DerSchweiger

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    Alles eine Frage der Zeit

    Es ist Valentinstag und obwohl meine Frau und ich dies von Beginn an immer ignoriert haben, kann man ja doch ein klein wenig extra Zuneigung zeigen und dem Partner eine Freude machen. (aber nicht nur am 14.2. :-D)
    Nunja, nachdem es Schweinefilet mit Champignons und Fritten gab, was mir überraschenderweise ziemlich gut gelang, wollte ich dann heute auch noch eine Schnulze anwerfen. Die Idee kam gut an. „Wie ein einziger Tag“ sollte es werden, war aber in der Sammlung plötzlich nicht zu finden. Alternative war dann der o.g. Streifen.

    Die Story ist easy. Alle Männer in der Familie von Tim haben die Gabe zu bestimmten Momenten ihres Lebens, an die sie sich erinnern, in der Zeit zurück zu reisen. Mit dieser klitzekleinen Hilfe gewinnt Tim das Herz seiner Traumfrau Mary. Das soll an Inhalt reichen.

    Was wir geliefert bekamen war ein Film, ähnlich dem Butterfly Effect, weniger dramatisch, dafür mit sehr viel Herz und absolut sympathischen Darstellern. Bill Nighy habe ich schon immer gefeiert, aber auch Domhnall Gleeson liefert total ab (eigentlich wie immer). Und er harmoniert perfekt mit Rachel MacAdams, die ich zugegebenermaßen eigentlich gar nicht so gern mag.
    Es war für mich einer dieser Filme, die man anschaltet und die einen ab der ersten Minute gekriegt haben. Der Großteil des Films war trotz seiner abstrakten Story ein absolutes Feel-Good-Movie, dass am Ende aber auch mir mal wieder zeigen konnte, dass es manchmal nicht einfach ist, die Tränen komplett zurück zu halten. Zuletzt bei „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ so gefühlt :)<noscript>:)</noscript>

    Was für mich bei Filmen solcher Art, rund um Beziehungskisten, wichtig ist, ist das die Dramaturgie nicht so dahergekünzelt entsteht. Wegen eines dämlichen Missverständnisses, einer alten Lüge oder einfach weil da nun was Blödes passieren muss, damit man diesen Bereich einfach mit abdeckt und „Abwechselung“ hat. Hier super gelungen!

    Toll ist auch die Botschaft, die der Film vermittelt. Die 7,8 Pkt bei imdb sind für mein Empfinden absolut gerechtfertigt.

    Gibt von uns satte 9/10 schöne Filme zum Dahinschwelgen, die man nicht unbedingt auf der Liste hat

    Da hast Du einen schönen Film gewählt. Habe ihn voriges Jahr gesehen und stimme in nahezu allen Punkten überein. Allerdings kratzt er bei mir nicht ganz so an der Bestnote, aber 8/10 hat er locker inne :)

    #134854
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    @derschweiger

    Three Billboards outside Ebbing, Missouri

    Unweit ihres Zuhause wird Angela Hayes vergewaltigt, ermordet und verbrannt. (nicht zwingend in dieser Reihenfolge).
    Sieben Monate später ist vom Täter noch immer keine Spur in Sicht und Angela Hayes, Mutter der Ermordeten, hegt den Verdacht, dass die örtliche Polizei sich lieber Bagatellen und dem Verhaften von skateboardfahrenden Schwarzen widmet, als ihrer dringsten Arbeit nachzukommen.
    Drum lässt sie die drei Billboards, an denen Angela ermordet wurde, mit provokativen Fragen plakatieren.
    Dies trifft jedoch weder bei der Polizei, noch bei den Einwohnern des kleinen Städtchens auf Verständnis.

    Der Trailer verspricht ein ernstes Thema, das durch schwarzen Humor aufgeheitert wird. Während dieser zwei Minuten gibt es Lacher und das Gefühl, einen Film vorgestellt zu bekommen, den man sehen muss.
    Tatsächlich ist „Three Billboards…“ tief traurig, ernsthaft und (leider) fernab jeder Hoffnung. Was im Trailer erheiternd wirkt, ist im Verlaufe des Films beinahe erschütternd.
    „Gewalt bedingt nur noch mehr Gewalt“ heißt es im Film und ist im Grunde Tenor der beinahe zwei Stunden, in der Mildred Hayes das Leben vieler Menschen nicht zwingend zum Guten beeinflusst.

    Durch die Hintergründe versteht man das Dilemma um Mildred in jeder Sekunde – man neigt dazu, mit ihr zu eifern und sie in ihrem Tun zu bestärken, wohl wissend, dass sie einen Fehler an den anderen reiht.
    Nachdem ich letzte Woche „The shape of water“ als ebenfalls Oscarnominierten Film schauen durfte, fällt bei „Three Billboards“ äußerst positiv auf, dass es zwar gefühlt eine Wand zwischen Gut und Böse gibt (Mildred vs. untätige Polizei und andere Brandflächen), jeder Charakter aber derart vielschichtig dargestellt wird, dass man jedwede (un)Tat im Grunde nachvollziehen kann [mit dem Gutheißen ist es ja zum Glück etwas anderes]
    Das Ende öffnet jedenfalls eine Tür, die zu Beginn des Films unmöglich erscheint, aber sie fühlt sich im Kontext der vorherigen 113 Minuten absolut richtig an.

    Martin McDonagh gelingt hier ein großartiger Film, dessen Intensität außergewöhnlich ist. Frances McDormand ist ein mehr als ernstzunehmender Kandidat für den Oscar – wobei Sally Hawkins sich nicht sonderlich dahinter verstecken muss. Aufgrund der bei mir transportierten Emotionen würde ich McDormand aber favorisieren.
    Sam Rockwell als Sheriff Dixon sollte ebenfalls nicht leer ausgehen. Großartig, wie er den betrunken Mistkerl spielt, um darin jedoch jederzeit die Verletzlichkeit seiner Seele (oh, wie das klingt) preis zu geben.
    Woody Harrelson darf in dieser Auflistung nicht fehlen. Aufgrund etwas geringerer Leinwandpräsenz als Rockwell könnte er hier wohl den Kürzeren ziehen, seine Darstellung des Sheriff Bill Willoughby ist aber ebenfalls großartig!

    Warum aber läuft dieser Film bei uns nur im Spartenkino am Rande der Stadt? Hat wirklich niemand Lust auf diesen Film? Ähnlich lief es voriges Jahr mit „Amerikanisches Idyll“. Nun gut, soll eben so sein.
    Für Menschen, die sich knapp zwei Stunden mit einem äußerst bedrückenden Thema, einer intensiven Darstellung jeden Darstellers im Film (ausgenommen freilich die Kinderdarsteller) und einer Tour der Emotionen aussetzen möchte, die nicht immer ins Positive gleiten, für den stellt der Film ein Must-see dar!
    Ich halte mich mit generellen „Musst du schauen“ Empfehlungen zurück, aber dieser Film funktioniert auf jedweder Ebene. Prima gewählter Soundtrack, dazu etliche Szenen im Film ohne musikalische Untermahlung (welche Wohltat!)…

    „Wind River“ bließ dieses Jahr schon in ein ähnliches Horn, „Three Billboards“ setzt dem Gefühl nun die Krone auf.
    Nein, man geht nicht erheitert aus dem Film. Und dennoch (oder deswegen?) bleibt er lange im Gedächtnis haften. Szenen, die so schnell nicht vergessen werden.

    „Dann geh´ich eben zu Fuß und hoffe, ich werde dann vergewaltigt!“

    10/10

    #134750
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    @derschweiger

    @thanassi

    Ja, benannte Szene fanden wir auch recht beklemmend. (oder unfreiwillig erheiternd… keine Ahnung)
    Zumindest ist es ein Film, den es in dieser Art nicht zu oft gibt. Andere hätten es möglicherweise besser hinbekommen, andere wohl auch schlechter ;)
    Bei den Oscars wird er aber wohl kaum 13 Stück abstauben, allein in den relevanten Sparten sind da Kandidaten um Längen vorraus.
    Halten wir aber dem Film zu Gute, dass man über ihn spricht (in welcher Form auch immer).

    Von Del Toro hab ich tatsächlich Einiges gesehen, aber nur „Pans Labyrinth“ lässt mich den Daumen vollumfänglich heben.
    Habe Staffel 1 von „The Strain“ geguckt und nach Folge 3 oder 4 von Staffel 2 entnervt aufgegeben. Für mich eher Kindergarten mit etwas Blut.

    #134667
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    @thanassi
    Ähnliche Eindrücke bekomme ich von einem Bekannten, der Angestellter im Kino ist, auch geschildert. :D
    Das „Ladykino“ meide ich also so gut ich kann.
    Darüber hinaus: Don Johnson war schon ne ziemlich coole Socke – von seiner Tochter hab ich aber noch nichts gesehen (zumindest bewusst).

    Gestern dafür die Sneak mit einem als „Bester Film“ Oscarnominierten Film:
    The Shape of Waters – Das Flüstern des Wassers
    (aka 50 Shades of Fish[man])

    Mit Del Toro scheint es so eine Sache zu sein (ähnlich wie Michael Bay, Peter Jackson, Tim Burton) – man mag es, oder man hat damit zu kämpfen.
    Interessehalber habe ich mal geschaut, bei welchen Filmen er Regie führt und konnte darunter eigentlich nur Pans Labyrinth als „Ah“ Moment einordnen.
    (Klar, Hellboy ging in Ordnung. Würde ich mir jedenfalls nochmals lieber anschauen als andere Comichelden)

    Nun aber der große Wurf. 13 Ocarnominierungen, darunter „Bester Film“ und „Beste Regie“.
    Ob es der Film wert ist, mögen andere beurteilen. Es ist ein nettes Märchen, in der die Leistung der Hauptdarstellerin augrund der Absurdität des Gezeigten beinahe untergeht.
    Sehr schön die zwischenzeitige Homage an „Der Schrecken vom Amazonas“. Die Titelgebende Figur wurde nun gefangen genommen und soll einigen Forschern zur Verfügung gestellt werden. (Es sollen Erkenntnisse zur bemannten Raumfahrt gewonnen werden … joa, geht schon)
    Sicherheitschef Strickland findet jedoch keinen Gefallen an dem Wesen und hegt andere Pläne.
    Die stumme Reinigungskraft Elisa hegt romantische Gefühle für das Wesen und möchte es aus dessen Gefängnis befreien.

    Del Toro bedient sich einer leicht skurillen Kulisse im Rahmen der 60er Jahre, auch die Lebensweise und Weltansicht der damaligen Zeit wird stereotyp und ohne großes Taktgefühl aufgezeigt.
    Im Grunde gibt es hier nur Schwarz und Weiß, aber wenn man es als Hommage an klassisches Monsterkino sieht, kommt das ganz gut hin. Hier und da ein paar verstreute Lacher und eine im Grunde schön Art der Erzählung.
    Aber: Ich kann mit dem Film nicht viel anfangen.

    Michael Shannons kann es doch eigentlich ganz gut, warum darf er hier nicht? Seine Darstellung des sadistischen Sicherheitschef ist klischeüberladen und an Eintönigkeit kaum zu überbieten. Einen kurzen Moment der Tiefe wird gewährt, diese Idee wird im weiteren Verlauf aber nicht weiter aufgenommen. Schade eigentlich.

    Nun gut, ein Meisterwerk also, mir erscheint es dafür aber zu plump und in den Grundzügen zu abgekupfert.
    Ein großartiges Setting, schöne Kamerafahrten, ein Biest aus dem Amazonas, dass für 2018 gut anzusehen ist, aber immernoch „das Selbe“ von damals bleibt…
    Die Vielschichtigkeit eines „Pan…“ erreicht „Shapes…“ so gut wie nie.
    Ich glaube, die Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit der Romanze zwischen Fischmensch und Frau ist es, dir mir ziemlich sauer aufstößt.
    Vielleicht bin ich aber auch derzeit nicht offen für Märchen (auch wenn ich „Edward mit den Scherenhänden“ noch immer feiere).

    Ein guter Film ist es ohne Frage, aber mit dem Gedanken der 13 Nominierungen und dem Prädikat „Meisterwerk“ (was „Dunkirk“ ja auch zur Last wurde), mehr enttäuschend als erheiternd.
    6,5/10 (Weil das Auge für bestehende Mängel mehr als entschädigt wird)

    Kleiner Nachtrag (weil man sich nicht alles merken kann)
    Sehr schöner Soundtrack :D

    #134483
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    @derschweiger

    Wer ist Daddy?

    Ich liebe Fotos, und deshalb empfand ich Teile des Abspanns als einen der Besten in diesem Jahr.
    Damit ist auch schon alles Gute gesagt.

    Kyle und Peter sind ein ungleiches Zwillingspaar. Der eine spießig, einsam (trotz Sohnemann) und scheinbar mehr dem Zufall geschuldet nicht mehr Jungfrau, der andere ein auf Hawaii lebender Schürzenjäger und stets fröhlicher und unbedarfter Mensch.
    Beide begegnen sich nach vier Jahren auf der Hochzeit ihrer Mutter wieder. Könnte schlimm werden, da Kyle nicht sonderlich viele Stücke auf Peter hält.
    Richtig schrecklich wird es allerdings erst, als Kyle und Peter erfahren, dass ihr totgeglaubter Vater nicht ihr Vater war. Stattdessen könnte sich ihre Mutter vorstellen, der wahre Vater könne ex-Football Profi Terry Bradshaw sein.
    Und da beide zeitlebens ihren Vater mehr oder weniger vermisst haben, begeben sie sich auf eine kleine Odyssee, um eben jenen in die Arme schließen zu können.

    Glenn Close, Christopher Walken, J.K. Simmons – Owen Wilson… das klingt doch erstmal nicht so schlecht.
    Warum es dennoch naiver und sinnfreier Blödsinn ist, liegt am grottigem Drehbuch (Drama, Komödie, etwas von Beiden?… ja, was denn bitte?), der miserablen Inszenierung und einem Schnitt, den wahrscheinlich ein nicht schnell genug davongelaufener Bewerber der „Filmschnitt am PC – AG“ vollziehen sollte.
    Da passt doch wirklich gar nichts. In einer Sekunde sturmverwehte Frisur, die nächste Sekunde glatt gekämmt und gescheitelt, dann nochmal sturmverweht, dann eine dritte Variante.
    Das freilich die in den Händen und abgestellen Gläser zu keinen Zeitpunkt auch nur ähnlich plaziert oder gefüllt sind, ist ja selbstverständlich.
    Fehlt eigentlich nur noch die Schnitthomage an Ed Wood: Binnen 2 Sekunden wechselt der Tag zur Nacht. Das hat man sich dann doch verkniffen, aber ernsthaft:
    Am Morgen nach der Sneak hatte ich im Grunde schon vergessen, was ich da gesehen hatte.
    (Ok, das werte ich als weiteren positiven Aspekt. Hätte schlimmer kommen können)

    Das Schauspiel aller Darsteller ist unter aller Sau – möchte man sagen. Aus Gründen der Höflichkeit verzichte ich darauf ;)
    Allein Glenn Close strahlt etwas Würde und Herzlichkeit aus. Vielleicht wollte sie auch schlecht spielen, aber so richtig konnte es nicht gelingen. Man muss aber dazu sagen, dass ihre Leinwandpräsenz nicht sehr hoch ist.

    Humor? Bei Owen Wilson eigentlich fast selbstverständlich: kaum vorhanden. Wenn alte Herren über die überragenden Sexpraktiken der ehemals Angebeteten schwafeln und die Söhne dieser Frau scheinbar vor Scham im Boden versinken… ja, das sind schon echte Brüller.
    Meisterhaft gezeichnete und schrullike Charaktäre („Eine Tuff Tuff Bahn… eine Tuff Tuff Bahn!“ [er meint einen Zug :/ ]) und schrecklich naiv dahingeschmissene Szenarien machen einen Film, neben dem „Die Simpsons – Der Film“ tatsächlich witzig erscheint.

    Für diejenigen, die beispielweise „Dirty Grandpa“, „Bad Moms“, „Sisters“ u.ä. am unteren Ende der Unterhaltungsskala sehen, gilt eine ausdrückliche Warnung: Geht nicht rein!!
    An alle anderen: Geht nicht rein! ;)

    Eingeschlafene Füße sind unterhaltsamer als diese 113 Minuten.

    3/10 (Glenn Close und Fotos im Abspann machen unglaubliche 2 Punkte! Der Dritte ist für das
    Bemühen ;))

    #134239
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    @derschweiger

    Wind River

    Großartig!
    Diese Sneak war die Wiedergutmachung der zuletzt sehr enttäuschenden Vorstellungen. Mehr Krimi als Thriller, ohne großen Plottwist, schnörkellos, geradlinig und sehr behutsam im Umgang mit der Zeichnung der Charaktäre.

    Corey, ein Wildtierjäger, wird in das Indianerreservart „Wind River“ gerufen, wo ein Puma eine Rinderherde angegriffen und gerissen hat.
    Auf der Suche nach dem Tier findet er jedoch die Leiche des Indianermädchens Natalie. Barfuß und blutverschmiert liegt sie eingefroren im Schnee und Eis der kargen Winterlandschaft im arktischen Frühling Wyomings.
    Der kurzerhand eingeflogenen FBI-Agentin Jane wird der Fall anvertraut. Aus Mangel an Polizisten und Ortskenntnissen, nimmt sie Coreys Hilfe (vor allem im Erkennen und Lesen von Spuren) an.
    Dieser hat jedoch auch ein persönliches Interesse an der Auflösung des Falls.

    Wer es rasant, schnell, Schlag auf Schlag und mit viel Krawall mag, der sollte einen Bogen um diesen Fall machen ;)
    Dialoge und Szenenbilder werden beinahe quälerisch langsam dargestellt. Hierdurch gewinnt der Film jedoch enorm an Profil, denn der Plot des Films ist tatsächlich in zwei Sätzen zusammengefasst.
    Warum „Wind River“ dennoch zu punkten weiß?
    Jonathan Renner spielt großartig den Hoffnung suchenenden Familienvater und Wieldtierjäger, der der FBI-Agentin zu gerne hilft, den Mörder zu fassen.
    Kelsey Asbille als Jane weckt zunächst den Eindruck des unerfahrenen Frischlings (den sie auch durch ihre zierliche [manche sagen womöglich „süßen“] Präsenz nicht gänzlich abzulegen weiß), beißt sich jedoch in den Fall fest und stellt sich dem rauen Klima von Mensch und Natur.

    Wenn man das Wort „Indianerreservart“ hört, mag man gleichzeitig an einen sozialkritischen Film denken.
    (Was er ohne Zweifel auch ist. Der Zweizeiler vor dem Abspann ist dann doch ein bisschen over-the-top)
    Dies weiß man hier jedoch unter der Oberfläche des Krimithemas zu belassen. Unaufdringlich aber intensiv wird das zunehmende Leid der amerikanischen Ureinwohner dieses Reservarts geschildert, ohne dabei den Blick auf den Mord und das Motiv zu verlieren.

    Den erzählerischen Aspekt zur Aufklärung des Motivs betrachte ich als eher unglücklich gewählt, mag aber innerhalb des Kontext der menschenvergessenen Landschaft stimmig erscheinen. Bei näherer Betrachtung mag der Kurslehrer im Fimmacherstudium den Daumen heben – dennoch – rein subjektiv entweder falsches Tempo oder falscher Zeitpunkt der Auflösung. Unter dem Strich ist es aber auch nicht mehr als ein kleiner Abzug in der B-Note.
    Ebenso verwunderlich die nicht auszuwischenden Fährten der Opfer und Täter, selbst nach mehreren Schneestürmen. Allerdings bin ich nicht so klimakundig, um den Realitätsgehalt entsprechend einordnen zu können. Ohne das nötige Hintergrundwissen also mehr „Mmmhh“ als „Aaaah“ ;)

    „Wind River“ ist ein Film über den Verlust von Liebe und Hoffnung, über den Kampf gegen die Verzweiflung und die ursprüngliche Natur des Menschen.
    Ein großer Wurf, der packt und fesselt.
    Großartig, auch wenn man nicht lächelnd im Sessel zurückbleibt.

    9/10

    #133970
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    Nur Gott kann mich richten

    Ein missglückter Überfall bringt Rick für fünf Jahre ins Gefängnis. Als er frei kommt, möchte er sein Leben vom Neuen aufziehen und „sauber“ leben. Allerdings fehlt dafür das nötige Startkapital.
    Glücklicherweise hat ein ehemaliger Kollege/Freund einen Tip zur Hand: Für eine Bande Albaner sollen Sie den Diebstahl von 2,5 Kg Heroin fingieren. In der Not frisst der Teufel fliegen und das Geld wächst ja nicht auf Bäumen, also ist es mit den guten Vorsätzen mal schnell dahin. Als es der Zufall so will, dass Rick´s Halbbruder (der im übrigen keinen Kotnakt mit Rick haben möchte) bei dem Deal mit einsteigt, gerät der todsichere Plan ins Wanken.

    Vor der Sneak tippte ich auf „Wunder“, meine Begleitung sagte, es sei egal – solange nicht der Bleibtreu kommt.
    Tja, dumm gelaufen, würde ich mal sagen ;)
    Meine Schadenfreude war allerdings nach ca. 4 Minuten dahin. Ihr Leid wurde mein Leid…
    Als erstes mal die Sprache: Ja, ist ein Gangsterfilm, und in Deutschland spricht kein Gangster einen Satz geradeaus – das klingt tatsächlich so:
    „Oy Alter, isch fick disch in die Fresse“, „Wir ficken sie dann, bis sie tot ist“, „ich bin so glücklich, ich fick dich – fickst du mich?“ – die obligatorischen „Fick Dich“ Rufe bekommt man dann schon gar nicht mehr mit.
    Ja klar, ist so in der Szene und ich kann nicht leugnen, die Kids in unserem Einkaufszentrum bei ähnlichen Dialogen vor der Frittenbude so reden gehört zu haben (selbstredend mit der Freundin, denn wen man liebt, den f**** man)…
    Vervollständigt wird das Gesprochene mit massenhaft „Alter“, „Fresse“, „Behindert“, „´sch schwör“.

    2. wäre zu erwähnen die Sinnhaftigkeit der handelnden Personen. Rick ist also geläutert und gottesfürchtig (sowohl im Trailer als auch in der ersten Szene dargestellt), da liegt es doch auf der Hand, den senilen Vater zurückzulassen und mit gestohlenem Geld ein sauberes Leben zu führen.
    Ok, in der Szene mag man anders denken, aber ich halte das für etwas widersprüchlich.

    Gezuckert wird der Film mit einer Polizisten, deren Tochter eine lebenswichtige Operation benötigt. Für 30.000 EUR käme sie damit etwas schneller an die Reihe. Betrachten wir den Fakt, dass es nicht allein eine besorgte Mutter, sondern Bundesbeamtim ist, dann werden Handlungsweisen und -Strategien absolut dümmlich in Szene gesetzt.

    Handwerklich ist der Streifen irgendwie in Ordnung. Wenn Autos irgendwelche Mülltonnen rammen, explodieren sie nicht in RTL-Manier und es gibt Blut, wo Blut sein soll.
    Der ein oder andere Twist ist sogar stimmig, Hut ab – will man sagen, allerdings bleibt nichts weiter übrig, was positiv ins Gewicht fallen könnte.

    Ich muss dazu sagen, dass ich Gangsterfilme durchaus gerne schaue, diese Millieuschau ist mir aber dann doch zu sehr Brennpunkt Doku ala RTLII oder Kabel1. Natürlich müssen Gangster böse Worte benutzen, aber was hier abgezogen wird… hui :/
    Die Irrungen und Wirrungen im Film sind dumm und dämlich – wozu man dann noch die Episode mit Vater und Sohn einbauen muss (ja klar, Rick ist ja vom Grunde aus nicht böse, die Umstände treiben ihn dazu. Eigentlich will er doch ganz friedlich und in Abstand von Drogen, Kriminalität… ach blablabla).
    Im Kern steckt hier ein kleiner „Hauptmann von Köpenick“ – denn ohne Pass keine Arbeit – ohne Arbeit kein Pass. Hier: Ohne Geld kein Start-up, ohne Start-up kein Geld (??)

    Wer eine Ahnung davon haben möchte, was ihn erwartet, kann auf youtube den Titelsong von Samy anklicken. Das gibt die Dinge inhaltlich wie optisch ganz gut wieder.

    Noch so ein Ding, und ich verlange Entschädigung vom Kino ;) ;)
    Aber ich bleibe besser optimistisch: Schlimmer geht nimmer

    1/10

    #133632
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    @derschweiger

    „…mögliche Enttäuschung vor Sehen des Films zu minimieren“

    Ist natürlich ein prima Wortspiel zu diesem Film :lol:<noscript>:lol:</noscript>

    Schade, mir hatte die Thematik des Films an sich gefallen und auch wenn ich mir nach dem Trailer nicht mehr ganz sicher war (obwohl der Talking Heads Song wiederum automatisch an den Film gefesselt hat ;)<noscript>;)</noscript> ), stand der Film recht weit oben auf der Liste… Jetzt werde ich wohl mit „Downsizing“ doch noch länger warten. Danke für deine Beurteilung.

    Ich bin gespannt, wie andere ihn bewerten werden. Möglicherweise liege ich hier mit meinem Geschmack ja auch so weit ab vom Tenor der Masse, wie z.B. bei „It“ :D
    Habe nochmal überlegt, ob ich was an meiner Kritik ändern würde, aber mich stört der inhaltliche Absturz nach 45 Minuten einfach zu sehr, als dass ich die durchaus gute erste Hälfte des Films belohnen möchte ;)

    #133613
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    Downsizing

    Ach, was war die Freude in der Sneak groß! Zwar nicht „3 Billboards…“, aber immerhin ein weiterer hoffnungsvoller Kandidat für beste Kinounterhaltung.
    Nach Betrachten des Trailers war ich zwar ein wenig zwiegespalten – so vermutete ich, dass der Trailer zu viel des Plots vorweg nehme und der „Oha“ Effekt flöten gehen würde -, denn ich hatte mir einen etwas ernsteren Film mit weniger Comedy erhofft.

    Nun, es gilt: Der Trailer gibt eine Stimmung vor, die in keiner Sekunde im Film wiedergegeben wird. Es ist KEINE Komödie, vielmehr ein Drama. Dank einiger überzogener Szenen und dem zuweilen arg nervigen Gehabe von Christoph Walz steht unter dem Strich wohl eher Tragödie. Soviel erstmal vorweg um eine mögliche Enttäuschung vor Sehen des Films zu minimieren.

    Um den Planeten mitsamt Ressourcen aufgrund der stetig wachsenden Bevölkerungszahl zu entlasten, gelingt es einem norwegischem Forscherteam, Lebewesen (mit Ausnahme von Fischen und Schalentieren) auf bis zu 12cm zu schrumpfen.
    Imenser Vorteil: Weniger Verbrauch der natürlichen Ressourcen und erheblich geringerer Abfall. (Wie sich das mit der nötigen Energie zum Downsizing verhält, wird im Film nicht erwähnt, scheint also wohl auf Solarbasis möglich zu sein *grübel*)
    Bald entstehen weltweit Kolonien von geschrumpften Menschen. Der größte Vorteil: Eigenkapital in Höhe von ca. 15.000 Dollar entsprechen nach dem Downsizing in etwa 12 Millionen Dollar. Die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben in einer Welt wie im Bilderbuch scheint dabei sehr verlockend.

    Auch Physiotherapeut Paul gerät mit der Zeit ins Grübeln. Seine Schulden erlauben keinen Umzug mit seiner Frau Audrey in ihr Traumhaus. Zudem trifft er einen ehemaligen Kollegen, der ihm die Vorzüge vom Leben im Miniaturformat schmackhaft macht.
    Bald schon treffen sie die Entscheidung, sich für die Aussicht auf ein besseres Leben schrumpfen zu lassen und verabschieden sich mit einer Party von Freunden und Familie.

    Ob die Tücken des Lebens hierdurch jedoch ausbleiben können?…

    So weit, so klar. Sehr schön ist es, dass wir Paul und Audrey beinahe 45 Minuten bei ihrer Suche nach Aufstieg und Wohlstand begleiten dürfen und die Beweggründe zum Downsizing nachvollziehen können. In dieser Zeit hat der Film seine größte Stärke, sieht man das Thema Downsizing global nicht als Allheilmittel, sondern begegnet der Thematik durchaus kritisch bis ablehnend. Das Für und Wider ist schön dargestellt, auch die innere Zerrissenheit Paul´s ist nahezu greifbar.

    Die Prozudur des Downsizing ist der Part, der wohl den höchsten humoristischen Part inne hat. Dennoch wird hier versucht, sie nicht plump, sondern mit einer Form der Kühle aufzuzeigen.
    Der weitere Weg des Films ist – um es mal höflich zu formulieren – handlungsmäßig überladen.
    Warum der Film ab hier entgleitet ist mir nicht ganz schlüssig, das Auftauchen der Nebendarsteller mit ihren Funktionen und handlungsverändernden Motiven ist arg lästig, um nicht zu sagen überflüssig.
    Selten habe ich einen Film gesehen, dessen großartige Ausgangslage nach ca. 45 Minuten derart gegen die Wand geprügelt wird, dass man vor Entsetzen beinahe aus dem Kinosessel fällt.
    Hong Chau als ehemalige Protestantin in Vietnam und nun zur Mini-Putzfrau degradierten Ngoc Lan Tran ist nicht nur darstellerisch sondern insbesondere in der deutschen Synchronisation eine Frechheit. Ja klar, wenn wir zum Asiaten gehen finden wir es ganz putzig (oder auch nicht), einen solchen Dialekt um die Ohren gehauen zu bekommen – das aber über eine Stunde lang ertragen zu müssen ist schon beinahe Folter.

    Christoph Walz und Udo Kier haben in ihren Nebenrollen bloß die Aufgabe, das Drama ein wenig heiter zu gestalten und mit einem hanebüchenen Storytwist den unwürdigen Untergang des Films einzuleiten.
    Ohne hier inhaltliche Wendungen vorwegzunehmen – die gewählten Wege sind schlecht.
    Der Fingerzeig, dass der Mensch durch Downsizing (Großartiger Slogan: Vielen Dank für Ihren Einsatz für unseren Planeten!) nicht besser wird, ist mir viel zu plump.
    Mit der Begrüßung Paul´s in seiner neuen Heimat und dem Hinweis, er könne jederzeit eines der bereitgestellten Fahrzeuge nutzen -> („Manchmal sind alle belegt, dann steigen Sie einfach bei jemanden ein. Dadurch lernen Sie auch mal andere Mitbewohner kennen“) ist der letzte beinahe großartige Satz gefallen.

    Downsizing möchte nicht effekthascherisch daher kommen, was für einen Film seines Formats beinahe wohltuend gefällt, verliert sich in seiner Motivation und Botschaft jedoch auf halber Strecke und gerät derart absurd und beinahe unerträglich, dass die auf dem Zuschauer eingeprügelte Botschaft mit einem herzhaftem Gähnen verpufft.
    Einzig das Ende vermag einen Bogen dahin zu schlagen, wo der Film seinen Ursprung hatte. Nach einer Stunde des Banalen dann doch noch ein zufriedenes Nicken von mir.

    Unter dem Strich: Der Trailer gibt einen Film vor, der nicht gezeigt wurde. Zudem zeigt er Szenen, die im Film nicht vorkommen und eine mögliche Belustigung weiter reduzieren.
    Ich bin froh, dass es nicht der angedeutete Comedy-Hit war, aber doch erschrocken über den 08/15 Sozialkritischen Haufen, der mir nach einem prima Einstieg vorgesetzt wurde.
    Matt Damon überzeugt in seinem Spiel auf voller Linie, das muss man zugute halten.
    Walz und Kier sind skurriel, nicht mehr und Chau…. ne, sag ich nicht.

    Ich freue mich für jeden, der diesem Film etwas abgewinnen kann und die Wege des Dramas als großartig gewählt betrachten mag, aber ich leide vielmehr darunter, dass etwas sehr Gutes durch etwas erschreckend Unmotiviertes und Recyceltes ersetzt wurde.
    Nach diesem Abend möchte ich „Das Leben ist ein Fest“ mit mindestens einem Punkt mehr belohnen!

    3,5/10

    #133551
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    Jean-Claude van Johnson

    Zufällig auf Prime entdeckt und eingeschaltet. Ja Mensch, dass der gute Jean-Claude so viel Humor besitzt war mir völlig fremd. Rassiger Klamauk, der insbesondere vor dem Schaffen des Kickboxer kein Halt macht und es durchaus genüsslich durch den Kakao zieht.
    Meine Frau ist mit seiner Filmografie nicht so sehr vertraut und hatte mit der Serie nicht ganz so viel Spaß.

    Vielleicht wäre hier ein bisschen weniger dick aufzutragen mehr gewesen, aber die ersten Folgen machen Spaß und sorgen für den ein oder anderen Lacher -> wie schon von @peda geschildert.
    Dass der Film im Film dann aber so unmöglich sein muss (Du findest irgendwann einen anderen Pinsel) ist mit ein Punkt, der auf die Contra-Seite geschrieben werden muss.

    Sympathiepunkte für einen gut aufgelegten Jean-Claude (Hallo Pierre :D), das Wiedersehen mit Phylicia Rashad ist ebenso erfreulich.
    Ich fürchte, die Nummer könnte auch schnell ausgelutscht sein, aber heute Abend kommt eine weitere Folge in die Stube ;)
    Anfänglich 7,5/10

    #133550
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    The Good Doctor

    Am Wochenende mal ein wenig in neue Serien geschnuppert und dabei „The good Doctor“ entdeckt.
    Irgendwie weckt der junge Kerl ja tatsächlich etwas sympathie, die ersten drei Folgen waren auch etwas kauzig, aber irgendwie werde ich nicht so richtig warm damit. Weiterschauen werde ich, allein weil meine Frau die Serie mag. Das Erzähltempo (wenngleich nicht die Erzählstränge) ist gut und mit dem Versuch ein wenig Tiefe einzuführen. In direkter Konkurenz zu Doogie Howser derzeit klar in Front ;)
    Dennoch halte ich für mich fest: Ärzteserien sind irgendwie nichts für mich.

    5,5/10

    #133411
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    Das Leben ist ein Fest

    Die französische Welle in der Sneak setzt sich fort – was nicht jedem Zuschauer zu gefallen mag.

    Max ist seit vielen Jahren Hochzeitsplaner und geht nun langsam auf die berufliche Zielgeraden ein.
    Er ist bemüht, die Wünsche seiner Kunden exakt und mit viel Liebe zum Detail auszuführen. Die Hochzeit, zu der wir ihn in diesem Film begleiten dürfen, wird jedoch überschattet von den vielen Stolperfallen, die auf dem Weg zur Perfektion auftauchen können.
    Diese führen über eine cholerische Assistentin, eine zu platzen drohende Affäre, schwarz arbeitenden Aushilfen, dem talentfreien Ersatz der gebuchten Band und ein Fotograf, der vordergründig als Raubein auffallen mag, zu einem Bräutigam, dem das Arrangement sichtlich missfällt und keinen Zweifel daran lässt, dass nicht die Hochzeit sondern er der Star des Abends ist.
    Lässt sich das drohende Fiasko abwenden?

    Wir werfen hier einen Blick hinter die Kulissen einer teuren und aufwändigen Hochzeitsfeier, erleben ein wenig die Hektik und die ständige Arbeit, die geleistet werden muss und erfahren, dass hier auch nur Menschen mit ihren Sorgen, Problemen und eigenen Arten des Humors stehen.
    Ein Film, der beinahe ohne einen einzigen richtigen Höhepunkt ins Ziel gefahren wird und der keine große Wahl darin lassen wird, ob man ihn mag oder nicht.
    Der eingestreute Humor ist manchmal arg plump, funktioniert hin und wieder jedoch ganz gut – allerdings nicht wirklich, wenn die notorisch arbeitslose Aushilfe die Champagnerflöten bringen soll…

    Jean-Pierre Bacri trägt den Film so souverän und herzensgut, wie seine Figur im Film. Es ist ein Genuss ihm dabei zuzusehen, wie er die Feier wie ein Dirigent zu führen weiß und in vielen aussichtslosen Momenten ein Hintertürchen findet.
    Jean-Paul Rouve gefällt als sich selbst überschätzender Fotograf, dem leider eine Storyline aufgezwungen wird, die doch etwas deplaziert wirkt.
    Beinahe alle anderen Darsteller wissen in ihren Rollen zu gefallen, auch wenn sie mit Ausnahme von Eye Haidara keine sehr große Bedeutung für den Film haben. Hier sehe ich die größte darstellerische Schwäche des Films. Weder Charakter noch Darstellung der Figur können mir gefallen.

    „Das Leben ist ein Fest“ sind viele Szenen, die häufig als ohne roten Faden aneinandergereiht empfunden werden können – doch finden sie alle gegen Ende zu einem Knoten zusammen, der sowohl peinlich wie auch wundervoll in Szene gesetzt wird. Ein Jammer, dass der Trailer diese Szene vorweg nimmt.

    Unter dem Strich bleibt hängen, dass es für eine Komödie recht wenig zu lachen gibt, aber auch wenn die Schenkelklopfer fehlen, weiß Jean-Pierre Bacri den Zuschauer einzufangen und ihn mit auf die Reise zu nehmen.
    Nicht alles erscheint logisch, und das Ende mag dabei vielleicht auch nicht so ganz ins Bild passen.
    Ein Film, der womöglich nicht viele Freunde haben wird, was möglicherweise mit dem Schlingerkurs der Heiterkeit zu tun haben mag. Hätte die Komödie den Weg in die Tragödie gefunden, wäre sie vielleicht etwas intensiver hängen geblieben, so jedoch erinnert man sich an einige schöne Szenen, den ein oder anderen netten Menschen und verabschiedet sich mit der Höflichkeitsfloskel „War nett bei euch, vielleicht sehen wir uns wieder“

    Objektiv eine 5, wenn nicht gar etwas darunter – persönlich aber, weil mir die Rolle des Max sehr gefiel und mir einige Zwischentöne des Films sehr zugesagt haben:
    6,5/10

    #133196
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    Hacksaw Ridge

    Uh, welch Pathos, welch Heldenformung, welch Schwarz/weiß Malerei… und überhaupt: Mel Gibson!
    Ne, das empfand ich gänzlich anders.
    Alleine der Name Mel Gibson hinter Kamera (vor der Kamera empfand ich seine jüngsten Auftritte – vermutlich auch dem Drehbuch geschuldet – als wenig erwähnenswert) lässt mich frohlocken.

    Die Verfilmung des Kampfes um den Hacksaw Ridge aus Perspektive des Soldaten Desmond Doss, der aufgrund religiöser Überzeugung (und Angst vor sich selbst) jegliche Form der Gewalt ablehnt.
    Dabei betrachtet er den Krieg gegen die Japaner spätestens seit Pearl Habor als persönliche Angelegenheit, die es zu klären gälte. Seinem Land möchte er weniger mit dem Ermorden des Feindes, sondern vielmehr mit dem Retten von US Soldaten dienen.
    Im Ausbildungslager wird diese Haltung jedoch wenig euphorisch aufgenommen.

    Andrew Garfield empfand ich als glaubwürdig in seiner Rolle, Teresa Palmer sehr hübsch anzuschauen – alle anderen Nebendarsteller (auch Vince Vaughn, dessen Besetzung wohl auch gewisses Wagnis beinhaltet) machen ihre Sache gut bis sehr gut (Großartig: Hugo Weaving!).

    Die Darstellung der Kämpfe um das Plateau sind äußerst explizit. Man kann Gibson durchaus einen Hang zur Gewaltdarstellung zuschreiben (manche nennen das Gewaltverherrlichend), so wurde mit Jesus und einigen Maya schon in vorherigen Projekten wenig zimperlich umgegangen, für mein persöliches Befinden vielleicht tatsächlich 5 Minuten zu lange projeziert.
    Dass Soldat Doss inmitten dieses Chaos 75 Soldaten unter Einsatz seines Lebens retten konnte, mag dick aufgetragen klingen – Augenzeugen berichten jedoch, er habe tatsächlich 100 Menschen gerettet, insofern ist die Kritik an den Haaren herbeigezogen.
    Störend ist hier aber ohne jeden Zweifel der Score, der dem Zuschauer ohne Pardon in die Ohren treibt, was er nun bitte zu empfinden habe.
    Hier hätte ich Herrn Gibson tatsächlich mehr Fingerspitzengefühl zugetraut und die radikale Kampfdarstellung ohne Begleitmusik erhofft.

    Nun gut, etwas mehr als 2 Stunden Filmvergnügen, die sich Dank glaubhafter Chemie zwischen den Hauptdarstellern im ersten Drittel des Films höchstens seine Längen im Bootcamp hat, wo der Konflikt des Waffenverweigerers Doss mit dem Rest der Kompanie noch beinahe freundschaftsbildend dargestellt wird (ich befürchte, die Wahrheit könnte etwas schmerzhafter für ihn ausgefallen sein).

    Hacksaw Ridge ist nicht der beste Kriegsfilm, zeigt ihn jedoch aus einer recht interessanten Perspektive und verleiht dem Genre eine weitere kleine Facette, bleibt jedoch ein Stück hinter den Erwartungen und Möglichkeiten zurück.
    Dennoch recht unterhaltsam.

    8/10

    #133194
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    Hidden Figures

    Als ich voriges Jahr den Trailer sah dachte ich mir noch, oh – der könnte gut sein.
    Gestern dann gesehen und irgendwie ist mir so gar nichts hängen geblieben.

    Sicher, ein ungemein wichtiges Thema (zudem eines das zeigt, wie rückständig man in Punkto Menschenrechte in den USA vor noch gar nicht allzulanger Zeit war), die jedoch ein bisschen zu dick aufträgt und zudem an mangelnder Emotionalität leidet. Damit meine ich gar nicht mal die Tränendrüse, aber vergleichen wir das mal mit z.B. „The Butler“, dann zeigt sich sehr offensichtlich, wo man noch Aufholbedarf hat.

    Vielleicht waren mir die dargestellen Charaktere einfach zu unbedeudent, als dass ich mögliche Sympathien hätte entwickeln können.
    „Dr. Sheldon Cooper“ zeigt außerdem, was er ohne seine Buddies tatsächlich ist – ein humorloser Egomane. (ja klar, andere Rolle, anderer Charakter [hüstel]…), Kevin Costner überraschend fad und teilnahmslos und bei Kirsten Dunst halte ich für mich fest, dass ich sie nur in einer handvoll Filme für mindestens glaubhaft halten konnte (Melancholia, Virgins Suicide, Spiderman und Vergissmeinnicht – ihre Kinderrollen klammere ich mal aus) – hier zeigt sie ganz offensichtlich, dass sie weder mit dem Thema noch der Rolle etwas am Hut hat.
    Sehr schade eigentlich – oder einfach in einer falschen Stimmung geschaut?

    Zugeben muss ich zudem, dass ich dieses Thema nicht bevorzugt im Film schaue – vielleicht noch als Randnotiz in Filmen/Serien die in jener Ära spielen, allerdings zeigt z.B. „The Butler“, dass man mich mit soetwas tatsächlich aus den Schuhen holen kann!
    Vielleicht bekommt der Film nächstes Jahr noch eine Chance, aber vorerst bleibt es mal bei
    5/10

    #133193
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    The Beauty and the Beast

    Gesehen wurde die Realverfilmung. Hat mich völlig kalt gelassen. Der Hauptgrund: das hölzerne Spiel von Emma Watson. Selten in letzter Zeit so eine schlechte Schauspielerin gesehen.

    Beruhigend, dass es nicht nur mir so geht. Ich bin nicht grundsätzlich gegen sie als Darstellerin, doch ihre jüngeren Auftritte (Colonia Dignidad + The Circle) empfand ich beinahe als Belästigung.
    „Die Schöne und das Biest“ habe ich noch nicht geschaut – zum Glück war meine Frau mit einer Freundin im Kino, da wird der Kelch noch eine Weile an mir vorbeigehen :D

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