film empfinden.

    #256707
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    Ein Sneak-Doppelpack, weil ein Film davon zu vernachlässigen ist.
    Manchmal kommt man aus dem Kino und hängt dem Film noch nach. Stimmungen und Bilder, Soundtrack, gefühltes Schauspiel und/oder eine gute Geschichte nimmt man gerne mit nach Hause und erzählt mit Freude darüber.
    Dann kommen natürlich noch die Dummblöden Filme dazu, die nur um ein Gimmick herum gestrickt wurden, schlechtes/lustloses „Schauspiel“ zeigen oder schlicht kein Gefühl für das Gesehene transportieren können. Ausgenommen aus diesem Katalog natürlich die von vornherein niveauflexiblen „Hau drauf und lach mal drüber“ Filme (auch wenn ich die deswegen nicht automatisch mögen kann).

    „Silent night, deadly night“

    Machen wir es kurz: Ein Remake eines alten Slashers, der auf dem Index stand (stimmt das so? Könnte zwar recherchieren…) Story ist völlig Banane. Junge sieht, wie ein verkleideter Weihnachtsmann seine Eltern tötet. Der nun selbst sterbende Kinderschreck reicht dem Jungen die Hand und siehe da; es weckt in ihm die Lust am Töten.
    Als junger Mann stampft er dann, von sich und seinem Dämon geplagt, durch das Land und muss im Dezember täglich jemanden töten, um dadurch einen blutigen Adventskalender zu füllen. Tut er es nicht, stirbt jemand. Ach was, sag!

    Zwar will man den Typ irgendwie sympathisch zeichnen (eigentlich unmöglich, bei dieser gespielten Unlust – oder Unvermögen??) indem er böse Menschen tötet. Und wer ist böser als eine nymphomanische Nazifrau? (Tatsächlich die einzige Szene, die schön anzusehen war).
    Dumme Story, saudummes Drehbuch, lausiges Schauspiel, und eigentlich nur da, damit jemand sagen kann „Ich kenn das Original.“ Hat bei „Toxiv Avenber“ schon nicht funktioniert, der hier ist selbst auf Humorebene noch niedrigschwelliger.
    Immerhin die Kills sehen meist gut aus… wäre mit ernsthafter Note und glaubhaftem Acting sicher ein OK-Film gewesen.

    3/10

    „Therapie für Wikinger“

    Zunächst fällt auf, dass der deutsche Markt mal wieder eine Top Idee für einen dämlichen Titel bringen konnte. Aus „Der letzte Wikinger“ im Original zaubert man eben etwas sinnfreies… passt schon.
    Sinnfrei ist hier, und das muss ich trotz aller Sympathien für Cast, Regisseur und gezeigter Stingens, leider auch die Handlung.

    Ein Überfall geht schief und Anker wird geschnappt. 15 Jahre später kommt er wieder auf freien Fuß und schwups soll ihm sein Bruder Manfred verraten, wo dieser das geraubte Geld vergraben hat. Manfred entpuppt sich dann als Person mit gespaltener Persönlichkeit. Er heißt nun John – nennt man ihn Manfred, will er sterben.
    Es kommt, wie es kommen muss: Manfred kommt in die Psychiatrie. Doch das Geld will Anker trotzdem haben – schwups wird er rausgeholt und um aus John (Lennon) wieder Manfred zu machen, soll eine Band aus dissosiativen Persönlichkeiten als Therapie gelten.
    Leider hat der freundliche Flemming Geldnot und möchte Ankers Geld haben. Er bedauert zwar, hier Nachdruck ausüben zu müssen, aber was muss, das muss.

    Dazu kommen noch Margarehte und Werner, die der schrulligen Band ein zu Hause geben.
    Achtung: Kein Spoiler – niemand in diesem Film tickt noch richtig!
    Das ist in der ersten Hälfte des Films schrullig und aberwitzig. Selbst Faustschläge ins Gesicht können belacht werden. Die Idee zur Bandgründung ist absurd und genauso aberwitzig wird dann das erste Zusammentreffen.
    Zur zweiten Hälfte ändert sich der Ton, der freundliche Flemming bekommt etwas mehr Zeit für seinen Schabernack und das Lachen bleibt im Hals stecken.
    Wo andere Filme mit der vorangegangenen Tonalität immer ein Schlupfloch für seine Charaktäre findet, bleibt hier die Tür zu. Der Hammer trifft, die Zange schnappt, die Schläge erwirken Blut.
    Darin dann eine eher unglückliche Entscheidung von Flashbacks, welche hier aber auch schmerzhaft sitzen.
    Aufgelöst mit einer sehr bittersüßen Note.

    Im Grunde sind viele Elemente des zuvor genannten „Deadly night“ im Topf verrührt. Wie bekommt man einfach so vier Insassen einer Psychiatrie raus und fährt munter mit dem Auto davon? OK, gab es in skandinavischen Filmen schon mal – irgendwie muss man das wohl so hinnehmen. Genauso wie der eine oder andere Moment an die Stirn fassen lässt.
    Und doch wirkt das Ganze. Weil man Anker glaubt, was man sieht. Weil man Manfred als todtraurige Figur erkennt, weil Margarethe eine Wucht ist. Dass die Tonalität des Films mehrfach gebrochen wird, ist teilweise erschütternd. Dafür bin ich dann auch empfänglich, und hier sehe ich über die augenscheinlichen Schwächen gerne hinweg.
    Auch, weil das Auge mit teils schönen Szenen umgarnt wird.

    Kurios: Nach Ende war ich noch emotional gefangen und hätte ihn in Richtung Bestnote gesetzt. Tja, und damit hätte er sie auch verdient ;) Ebenfalls spannend: Bei Filmen mit ähnlicher Mägnelliste bleibt selten ein Stein auf dem anderen stehen.
    Dem will ich natürlich Tribut zollen und trotzdem mag ich den Film. Mutig, weitestgehend konsequent und ein Happy End mit tiefen Narben.

    6,5/10
    7/10

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